In der vorliegenden Hausarbeit werde ich zunächst eine aktuell angemessene Definition von Bildung herausarbeiten, um anschließend Volker Steenblocks Analyse zum Umgang mit heterogenen Klassen darzulegen.
Faktenwissen, auch das jeweilige Wertsystem, wird für ein gemeinsames Leben gelehrt. Eine große Diskussion über dieses Thema kann allerdings nicht nebenbei, zum Beispiel im Deutschunterricht angebrochen werden. Mit dem relativ jungen Fach der praktischen Philosophie hat sich hier ein Raum eröffnet, der eine solche Auseinandersetzung mit Kultur, Normen und Lebensweise geradezu anzieht. Aber ist es überhaupt möglich in einer multikulturell zusammengesetzten Klasse über Werte und Normen zu debattieren, wo wir doch selbst so vorgeprägt sind durch die europäische Aufklärungskultur? Und wie steht es mit der Bildung in diesem Zusammenhang? Soll die Institution Schule überhaupt weiterhin einen so großen Einfluss auf das Leben unserer Kinder haben, oder sollte sie sich doch lieber auf ein vermitteln von Fakten spezialisieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Bildung
2.1 Philosophie in der Gesellschaft
2.2 Kulturelle Heterogenität im Klassenzimmer
2.3 Vielfalt bringt Nutzen
2.4 Philosophieren als kulturelle Teilhabe
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten der Vermittlung moralischer Bildung im Philosophieunterricht unter Berücksichtigung einer zunehmend heterogenen Schülerschaft. Die Forschungsfrage widmet sich der Herausforderung, wie Schülerinnen und Schüler in einer multikulturellen Umgebung dazu befähigt werden können, selbstständig ethische Werte zu reflektieren und als handlungsfähige Individuen Verantwortung zu übernehmen.
- Begriffliche Herleitung und moderne Interpretation von Bildung
- Philosophie als Orientierungshilfe in der säkularen Gesellschaft
- Herausforderungen durch kulturelle Heterogenität im Unterricht
- Didaktische Ansätze zur Förderung von Mündigkeit und Partizipation
- Die Rolle der Hermeneutik im interkulturellen Diskurs
Auszug aus dem Buch
Philosophieren als kulturelle Teilhabe
An diesem Punkt wird deutlich, wie nah Steenblock bei seiner Auslegung dem von Ekkehard Martens geprägten Begriff des Kulturvollzugs ist. Martens sieht Philosophie grundsätzlich als „Antwortversuch auf gesellschaftliche Orientierungserwartungen […] auf die ursprünglich sokratische Frage nach dem guten Leben“ Zur Beantwortung dieser Frage brauchen wir jedoch keine Sammlung von Theorien, Erkenntnissen oder Produkte der Tradition. Gesucht ist eine Tätigkeit. Deswegen ist das primäre Ziel des philosophieren ein Kompetenzerwerb, und kein Wissenserwerb.
So soll der/die Philosophie-Schüler/in beim Umkreisen der Kantischen Fragen „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ mit einem „Argumentationsarsenal“ ausgestattet sein. Gleichwohl ist er/sie dabei nur Teil eines Kontinuums der Denkgeschichte.
Dem entsprechend fasst Steenblock Martens zusammen: „Philosophie ist eine eminente Form bewusster Kulturteilhabe: wir können als Menschen gar nicht leben bzw. einen halbwegs anspruchsvollen Begriff unseres Menschseins nicht realisieren, so lässt sich hier behaupten: ohne ein mehr oder weniger bewusstes Selbst und Weltverhältnis zu entwickeln. Dieses Denken methodisch klarer zu gestalten und ihm die Sinngehalte der Philosophie zu vermitteln, ist die Aufgabe philosophischer Bildung.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Globalisierung und die daraus resultierende Herausforderung für das Bildungssystem, in einer multikulturellen Gesellschaft ethische Werte zu vermitteln.
2. Der Begriff der Bildung: Dieses Kapitel erläutert den klassischen Bildungsbegriff nach Humboldt und Kant und setzt ihn in den Kontext moderner pädagogischer Anforderungen.
Philosophie in der Gesellschaft: Dieser Abschnitt beleuchtet den Wandel der Philosophie von einer exklusiven Disziplin hin zu einer praktischen Lebens- und Handlungsorientierung.
Kulturelle Heterogenität im Klassenzimmer: Hier wird die Problematik thematisiert, dass Philosophieunterricht in zunehmend diversen Lerngruppen nicht mehr auf ein einheitliches Weltbild aufbauen kann.
Vielfalt bringt Nutzen: Dieses Kapitel stellt das Konzept der polylogisch-reflexiven Diskussion vor, bei der Empathie und Rollenübernahme als Schlüssel für ein gelingendes Miteinander dienen.
Philosophieren als kulturelle Teilhabe: Hier wird argumentiert, dass Philosophie eine Form bewusster Teilhabe an der Kultur darstellt, die durch hermeneutische Ansätze das Verständnis für das Eigene und Fremde fördert.
3. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass moralische Bildung lehrbar ist, sofern der Unterricht die Selbstständigkeit der Schüler fördert und als Instrument zur aktiven Lebensgestaltung fungiert.
Schlüsselwörter
Bildung, Philosophieunterricht, Ethik, Moral, Kulturelle Heterogenität, Mündigkeit, Handlungsorientierung, Wissenserwerb, Kompetenz, Volker Steenblock, Immanuel Kant, Hermeneutik, Interkulturelle Toleranz, Selbstständigkeit, Weltverhältnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen, Moral und ethische Bildung in einem zunehmend heterogenen Philosophieunterricht zu vermitteln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der Bildungsbegriff der Aufklärung, der Wandel gesellschaftlicher Normen, didaktische Ansätze in heterogenen Klassen sowie die Bedeutung der Hermeneutik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Schüler durch philosophische Bildung befähigt werden können, selbstständig zu denken und verantwortungsvoll in einer pluralistischen Gesellschaft zu handeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse didaktischer Konzepte von Autoren wie Volker Steenblock und Ekkehard Martens basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Bildungsbegriff, die gesellschaftliche Rolle der Philosophie, die Problematik der Heterogenität im Klassenzimmer und Strategien zur kulturellen Teilhabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bildung, Mündigkeit, Handlungsorientierung, kulturelle Heterogenität und philosophische Didaktik.
Wie steht die Autorin oder der Autor zum Begriff der Bildung?
Bildung wird nicht als bloßes Anhäufen von Fakten, sondern als Prozess zur selbstständigen Wissensanwendung und moralischen Urteilsfähigkeit definiert.
Inwiefern beeinflusst die Herkunft der Schüler den Unterricht?
Die kulturelle Vielfalt macht laut der Arbeit eine einseitige Vermittlung von Werten unmöglich; stattdessen ist Offenheit und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme gefordert.
Welche Rolle spielt die Hermeneutik in diesem Zusammenhang?
Die Hermeneutik dient als methodische Grundlage, um das Verstehen des „Anderen“ und damit die interkulturelle Verständigung in der Schule zu ermöglichen.
Wird die These der Arbeit am Ende bestätigt?
Ja, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein reflektierter Philosophieunterricht sehr wohl einen positiven Einfluss auf die Lebenswelt und das moralische Handeln der Schüler nehmen kann.
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- Christoph Höveler (Autor), 2014, Vielfalt als Chance im Philosophie-Unterricht. Der Umgang mit heterogenen Klassen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324094