Wenn Stress krank macht. Das Burnout-Syndrom in sozialen Arbeitsfeldern


Hausarbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
I. Teil: Allgemeines zum Burnout-Syndrom
1. Definition von Burnout
2. Symptomatik von Burnout
3. Ursachen des Burnout-Syndroms - vom Überengagement zur Überbeanspruchung
3.1 Gesellschaftliche Hintergründe
3.2 Stress - Vorbote von Burnout
4. „Klassische Burnout-Berufe“
4.1 Frauen und Burnout-Gefahr
4.2 Burnout in Zahlen – Wie viele Personen sind betroffen?
5. Diagnostik von Burnout – die Bestandsaufnahme
II. Teil – Bewältigungs- und Präventionsmöglichkeiten von Burnout und Stress
6. Bewältigung von Burnout und Stress
6.1 Therapie
6.1.1 Lauftherapie und Bewegungstraining
6.2 NLP – Neurolinguistisches Programmieren
6.3 Psychodrama
6.4 Entspannungstechniken
6.4.1 Autogenes Training
6.5 Supervision
6.6 Gesprächsgruppen und Teamsitzungen
6.6.1 Reden und Austauschen
6.7 Teilnahme an Fortbildungen und Workshops
6.8 Psychohygiene – seelischer Gesundheitsschutz
6.9 Transaktionsanalyse
6.10 Soziale Unterstützung als Alternative zu professioneller Hilfe
6.11 Coping - Bewältigungsverhalten
7. Burnout-Prävention – damit es erst gar nicht dazu kommt
7.1. Maßnahmen des Arbeitgebers
7.2 Maßnahmen während der Ausbildung
8. Fazit
9. Literatur- und Quellenverzeichnis
9.1 Literatur
9.2 Quellen

Einleitung

„Stress müssen wir alle aushalten. Er gehört zum Leben. Aber so wie der Rhythmus im gesellschaftlichen Leben verloren gegangen ist, so fehlt er auch im Privatleben. Man bewundert etwa eine Stadt, die (wie im berühmten Song von Frank Sinatra) ‚niemals schläft’: New York. Ob es den Bewohnern gut geht? Das Gehtempo auf der Wall Street in New York soll etwa doppelt so hoch sein das wie in einem griechischen Dorf. Menschen auf der Flucht? Vor dem Stress? Vor einer ungewissen Zukunft? Vor sich selbst?“ (Kolitzus 2003, S. 43)

Diese Hausarbeit gliedert sich in zwei Teile: Teil I befasst sich mit allgemeinen Fragen zum Burnout-Syndrom bei Personen, die in sozialen Bereichen tätig sind.

Teil II behandelt Bewältigungs- und Präventionsmöglichkeiten von berufsindiziertem Stress und Burnout.

I. Teil: Allgemeines zum Burnout-Syndrom

1. Definition von Burnout

„Burnout“, der englische Begriff für „Ausbrennen“, (Fengler 1992, S. 103) gilt als langwieriger Prozess (Burisch 1989, S. 18) und wird als „schleichend beginnender oder abrupt einsetzender Erschöpfungszustand körperlicher, geistiger oder gefühlsmäßiger Art“ (Fengler 1992, S. 103) beschrieben. In der Medizin wird Burnout als „psychovegetativer Erschöpfungszustand“[1] definiert.

Burnout beschreibt einen „Zustand berufsbezogener chronischer Erschöpfung und Leistungsschwäche vor allem bei Menschen in sozialen Berufen mit hoher Arbeitsbelastung und zunehmend in Berufen mit hohem Leistungsdruck; Endzustand eines Prozesses, bei dem am Anfang Idealismus, erhöhter Arbeitseifer und Begeisterung im Berufsleben stehen.“[2]

Herbert J. Freudenberger ist der Schöpfer des Burnout-Begriffs. Der amerikanische Psychoanalytiker entdeckte in den 1970er Jahren erstmalig Symptome dieser Krankheit.

„Exemplarisch konnte er hier [bei Medizinern] beobachten, wie aus Samaritern innerhalb einiger Zeit depressive Zyniker wurden, die ihre Patienten immer abweisender und gleichgültiger behandelten.“[3]

Jedoch erweist es sich als sehr schwierig, eine allgemeine Definition für Burnout vorzunehmen. Viele der Symptome treffen auch bei Menschen zu, die nicht unter Burnout leiden (vgl. Burisch 1989, S. 8).

2. Symptomatik von Burnout

Burnout kann bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sein. Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome gilt Burnout als Syndrom bzw. „Sammelsurium von möglichen schwächeren oder stärkeren Symptomen“ (Kolitzus 2003, S. 20), was es u.a. so schwierig macht, eine einheitliche Definition zu finden (vgl. Wagner 1993, S. 21).

Burnout kann sich in mehreren Stufen entwickeln.

Die Symptome sind anfänglich meist psychischer Natur, z.B. in Form von Depressionen, Unlust und Schlafstörungen. Reizbarkeit, Misstrauen sowie ein Gefühl des Versagens und der Überforderung werden ebenfalls zu bekannten Burnout-Symptomen gezählt (vgl. Wagner, 1993, S. 5 f).

Als weitere Symptome gelten Energieverlust, körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit, psychosomatische Beschwerden, Kontaktvermeidung, Gereiztheit und Gleichgültigkeit etc. (vgl. Kernen 1998, S. 17 ff; S. 35).

Häufig führt berufsindizierter Stress zu Libidomangel, wodurch sich der Betroffene in verstärktem Alkohol- und Zigarettenkonsum und durch das Aufbürden von noch mehr Arbeit Ablenkung sucht (vgl. Kolitzus 2003, S. 51).

Darüber hinaus sind Selbstmitleid, Schuld- und Schamgefühle tägliche Begleiter von Burnout-Betroffenen (Kolitzus 2003, S. 21).

Burisch (1989, S. 13 ff) hat den Verlauf des Burnout-Syndroms von anfänglichen Symptomen bis zum Ausbruch der Krankheit in folgenden Kategorien zusammengefasst:

1. Warnsymptome der Anfangsphase
2. Reduziertes Engagement
3. Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisung
4. Abbau
5. Verflachung
6. Psychosomatische Reaktionen
7. Verzweiflung

Fengler (1992, S. 109) teilt die Burnout-Entwicklung zehn Stufen:

1. Freundlichkeit und Idealismus
2. Überforderung
3. Geringer werdende Freundlichkeit
4. Schuldgefühle darüber
5. Vermehrte Anstrengung
6. Erfolglosigkeit
7. Hilflosigkeit
8. Hoffnungslosigkeit
9. Erschöpfung, Abneigung gegen Klienten, Apathie, Aufbäumen, Wut
10. Burnout: Selbstbeschuldigung, Flucht, Zynismus, Sarkasmus, psychosomatische Reaktionen, Fehlzeiten, große Geldausgaben, Unfälle, Dienst nach Vorschrift, Selbstmord, Liebschaften, Scheidung, plötzliche raptusartige[4] Kündigung, sozialer Abstieg, Aus-dem-Tritt-Kommen usw.

3. Ursachen des Burnout-Syndroms - vom Überengagement zur Überbeanspruchung

Burnout kann unterschiedliche Ursachen haben. Die Krankheit kann zum Beispiel durch psychologischen Rückzug von der Arbeit als Reaktion auf übermäßigen Stress und zu starke Unzufriedenheit entstehen.

Darüber hinaus wird Burnout wird als Folge von Überengagement bezeichnet. Zu Beginn des Berufslebens wird meist mit Überengagement an den neuen Beruf herangetreten, was sehr schnell zur Überbeanspruchung und Selbstdistanzierung führen kann.

Bei Überforderung wird ungesunder Stress produziert, was zum Burnout führen kann Der Grad der Stressanfälligkeit hängt u.a. von den eigenen Ressourcen und der Nutzung dieser ab.

Vor allem in sozialen Arbeitsfeldern besteht die Gefahr der inneren Erschöpfung, da der ständige Anspruch besteht, sich emotional vollständig den Klienten zu widmen, außerhalb der Arbeit abzuschalten und zu vergessen. Misserfolgserlebnisse, d.h. das Gefühl des Versagens, zum Beispiel, wenn einem Klienten nicht weitergeholfen werden konnte, und darüber hinaus das Verdrängen des übermäßigen Stressempfindens, können die Burnout-Gefahr vergrößern.

Aus zu hohen Erwartungen an die eigenen Leistungen können Frustrationen als weitere Ursachen für Burnout resultieren (vgl. Kolitzus 2003, S. 30; S. 44; Kernen 1998, S. 17).

Wenn Sozialberufler häufig Misserfolgssituationen erleben, die „Diskrepanz zwischen helfen wollen und helfen können“ (Wagner 1993, S. 22) immer größer wird, kann sich des Weiteren innere Frustration einstellen (vgl. Wagner, 1993, S. 22; Aronson 1989, S. 60 f).

Soziale Berufe wählen meist Menschen mit einem großen Einfühlungsvermögen. Viele verbinden ihre persönlichen Lebensgeschichten mit ihrer Berufswahl, was auf der einen Seite in bestimmten Berufsbereichen die Empathie steigern, auf der anderen Seite jedoch auch das „Mit-Leiden“ verstärken kann (vgl. Aronson 1989, S. 65). Aronson u.a. (1989, S. 65) benennt hierzu das Beispiel der Arbeit mit vernachlässigten und misshandelten Kindern. Wenn Menschen, die selbst in ihrer Kindheit misshandelt oder vernachlässigt wurden, in diesem Bereich tätig sind, können diese sich zwar besser in die Lage ihrer Klienten hineinversetzen, aber auch viel zu gut nach- und mitempfinden, was jeder einzelne Klient durchgemacht hat. Problematisch wird es, wenn es zu schwer fällt, eine klare Trennung zwischen Berufs- und Privatleben vorzunehmen.

Zentrum der sozialen Arbeit sind die Klienten und ihre Bedürfnisse. Bedürfnisse von Sozialberuflern müssen weitgehend zurückgefahren werden. „Persönliche Bedürfnisse in der beruflichen Rolle sind nicht legitim“ (Aronson 1989, S. 65), wie es „Helfern“ schon in ihrer Ausbildung und im Studium vermittelt wird. Die Studieninhalte sozialer Berufsfelder sind meist theoretisch konzipiert und schulen die Auszubildenden weder im direkten Umgang mit ihren späteren Klienten, noch im Umgang mit beruflichen Stresssituationen (vgl. Aronson 1989, S. 65 f).

Auch bei ärztlichen Untersuchungen werden die Ursachen für die Burnout-Erkrankung nicht berücksichtigt. Der Behandlungsschwerpunkt wird von Ärzten oft auf die Heilung der Symptome gelegt, ohne die Ursachen zu hinterfragen (vgl. Kolitzus 2003, S. 20).

3.1 Gesellschaftliche Hintergründe

Wagner (1998) sieht die Ursache von Burnout auch im sozialen, gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Wandel sowie in der damit einhergehenden Individualisierung in der Gesellschaft (vgl. Wagner 1998, S. 73 ff).

Kolitzus (2003) bezieht sich bei diesem Punkt auf die Studien von Maslach und Leiter: „Burnout [ist] nicht das Problem der Menschen selbst (…), sondern das Problem des sozialen Umfelds, in dem Menschen arbeiten“ (Kolitzus 2003, S. 34).

Kolitzus betont darüber hinaus den Unterschied zwischen der früheren und der heutigen Gesellschaft in der strikten Trennung zwischen Arbeit und Feiertag, was früher rigoros eingehalten wurde und heute - auf Grund des Konkurrenzverhaltens, etwas erreichen zu wollen und fleißiger als andere zu erscheinen – mehr und mehr zurückgeht. (vgl. Kolitzus 2003, S. 44).

3.2 Stress - Vorbote von Burnout

Stress wird definiert als eine durch Anspannungen hervorgerufene Belastung und Anstrengung.

In der Urzeit der Menschheitsgeschichte war Stress eine ganz natürliche Alarmreaktion auf verschiedenste Gefährdungs- oder Bedrohungssituationen, die blitzschnell Kampf- und Fluchtbereitschaft bewirkte.

Auch in der heutigen Zeit ist dieser Mechanismus im Menschen erhalten geblieben. Heute kommen Zeit- und Leistungsdruck zu Stressindikatoren hinzu.

Bei vielen Menschen kann Stress nicht abgebaut werden, wenn eine Stresssituation auf die nächste folgt, und weder adäquaten stressabbauenden physischen Tätigkeiten (wie zum Beispiel in der Urzeit Kampf oder Flucht) nachgegangen wird, noch der Körper Erholung bekommt.

Darüber hinaus wird häufig Stress nur bedingt oder gar nicht wahrgenommen. Beispielsweise wird ein Durcheinander von verschiedenen Emotionen wie Frustration, Wut, Trauer oder auch ein stetiger hoher Lärmpegel, hervorgerufen von viel befahrenen Straßen oder Baustellen etc. als mögliche Stresssituation ignoriert. In solchen Fällen bekommt der Körper unter Umständen kaum den nötigen Raum zur Entspannung, was für den Stressabbau förderlich ist, wodurch es zu chronischem Stress kommen kann:

„Stress entwickelt sich zu Dauerstress – und dieser wird schließlich zum Burnout mit körperlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen“ (Kolitzus 2003, S. 43).

Wichtig ist der Aspekt des Umgangs mit Stress. Wenn man mit Stresssituationen gut umgehen kann, ist die Gefahr, an Burnout zu erkranken, geringer (vgl. Kolitzus 2003, S. 42ff).

Voraussetzung zu einem guten Umgang mit Stress ist ein stabiler Organismus, denn so können Stresssituationen gut bewältigt werden. Anders ist es, wenn es keine nötigen Erholungs- und Entspannungsphasen gibt. In diesem Fall folgt einer anfänglichen Alarm- und einer anschließenden Resistenzphase eine Phase der Erschöpfung und daraufhin der Dauerstress (vgl. Burisch 1989, S. 28 ff).

4. „Klassische Burnout-Berufe“

Stresssituationen können in allen Berufen auftreten. Burisch (1989, S. 27) ist der Ansicht, dass „Burnout-Prozesse in jedem Beruf, an jedem Arbeitsplatz und in jeder Lebenssituation möglich ist“.

Vor allem im Dienstleistungsbereich, zum Beispiel bei Ärzten, Anwälten, Polizisten und Managern ist das Burnout-Syndrom häufig vorzufinden.

Besonders vom Ausbrennen betroffen jedoch sind Menschen, die im sozialen Bereich bzw. in „helfenden Berufen“ (Burisch 1989, S. 9) tätig sind, zum Beispiel Lehrer, Psychotherapeuten und Sozialpädagogen (vgl. Fengler 1992, S. 103 f). Burnout ist einer der Hauptgründe, warum sich viele Sozialarbeiter nach kurzer Zeit wieder aus diesem Berufszweig entfernen (vgl. Fengler 1992, S. 122).

„Mit Ausnahme einiger weniger Kategorien handelt es sich sämtlich um Berufe oder Rollen, von denen nicht nur Hilfe im technischen Sinne erwartet wird (also Versorgen, Beraten, Anleiten, Heilen, Schützen), sondern auch emotionale Zuwendung, die, weil professioneller Natur, beim Ausbleiben von Gegenseitigkeit nicht versiegen darf“ (Burisch 1989, S. 11).

[...]


[1] Vgl. http://www.wissen.de, siehe Quellenverzeichnis, S. 18

[2] Vgl. http://www.wissen.de, siehe Quellenverzeichnis, S. 18

[3] Vgl. http://www.wissen.de, siehe Quellenverzeichnis, S. 18

[4] lat. raptus: fortgerissen, geraubt (d. h. dem Verstand, der Vernunft entrissen); stürmischer Krankheitsanfall, heftige Erregung, Koller (vgl. http://www.wissen.de , siehe Quellenverzeichnis, S. 18)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wenn Stress krank macht. Das Burnout-Syndrom in sozialen Arbeitsfeldern
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V324156
ISBN (eBook)
9783668232709
ISBN (Buch)
9783668232716
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wenn, stress, burnout-syndrom, arbeitsfeldern
Arbeit zitieren
Dipl.-Päd. Katharina Gorski (Autor), 2007, Wenn Stress krank macht. Das Burnout-Syndrom in sozialen Arbeitsfeldern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324156

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wenn Stress krank macht. Das Burnout-Syndrom in sozialen Arbeitsfeldern


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden