Die Bedeutung der ausgetragenen TV-Duelle zwischen Politikern ist im Laufe der Jahre zunehmend gewachsen. Mittlerweile gehören sie möglicherweise zu wahlentscheidenden Auseinandersetzungen, kurz vor wichtigen bevorstehenden Wahlen, ob auf Landesebene oder Bundesebene. Allein das erstmals in der Geschichte der BRD ausgetragene Duell zwischen einem Bundeskanzler und seinem Herausforderer im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 verdeutlichte dies: „Das Interesse an diesem Ereignis war immens – beide Debatten wurden jeweils von rund 600 Journalisten vor Ort sowie von rund 15 Millionen Bürgern an den Bildschirmen verfolgt.“ (Faas & Maier, 2004: p. 186). Schon nach der ersten Fernsehdebatte überhaupt, der Debatte zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 1960 nahm man aufgrund der Forschungsergebnisse des Sindlinger & Company Instituts an, dass ein Einfluss der Medien auf die Wahrnehmung der Zuschauer existiert: „The survey reports that more self-identitfied radio listeners though Nixon won the debate whereas more self-identified television viewers thought Nixon won…“ (Druckman, 2003: p. 563). Diese Befunde wurden zwar zunächst kritisiert und angezweifelt (vgl. Vancill & Pendel, 1987), jedoch konnte der anfängliche Befund im Laufe der Jahre bestätigt werden (vgl. z.B. Druckman 2003; Faas & Maier, 2004). Hier tritt der Begriff der nonverbalen Kommunikation in Erscheinung. Wie nehmen die Zuschauer die Körperhaltung, Handbewegungen, Kopfbewegungen, Lächeln oder eine eventuelle Nervosität der Kandidaten wahr? Existiert ein Unterschied bei der Wahrnehmung durch das Fernsehen oder das Radio? Zu diesen Fragen gibt es mittlerweile zwar nicht sehr viele, aber einige interessante Studien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsinteresse / Methodische Vorgehensweise
2 Grundlagen der nonverbalen Kommunikation
2.1 Die fünf Axiome des Kommunikationsmodells nach Watzlawick
2.2 Grundbegriffe
2.2.1 Nonverbal, paraverbal oder verbal
2.2.2 Verbale Kommunikation
2.2.3 Paraverbale Kommunikation
2.2.4 Nonverbale Kommunikation
2.3 Formen der nonverbalen Kommunikation
2.3.1 Körperhaltung
2.3.2 Gestik
2.3.3 Mimik
2.4 Funktionen der nonverbalen Kommunikation
2.5 Wirkungen nonverbaler Kommunikation am Beispiel der Politiker
3 TV-Duelle in der Geschichte
3.1 TV-Duelle allgemein
3.2 Das TV-Duell im Wahljahr 2009
3.3 Ergebnisse des Duells
3.4 Die Wirkung von TV-Duellen
3.5 Stellenwert der visuellen nonverbalen Elemente in TV-Duellen
3.6 Kritik an TV-Duellen
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der nonverbalen Kommunikation von Politikern in TV-Duellen auf die Wahrnehmung der Zuschauer. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie visuelle Signale und nonverbales Verhalten die Bewertung von Kompetenz und Sympathie beeinflussen, wobei als Fallbeispiel das TV-Duell 2009 zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier herangezogen wird.
- Grundlagen der nonverbalen und paraverbalen Kommunikation
- Die psychologische Bedeutung von Gestik, Mimik und Körperhaltung
- Historischer Überblick und Entwicklung von TV-Duellen
- Empirische Wirkungsanalyse am Beispiel des TV-Duells 2009
- Kritische Reflexion der Medialisierung politischer Wahlkämpfe
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Körperhaltung
Die Körperhaltung ist ein wichtiger Faktor in der nonverbalen Kommunikation. Sie kann vielerlei Informationen geben wie beispielsweise über Rang, Status, soziale Identität, kulturelle Herkunft oder etwa über die innere Befindlichkeit. Es existieren sehr viele unterschiedliche Ausführungen darüber, welcher Körperhaltung welche genaue Bedeutung zukommt. Da es zu viele Unterschiede und Details zu beachten gibt, werde ich in diesem Kapitel ausschließlich grundlegende Bedeutungen erwähnen, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit von Nutzen sein können. Allgemeingültig zu sein scheint vorweg: Gebeugte Körperhaltung und gesenkter Blick stehen für Unterordnung, für einen nachdenklichen Menschen oder für Verzweiflung. Eine aufrechte Körperhaltung und ein sicheres Auftreten, bewusste und sichere Bewegungen, stehen für Stärke, einen gewissen sozialen Status und Ruhe (vgl. Edith Broszinsky-Schwabe, 2011: p. 122). Daraus kann man ableiten, dass eine Person mit aufrechter Körperhaltung bzw. aufrechter Sitzposition glaubwürdiger erscheint, als eine Person mit gebeugter Körperhaltung. Das bestätigte sich in einer Studie in Ohio, an der 71 Studierende teilnahmen und erweitert unsere vorherige Feststellung (vgl. Richard Pretty et al. 2009: Ohio State University). Das Ergebnis der Studie war folgendes: Testpersonen mit aufrechter Sitzhaltung schenken auch den eigenen Behauptungen mehr Glauben bzw. sind sich ihrer eigenen Position sicherer als Personen, die sich in gekrümmter oder gebeugter Sitzposition befinden. Das heißt also, dass eine aufrechte Sitzposition die Selbstüberzeugung bzw. das Selbstbewusstsein steigern kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung von TV-Duellen im politischen Wahlkampf und Begründung der Relevanz nonverbaler Kommunikation für die Zuschauerwahrnehmung.
1.1 Forschungsinteresse / Methodische Vorgehensweise: Definition des Ziels der Arbeit, die Wirkungen nonverbaler Kommunikation auf die Bewertung von Sympathie und Kompetenz anhand des Beispiels 2009 zu untersuchen.
2 Grundlagen der nonverbalen Kommunikation: Theoretische Herleitung der verschiedenen Kommunikationskanäle und deren Gewichtung in der zwischenmenschlichen Interaktion.
2.1 Die fünf Axiome des Kommunikationsmodells nach Watzlawick: Erläuterung grundlegender Kommunikationsregeln, die für das Verständnis nonverbaler Signale unerlässlich sind.
2.2 Grundbegriffe: Definition und Abgrenzung der Begriffe verbal, paraverbal und nonverbal zur Vorbereitung der detaillierten Analyse.
2.2.1 Nonverbal, paraverbal oder verbal: Klärung der Erscheinungsformen von Verhalten als Kommunikation.
2.2.2 Verbale Kommunikation: Kurze Erläuterung der sprachgebundenen Kommunikation und ihrer Rolle im TV-Duell.
2.2.3 Paraverbale Kommunikation: Beschreibung der stimmlichen Merkmale wie Tonfall und Sprechtempo als sprachabhängige Komponenten.
2.2.4 Nonverbale Kommunikation: Erläuterung der unabhängigen Variable als zentrales Element für die Gesamtwahrnehmung des Politikers.
2.3 Formen der nonverbalen Kommunikation: Systematisierung der nonverbalen Signale anhand des Modells von Hans Kepplinger.
2.3.1 Körperhaltung: Analyse der Bedeutung von Körperhaltung und Sitzposition für die Ausstrahlung von Stärke und Glaubwürdigkeit.
2.3.2 Gestik: Untersuchung der redebegleitenden und autonomen Gesten sowie deren kulturelle Prägung.
2.3.3 Mimik: Erläuterung der Bedeutung von Gesichtsausdrücken als eines der wichtigsten Werkzeuge nonverbaler Kommunikation.
2.4 Funktionen der nonverbalen Kommunikation: Anwendung des Vier-Seiten-Modells von Schulz von Thun zur Einordnung der Funktionen von Kommunikation.
2.5 Wirkungen nonverbaler Kommunikation am Beispiel der Politiker: Darstellung der Bedeutung visueller Informationen in den Medien und der Beeinflussung des politischen Images.
3 TV-Duelle in der Geschichte: Historischer Rückblick auf die Entwicklung von Fernsehdebatten von Kennedy/Nixon bis zu den Duellen in der Bundesrepublik.
3.1 TV-Duelle allgemein: Beschreibung der enormen Reichweite und der Bedeutung von TV-Debatten als wichtigste Ereignisse im Wahlkampf.
3.2 Das TV-Duell im Wahljahr 2009: Detaillierte Betrachtung des Duells zwischen Merkel und Steinmeier im Kontext der damaligen politischen Situation.
3.3 Ergebnisse des Duells: Zusammenfassung der Umfrageergebnisse zur Wahrnehmung der Kandidaten nach dem TV-Duell 2009.
3.4 Die Wirkung von TV-Duellen: Analyse der theoretischen Ableitungen zur Wirkung von TV-Duellen auf das Wahlverhalten und die Stabilität der Wählerentscheidung.
3.5 Stellenwert der visuellen nonverbalen Elemente in TV-Duellen: Einordnung der nonverbalen Aspekte im Vergleich zu inhaltlichen Argumenten unter Nutzung des Linsenmodells.
3.6 Kritik an TV-Duellen: Darstellung kritischer Stimmen zur Personalisierung von Politik und der Benachteiligung kleinerer Parteien durch TV-Duelle.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Signifikanz von TV-Duellen und den Einfluss nonverbaler Kommunikation auf die Wählerentscheidung.
Schlüsselwörter
Nonverbale Kommunikation, TV-Duell, Politische Kommunikation, Darstellungseffekte, Sympathie, Kompetenz, Wahlentscheidung, Fernsehdebatte, Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Körpersprache, Gestik, Mimik, Watzlawick, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der nonverbalen Kommunikation von Politikern in TV-Duellen auf die Wahrnehmung der Zuschauer, insbesondere in Bezug auf die Zuschreibung von Sympathie und Kompetenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Grundlagen der nonverbalen Kommunikation, das historische Format der TV-Duelle, psychologische Wahrnehmungsprozesse und die Medialisierung politischer Wahlkämpfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie nonverbale Faktoren wie Gestik, Mimik und Körperhaltung bei TV-Duellen die Gesamtbewertung von Politikern durch die Wählerschaft steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung kommunikationswissenschaftlicher Modelle sowie die Auswertung empirischer Studienergebnisse und Umfragedaten zu vergangenen TV-Duellen, insbesondere des Duells von 2009.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Grundlagen der Kommunikation, die Formen nonverbalen Verhaltens, die Geschichte der TV-Duelle und die konkrete Wirkung dieser Formate auf das Wahlverhalten der Zuschauer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind nonverbale Kommunikation, TV-Duell, Kompetenz, Sympathie, Wahrnehmung, Darstellungseffekte und politische Kommunikation.
Warum wurde das TV-Duell 2009 als Fallbeispiel gewählt?
Es dient als aktuelles Beispiel, bei dem durch empirische Daten die Diskrepanz zwischen inhaltlicher Debatte und nonverbaler Wahrnehmung durch die Zuschauer detailliert belegt werden kann.
Welche Rolle spielt die "Siegerwahrnehmung" in den Ergebnissen?
Die Arbeit zeigt, dass die Siegerwahrnehmung oft eher mit der vorherigen parteipolitischen Bindung des Zuschauers korreliert als mit einer objektiven Performanzanalyse.
Wie bewertet der Autor die Kritik an TV-Duellen?
Der Autor greift kritische Punkte wie die Personalisierung von Politik und die Entmachtung des Parlaments auf, betont aber gleichzeitig die unverzichtbare Rolle der TV-Duelle für die Orientierung unentschiedener Wähler.
- Arbeit zitieren
- M.A. Attila Büyükcakir (Autor:in), 2012, Die Wirkung von nonverbaler Kommunikation auf die Wahrnehmung von Politikern in TV-Duellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324303