In der vorliegenden Arbeit soll es nicht um uns, die Leser, gehen, oder darum, wie wir das Vermittelte lesend für uns ermitteln, welche Gefühle wir bei der Lektüre empfinden oder welche Erkenntnisse wir daraus ziehen. Auch nicht darum, zu versuchen, den Holocaust zu lesen oder gar zu verstehen. Die Arbeit hat sich vielmehr zum Ziel gesetzt, Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ und Ruth Klügers autobiographisches Zeugnis „weiter leben“ auf die Rolle des Lesens und der Literatur für die Protagonisten Michael und Hanna und für Ruth Klüger vor dem Hintergrund des Holocaust hin zu untersuchen.
Es soll analysiert werden, welche Emotionen durch (Vor)Lesen, Lesenlernen und Literatur in den jeweiligen Figuren/Personen geweckt werden und welche Bedeutung sie für sich ableiten. Um diese Fragestellung näher zu beleuchten, soll zuvor kurz auf das historisch veränderte Lesen, also auf die Entwicklung vom körperlichen zum mentalen Erleben beim Lesen, eingegangen werden und auf Faktoren, die Leselust oder aber Lesefrust begünstigen können. Anschließend sollen Möglichkeiten zur unterrichtlichen Umsetzung des Themas „Lesen und Literatur bei Schlink und Klüger“ vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Ein verändertes Lesen
- Leselust versus Lesefrust
- Zur Rolle von Lesen und Literatur bei Schlink und Klüger
- Lesen und Literatur in „Der Vorleser“
- Die Bedeutung von Lesen/Vorlesen und Literatur für Michael und Hanna
- Die Bedeutung des Lesen- und Schreibenlernens für Hanna
- Lesen und Literatur in „weiter leben“ – Die Bedeutung von Lesen und Literatur für Ruth Klüger
- Lesen und Literatur in „Der Vorleser“
- Zur unterrichtlichen Umsetzung des Themas „Zur Rolle von Lesen und Literatur bei Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ und Ruth Klügers „weiter leben““
- Einige Überlegungen zur Rolle von Lesen und Literatur im Deutschunterricht
- Einige Ideen zur unterrichtlichen Umsetzung
- Einstieg/Hinleitung zum Thema
- Erarbeitung I
- Erarbeitung II
- Reflexion/Evaluation
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“ und Ruth Klügers autobiographisches Zeugnis „weiter leben“ im Hinblick auf die Rolle von Lesen und Literatur für die Protagonisten Michael und Hanna sowie für Ruth Klüger vor dem Hintergrund des Holocaust. Es soll untersucht werden, welche Emotionen durch (Vor)Lesen, Lesenlernen und Literatur in den jeweiligen Figuren/Personen geweckt werden und welche Bedeutung sie dem für sich entnehmen. Die Arbeit geht auf die historische Entwicklung des Lesens ein, insbesondere auf das veränderte Verhältnis zwischen körperlichem und mentalem Erleben beim Lesen. Darüber hinaus werden Faktoren beleuchtet, die Leselust oder Lesefrust begünstigen können. Schließlich werden Möglichkeiten zur unterrichtlichen Umsetzung des Themas „Lesen und Literatur bei Schlink und Klüger“ vorgestellt.
- Die Bedeutung von Lesen und Literatur im Kontext des Holocaust
- Die Rolle von Lesen und Literatur für die individuellen Lebensgeschichten der Protagonisten
- Die Entwicklung des Lesens vom körperlichen zum mentalen Erleben
- Faktoren, die Leselust oder Lesefrust beeinflussen
- Möglichkeiten zur unterrichtlichen Umsetzung des Themas
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Das Kapitel führt den Leser in das Thema ein und definiert den Begriff "Lesen" als individuelle Tätigkeit, die das Rezipieren von geschriebener Sprache durch das Auge bezeichnet. Es wird betont, dass Lesen sowohl reproduktiv als auch produktiv ist, da der Leser aktiv Sinn, Bedeutung und Information aus dem Text erschließt. Darüber hinaus wird die Rolle von Lust und Befriedigung im Leseprozess erläutert, wobei Literatur als Ersatzbefriedigung für reale Mangelerfahrungen dienen kann.
Ein verändertes Lesen
Dieses Kapitel betrachtet die historische Entwicklung des Lesens vom lauten, körperlichen Lesen zum stillen, mentalen Lesen. Es wird gezeigt, wie die Veränderung des Leseverhaltens mit dem Wandel der Gesellschaft und der Entwicklung neuer Verhaltensnormen zusammenhängt. Das laute Lesen diente der Gemeinschaftsbildung, während das stille Lesen ein Zeichen von Individualisierung und intellektueller Distanzierung wurde.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt Literatur in Bernhard Schlinks „Der Vorleser“?
In dem Roman dient das Vorlesen als zentrales Bindeglied zwischen Michael und Hanna. Später wird das Erlernen des Lesens und Schreibens für Hanna zu einem Akt der Emanzipation und der Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit.
Wie unterscheidet sich das Lesen in Ruth Klügers „weiter leben“?
Für Ruth Klüger ist Literatur ein Überlebensmittel im Konzentrationslager. Gedichte und Bücher bieten ihr einen mentalen Rückzugsort und helfen ihr, die traumatischen Erfahrungen des Holocaust zu verarbeiten.
Was bedeutet die Entwicklung vom „körperlichen“ zum „mentalen“ Lesen?
Historisch wandelte sich das Lesen vom lauten Vorlesen in der Gemeinschaft (körperlich) zum stillen, individuellen Lesen (mental), was eine stärkere Verinnerlichung und Distanzierung ermöglichte.
Was sind Faktoren für „Leselust“ oder „Lesefrust“?
Die Arbeit untersucht, wie positive emotionale Erfahrungen oder der Zwang in Bildungsinstitutionen das Leseverhalten beeinflussen können, insbesondere im Kontext von Schlink und Klüger.
Wie kann dieses Thema im Deutschunterricht umgesetzt werden?
Die Arbeit bietet didaktische Ansätze, um die Bedeutung von Literatur für die Identitätsbildung und Geschichtsverarbeitung am Beispiel dieser beiden Werke mit Schülern zu erarbeiten.
- Quote paper
- Angelika Felser (Author), 2004, Das Lesen des Holocaust. Zur Rolle von Lesen und Literatur bei Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ und Ruth Klügers „weiter leben“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/324387