Der Begriff »Lebenszyklus« beinhaltet weitaus mehr als nur das bekannte Konzept des Produktlebenszyklus (PLZ) aus den siebziger Jahren. Neben diesem Modell gibt es eine Reihe weiterer Lebenszyklusmodelle wie z.B. den Technologielebenszyklus (TLZ) oder den Lebenszyklus von Organisationen und Branchen. Lebenszykluskonzepte sind Instrumente der strategischen Planung und finden vor allem im Rahmen des strategischen Marketing- und Technologiemanagements Anwendung. Im Sinne von dynamischen Modellen, durch die Einbeziehung des Faktors Zeit, wird aufgezeigt, dass sich das unternehmerische Handeln im Zeitablauf veränderten Situationen anpassen muss und die Strategien entsprechend variieren sollte. Lebenszyklusmodelle bilden einen situativen Bezugsrahmen für das Management und helfen dabei, strategische Situationen zu visualisieren. In Zeiten moderner Medien- und Kommunikationsgesellschaften mit einer sich ständig schnell voranschreitender und weiterentwickelnder Technologie ist ein strategisches Planungsinstrument äußerst wichtig. Neue Technologien führen häufig zu einer Ablösung des alten Produktes und erfordern somit eine Neugestaltung des bisherigen Marketing- und Technologiemanagements. Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit den Lebenszyklusmodellen für Produkte und Technologien; dabei sollen folgende Kernfragen beantwortet werden: Was versteht man unter einem PLZ und einem TLZ? Was sind Medien und ihre besonderen Eigenschaften im Hinblick auf die erläuterten Lebenszyklusmodelle? Welche Entwicklung hat das VHS-System durchlaufen? Zur Beantwortung dieser Fragen soll mit folgender Strukturierung vorgegangen werden: Im zweiten Kapitel wird zunächst der PLZ, seine einzelnen Phasen sowie die theoretische Begründung, auf der er basiert, erläutert, da diese Ausführungen als Grundlage für das folgende Konzept des TLZ dienen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Medien und Medientechnologien. Vorab wird eine begriffliche Definition gegeben, um dann mit einigen charakeristischen Merkmalen von Mediengütern fortzufahren, welche Auswirkungen auf die Lebenszykluskonzepte haben können. In einem weiteren Abschnitt wird dann ein konkretes Beispiel für ein Medienprodukt sowie die damit zusammenhängenden Lebenszyklen vorgestellt: das VHS-System im Bereich des Home Entertainments. Zielsetzung dieser Hausarbeit ist es, aufbauend auf dem Konzept des PLZ den TLZ zu erläutern und diesen mit Hilfe eines anschaulichen Beispiels aus der Medienökonomie zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lebenszykluskonzepte
2.1 Der PLZ: Begriffs- und Modellerläuterung
2.2 Theoretische Begründung des PLZ-Konzeptes
2.3 Die fünf Phasen des PLZ
2.4 TLZ und Nachfragelebenszyklus
3. Medientechnologien
3.1 Definition »Medien« und Produktmerkmale
3.2 Das Beispiel VHS
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Konzepte des Produktlebenszyklus (PLZ) und des Technologielebenszyklus (TLZ) zu erläutern und deren Anwendung im Bereich der Medienökonomie anhand des VHS-Systems zu verdeutlichen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich technologische Entwicklungen auf Lebenszyklusmodelle auswirken und wie diese in der Praxis als strategische Planungsinstrumente dienen.
- Theoretische Grundlagen des Produktlebenszyklus (PLZ) und dessen Phasenmodell.
- Einführung in den Technologielebenszyklus (TLZ) und den Nachfragelebenszyklus.
- Definition von Medienprodukten und deren spezifische Charakteristika.
- Fallbeispiel VHS: Analyse des technologischen Wettstreits und der Substitution durch die DVD.
Auszug aus dem Buch
Die fünf Phasen des PLZ
Die Einführungsphase ist der eigentliche „Lebensbeginn“ eines Produktes im Markt; ab diesem Zeitpunkt ist es erstmals für den Kunden käuflich erhältlich. In dieser Phase entscheidet sich, ob das Produkt überhaupt vom Markt angenommen und akzeptiert wird. Der Absatz steigt nur langsam, da es einige Zeit benötigt, die entsprechenden Vertriebskanäle zu versorgen und das Produkt zu verbreiten. Ebenso können technische Probleme (das Auftreten und Beseitigen der „Kinderkrankheiten“), mangelnde Verfügbarkeit des Produktes für alle Kunden, Verzögerungen beim Ausbau von Produktionskapazitäten sowie eine fehlende Bereitschaft der Kunden zur Änderung ihres gewohnten Kaufverhaltens Ursachen sein für eine anfangs träge Absatzentwicklung.
Für viele potentielle Kunden stellt der Kauf einer Produktinnovation ein erhöhtes Risiko dar, so dass sie deshalb eher zurückhaltend reagieren. Ist das Produkt dann auch noch hochpreisig, so ist die geringe Anzahl der Käufer, die sich dieses Produkt leisten können, eine weitere Barriere bei der Absatzsteigerung. Daher ist die Einführungsphase die Phase des größten Marktwiederstandes, welchen es mit adäquaten Strategien zu überwinden gilt. Ein niedriges Absatzvolumen, hohe Marketingausgaben zur Stimulierung der Distribution und Information des Marktes (z.B. Endverbraucherwerbung) sowie vor der Markteinführung aufgewendete Forschungs- und Entwicklungskosten führen dazu, dass in dieser Phase zunächst Verluste oder nur geringe Gewinne erwirtschaftet werden. Festzuhalten bleibt aber, dass, je höher der Grad der Neuigkeit eines Produktes ist, desto eher besteht für das Unternehmen die Chance, sich am Markt einen Wettbewerbsvorteil in Form einer monopolistischen Stellung zu verschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Lebenszykluskonzepten als strategische Planungsinstrumente und formuliert die zentralen Fragestellungen der Arbeit in Bezug auf PLZ, TLZ und das Beispiel VHS.
2. Lebenszykluskonzepte: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Modelle des Produkt-, Technologie- und Nachfragelebenszyklus vor und analysiert deren Phasen, Diffusionsprozesse und hierarchische Zusammenhänge.
3. Medientechnologien: Das Kapitel definiert den Begriff Medien und untersucht die spezifischen Produktmerkmale von Mediengütern sowie das konkrete Beispiel der VHS-Technologie und deren Substitution durch die DVD.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei betont wird, dass technologische Innovationen zu immer kürzeren Lebenszyklen führen und die Branche vor Herausforderungen wie der digitalen Piraterie stellen.
Schlüsselwörter
Lebenszykluskonzept, Produktlebenszyklus, Technologielebenszyklus, Medientechnologien, VHS, DVD, Strategisches Marketing, Technologiemanagement, Diffusionsforschung, Substitution, Innovation, Home Entertainment, Marktphase, Wettbewerbsvorteil, Medienökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Lebenszyklusmodellen auf Medientechnologien, wobei die theoretischen Konzepte von Produkt- und Technologielebenszyklen als situative Bezugsrahmen für das strategische Management analysiert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung von Lebenszyklusphasen, die Dynamik von Technologiewechseln in der Medienbranche sowie die spezifischen Eigenschaften von Mediengütern und deren Einfluss auf den Markt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Technologielebenszyklus aufbauend auf dem Produktlebenszyklus zu erläutern und diese Modelle anhand des praxisnahen Beispiels der Entwicklung und Verdrängung des VHS-Systems zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, bei dem theoretische Marketingmodelle (PLZ, TLZ) mit empirischen Beobachtungen und Daten zur Markt- und Technologieentwicklung (insbesondere am Fallbeispiel Video-Markt) verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Im Hauptteil werden zunächst die fünf Phasen des PLZ und die Theorie der Diffusionsforschung dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse des TLZ und des Nachfragelebenszyklus sowie der Anwendung dieser Konzepte auf das Beispiel VHS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Lebenszykluskonzepte, Produktlebenszyklus (PLZ), Technologielebenszyklus (TLZ), Medientechnologien, Substitutionstechnologie und Home Entertainment.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "stable", "fertile" und "turbulent" Technologien eine Rolle?
Diese Klassifizierung verdeutlicht die unterschiedliche Stabilität von Technologien über einen Lebenszyklus hinweg; insbesondere "turbulente Technologien" sind für die Medienbranche typisch, da hier häufige Substitutionen stattfinden.
Welche Rolle spielt die DVD bei der Analyse des VHS-Systems?
Die DVD fungiert als Substitutionsmedium, das aufgrund seiner funktionalen Überlegenheit und technologischen Vorteile (Speicherkapazität, Bildqualität, Interaktivität) das VHS-System weitgehend verdrängt hat.
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- Dipl. Oec. Katrin Gerberich (Author), 2003, Besonderheiten des Lebenszykluskonzeptes für Medientechnologien - am Beispiel von VHS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32489