Einleitung
Im allgemeinen werden Krankenhäuser als Unternehmen definiert, in denen laut WHO Krankheiten geheilt, gelindert oder festgestellt werden und/oder Geburtshilfe geleistet wird. Die Wertschöpfung des Krankenhauses ist also die Gesundheitsleistung, die ihrerseits nur mit Hilfe der zahlreichen Mitarbeiter(1) erstellt werden kann.
Die zunehmende, durch die Gesundheitsstrukturreform bedingte Konkurrenzsituation der Krankenhäuser untereinander verlangt neben einem kostenorientierten Wirtschaften vermehrt nach hochmotivierten Mitarbeitern, die sich in ihrer Arbeitsleistung mühelos den veränderten Bedingungen anpassen können.
In der Annahme, dass Mitarbeiter in diesem Gesundheitssektor infolge von Resignation und Demotivation ihre Arbeitspotenziale unzureichend nutzen, befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, inwieweit ‚quality circle’(2) neben ihren unterstellten positiven Auswirkungen auf die Produktivität, doch eher als sinnvolles Instrument der Arbeitsmotivation von Mitarbeitern einzusetzen sind.
Es ist zu vermuten, dass bei entsprechender Einsetzung und Förderung von QC auf einer breiten Ebene, die Teilnahme und Mitarbeit zu einer veränderten, positiven Einstellung der Mitarbeiter führt. Der gesteigerter Leistungswille und zunehmende Identifikation mit dem Unternehmen, drücken sich in einer gesteigerten wirtschaftlichen Leistung ausdrückt und führen dadurch zu einem Mehrwert des
Krankenhauses.
Ferner untersucht diese Arbeit, ob Entgeldsysteme in Kombination mit der QC - Arbeit die unterstellten motivationalen Effekte noch steigern können.
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1 Auf eine geschlechtsspezifische Trennung wird der Einfachheit halber hier verzichtet. Das Wort Mitarbeiter bedeutet daher weibliche und männlichen Mitarbeiter eines Unternehmens.
2 Im folgenden QC abgekürzt.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Qualitätszirkel – ein Überblick
2.1 Definition
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Struktur und Technik der QC
3.0 Grundlagen der Motivationstheorie
3.1 Motiv, Motivation und Arbeitsmotivation – ein Überblick
3.1.1 Das Motiv
3.1.2 Motivation
3.1.3 Arbeitsmotivation
3.2 Motivarten nach Heckhausen
3.2.1 Leistungsmotiv
3.2.2 Anschlussmotiv
3.2.3 Machtmotiv
3.2.4 Neugiermotiv
3.3 X/Y - Theorie nach McGregor
3.4 Zwei – Faktoren – Theorie nach Herzberg
4.0 Mitarbeitermotivation durch QC
4.1 Entgeltsysteme für die QC – Arbeit
5.0 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Qualitätszirkel (QC) im Gesundheitssektor als wirksames Instrument zur Steigerung der Arbeitsmotivation von Mitarbeitern eingesetzt werden können, um so dem Mehrwert des Krankenhauses zu dienen, und analysiert ferner, ob Entgeltsysteme diese Effekte zusätzlich verstärken könnten.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Motivation und Arbeitsmotivation
- Untersuchung der Struktur, Technik und historischen Entwicklung von Qualitätszirkeln
- Bewertung des Einflusses von Qualitätszirkeln auf die Mitarbeitermotivation
- Kritische Betrachtung von leistungsorientierten Entgeltsystemen in Kombination mit Qualitätszirkel-Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Neugiermotiv
Ein weiteres menschliches Motiv ist das Neugiermotiv. Es dient dem Erwerb von mentalen Strukturen und ist mit dem Leistungsmotiv zu den zentralen Bestandteilen der Arbeitsmotivation zu zählen.
Wie alle anderen Motivsysteme unterliegt auch das Neugiermotiv einer erfahrungsbedingten Modifikation und trägt in unbekannten Situationen dazu bei, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Doppeldeutigkeiten von Werten) zu reduzieren. Das Neugiermotiv löst in den Menschen ein Explorationsverhalten aus, das ihre Handlungskompetenzen erweitern und neues Wissen erwerben lässt. Unsicherheitsgefühle werden somit reduziert, da sich die Handlungsanforderungen subjektiv vereinfachen lassen.
Andererseits fördert dieses Motivsystem das menschliche Verlangen nach Abwechslung, Stimulation und Information, wenn die eigentliche Arbeit zunehmend variantenarm gestaltet ist oder subjektiv monoton empfunden wird. Dieses Phänomen lässt sich oftmals in Arbeitsumgebungen beobachten, wo sich die Konzentration der Mitarbeiter, gelenkt durch das Neugiermotiv, von ihrer langweiligen Aufgaben auf sachfremde Dinge verlagert.
Die typischen Verhaltensweisen für diese Motivausprägung sind jedoch in erster Linie die Hoffnung auf neue Herausforderungen und der damit verbundene Mut zur Innovation. Jedoch ist auch die Furcht vor dem Unbekannten, kombiniert mit dem Wunsch der Beibehaltung bewährter und vertrauter Handlungen, in diesem Motivsystem angelegt.
Obgleich noch keine ausreichenden empirischen Untersuchungen vorliegen, ist davon auszugehen, dass das Neugiermotiv in den modernen Arbeitsorganisationen an zunehmender Bedeutung gewinnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Die Einleitung definiert das Krankenhaus als Institution und leitet die Relevanz hochmotivierter Mitarbeiter aufgrund der verschärften Konkurrenzsituation durch Strukturreformen her.
2.0 Qualitätszirkel – ein Überblick: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung, die Definition und die methodische Struktur von Qualitätszirkeln als Instrument der Problemlösung.
3.0 Grundlagen der Motivationstheorie: Hier werden psychologische Fundamente wie Motive, Motivation und verschiedene Motivationstheorien (Heckhausen, McGregor, Herzberg) umfassend dargestellt.
4.0 Mitarbeitermotivation durch QC: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Motivationskonzepte mit der praktischen Arbeit in Qualitätszirkeln und diskutiert ergänzend den Einsatz von Entgeltsystemen.
5.0 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Qualitätszirkel wesentliche Motivatoren ansprechen können, jedoch vom Management aktiv gefördert werden müssen, während monetäre Belohnungssysteme kritisch zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Qualitätszirkel, Arbeitsmotivation, Gesundheitssektor, Motivationstheorie, Leistungsmotiv, Anschlussmotiv, Machtmotiv, Neugiermotiv, Maslow, Herzberg, McGregor, Entgeltsysteme, Mitarbeiterbindung, Arbeitszufriedenheit, Krankenhausmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie durch den Einsatz von Qualitätszirkeln (QC) die Arbeitsmotivation von Mitarbeitern im Krankenhaus gesteigert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Theorie der Arbeitsmotivation, die Funktionsweise von Qualitätszirkeln und deren Anwendung in Krankenhäusern sowie die Bedeutung von Entlohnungssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob Qualitätszirkel über ihre produktivitätssteigernde Funktion hinaus als sinnvolles Instrument zur motivationalen Stärkung der Belegschaft dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die psychologische Motivationstheorien auf das Instrument des Qualitätszirkels überträgt und durch Literaturvergleiche stützt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen der Motivationstheorie (u.a. Maslow, Herzberg, McGregor) dargelegt und anschließend auf die spezifischen Bedingungen im Krankenhausalltag übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den Kernbegriffen zählen Qualitätszirkel, Arbeitsmotivation, Krankenhaus, Motivationspsychologie und Organisationsentwicklung.
Warum ist das Neugiermotiv für moderne Organisationen relevant?
Es gewinnt laut Autor an Bedeutung, da es Explorationsverhalten auslöst und somit hilft, Monotonie in variantenarmen Arbeitsumgebungen entgegenzuwirken.
Welche Kritik äußert die Arbeit an finanziellen Anreizen (Incentives)?
Die Arbeit verweist auf die Ansicht von Kohn, wonach Belohnungen die intrinsische Motivation schwächen können, da die Aufmerksamkeit vom Arbeitsprozess auf den Gewinn gelenkt wird.
- Citation du texte
- Andreas Weiser (Auteur), 2002, Arbeitsmotivation im Gesundheitssektor - Qualitätszirkel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3249