Die vorliegende Arbeit ist ein Beitrag zu Forschungsarbeiten von Dr. Heinz SEVENIG, der an einer neuen Publikation zum Thema „Materialien zur Kommunikationsförderung von Menschen mit schwersten Formen cerebraler Bewegungsstörungen“ arbeitet. Dabei soll auch die aktuelle Situation der „Unterstützten Kommunikation“ berücksichtigt werden.
Der Begriff „Materialien“ wurde in Anlehnung an SEVENIG (1994) übernommen (vgl. a. a. O., 3) und bezieht sich hier auf Materialien, Maßnahmen, Methoden und Formen der UK. Durch die Termini „Hilfsmittel“, „Technologien“ und „Entwicklungen“ wird eine erste Eingrenzung vorgenommen.
Unter „Hilfsmitteln“ sollen körperferne Kommunikationshilfen verstanden werden, die geeignet sind, die sensorischen Wahrnehmungsfunktionen und, bzw. oder die motorischen Ausdruckfunktionen eines Menschen zu verbessern. Durch den Begriff „Technologien“ soll verdeutlicht werden, daß neue technische Umsetzungsmöglichkeiten pädagogischer Konzepte beachtet werden. Ferner werden Entwicklungen pädagogischer und technischer Art rückblickend beschrieben und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ZUM BEGRIFF DER SCHWERSTBEHINDERUNG
2.1 Definitionen und Verständnis von Schwerstbehinderung
2.1.1 Abgrenzung zum Begriff „Schwerbehindert“
2.1.2 Schlussfolgerungen
2.2 Angeborene und Erworbene Schädigungen
2.2.1 Angeborene Schädigungen: Infantile Cerebralparesen
2.2.2 Erworbene Schädigungen: Schädel-Hirn-Traumen
3 KOMMUNIKATION
3.1 Kommunikationstheorien
3.1.1 Theorie nach WATZLAWICK, BEAVIN und JACKSON
3.1.2 Modell nach SCHULZ VON THUN
3.2 Formen der Kommunikation
3.2.1 Verbale Kommunikation
3.2.2 Nonverbale Kommunikation
3.2.3 Zusammenfassung
3.3 Zum Verständnis von Kommunikation in dieser Arbeit
3.4 Zur kommunikativen Situation Schwerstbehinderter
3.4.1 Kommunikation mit Schwerstbehinderten
3.4.2 Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit bei einer Kommunikationsstörung
4 GRUNDLAGEN UNTERSTÜTZTER KOMMUNIKATION
4.1 Begriffserläuterung
4.1.1 Abgrenzung zur Gestützten Kommunikation (FC)
4.2 Zielgruppe
4.3 Ziele und Prinzipien
5 UNTERSTÜTZENDE KOMMUNIKATIONSMÖGLICHKEITEN
5.1 Körpereigene Kommunikationsformen
5.2 Körperferne (externe) Kommunikationshilfen
5.2.1 Manuelle Kommunikationshilfen
5.2.1.1 Symbol-/Bildersammlungen und Symbolsysteme
5.2.2 Technische Kommunikationshilfen
5.2.2.1 Elektronische Hilfen und Computer
5.2.2.1.1 Einzelsysteme
5.2.2.1.2 Natürliche und synthetische Sprachausgabe
5.2.2.1.3 Integrierte Systeme
5.2.2.1.4 Ansteuerung und Selektion des Vokabulars
5.2.2.1.5 Kodierungsstrategien
5.2.2.2 Zusammenfassung
6 NEUE HILFSMITTEL, TECHNOLOGIEN UND ENTWICKLUNGEN IN DER BRD
6.1 Pädagogische Materialien zur UK (Pmuk)
6.2 Voice-Kit
6.3 Dynamische Pictografische Sprachhilfe (DPS) Systeme
6.3.1 Hardware
6.3.2 Software
6.4 Der Power-Talker
6.5 Pädagogische und technische Entwicklungen
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
8 LITERATUR
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aktuelle Hilfsmittel, Technologien und pädagogische Entwicklungen im Bereich der Unterstützten Kommunikation in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Kommunikationsförderung für Menschen mit schwersten cerebralen Bewegungsstörungen zu geben, um deren Teilhabe und Lebensqualität durch eine Erweiterung ihrer kommunikativen Möglichkeiten nachhaltig zu verbessern.
- Theoretische Grundlagen von Schwerstbehinderung und Kommunikation
- Analyse der kommunikativen Situation schwerstbehinderter Menschen
- Differenzierung von manuellen und technischen Kommunikationshilfen
- Vorstellung aktueller Technologien und Kodierungsstrategien (z.B. Minspeak, Voice-Kit, DPS-Systeme)
- Interdisziplinäre Anforderungen an die zukünftige Kommunikationsförderung
Auszug aus dem Buch
Die kommunikative Situation schwerstbehinderter Menschen
In diesem Kapitel soll eine Verbindung der bisherigen Ausführungen zur Schwerstbehinderung und Kommunikation vorgenommen werden. Bedingt durch die Heterogenität der Personengruppe der Schwerstbehinderten, die in Kapitel 2 dieser Arbeit herausgestellt worden ist, kann man nicht ohne Schwierigkeiten allgemeingültige Aussagen zur kommunikativen Situation Schwerstbehinderter zu finden. Daher sei hier darauf hingewiesen, dass die folgenden Ausführungen nicht pauschalisieren, sondern Tendenzen aufzeigen sollen und im Einzelfall auch unzutreffend sein können. Die Ausführungen beziehen sich insbesondere auf das Behinderungsbild einer schwersten cerebralen Bewegungsstörung.
Zunächst wird davon ausgegangen, dass die theoretischen Grundlagen zur Kommunikation auch auf die Belange Schwerstbehinderter zutreffen. VON PAWEL hat versucht die Kommunikationstheorie WATZLAWICKS et al. diesbezüglich anzuwenden. Sie stellt folgende Überlegungen an: Wenn jeder Mensch kommunizieren kann, so muss das für den Pädagogen bedeuten, dass er sich intensiv mit dem Schwerstbehinderten auseinandersetzt, um herauszufinden, welche seiner Verhaltensweisen von Bedeutung sind und eine kommunikative Funktion haben.
Durch das erste Axiom WATZLAWICKS et al. wird gewährleistet, dass Schwerstbehinderte nicht ausgeschlossen werden, wenn es darum geht, miteinander zu kommunizieren. Auch OSKAMP sieht in WATZLAWICKS et al. erstem Axiom die Rechtfertigung der Kommunikationsförderung schwerstbehinderter Menschen, weil durch deren Fähigkeit zu kommunizieren auch die Möglichkeit gegeben ist, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Bezüglich des Beziehungsaspekts ergeben sich durch die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten und die unwillkürlichen Bewegungen schwerstbehinderter Menschen Formen der Kommunikation, bei denen Mitteilungen beim Kommunikationspartner verfremdet in dessen Wahrnehmung aufgenommen werden. Das birgt die Gefahr der Fehlinterpretation bzw. der falschen Signalzuschreibung. Ein genaues Beobachten ist also von besonderer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Vorstellung der Forschungsabsicht und Eingrenzung der zentralen Begriffe wie Hilfsmittel und Technologien im Kontext der Unterstützten Kommunikation.
2 ZUM BEGRIFF DER SCHWERSTBEHINDERUNG: Auseinandersetzung mit verschiedenen Definitionen und der Abgrenzung zu anderen Behinderungsbildern sowie Erläuterung angeborener und erworbener Schädigungen.
3 KOMMUNIKATION: Darstellung theoretischer Grundlagen der Kommunikation nach Watzlawick und Schulz von Thun sowie Analyse der spezifischen Kommunikationssituation schwerstbehinderter Menschen.
4 GRUNDLAGEN UNTERSTÜTZTER KOMMUNIKATION: Definition der Unterstützten Kommunikation und Abgrenzung gegenüber der Gestützten Kommunikation (FC) sowie Festlegung der Zielgruppe.
5 UNTERSTÜTZENDE KOMMUNIKATIONSMÖGLICHKEITEN: Detaillierte Differenzierung von körpereigenen Kommunikationsformen sowie externen, manuellen und technischen Hilfsmitteln inklusive Ansteuerungstechniken.
6 NEUE HILFSMITTEL, TECHNOLOGIEN UND ENTWICKLUNGEN IN DER BRD: Exemplarische Vorstellung aktueller pädagogischer und technischer Entwicklungen, insbesondere von dynamischen Systemen wie dem Power-Talker.
7 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Reflexion der Arbeit und Ausblick auf notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Zukunft der Kommunikationsförderung.
8 LITERATUR: Alphabetisches Verzeichnis aller verwendeten Quellen und Internetverweise.
Schlüsselwörter
Unterstützte Kommunikation, Schwerstbehinderung, Kommunikationsförderung, Cerebralparese, Interaktion, Hilfsmittel, Minspeak, Voice-Kit, Sprachausgabe, Digitale Kommunikation, Ansteuerungstechnik, Pädagogik, Sprachstörung, Partizipation, Mehrfachbehinderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation der Unterstützten Kommunikation in der Bundesrepublik Deutschland und untersucht aktuelle Materialien, Hilfsmittel und technische Entwicklungen zur Förderung von Menschen, die nicht oder kaum sprechen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Kommunikationstheorien, die Definition und das Verständnis von Schwerstbehinderung, die Kategorisierung von Kommunikationshilfen (manuell und technisch) sowie die Analyse spezifischer Entwicklungen in diesem Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen fundierten Überblick über moderne Möglichkeiten der Kommunikationsanbahnung zu geben und aufzuzeigen, wie durch eine individuelle Anpassung von Hilfsmitteln die kommunikative Teilhabe betroffener Menschen verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie auf Experteninformationen, unter anderem aus Interviews, um den aktuellen Entwicklungsstand und die theoretischen Konzepte in der Praxis zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Kommunikation, eine detaillierte Aufarbeitung des Begriffs Schwerstbehinderung, die Vorstellung multimodaler Kommunikationssysteme und eine Analyse spezifischer technischer Hilfsmittel und Kodierungsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unterstützte Kommunikation (UK), schwerste cerebrale Bewegungsstörungen, elektronische Kommunikationshilfen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit.
Warum ist das "Ganzheitliche Entwicklungsmodell" von Fröhlich wichtig für die Arbeit?
Das Modell verdeutlicht, dass Kommunikation nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern eng mit anderen Entwicklungsbereichen wie Wahrnehmung, Bewegung und Sozialerfahrung verknüpft ist, was für die ganzheitliche Förderung essenziell ist.
Welche Herausforderungen bestehen bei elektronischen Kommunikationshilfen?
Neben den hohen Anschaffungskosten sind dies die notwendige technische Komplexität, Anforderungen an die individuelle Ansteuerung sowie die Gefahr, dass die Kommunikationsförderung zu stark auf ein technisches Gerät reduziert wird.
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- Christian Kusserow (Author), 2001, Materialien zur 'Unterstützten Kommunikation' in der Bundesrepublik Deutschland - Neue Hilfsmittel, Technologien und Entwicklungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32528