In zahlreichen Zeitungsartikeln und Medienberichten über ausländische Schulsysteme wird sehr häufig Schweden als ein Vorzeige-Objekt genannt und besonders dessen in Studien geprüfte Leistungsfähigkeit beschrieben.
Wie kommt es, dass Schweden trotz Notenverzichts erfolgreich bei PISA2000 abgeschnitten hat und sowohl die Gruppe der besten als auch die der schlechtesten Schüler weit vor Deutschland liegt?
Das Land besitzt seit Jahrzehnten Erfahrungen im Umgang mit langfristigen Reformstrategien und kann daher genügend Anschauungsmaterial bieten.
Zudem wird das schwedische Schulsystem seit vierzig Jahren in internationalen Studien untersucht und konnte dabei zumeist mit herausragenden Ergebnissen aufwarten.
Dies weckte bei mir die Neugierde, auch im Hintergrund eines seit nunmehr 20 Jahren vorhandenen Interesses gegenüber der Kultur, Natur und Entwicklung in dem nordeuropäischen Land, das Schulsystem im Ganzen und vor allem eine einzelne Schule näher unter die Lupe zu nehmen.
In meiner Arbeit möchte ich zunächst die landeskundlichen Rahmendaten aufzeigen und danach einen allgemeinen Über- bzw. Einblick in das schwedische Schulsystem geben, da es meines Erachtens hilfreich ist, über wesentliche Eckpunkte als Hintergrundwissen zu verfügen. Ich habe dabei die wichtigsten Merkmale des schwedischen Schulsystems, wie es Skolverket auch herausstellt, gewählt. Anschließend möchte ich mich mit dem Thema Förderung näher auseinander setzen. Im weiteren Verlauf steht mein Untersuchungsobjekt, die Stölletskolan mit all ihren charakteristischen Facetten im Mittelpunkt.
Diese Arbeit geht also im Wesentlichen der Frage nach, welche Faktoren in der schwedischen Grundschule, speziell in der Stölletskolan, für eine förderliche Lernumgebung sowohl für Lehrer als auch Schüler sorgen.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
II. Schweden
III. Das schwedische Schulsystem
1. Besonderheiten
2. Schulgesetz
3. Organisationsebenen
A. Nationale Ebene
B. Skolverket
C. Kommunale Ebene
D. Schule
4. Schuljahr
5. Beurteilung und Zensuren
6. Lehrkräfte
7. Schulkinderbetreuung
8. Vorschule
9. Vorschulklasse
10. Grundschule
11. Sonderschule
12. Gymnasium
13. PISA und Evaluation
IV. Förderung
1. Allgemein
2. Heterogenität fördert Individualisierung
3. Ganztagesschule
A. Teamarbeit und Gruppenunterricht
B. Keine Hausaufgaben
4. Sonderpersonal
5. Klassengröße
6. Jahrgangsübergreifende Klassen
7. Multikulturelle Immigration
8. Lernmittelfreiheit
9. Vorschule
10. Medien
11. Mehr gemeinsame Grundschuljahre
12. Öffnung der Bildungseinrichtungen
13. Lesen
14. Automatische Versetzung
15. Notenverzicht
V. Stölletskolan
1. Allgemeines
2. Ganztagesschule
A. Schulstundenlänge
3. Ausstattung und Medien
4. Teamarbeit
A. Lehrerkonferenz
B. Elternabend
C. Offenheit
D. Familiäre Atmosphäre
5. Individualisierung
6. Klassengröße
7. Jahrgangsübergreifende Klassen
8. Bewertungssystem
9. Leseförderung
10. Lernmittelfreiheit
11. Kinder mit Migrationshintergrund
A. Fremdsprachen
12. Bewegung und Gesundheitspflege
13. Vorschule
A. Personal
B. Lokaler Arbeitsplan
C. Küche und Mahlzeiten
D. Elternbroschüre
E. Normen und Gewohnheiten
VI. Interviews
1. Interview A
2. Interview B
3. Interview C
4. Interviewauswertung
A. Übereinstimmende Aussagen
B. Einzelaussagen
C. Eigene Anmerkungen
VII. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren in der schwedischen Grundschule, mit speziellem Fokus auf die Stölletskolan, eine förderliche Lernumgebung für Lehrkräfte und Schüler schaffen und wie diese in der Praxis umgesetzt werden.
- Strukturelle Besonderheiten des schwedischen integrierten Ganztagsschulsystems.
- Die Bedeutung von Individualisierung und Heterogenität für den Unterrichtserfolg.
- Methoden der Teamarbeit und Förderung in kleinen Lerngruppen.
- Die Rolle der sozialen Integration und des persönlichen Umfelds bei der schulischen Leistungsfähigkeit.
- Vergleichende Beobachtungen zur Unterrichtspraxis, Ausstattung und Lehrer-Schüler-Beziehung.
Auszug aus dem Buch
C. Offenheit
Die Weite der umgebenden Landschaft scheint sich bis ins Klassenzimmer hinein fortzusetzen. Die einzelnen Räume sind nahezu für jedermann einladend offen und dies erleichtert eine Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften und ihren Klassen. Sogar Außenstehenden bereitet das Gebäude einen herzlichen Empfang durch seine leichte Zugänglichkeit. Sicherheitsvorkehrungen, wie ich sie aus Deutschland gewohnt bin, lassen sich vergeblich suchen. Man kann sich von Klasse zu Klasse über einen hellen Verbindungsgang bewegen, ohne auch nur eine Türe öffnen oder schließen zu müssen. Dies fördert die Zusammenarbeit zwischen den Klassen enorm, weil auch die Lehrkräfte bei einer Frage einfach zum Kollegen herüber gehen können, um sich die Antwort zu holen. Manche Zimmer haben bis zu drei Türen, also nahezu in jede Richtung eine, um wirklich überall schnell sein zu können. Vor jedem Klassenraum lädt ein offenes Foyer zum Verweilen ein und die Schüler sitzen dort ruhig während der Freiarbeit, weil sie ja die Nachbarklasse nicht stören wollen.
Ruhe ist ohnehin ein tragender Faktor. Die Kinder werden durch diese offenen Zimmer einerseits mehr oder minder dazu gezwungen, sie scheint jedoch auch selbstverständlich zu sein, sei es beim Gang zum Mittagessen oder beim Fußballspiel in der Pause. Diese Offenheit setzt sich bis zur Vorschule fort, die im gleichen Gebäude untergebracht ist und lediglich durch eine nicht verschlossene Tür von der Grundschule getrennt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
II. Schweden: Bietet einen Überblick über geografische Rahmendaten, die Bevölkerungsstruktur und die allgemeine Wertschätzung von Bildung im schwedischen Wohlfahrtsstaat.
III. Das schwedische Schulsystem: Beschreibt das integrierte, neunjährige Schulsystem in Ganztagesform, die Organisationsebenen von nationaler bis Schulebene sowie zentrale Aspekte wie das Schulgesetz, Lehrkräfte und Schulkinderbetreuung.
IV. Förderung: Analysiert theoretische Grundlagen und förderliche Faktoren für das Lernen, wie Heterogenität, Individualisierung, Ganztagsschule, Mediennutzung und die Bedeutung von Lesen ohne Notendruck.
V. Stölletskolan: Detaillierte Fallstudie der Stölletskolan, die Unterrichtsalltag, Ausstattung, Teamarbeit, Individualisierung und die Bedeutung der Schule als soziales Zentrum beschreibt.
VI. Interviews: Präsentiert die qualitative Auswertung von Gesprächen mit Lehrkräften zu ihren Erfahrungen mit dem schwedischen Schulsystem, der Arbeitssituation und pädagogischen Herausforderungen.
VII. Schluss: Zusammenfassung der wesentlichen Faktoren der Stölletskolan und Reflexion möglicher Anregungen für das deutsche Bildungssystem.
Schlüsselwörter
Schweden, Stölletskolan, Ganztagsschule, Individuelle Förderung, Heterogenität, Schulpädagogik, Bildungssystem, Grundschule, Lehrkräfte, Unterrichtsalltag, Schulentwicklung, Teamarbeit, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den förderlichen Faktoren in der schwedischen Grundschule und deren Umsetzung an der Stölletskolan.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das schwedische Ganztagesschulmodell, Individualisierung, Heterogenität, Teamarbeit und die schulische Ausstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Faktoren für eine förderliche Lernumgebung zu identifizieren, die sowohl Lehrern als auch Schülern zugutekommt, und diese anhand einer konkreten Schule zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine offene, teilnehmende Beobachtung des Schulalltags durchgeführt, ergänzt durch qualitative Experteninterviews mit Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Analyse des schwedischen Schulsystems, die theoretische Aufarbeitung von Förderkonzepten und eine detaillierte Fallstudie der Stölletskolan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ganztagesschule, Individuelle Förderung, Schulentwicklung und Chancengleichheit.
Wie bewerten die Lehrer an der Stölletskolan das schwedische Notensystem?
Die Lehrkräfte bewerten den Verzicht auf Noten in den niedrigen Klassen als sehr positiv, da dies den Druck nimmt und Raum für individuelle Lernentwicklung lässt.
Welche Bedeutung hat die bauliche Gestaltung für die Schule?
Die offene Architektur fördert die Kommunikation zwischen Klassen und Lehrern sowie die Zusammenarbeit, was das Gemeinschaftsgefühl und die familiäre Atmosphäre stärkt.
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- Matthias Flade (Author), 2004, Förderung in einer schwedischen Grundschule - Die Stölletskolan im Fokus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32593