"Barbare" von Rimbaud im Spiegel der Übersetzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Index

Einleitung

Was untersucht die Übersetzungstheorie ?
Der Prozess der Übersetzung
a) Erfassen und b) Interpretieren der Vorlage: Rimbaud verstehen.?
c) die Umsetzung der Vorlage

Drei Übersetzungen - drei Gedichte?

Auswertung
Zech
Küchler
Therre

Zusammenfassung

Bibliographie

„Je réservais la traduction.[1]

Einleitung

Für französische Literaten ist Rimbaud der „Engel im Exil“ (Mallarmé), der „Mystiker im Zustand des Wilden“ (Claudel), ein „brennenden Dornbusch“ (Gide).

Doch auch in Deutschland ist Rimbaud ein Mythos: Wolfenstein nannte ihn einen „Empörer“ gegen die Unvollkommenheit der Welt. Klaus Mann sprach von der Sehnsucht nach den „glühenden Horizonten, den metallischen Regenbogen, den schwülen Nächten und fiebrigen Morgenröten, nach all den unerhörten Schönheiten und Schrecken, die Rimbaud uns mit betörend wilder Geste vorgaukelte, verhieß, enthüllte[2] “.

Die deutschen Übersetzungen machten das Werk Rimbauds auch für nicht-frankophone zugänglich und schrieben ein eigenes Kapitel des Rimbaud-Mythos.

Handelt es sich hierbei nun aber wirklich um Rimbaud-Rezeption, oder vielleicht vielmehr um die Rezeption der verschiedenen Übersetzer? Wie weit entsprechen die Übersetzungen dem Original?

In dieser Hausarbeit sollen drei Übersetzungen eines Gedichtes aus den Illuminations von Rimbaud im Hinblick auf das Problem einer treuen Übersetzung genauer betrachtet werden: Es werden die Übersetzung eines Expressionisten (Zech), herausgegeben 1924; eine Übersetzung in einer zweisprachigen Ausgabe von Küchler, herausgegeben 1960, und die 1979 herausgegebene Übersetzung von Therre und G. Schmidt einander gegenübergestellt und verglichen.

Es wurde das Gedicht Barbare ausgewählt - einerseits auf Grund seiner überschaubaren Länge, die eine detaillierte Gegenüberstellung verschiedener Übersetzungen ermöglicht, andererseits wegen einiger exemplarischer Übersetzungsschwierigkeiten, wie beispielsweise das Auflösen mehrdeutiger Wörter, die keine 1:1 Entsprechung in der Zielsprache haben.

Bei dem genauen Betrachten der verschiedenen Übersetzungen treten interessante Details zu Tage, die bei einer Interpretation des französischen Originals allein wohl oft verborgen bleiben, da bei der Übertragung eines Gedichtes auf alle Einzelheiten geachtet werden muss: Grammatik, Wortwahl, Rhythmus, die Laute...[3]

Eine Übersetzung kann nie all diesen Aspekten gerecht werden, und je nach Schwerpunktsetzung sind die Resultate z.T. sehr unterschiedlich.

Was untersucht die Übersetzungstheorie ?

In Kollers „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ werden die Teilgebiete der Übersetzungstheorie in zwei Haupt-Fragen zusammengefasst:

„ Die Übersetzungstheorie als Teilgebiet der Übersetzungswissenschaft behandelt Fragen wie : welche Faktoren bestimmen den Übersetzungsprozess? Welche Prinzipien leiten den Übersetzer bzw. sollen ihn leiten bei der Übersetzung bestimmter Texte für bestimmte Empfänger?[4]

Demnach soll hier zunächst ein Blick auf den Übersetzungsprozess und die damit verbundenen Probleme der Übersetzung der Illuminations geworfen werden.

Anschließend werden verschiedene normative Ansätze zusammenfassend vorgestellt („Welche Prinzipien sollen leiten?“).

Im Hauptteil werden die verschiedenen Ergebnisse der Übersetzung einander gegenübergestellt und ausgewertet.

Der Prozess der Übersetzung

Dieser Prozess gliedert sich in drei Phasen:

a) Erfassen der Vorlage (d.h. wörtlich- philologisches und stilistisches Erfassen sowie Erfassen des Kunstwerkes als Ganzes).
b) die Interpretation der Vorlage (Suchen des objektiven Kerns der Vorlage)
c) die Umsetzung der Vorlage (künstlerisch gültige Umformulierung unter Beachtung der Inkongruenz verschiedener sprachlicher und stilistischer Systeme)[5].

Bei dem konkreten Übersetzungsfall von Rimbauds Illuminations, liegen schon bei a) (Erfassen des Kunstwerkes) und b) (Interpretation) erhebliche Schwierigkeiten vor - die unterschiedlichen Antworten zu diesen Fragen gehen weit auseinander.

a) Erfassen und b) Interpretieren der Vorlage: Rimbaud verstehen.?

Die späteren Gedichte von Rimbaud (vor allem die Illuminations) wurden extrem unterschiedlich aufgefasst.

So postuliert Antoine Fongaro, es könne mit etwas Geduld ein sogenanntes

„dictionnaire de Rimbaud“ ausgearbeitet werden. So sei der „sens unique de tous les mots de l’alchimiste du verbe[6] “ eindeutig bestimmbar. Nach Fongaro handelt es sich nämlich in Rimbauds Werk um nichts anderes, als ein System von Echos, die sich teils auf eigene Texte, teils auf gelesene Texte von Verlaine, Banville, Hugo, Michelet usw. beziehen.

Tzvetan Todorov dagegen behauptet das genaue Gegenteil:

„L’obscurité des Illuminations est l’une des principales caractéristiques de ce texte; aussi, la tâche de l’interprète, dans ce cas particulier, ne consiste-t-elle pas seulement, ou pas tellement, à élucider le sens, à dissiper les obscurités, mais, avant tout, à reconnaître leur existence et à chercher le sens historique de ce phénomène.[7] »

André Guyaux seinerseits sieht sowohl Rätselhaftigkeit als auch Sinn in Rimbaus Illumination:

„La poésie rimbaldienne « conjugue les voix de l’énigme et les voix du sens[8] ».

Er schlägt zwei ungewöhnliche Lese-Strategien zur Erfassung und Interpretation der Gedichte vor:

Die Texte lesen wie Bilder von Kandinski- oder aber musikalisch, als literarisches Äquivalent der Polytonalität von Stravinski[9].

Betrachtet man also die ersten beiden Phasen des Übersetzungsprozesses vor diesem Hintergrund, wird die besondere Herausforderung deutlich, die mit den Texten der Illuminations einhergeht:

Wenn die wörtlichen Echos die Interpretation ermöglichen, müssen diese in der Übersetzung wiederzufinden sein, es sollte also möglichst wenig am Vokabular geändert werden. Wenn jedoch zusammengesetzte, abstrakte Bilder den entscheidenden Aspekt darstellen, muss die deutsche Variante deren Ausdrucksstärke und Eigenart in der Vordergrund stellen. Liegt die hauptsächliche Bedeutung auf der „Musik“ Rimbauds, muss unter Umständen sehr frei übersetzt werden, um eine lautliche und rhythmische Entsprechung zu finden. Wie kann ein solcher Text also zufriedenstellend übersetzt werden?

[...]


[1] Arthur Rimbaud: (Une Saison en Enfer, / Hrsg. von Werner Dürrson), 2001: 48

[2] Bonnefoy 1962: 210

[3] Jaques Plessen geht in seinem Aufsatz «Les Illuminations. Une traduction impossible?» (in Sergio Sacchi 1988:143 ff .) von einer Erfahrung aus, die er in einem Seminar gemacht hat: Die Studenten haben mit viel Gewinn Übersetzungen hinzugezogen, um dem verborgenen Sinn einiger Illuminations auf den Grund zu gehen.

[4] Koller 1987:45

[5] Koller 1987: 74, 75

[6] Vgl. Sergio Sacchi 1988: X.

[7] Sergio Sacchi 1988: 11

[8] A. Guyaux 1985: 177

[9] Sergio Sacchi 1988: XVII, XVII

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
"Barbare" von Rimbaud im Spiegel der Übersetzung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Rimbaud
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V32645
ISBN (eBook)
9783638333146
Dateigröße
814 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barbare, Rimbaud, Spiegel
Arbeit zitieren
Joanna Jaritz (Autor), 2003, "Barbare" von Rimbaud im Spiegel der Übersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32645

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