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Finanzielle Gestaltungsspielräume bei gesetzlichen Krankenversicherungen

Title: Finanzielle Gestaltungsspielräume bei gesetzlichen Krankenversicherungen

Diploma Thesis , 2004 , 89 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Berthold Denzel (Author)

Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
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Es stellt sich die Frage, ob durch marktwirtschaftliche Elemente Wirtschaftlichkeitsreserven mobilisiert werden können und wie Wettbewerb mit den Grundsätzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu vereinbaren ist. Bevor die Rolle der Krankenkassen im Wettbewerb untersucht werden kann, ist es notwendig, sich mit ihren Zielen auseinanderzusetzen. Ausgehend von den Zielen der einzelnen Krankenkassen werden dann im zweiten und dritten Kapitel dieser Arbeit Gestaltungsspielräume für gesetzliche Krankenversicherungen untersucht. Dabei erfolgt eine Unterscheidung in unmittelbare und mittelbare Spielräume. Unmittelbare Spielräume können von den Krankenkassen direkt beeinflusst werden.

Es entstehen mittelbare Gestaltungsmöglichkeiten, da ein Mitwirken der Versicherten erforderlich ist. Im dritten Kapitel dieser Arbeit wird untersucht, in welcher Form die Krankenkassen Spielräume haben, ihre Versicherten zu steuern und sie zu beeinflussen. Es gibt die Möglichkeit, Anreize für eine möglichst gesundheitsbewusste Lebensführung zu setzen oder aber auf eine möglichst verantwortungsbewusste und sparsame Leistungsinanspruchnahme hinzuwirken. Die Unterscheidung zwischen unmittelbaren und mittelbaren Gestaltungsspielräumen ist nicht immer vollkommen überschneidungsfrei möglich und soll eher einen groben Rahmen liefern. So werden beispielsweise freiwillige Leistungen zur Prävention in Kapitel 2 als unmittelbare Spielräume untersucht, da es den Krankenkassen freigestellt ist, bestimmte Leistungen der Prävention anzubieten oder nicht.

Neben den theoretischen Möglichkeiten soll auch die praktische Ausgestaltung dieser Spielräume durch die Krankenkassen untersucht werden. Hierfür wurde Datenmaterial von 111 gesetzlichen Krankenkassen gesammelt. Bei der Auswahl der Kassen wurde versucht, die jeweiligen Anteile der Kassenarten an der Gesamtheit der Krankenkassen in Deutschland zu berücksichtigen, um so einen möglichst aussagekräftigen Einblick zu gewinnen. Als Informationsquellen dienten, neben Satzungen und Geschäftsberichten, in erster Linie die Internetseiten der Krankenkassen. Zu einzelnen Themenschwerpunkten ergänzten Anfragen per Telefon oder E-Mail die Datengrundlage. Die Ergebnisse sind im Anhang in einer Tabelle zusammengefasst. Aktuelle Änderungen wurden versucht zu berücksichtigen, grundsätzlich ist aber der 1.September 2004 Stand der Untersuchung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Erstes Kapitel

Allgemeine Darstellung der gesetzlichen Krankenversicherung

A. Das System der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland

I. Grundlagen und Prinzipien

II. Versicherter Personenkreis

III. Finanzierung

IV. Leistungen

V. Träger und Organisation

B. Entwicklungen der vergangenen Jahre

I. Notwendigkeit von Strukturreformen

II. Wettbewerb als Lösungsansatz

III. Profilierungsmöglichkeiten im Wettbewerb

C. Ziele gesetzlicher Krankenkassen

Zweites Kapitel

Unmittelbare Gestaltungsspielräume für gesetzliche Krankenversicherungen

A. Gestaltungsspielräume in der Beitragssatzpolitik

I. Rechtliche Grundlagen der Beitragssatzberechnung

II. Theoretische Freiheitsgrade und Analyse bei ausgewählten Krankenversicherungen

B. Spielräume im Verwaltungsbereich

I. Definition und Ausmaß der Verwaltungsausgaben

II. Gestaltungsformen in der Praxis

C. Gestaltung der Beziehungen zu den Leistungserbringern

I. Allgemeine Grundlagen

II. Wettbewerb als Schlüssel für eine effiziente Versorgung

III. Umsetzung durch die Krankenversicherungen

D. Freiräume im Leistungsbereich

I. Darstellung der rechtlichen Spielräume

II. Analyse der praktischen Ausgestaltung

E. Abschließende Beurteilung

Drittes Kapitel

Mittelbare Gestaltungsspielräume durch Steuerung des Mitgliederverhaltens

A. Moral Hazard in der gesetzlichen Krankenversicherung

B. Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens

I. Theoretische Ansatzmöglichkeiten

II. Analyse der Umsetzung in der Praxis

1. Bonusprogramme

2. Betriebliche Gesundheitsförderung

3. Aufklärung und Information

C. Beeinflussung der Leistungsinanspruchnahme

I. Ziele und Möglichkeiten der Steuerung

II. Ausgestaltungsformen in der Praxis

1. Hausarztmodelle

2. Disease Management-Programme

3. Beitragsrückzahlung und Selbstbehalt

D. Abschließende Beurteilung

Ergebnisse und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die finanziellen Gestaltungsspielräume von gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Ziel ist es, in einem durch den Gesetzgeber streng regulierten Umfeld (insbesondere durch das Solidaritätsprinzip und den Risikostrukturausgleich) Identifikationsmöglichkeiten für Krankenkassen zu finden, wie diese im Wettbewerb um Mitglieder agieren können. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, ob und in welchen Bereichen – sei es in der Beitragssatzpolitik, im Verwaltungsmanagement, bei der Steuerung der Leistungsinanspruchnahme oder durch Bonusmodelle – sich Krankenkassen erfolgreich gegenüber Mitbewerbern profilieren können.

  • Analyse unmittelbarer Gestaltungsspielräume bei Beitragssätzen und Verwaltungsausgaben.
  • Untersuchung der Beziehungen zu Leistungserbringern und neuen Versorgungsformen (Managed Care).
  • Evaluation mittelbarer Spielräume durch Steuerung des Mitgliederverhaltens (Gesundheitsförderung, Bonusmodelle).
  • Empirische Einblicke durch Auswertung von Datenmaterial von 111 gesetzlichen Krankenkassen.
  • Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Wettbewerb und den Grundsätzen der solidarischen Krankenversicherung.

Auszug aus dem Buch

II. Wettbewerb als Lösungsansatz

Historisch bedingt war die Zuständigkeit der verschiedenen Krankenkassen für bestimmte Personenkreise gesetzlich geregelt. So waren die Betriebskrankenkassen beispielsweise für die Beschäftigten des jeweiligen Betriebs zuständig, die Innungskrankenkassen für alle Beschäftigten von Handwerksbetrieben und die Techniker Krankenkasse für Angestellte in technischen und chemischen Berufen. Ein Wahlrecht bestand nur für Angestellte, die sich zwischen Ersatzkassen für Angestellte und den Allgemeinen Ortskrankenkassen entscheiden konnten. Vor dem Hintergrund der oben genannten zunehmenden Finanzierungsproblematik, steigender Krankenkassenbeiträge für die Versicherten und steigender Lohnnebenkosten für die Unternehmen wurde mit Wirkung zum 1. Januar 1997 ein umfassendes Krankenkassenwahlrecht eingeführt. Mit der Integration des Wettbewerbsprinzips in die solidarische Krankenversicherung war die Hoffnung verbunden, stärkere Anreize zur Erhöhung von Effizienz und Effektivität im Gesundheitswesen zu setzen und einen entsprechenden Wettbewerbsdruck zu erzeugen.

Die Gesundheitsversorgung wird stärker an den Präferenzen und Bedürfnissen der Versicherten orientiert. Diese haben damit die Möglichkeit, über ihre Wahlentscheidung Einfluss auf das Verhalten der Krankenversicherungen zu nehmen. Wettbewerb bringt einen Zwang zur permanenten Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven sowie zur Suche nach Innovationen und neuen Versorgungsformen mit sich. Krankenkassen, denen das nicht gelingt, verlieren Kunden an ihre Konkurrenten und werden nach einiger Zeit aus dem Markt ausscheiden.

Zusammenfassung der Kapitel

Erstes Kapitel: Dieses Kapitel stellt das System der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland vor, inklusive der historischen Grundlagen, Finanzierungsprinzipien und der Einführung des Wettbewerbs als Lösungsansatz für Finanzierungsprobleme.

Zweites Kapitel: Hier werden die unmittelbaren Handlungsspielräume der Krankenkassen untersucht, wobei insbesondere Beitragssatzpolitik, Verwaltungsausgaben und Vertragsbeziehungen zu Leistungserbringern beleuchtet werden.

Drittes Kapitel: Dieses Kapitel analysiert mittelbare Gestaltungsspielräume, die sich durch die aktive Steuerung des Mitgliederverhaltens ergeben, etwa durch Bonusprogramme, betriebliche Gesundheitsförderung und neue Versorgungsmodelle.

Schlüsselwörter

Gesetzliche Krankenversicherung, Krankenkassenwahlrecht, Wettbewerb, Risikostrukturausgleich, Beitragsatzpolitik, Verwaltungskosten, Leistungserbringer, Disease Management, Bonusprogramme, Betriebliche Gesundheitsförderung, Hausarztmodelle, Moral Hazard, Solidaritätsprinzip, Versichertenverhalten, Wirtschaftlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten der gesetzlichen Krankenkassen, trotz strenger gesetzlicher Regulierung und des solidarischen Finanzierungssystems, aktiv an der Gestaltung ihres Angebots mitzuwirken und sich im Wettbewerb um Versicherte zu profilieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Beitragssatzpolitik, das Management der Verwaltungsausgaben, die Vertragsgestaltung mit Leistungserbringern sowie die Beeinflussung des Versichertenverhaltens durch Anreizmodelle.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob und in welchen Bereichen die einzelnen Krankenkassen tatsächlich Spielräume besitzen, um sich gegenüber anderen Kassen abzuheben, und in welchem Umfang diese Möglichkeiten in der Praxis tatsächlich ausgeschöpft werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Neben einer theoretischen Fundierung durch Literatur- und SGB-Analyse wurde eine empirische Untersuchung durchgeführt, bei der Daten von 111 gesetzlichen Krankenkassen gesammelt und ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist in drei Kapitel unterteilt, die von den allgemeinen Rahmenbedingungen über unmittelbare Gestaltungsmöglichkeiten bei Finanzen und Leistungen bis hin zu mittelbaren Ansätzen der Verhaltenssteuerung bei den Mitgliedern führen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere der Wettbewerb zwischen Krankenkassen, die Gestaltung von Zusatzleistungen, Bonusmodelle, Disease Management-Programme und das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und sozialem Auftrag.

Welche Rolle spielt der Risikostrukturausgleich bei der Profilierung?

Der Risikostrukturausgleich soll eine unerwünschte Risikoselektion verhindern, indem er Unterschiede in der Mitgliederstruktur (Alter, Geschlecht, Krankheitslast) ausgleicht. Er schafft so faire Startbedingungen für den Wettbewerb, setzt aber gleichzeitig Anreize, die Versorgung chronisch Kranker zu verbessern.

Warum sind Hausarztmodelle für Krankenkassen strategisch interessant?

Hausarztmodelle ermöglichen es den Krankenkassen, Patienten durch das Gesundheitssystem zu leiten ("Lotse"-Funktion). Dies kann zu einer effizienteren Behandlung führen, Doppeluntersuchungen vermeiden und somit die Kosten senken sowie die Behandlungsqualität erhöhen.

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Details

Title
Finanzielle Gestaltungsspielräume bei gesetzlichen Krankenversicherungen
College
University of Mannheim
Grade
1,3
Author
Berthold Denzel (Author)
Publication Year
2004
Pages
89
Catalog Number
V32655
ISBN (eBook)
9783638333207
ISBN (Book)
9783638703925
Language
German
Tags
Finanzielle Gestaltungsspielräume Krankenversicherungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Berthold Denzel (Author), 2004, Finanzielle Gestaltungsspielräume bei gesetzlichen Krankenversicherungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32655
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