Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar?


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Wachstumsaufschwung
2.1 Grundlegung
2.2 Methode zur Berechnung der Produktivität
2.3 Ursachen des Wachstums
2.4 Moore’s Law

3 Die Industrielle Revolution
3.1 Einführung in den Vorindustriellen Alltag
3.2 Die Innovationen
3.3 Der Vergleich zweier Zeitalter

4 Merkmale des Computerzeitalters
4.1 Einführung in das Medium
4.2 Die Lebensdauer und Nachfrage von Computern
4.3 Der sinkende Grenznutzen
4.4 Absatzaspekte

5 Der Durchbruch des Internets
5.1 Die Innovation zur Jahrtausendwende
5.2 Einteilung der Internetbranchen
5.3 Die Vorteile des Internets
5.4 Die Nachteile des Internets
5.5 Das Ausbleiben der Erwartungen

6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abb. 1: Darstellung der Wachstumseffekte

Abb. 2: Entwicklung der Preisrate von Computern

Abb. 3: Computerverkäufe im Zusammenhang zwischen Preis und Quantität

1 Problemstellung

Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar? Dieser Fragestellung soll in der vorliegenden Arbeit anhand der Thesen von Robert J. Gordon nachgegangen werden.1

Entgegen der vorherrschenden Ansicht bestehen für Gordon zwischen diesen beiden Zeitaltern gravierende Unterschiede. Unter Industrieller Revolution werden allgemein beschleunigte technologische,ökonomische und soziale Veränderungen verstanden, die ihren Ausgangspunkt im 18. Jahrhundert in Großbritanien nahmen. Gordon definiert sie als „any great acceleration of output and productivity growth that is pervasive and economywide.“2 Dabei differenziert er die erste (1760-1830) von der zweiten industriellen Revolution (1860-1900). Für seine Betrachtungen zieht er besonders die zweite Phase heran.

Für die New Economy legt er den Zeitraum von 1995-1999 zugrunde. Sie konzentriert sich lediglich auf einen Wirtschaftsbereich, nämlich auf die sogenannten Zukunftsbranchen, zu denen neben der Biotechnologie die Informations- und Kommunikationstechnologien gezählt werden. Um von New Economy zu sprechen, ist für Gordon daher auch ausschlaggebend „an acceleration in rate of technical advance in Information Technology“.3

Im folgenden soll zunächst das Produktivitätswachstum in den 90er Jahren analysiert werden. Als zweites wird auf Auswirkungen der Industriellen Revolution eingegangen. Danach sollen die Entwicklungen des Computerzeitalters betrachtet werden. Schliesslich werden die Vor- und Nachteile des Internets erläutert. Nach der abschliessenden Zusammenfassung wird eine Schlussfolgerung gezogen.

2 Wachstumsaufschwung

2.1 Grundlegung

Nach der Berechnung der Produktivität untersucht Gordon die Ursachen des Wachstumsanstiegs zu Beginn der 90er Jahre. Anhand des Moore’schen Gesetzes erläutert er den Preisverfall von Personal- Computern.

2.2 Methode zur Berechnung der Produktivität

Um die Rolle des Computers während des Aufschwungs der 90er Jahre zu bewerten, unterscheidet der Autor zwischen der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität (im folgenden ALP) und der Multifaktorproduktivität (im folgenden MFP). Die Produktivität (y) ergibt sich somit aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

der Wachstumsrate des MFP (m), dem Produkt aus der Produktionselastizität in Abhängigkeit zur eingesetzten Arbeit (b) und der Arbeitsstunden (h) sowie dem Produkt aus der Produktionselastizität in Abhängigkeit vom eingesetzten Kapital (1-b) und dem Kapital (k).

Durch die Umformung der Gleichung erhält man:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus wird ersichtlich, dass die Produktionsleistung pro Stunde (y-h), bzw. der Anstieg der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität (ALP), dem Anstieg der Multifaktorproduktivität (m) und der Kapitalintensität entspricht. Unter Kapitalintensität versteht man das Produkt aus Produktionselastizität in Abhängigkeit vom Kapital (1-b) und der Wachstumsrate der Kapitalintensität (k-h).

2.3 Ursachen des Wachstums

Um das Wachstumsphänomen in der Phase der New Economy zu erklären, unterscheidet Gordon zwischen den Computer-Herstellern und den Computer-Nutzern.4 Einerseits die Computer-Industrie, die die Hardware herstellt und die Software entwickelt und den Konsumenten, die diese Technologie für ihre Geschäftsabwicklung in Anspruch nehmen und nicht an ihrer Produktion beteiligt sind.

Aus den stark gefallenen Preisen in der Computerbranche resultiert nach Ansicht des Autors eine steigende Kapitalintensität, d.h. der Versuch das Verhältnis des eingesetzten Kapitals zur Arbeit zu verbessern (capital deepening effect). Als Reaktion darauf steige die Arbeitsproduktivität, die Multifaktorproduktivität bleibe jedoch unberührt. Für die Computer-Nutzer habe dies direkte Auswirkungen (direct effect), für andere Branchen ergäben sich externe Effekte (spillover effect). Diese resultieren aus einer beschleunigten MFP, parallel zum technologischen Fortschritt in der Computerbranche. Graphisch lässt sich dieser Zusammenhang wie folgt darstellen:

Abb. 1: Graphische Darstellung der Wachstumseffekte. 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allgemein wird behauptet, die New Economy sei durch hohe Wachstumsraten gekennzeichnet. So wird beispielsweise für den Bereich der privaten Unternehmen (ohne Agrarsektor) für den Zeitraum 1995-1999 von einer durchschnittlichen Produktivitätsrate pro Stunde von 2,82 Prozentpunkten ausgegangen. Tatsächlich sei das Wachstum jedoch viel geringer. Zu berücksichtigen seien nämlich der zyklische Effekt, die Preisentwicklung, die Arbeitsqualität, die Kapitalintensität und das Wachstum der MFP in der Halbleiterbranche. Auf diese Weise ermittelt Gordon für das oben genannte Beispiel ein Nullwachstum.6

2.4 Moore’s Law

Ein wichtiger Grund für den Preisverfall in der Computerbranche ist die kontinuierliche Beschleunigung des technologischen Prozesses. Dazu gehören die Steigerung der Rechengeschwindigkeit ebenso wie die zunehmende Speicherkapazität. Gordon verweist in diesem Zusammenhang auf Moore’s Law. Der Mitbegründer von Intel, Gordon Moore, hatte bereits 1965 festgestellt, dass sich die Zahl der Transistoren auf einem Computerchip seit seiner Erfindung jedes Jahr verdoppelt hatte.7

Abb. 2: Die Entwicklung der Preisrate von Computern und deren Zubehör aus Quartalszahlen in Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der starke Preisabschwung aus den Jahren 1995 - 1999 ist in Abb. 2 deutlich zu erkennen. So sind 1999 die Preise für Computer und Computerperipherie um knapp 40 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorquartal gesunken.8

3 Die Industrielle Revolution

3.1 Einführung in den Vorindustriellen Alltag

Um die New Economy mit dem Zeitalter der Industriellen Revolution vergleichen zu können, beschäftigt sich Gordon eingehend mit den wachstumsfördernden Aspekten der Industriellen Revolution. Dabei bezieht er sich ausschliesslich auf die zweite Industrielle Revolution, die zeitgleich in Europa und den USA stattfand. Sie sei für das Goldene Zeitalter9 des Produktivitätswachstums (1913-1970) konstituierend.

Ausführlich schildert Gordon die Lebensbedingungen der vorindustriellen Zeit. So geht er auf die Umweltverschmutzung und die Probleme der Lebensmittelkonservierung und auf die hygienischen Verhältnisse ein. Im Jahr 1882 hätten gerade einmal 2 Prozent der New Yorker über einen eigenen Wasseranschluss verfügt.10 Wegen eingeschränkter Transportmöglichkeiten sei das Landleben von Isolation geprägt gewesen.

3.2 Die Innovationen

Als wichtige Voraussetzungen für den Übergang vom vorindustriellen zum industriellen Zeitalter nennt Gordon neben den klassischen Erfindungen technische Neuerungen des Produktionsapparates und die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechniken. Er gliedert sie in fünf Gruppen:11

1. die Nutzung von Elektrizität. Sie ermöglichte das elektrische Licht und elektrische Motoren. Durch die elektrische Glühbirne, entwickelt von Thomas A. Edison im Jahr 1879, habe sich der Preis für die Beleuchtung drastisch reduziert.12 Elektrische Motoren hätten für eine Dezentralisierung und Flexibilisierung der Produktion gesorgt. Für die Privathaushalte bedeutete der Einzug von Waschmaschinen, Kühlschränken und Klimaanlagen Arbeitserleichterung und Komfort.

2. die Entwicklung der Dampfmaschine. Sie revolutionierte das Transportwesen und führte zu Veränderungen in anderen Bereichen. So spricht Gordon die Ausbildung von Vorstädten, Autobahnen und Supermärkten an.13

3. der Fortschritt in der angewandten Chemie. Erstmals wurden Molekularstrukturen verändert. Auf diese Weise konnten neue Produkte entwickelt werden, z.B. Plastik. Der Einsatz von Energieträgern wie Gas undöl reduzierte die Luftverschmutzung.14 In der Pharmazie wurden pflanzliche Arzneimittel zunehmend von chemischen verdrängt. Krankheiten konnten wirksam bekämpft und die Lebenserwartung gesteigert werden.

4. die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechniken. Mit dem Telegraphen, dem Telefon, der Fotographie, dem Radio und dem Fernseher wurde eine Entwicklung eingeleitet, die Gordon als „Verkleinerung der Welt“ bezeichnet.15 Vorausgegangen waren die Alphabetisierung und die Verbreitung von Druckerzeugnissen in der Folge des Buchdrucks.

5. die Versorgung mit fliessendem Wasser. Der Ausbau sanitärer Anlagen und der Kanalisation stand zwar nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Pasteurs Theorie der Infektionskrankheiten. Die Massnahmen trugen aber entscheidend dazu bei, die Todesrate zu senken.16

Folge der Innovationen war eine Wohlfahrtssteigerung während der sogenannten „goldenen Jahre“.17 Sie resultierte aus einer Produktivitätssteigerung, die auch herkömmliche Konsumgüter wie etwa Immobilien einschloss.18

[...]


1 Gordon, Robert J., Does the New Economy measure up to the great inventions of the past?, NBER Working Paper Series, Working Paper 7833, August 2000.

2 Ebenda, S. 1.

3 Ebenda, S. 2.

4 Ebenda, S. 8.

5 Abbildung nach Übersetzung von Gordon, August 2000, Figure 1.

6 Vgl. Tab. 2, ebenda.

7 Vgl. Gordon E. Moore, Artikel in der Zeitschrift Electronics, 1965, wieder erschienen in: http://www.intel.com/research/silicon/mooreslaw.htm?iid=sr+moore&, 02. Mai 2003, 16:23 Uhr.

8 Abbildung nach Übersetzung von Gordon, August 2000, Figure 2.

9 Sog. “golden age”, ebenda, S. 17.

10 Ebenda, S. 19.

11 Jede der genannten Gruppen hatte ihren ersten Durchbruch in den Jahren 1860-1900. Ebenda, S. 20.

12 Ebenda, S. 21.

13 Ebenda, S. 21.

14 Verglichen mit der Entdeckung von Elektrizität entwickelt sich die angewandte Chemie kontinuierlich. Ebenda, S. 22.

15 Ebenda, S. 22.

16 Ebenda, S. 23.

17 Vgl. “golden years of productivity growth”, ebenda, S. 23.

18 Ebenda, S. 23.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar?
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Volkswirtschaftslehre
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V32693
ISBN (eBook)
9783638333511
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar? Dieser Fragestellung soll in dieser Arbeit anhand der Thesen von Robert J. Gordon nachgegangen werden. Zunächst wird das Produktivitätswachstum in den 90er Jahren analysiert, gefolgt von den Auswirkungen der Industriellen Revolution. Danach sollen die Entwicklungen des Computerzeitalters betrachtet werden. Nach der abschliessenden Zusammenfassung wird eine Schlussfolgerung gezogen.
Schlagworte
Economy, Innovationen, Vergangenheit, Volkswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Philipp Arndt (Autor:in), 2003, Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32693

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