Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar? Dieser
Fragestellung soll in der vorliegenden Arbeit anhand der Thesen von Robert J. Gordon nachgegangen
werden.1
Entgegen der vorherrschenden Ansicht bestehen für Gordon zwischen diesen beiden Zeitaltern
gravierende Unterschiede. Unter Industrieller Revolution werden allgemein beschleunigte
technologische, ökonomische und soziale Veränderungen verstanden, die ihren Ausgangspunkt im 18.
Jahrhundert in Großbritanien nahmen. Gordon definiert sie als „any great acceleration of output and
productivity growth that is pervasive and economywide.“2 Dabei differenziert er die erste (1760-1830)
von der zweiten industriellen Revolution (1860-1900). Für seine Betrachtungen zieht er besonders die
zweite Phase heran.
Für die New Economy legt er den Zeitraum von 1995-1999 zugrunde. Sie konzentriert sich lediglich
auf einen Wirtschaftsbereich, nämlich auf die sogenannten Zukunftsbranchen, zu denen neben der
Biotechnologie die Informations- und Kommunikationstechnologien gezählt werden. Um von New
Economy zu sprechen, ist für Gordon daher auch ausschlaggebend „an acceleration in rate of technical
advance in Information Technology“.3
Im folgenden soll zunächst das Produktivitätswachstum in den 90er Jahren analysiert werden. Als
zweites wird auf Auswirkungen der Industriellen Revolution eingegangen. Danach sollen die
Entwicklungen des Computerzeitalters betrachtet werden. Schliesslich werden die Vor- und Nachteile
des Internets erläutert. Nach der abschliessenden Zusammenfassung wird eine Schlussfolgerung
gezogen.
1 Gordon, Robert J., Does the New Economy measure up to the great inventions of the past?, NBER Working
Paper Series, Working Paper 7833, August 2000.
2 Ebenda, S. 1.
3 Ebenda, S. 2.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Wachstumsaufschwung
2.1 Grundlegung
2.2 Methode zur Berechnung der Produktivität
2.3 Ursachen des Wachstums
2.4 Moore’s Law
3 Die Industrielle Revolution
3.1 Einführung in den Vorindustriellen Alltag
3.2 Die Innovationen
3.3 Der Vergleich zweier Zeitalter
4 Merkmale des Computerzeitalters
4.1 Einführung in das Medium
4.2 Die Lebensdauer und Nachfrage von Computern
4.3 Der sinkende Grenznutzen
4.4 Absatzaspekte
5 Der Durchbruch des Internets
5.1 Die Innovation zur Jahrtausendwende
5.2 Einteilung der Internetbranchen
5.3 Die Vorteile des Internets
5.4 Die Nachteile des Internets
5.5 Das Ausbleiben der Erwartungen
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob die New Economy der späten 1990er Jahre in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihrem Innovationsgehalt mit den großen technologischen Sprüngen der industriellen Revolution in der Vergangenheit vergleichbar ist. Das primäre Ziel ist die Überprüfung der Thesen von Robert J. Gordon hinsichtlich des Produktivitätswachstums und der tatsächlichen ökonomischen Auswirkungen moderner Informationstechnologien.
- Vergleich der New Economy mit historischen Innovationsschüben
- Analyse des Produktivitätswachstums und der Rolle der Informationstechnologie
- Untersuchung der ökonomischen Effekte des Internets und der Computerbranche
- Diskussion des sogenannten Solow-Computer-Paradoxons
- Bewertung der Diskrepanz zwischen technologischer Entwicklung und Produktivitätssteigerung
Auszug aus dem Buch
4.3 Der sinkende Grenznutzen
Das Phänomen des abnehmenden Grenznutzens erklärt Gordon mit Hilfe eines Beispiels: die Geschwindigkeitssteigerung eines Computers erlaube es dem Menschen nicht, schneller zu denken. Aus dem sinkenden Grenznutzen folge eine exponentielle Abnahme der Kapitalproduktivität bei einer ebenso starken Abnahme der Grenzproduktivität des Kapitals (des Computers).
Der zusätzliche Nutzen ergäbe sich hauptsächlich durch visuelle Darstellungen und graphische Effekte bzw. Unterlegungen. Die erste Version von einem Desktop-Publishing-Programm habe den grössten Nutzen erbracht. Mit jeder Folgeversion sei der zusätzliche Gewinn kleiner geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in die Forschungsfrage zum Vergleich von New Economy und Industrieller Revolution auf Basis von Robert J. Gordons Thesen.
2 Wachstumsaufschwung: Analyse der Produktivitätsmessung in den 90er Jahren und Erläuterung des Preisverfalls bei Computern durch das Moore’sche Gesetz.
3 Die Industrielle Revolution: Historischer Rückblick auf die zweite industrielle Revolution und deren technologische Innovationsblöcke als Vergleichsmaßstab.
4 Merkmale des Computerzeitalters: Untersuchung der ökonomischen Charakteristika von Computern, insbesondere der sinkenden Grenznutzen und der Marktdurchdringung.
5 Der Durchbruch des Internets: Kategorisierung der Internetbranchen sowie eine differenzierte Betrachtung der Vor- und Nachteile sowie der enttäuschten Produktivitätserwartungen.
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, die darauf hindeutet, dass die New Economy hinter den historischen Errungenschaften zurückbleibt.
Schlüsselwörter
New Economy, Industrielle Revolution, Produktivitätswachstum, Robert J. Gordon, Moore’s Law, Computerzeitalter, Internet, Grenznutzen, Informationstechnologie, Kapitalintensität, Multifaktorproduktivität, Solow-Computer-Paradoxon, Innovationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob der wirtschaftliche Aufschwung der sogenannten New Economy Ende der 90er Jahre qualitativ und quantitativ mit den großen technologischen Sprüngen der industriellen Vergangenheit gleichzusetzen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Produktivitätsmessung in der Computerbranche, die ökonomischen Auswirkungen von Hardware-Innovationen und eine historische Gegenüberstellung mit den Innovationen der zweiten industriellen Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, mithilfe der Thesen von Robert J. Gordon zu belegen, inwieweit das Internet und die Computerisierung tatsächlich zu einer nachhaltigen Steigerung der Gesamtproduktivität geführt haben oder ob es sich eher um zyklische Effekte handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse ökonomischer Kennzahlen und dem Vergleich technologischer Innovationszyklen sowie der Auswertung bestehender wissenschaftlicher Studien zur Produktivität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Produktivitätsanalyse der Computerbranche, eine historische Einordnung der industriellen Revolution, die ökonomischen Merkmale des Computerzeitalters und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der ökonomischen Rolle des Internets.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Multifaktorproduktivität, das Moore’sche Gesetz, spillover-Effekte und das Solow-Computer-Paradoxon.
Warum bezweifelt der Autor, dass das Internet die Produktivität massiv gesteigert hat?
Gordon argumentiert, dass viele Internetinhalte lediglich Duplikate existierender Informationen sind und die Nutzung oft zur privaten Zeitverschwendung am Arbeitsplatz führt, anstatt neue, wahrhaft produktive Prozesse zu schaffen.
Was besagt die „Verzögerungshypothese“ im Kontext der Computertechnologie?
Die Hypothese besagt, dass sich technologische Neuerungen nur langsam durchsetzen. Gordon lehnt diese jedoch ab und weist darauf hin, dass Computer bereits seit über 50 Jahren bekannt waren, als die New Economy boomte.
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- Philipp Arndt (Author), 2003, Ist die New Economy mit den Innovationen aus unserer Vergangenheit vergleichbar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32693