Analystenreports sind bezüglich ihres Aussagegehalts in die Kritik gekommen. Das manager-magazin betitelte die Analysten sogar als „Die Zunft der Blindgänger“. Einerseits richtet sich die Kritik an die Kurs- und Gewinnprognosen, welche oft so nicht erreicht werden, andererseits an die Informationen, die Analystenreports beinhalten. Daher soll in dieser Arbeit erst mal erläutert werden, welche Funktionen die Analysten auf dem Kapitalmarkt haben, und welche Verfahren sie zur Analyse, Prognose und Empfehlung anwenden. Im Folgenden wird die Frage nach dem Grad der Informationseffizienz gestellt, die am Kapitalmarkt vorherrscht, um zu klären, ob es durch technische oder fundamentale Analyse überhaupt möglich ist, qualifizierte Prognosen abzugeben bzw. dadurch Überrenditen zu generieren. Da sich auf diese Frage kein abschließendes Urteil fällen lässt, wird im Folgenden betrachtet, inwieweit die von Analysten getroffenen Prognosen und Empfehlungen realisiert werden.
Der Informationsgehalt von Analystenreports lässt sich aber nicht nur auf Prognosefähigkeiten der Analysten beschränken, sondern auch aus ihrer Rolle als Informationsintermediär, der neue Informationen den Investoren bereitstellt. Hauptindiz für den Inhalt neuer Informationen sind Kursreaktionen, die durch die Veröffentlichung von Analystenreports bedingt sind. Diese Frage soll anhand zahlreicher empirischer Studien erörtert werden. In der Praxis werden verschiedene Systeme zur Performancemessung und zur Erstellung von Analystenrankings angeboten. Die wichtigsten werden im Folgenden vorgestellt. Die Systeme werden einer kritischen Betrachtung unterzogen, insbesondere im Vergleich zu den vorher vorgestellten Ergebnissen der empirischen Studien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analysten
2.1. Bedeutung und Aufgaben der Analysten und derer Berichte
2.2. Bewertung und Empfehlung
3. Informationseffizienz auf den Kapitalmärkten
3.1. Strenge Informationseffizienz
3.2. Halbstrenge Informationseffizienz
3.3. Schwache Informationseffizienz
3.4. Beurteilung der Informationseffizienz auf den Kapitalmärkten und mögliche Schlussfolgerungen
4. Prognoseleistung und Informationsgehalt von Analystenreports
4.1. Prognoseleistung von Analystenreports
4.2. Informationsgehalt von Analystenreports und unmittelbare Kursreaktionen
4.3. Performancemessung und Analystenrankings in der Praxis
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Informationsgehalt von Analystenreports und prüft, inwieweit Analysten in der Lage sind, präzise Prognosen für die Finanzmarktentwicklung abzugeben. Dabei wird analysiert, ob Anleger durch das Antizipieren dieser Berichte systematische Überrenditen erzielen können oder ob die Märkte bereits effizient genug sind, um jegliche Prognosekraft zu neutralisieren.
- Grundlegende Rollen und Aufgaben von Finanzanalysten im Marktumfeld
- Analyse der Informationseffizienz-Hypothese auf Kapitalmärkten
- Empirische Untersuchung der Prognosegüte und Kursreaktionen nach Berichtsveröffentlichung
- Kritische Würdigung bestehender Systeme zur Performancemessung und zu Analystenrankings
Auszug aus dem Buch
4.2. Informationsgehalt von Analystenreports und unmittelbare Kursreaktion
Informationsgehalt von Analystenreports lässt sich anhand von den unmittelbaren Kursreaktionen auf deren Veröffentlichung ableiten.
Auf die Revision von Empfehlungen in Analystenreports weisen mehrere Studien unmittelbare signifikante Änderungen der Aktienkurse nach, unter anderen Stickel (1995), Womack (1996), Francis/Soffler (1997), Brav/Lehavy (2003), und Asquith/Mikhail/Au (2004). Wie oben beschrieben, besteht ein Analystenreport in der Mehrzahl nicht nur aus einer reinen Empfehlung, sondern noch aus einer Gewinnprognose, Kursprognose und einer schriftlichen Begründung (justifications). Diese weiteren Bestandteile wurden im Laufe der Zeit in den verschiedenen Studien aufgenommen.
Die beobachteten unmittelbaren Kursreaktionen waren bei Womack für 3 Tage nach Veröffentlichung z.B. für Empfehlungsänderung hoch auf (runter von) Strong Buy 2,98% (-1,94%), bei Francis/Soffler für -1 bis +1 Tag z.B. für Empfehlungsänderung hoch auf (runter von) Buy 1,27% (-1,94%), bei Brav/Lehavy für -1 bis +1 Tag z.B. für Heraufstufungen (Herabstufungen) 2,97% (3,00%),
Durch differenzierte Betrachtung der Gründe der unmittelbaren Kursreaktionen fanden Francis/Soffler und Stickel unter Berücksichtigung von Gewinnprognose und Empfehlung heraus, dass Investoren sich bei der Revision einer Hold- oder Sell-Empfehlung zunehmend auf die Gewinnprognose verlassen.
Brav/Lehavy zeigen anhand der in Analystenreports veröffentlichten Kursziele auf, dass signifikante Marktreaktionen auch unabhängig von Gewinnprognosen und Empfehlungen darauf stattfinden, d.h., dass sie zusätzlichen Informationsgehalt besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Kritik an Analystenreports und definiert das Ziel der Arbeit, die Rolle der Analysten und den Informationsgehalt ihrer Berichte zu prüfen.
2. Analysten: Dieses Kapitel beschreibt die zentralen Aufgaben von Analysten, insbesondere die Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -distribution sowie die angewandten Bewertungsverfahren.
3. Informationseffizienz auf den Kapitalmärkten: Hier werden die schwachen, halbstrengen und strengen Formen der Informationseffizienz diskutiert, um den theoretischen Rahmen für mögliche Überrenditen zu schaffen.
4. Prognoseleistung und Informationsgehalt von Analystenreports: Dieses Kernkapitel untersucht anhand empirischer Studien die Genauigkeit von Prognosen und bewertet gängige Systeme zur Performancemessung von Analysten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Analystenreports zwar einen unmittelbaren Informationsgehalt besitzen, eine langfristige Prognosefähigkeit jedoch kaum nachweisbar ist.
Schlüsselwörter
Analystenreports, Informationseffizienz, Kapitalmarkt, Kursreaktionen, Gewinnprognosen, Performancemessung, Finanzanalyse, Überrenditen, Analystenrankings, Buy-Empfehlungen, Sell-Empfehlungen, Informationseffizienzhypothese, Kapitalmarktgleichgewicht, Informationsintermediäre, Markteffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Finanzanalysten tatsächlich in der Lage sind, Marktentwicklungen vorherzusehen, und wie Investoren auf die in Analystenreports bereitgestellten Informationen reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rolle der Analysten, die Hypothese informationseffizienter Kapitalmärkte, die empirische Messung von Kursreaktionen auf Reports und die Bewertung von Systemen zur Analysten-Performance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob Analystenreports für Anleger einen substanziellen Mehrwert bieten und ob die Markteffizienz eine systematische Generierung von Überrenditen durch diese Berichte zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung zahlreicher empirischer Studien, die Marktreaktionen und Prognosegenauigkeiten in unterschiedlichen Zeiträumen untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung der Markteffizienz sowie die empirische Analyse der Prognoseleistung und des tatsächlichen Informationsgehalts von Analystenberichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Informationseffizienz, Prognosegüte, Analystenrankings, Markteffizienzhypothese und der Informationsgehalt von Kurszielen sowie Gewinnprognosen.
Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße bei der Analystenbewertung?
Die Arbeit stellt fest, dass bei kleineren Unternehmen häufig weniger Analystencoverage und geringere Markttransparenz vorhanden sind, was die Marktreaktionen auf Reports beeinflusst.
Warum schneiden manche Analysten in Rankings schlechter ab, obwohl sie hochwertige Reports liefern?
Da viele Bewertungssysteme primär auf Empfehlungen fokussieren, könnten Analysten benachteiligt werden, deren Qualität in detaillierten Begründungen und präzisen Kursprognosen liegt, welche in den Rankings nicht ausreichend gewichtet werden.
- Citar trabajo
- Michael Rommel (Autor), 2004, Informationsgehalt von Analystenreports, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32716