Häresien im Hohen Mittelalter. Historische Darstellung und didaktische Überlegungen für eine Thematisierung im Geschichtsunterricht


Examensarbeit, 2001
114 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Fachwissenschaftlicher Teil
1. Häresien im hohen Mittelalter
1.1. Begriffserklärung Ketzerei/ Häresie
1.2. Forschungsstand und Quellenlage
1.2.1. Zur Forschung
1.2.2. Zu den Quellen
2. Die Häresien im Überblick
2.1. Häresien des 11. Jahrhunderts
2.1.1. Der Bauer Leuthard (1000)
2.1.2. Orléans (1022)
2.1.3. Lüttich und Arras (1025)
2.1.4. Monteforte (1028)
2.1.5. Zusammenfassung
2.1.6. Die „Ketzer“ während des Investiturstreits
2.2. Wiederaufleben im 12. Jahrhundert
2.2.1. Tanchelm von Antwerpen und Seeland
2.2.2. Der Mönch Heinrich
2.2.3. Peter von Bruis
2.2.4. Arnold von Brescia
2.2.5. Zusammenfassung
2.3. Die Waldenser
2.3.1. Die Entstehung
2.3.2. Die weitere Entwicklung der Bewegung (Von 1182-1215)
2.3.3. Die Organisation
2.4. Die Katharer
2.4.1. Anfänge und Verbreitung
2.4.2. Lehre und Organisation
2.4.3. Verfolgung
3. Erklärungsversuche
3.1. Marxistische Interpretation
3.2. Bürgerliche Deutung
3.3. Gesellschaft und Kirche im hohen Mittelalter
3.3.1. Wandel der gesellschaftlichen Bedingungen seit dem 11. Jahrhundert
3.3.2. Wandel der Kirche und der Religiosität
3.4. Zusammenfassende Beurteilung der Häresien
4. Reaktionen der Kirche
4.1. Bettelorden
4.1.1. Dominikaner
4.1.2. Franziskaner
4.2. Inquisition

II. Didaktischer Teil
1. Mittelalter im Geschichtsunterricht
1.1. Ziele des Geschichtsunterrichts
1.2. Warum Mittelalter? Prüfung eines historischen Gegenstandes
1.2.1. Bedeutung des Themas Mittelalter für die SchülerInnen
1.2.2. Wie kann das Mittelalter SchülerInnen betroffen machen?
1.3. Häresien im Spiegel der Geschichtsbücher
2. Didaktische Überlegungen für eine Thematisierung im Unterricht
2.1. Was kann eine Unterrichtseinheit Ketzer im hohen Mittelalter leisten?
2.1.1. Aufzeigen des Wandels der mittelalterlichen Gesellschaft
2.1.2. Mittelalterliche Religiosität
2.1.3. Betroffenheit der SchülerInnen
2.1.4. Instrumentalisierung (u.a.) religiöser Motive
2.1.5. Europäisierung der mittelalterlichen Geschichte
2.1.6. Perspektivisches Denken
2.1.7. Fazit
2.2. Vorschläge zur Umsetzung

Schlußbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Begriff Ketzer ist auch heute noch eine gängige Bezeichnung für Personen, die von einer herrschenden Meinung abweichen. Daß dieser Begriff aus dem Mittelalter stammt, ist dabei weitgehend bekannt, assoziiert man mit ihm doch auch diese finstere Zeit, in der solche Abweichler noch von der Kirche verurteilt und verbrannt wurden. Neben den weiteren Schlagwörtern die man damit verbindet, wie etwa Inquisition, Scheiterhaufen oder Hexenverfolgung, wobei man häufig vergißt, daß das klassische Zeitalter der Hexenjagden in Europa erst 1430 begann und noch bis 1780 reichte, kommen einem schließlich auch die positiven Bestandteile dieses Begriffs in den Sinn. Man denkt an Menschen wie Galileo Galilei (1564-1642)[1], die dazu beitrugen, daß sich die Wissenschaft gegenüber „mittelalterlichem“ und „einfältigem“ Denken durchsetzte, und somit der Rationalität und der Logik den Weg ebneten, welche schließlich zu den Errungenschaften der modernen Zivilisation führten.

Die vorliegende Arbeit befaßt sich aber nicht mit jenen Ketzern des Spätmittelalters oder der frühen Neuzeit, sondern mit den weitaus weniger bekannten Häresien des hohen Mittelalters. Dabei soll eine Auseinandersetzung mit diesen früheren Ketzern keineswegs dazu beitragen, die Wurzeln neuzeitlicher Genialität um einige Jahrhunderte zurückzuverlegen. Gerade im Gegenteil kann die Beschäftigung mit diesen Menschen eventuell dazu verhelfen, mittelalterliches Denken und Handeln besser zu verstehen, um dadurch Vorurteile gegen diese Epoche abzubauen und darüber hinaus ein kritischeres Verhältnis zur eigenen Gegenwart aufzubauen.

Es geht aber nicht nur um eine mögliche Widerlegung vorgefertigter Geschichtsbilder heutiger Zeit. Gerade auch in Hinsicht auf die traurige, fast zeitlose Aktualität der Begriffe Intoleranz, Verfolgung und Unterdrückung von Minderheiten lohnt sich die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden und Verfolgten in vergangenen Zeiten, da damit aus einer unbeteiligten Beobachterposition möglicherweise Erkenntnisse gewonnen werden, die helfen können, Probleme der Gegenwart zu lösen.

Als Thema für die wissenschaftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt erschien es sinnvoll, eine nicht rein fachwissenschaftliche Arbeit anzufertigen, sondern darüber hinaus auch für fachdidaktische Überlegungen Raum zu lassen. Die folgende Arbeit gliedert sich demnach in zwei Teile. Während im ersten Teil eine historische Darstellung der Häresien des hohen Mittelalters angestrengt wurde, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Möglichkeiten einer Thematisierung derselben im Geschichtsunterricht.

I. Fachwissenschaftlicher Teil

1. Häresien im hohen Mittelalter

1.1. Begriffserklärung Ketzerei/ Häresie

Etymologisch betrachtet ist der Begriff Häresie der weitaus ältere von beiden. Im antiken Griechenland verwendete man ihn mit der Bedeutung das Erwählte, die erwählte Lebensrichtung oder die religiöse oder politische Parteirichtung. Das hellenistische Judentum übernahm ihn und gebrauchte ihn überdies in der Bedeutung einer Partei selbst, wie etwa die der Sadduzäer, Pharisäer oder Essener. Auch die christliche Lehre und die Christengemeinde wurde, als Abspaltung von dem einheitlichen Glauben, von den Juden häretisch genannt.[2] Diese Tatsache verweist schon auf die Eigenschaft des Begriffes Häresie, mit dem fortan abweichende Glaubensrichtungen gekennzeichnet wurden, daß es immer auf den jeweiligen Standpunkt desjenigen ankommt, der ihn gebraucht. Als weiteres Charakteristikum ist seine Funktion als Gruppenbegriff zu nennen, mit dem, stets von außen, die nicht zur eigenen Gruppe gehörenden, gekennzeichnet werden.[3]

Für das Christentum hatte der Begriff von Anfang an eine große Bedeutung, denn Jesus selber warnte bereits seine Jünger vor falschen Propheten, die sich seines Namens bedienen würden, und im Brief an Titus wird bemerkt, daß ein Mensch, der Spaltungen verursache, nach ein oder zweimaliger Verwarnung ausgestoßen werden müsse.[4] Aber nicht nur als Gefahr, sondern auch als Chance für das Christentum erkannte schon Paulus die Häretiker. In seinem Brief an die Korinther verweist er auf die Notwendigkeit von Spaltungen unter den Christen, damit sich die rechtgläubigen Christen daran beweisen können.[5] Und tatsächlich trugen die Häresien der ersten Jahrhunderte des Christentums (Gnosis, Arianismus) zur Festigung und klaren Umreißung der Lehre bei.

Seit der Übernahme des Christentums als offizielle Religion des Römischen Reiches bot sich der Kirche die Möglichkeit an, auch mit Gewalt die Einheitlichkeit des Glaubens zu wahren. „Sowohl in den östlichen als auch in den westlichen Teilen des Reiches wurde zum Gesetze erhoben, daß hartnäckige Häretiker mit Verbannung, öffentlicher Kennzeichnung, Einziehung ihrer Habe oder dem Tode bestraft werden sollten.“[6] Die somit entstandenen extremen Konsequenzen, die dem Begriff der Häresie nun anlasteten, machten eine genaue Definition nötig. Die dann auch im Mittelalter geltenden Kriterien des Häretikers sind das hartnäckige (d.h. trotz erfolgter Belehrung) Festhalten an einer von der offiziellen Lehrmeinung abweichenden Lehre, die sich auf die Heilige Schrift bezieht.[7]

Synonym für den Begriff Häretiker wird im Mittelalter das seit Beginn des 13. Jh.s. bezeugte Wort Ketzer verwendet. Es leitet sich ab von dem mittellateinischen Cathari (bzw. altitalienischen gassari), dem Namen einer neumanichäischen Sekte, den Katharern. Auch diesem Begriff liegt eine ursprünglich andere Bedeutung zugrunde. Das aus dem Griechischen stammende Wort (griech. katharós „rein“) bezeichnet eigentlich „die Reinen“.[8]

Beiden Begriffen liegen also zunächst positive Bedeutungen zugrunde[9], welche dann jedoch durch den christlichen Sprachgebrauch aufgehoben werden. Im Sinne der katholischen Kirche kennzeichnen beide Begriffe Glaubensrichtungen, die sich zwar auf die Evangelien und Apostelschriften berufen, sie jedoch anders verstehen und deswegen als falsch angesehen werden. Um bei der Betrachtung der Ketzereien bzw. Häresien nicht automatisch die katholische Wertung miteinzubeziehen, müßte man eigentlich von „religiösen Bewegungen“ sprechen.

Zu beachten ist jedoch, daß man damit einen Begriff verwendet, den man im Mittelalter noch nicht kannte, bzw. die Worte religio und vita religiosa in dieser Zeit gleichsetzte mit der Bedeutung Mönchsorden und mönchischen Leben[10].

Wie bereits angedeutet, gab es Häresien schon seit dem Beginn des Christentums. Die Ketzereien im Zeitraum vom 11. bis zum 13. Jh., die in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen sollen, sind somit kein Phänomen, welches einzig in dieser Zeit aufgetreten wäre. Dennoch gibt es keine kontinuierliche Häresieentwicklung vom Beginn des Christentums bis zum Hochmittelalter. Das Gegenteil ist der Fall, denn mit dem Untergang des RömischenReiches hörten „die Häresien alten Stils [...] praktisch auf zu existieren.“[11] Und bis zu den ab dem 11. Jh. auftretenden Häresien gab es im Westen danach nur noch kleinere Ausbrüche, die jedoch meist nur Sondermeinungen einzelner Theologen oder Exzentriker waren.

Erst im Hochmittelalter brachen in Westeuropa erneut Häresien aus, die der Kirche gefährlich werden konnten. Die Untersuchung dieser neueren Häresien und der sich dabei zwangsweise aufdrängenden Frage, welche Bedingungen zu ihrer Entstehung beigetragen haben, kann somit Einblicke in die gesellschaftliche und ideologische Entwicklung des Mittelalters geben.

Die Häresien der Antike waren vor allem dualistische Formen des Christentums, welche zusammengefaßt als Gnosis bezeichnet werden. Sie existierten neben der christlichen Kirche, welche noch über kein fertiges Lehrsystem verfügte, her und waren mit ihr teils eng verbunden, bis sie schließlich von dieser verbannt wurden. Während die Ketzereien, die aus den vielfältigen Glaubensrichtungen der Gnosis entstanden waren, im Westen verschwanden, konnten sie sich im byzantinischen Reich länger halten. So existierten die Manichäer, die auf die Offenbarung des iranischen Priesters Mani aufbauten, im Osten noch etwa bis zum 7. Jh. Hier entwickelten sich auch neue Häresien, wie die Paulikianer, und trugen dazu bei, daß dualistische Traditionen weitergegeben wurden. Über die Expansion Byzanz´ und mit der damit einher gehenden Christianisierung gelangten diese Lehren nach Bulgarien, wo in der ersten Hälfte des 10. Jh.s. eine weitere dualistische Häresie, die der Bogomilen, entstehen sollte. Diese Häresie war unter anderem Ausdruck der feindlichen Haltung der Bulgaren gegenüber Byzanz. Über den enormen Missionseifer der Bogomilen fand der Dualismus dann auch wieder zurück in den westlichen Teil Europas, wo er sich mit den hier entstehenden häretischen Gedanken verband.[12]

1.2. Forschungsstand und Quellenlage

1.2.1. Zur Forschung

Die Erforschung der Häresien des hohen Mittelalters hat bereits eine lange Tradition. Zunächst wurde sie einseitig durch die Sicht der katholischen Kirche betrieben, die in ihnen die Abweichler von der eigenen Lehre sah und sie folglich auch in ihrer Geschichtsschreibung negativ beurteilte. Eine andere Sichtweise auf die Ketzer entwickelte sich seit der Reformation. Von dem Gedanken geleitet, in ihnen die Vorreiter der Reformation zu entdecken, erlangten die häretischen Bewegungen erstmals positives Interesse. Die Forschungsergebnisse dieser Epoche wertet Herbert Grundmann als besonders wertvoll, da sich seiner Meinung nach „das sachliche Interesse des Historikers“ mischte „mit der lebendigen Anteilnahme derer [...], denen es um ihre „eigene Sache“ ging“[13].

Dabei meint er nicht nur die protestantischen Historiker, die sich vornehmlich mit den Ketzern beschäftigten, sondern auch die katholischen, die sich gleichzeitig um die Erforschung der kirchlichen Orden bemühten. Von Bedeutung sind Letzere gerade deswegen, weil sich die rechtgläubigen Lehren von den häretischen hauptsächlich dadurch unterscheiden, daß die einen von der katholischen Kirche übernommen und als Orden eingegliedert und die anderen verbannt wurden. Die Forschung über die Häresien des hohen Mittelalters ist also eng verbunden mit der Forschung über die gleichzeitig entstandenen Orden, welche aus ähnlichen Bewegungen hervorgingen. Diese Verbindungslinie wurde von der konfessionellen Geschichtsschreibung in Hinsicht auf die Häresien jedoch nicht verfolgt. Gerade im Gegenteil legte man Wert auf die Merkmale der Ketzer, welche sie am schärfsten von der katholischen Kirche und damit auch von den Orden trennten[14]. Somit verlieren die Ergebnisse jener Forschung aber auch an Wert, da sie sich auf die einzelnen Ketzereien einerseits und die Orden andererseits beziehen, ohne dabei nach den gemeinsamen Ursprüngen zu fragen.

Als weiterer Höhepunkt in der Ketzergeschichtsschreibung gilt Gottfried Arnolds „Unpartheyische Kirchen- und Ketzerhistorie vom Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688“ (erstmals in Frankfurt/M 1699 erschienen). Frei von konfessioneller Gebundenheit betrachtet und definiert er Häresien als religiöse Bewegungen, welche durch Verdrängung und geschichtliche Erfolglosigkeit gekennzeichnet sind. Durch diese Sichtweise wird der Verdrängungsprozeß der Geschichte nachträglich in Frage gestellt, mißverstandene und vergessene Ansätze christlichen Glaubens neu vergegenwärtigt und geschehenes Unrecht aufgedeckt und in gewisser Weise wieder gut gemacht.[15] Problematisch an Arnolds Werk ist jedoch, daß seine Sicht auf die Ketzer „alles andere als unparteiisch“[16] ist, sondern von einer großen Sympathie für die Häretiker zeugt. Dennoch wirkt seine Definition von Ketzern fort und kommt besonders in der Historiographie des 19. Jh.s. zur Geltung.[17] Fortschrittlich an seiner Arbeit kann darüber hinaus angesehen werden, daß er sich seine Einschätzung der Häresie durch eigene Quellenlektüre erworben hat und diese durch Quellenzitate stützt. Diese Arbeitsweise spricht Grundmann noch den Forschern des 19. Jh.s. ab und schätzt deren Forschungsarbeit nicht sonderlich hoch ein. Zwar honoriert er den Versuch zusammenfassender kirchengeschichtlicher Betrachtungen, die die Beziehungen zwischen Ordens- und Ketzergeschichte zu verdeutlichen suchen, doch stützen sich diese Arbeiten seiner Meinung nach auf die schon vorhandenen Ergebnisse der konfessionellen Geschichtsschreibung, welche unter anderen Fragestellungen erarbeitet wurden.[18] Ähnlich urteilt er über die im 19. Jh. aufkommende Sichtweise auf die Häresien des hohen Mittelalters, in der diese als gesellschaftlicher Gesamtvorgang zu verstehen versucht wurden. Die sozial-wirtschaftliche Bedeutung jener Bewegungen sei hierbei so stark in den Mittelpunkt gerückt, daß der religiöse Sinn und Gehalt verkannt wurde. Wäre diese Auffassung an der Deutung der Überlieferung und der Erklärung der geschichtlichen Vorgänge erprobt worden, „so hätte sich die Meinung, die religiösen Bewegungen des Mittelalters seien im Grunde soziale oder gar „proletarische“ Bewegungen, von selbst berichtigen müssen.“[19]

In seiner eigenen Arbeit setzt sich Grundmann zum Ziel nicht eine im voraus feststehende Auffassung von der Bedeutung und dem Verlauf der religiösen Bewegungen des Mittelalters zu beweisen oder zur Geltung zu bringen, sondern den geschichtlichen Hergang und die geschichtlichen Zusammenhänge selbst aufzuzeigen. Er fragt nach den ursprünglichen Eigenarten der Bewegungen, ihrer geschichtlichen Kraft, ihren religiösen Zielen und den Ereignissen und Entscheidungen, die zur Ausgestaltung der religiösen Bewegungen zu den verschiedenen Orden und Sekten geführt haben. Sein Buch „Religiöse Bewegungen im Mittelalter“ (erstmals in Berlin 1935 erschienen) ist bereits in der 4. unveränderten Auflage (zuletzt 1977) erschienen und stellt auch bis in die jüngste Gegenwart noch ein wichtiges Werk in der Forschung dar. Diese ist heute zwar nicht mehr durch gegensätzliche konfessionelle Interessen gespalten, dafür treten an die Stelle der einstigen nun aber andere unterschiedlich motivierte Interessen, die weiterhin für eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem Thema sorgen. Es ist der Meinungsstreit zwischen jenen Forschern, welche die Wichtigkeit der religiösen, und jenen, die die Bedeutung der sozial-ökonomischen Faktoren als erste Beweggründe bei der Entstehung von Ketzereien betonen.[20] Verstärkt wurde dieser Streit durch die politische Spaltung der Gelehrten nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Während auf der einen Seite die marxistischen Geschichtsschreiber ähnlich wie die Reformatoren vor ihnen versuchten, in den Ketzern ihre „Vorfahren“ zu finden, legten die bürgerlichen Historiker Wert auf die religiöse Betrachtungsweise der Thematik.

Die Erforschung der Häresien wird immer wieder belebt durch neue Funde ketzerischer Schriften, die einen von der katholischen Sicht unabhängigen Einblick gewähren, doch befindet sie sich aufgrund der sonst schlechten Quellenlage und wohl auch der Tatsache, daß die Zusammenarbeit zwischen den religiösen und den ökonomischen Historikern immer noch unzureichend ist, weiterhin im Fluß und hält mit der Erforschung anderer mittelalterlicher Gebiete kaum Schritt[21]. In den letzten Jahren hat sich der Stand der Forschung kaum verändert, was man daran ablesen kann, daß einige der zu diesem Thema bereits existierenden Arbeiten immer wieder in fast unveränderten Auflagen neu erscheinen.[22]

1.2.2. Zu den Quellen

„Wir wissen über die grundlegenden Tatsachen immer noch zu wenig bescheid“[23], meint Malcom D. Lambert und verweist damit beispielsweise auf die fehlenden konkreten Informationen bezüglich der Herkunft, der sozialen Einstufung und der Besitzverhältnisse der Ketzer. Der Großteil der Quellen, die uns heute über die Häretiker Auskunft geben, sind Texte ihrer Gegner, also der katholischen Kirche. In ihnen ist die Subjektivität einer an der Auseinandersetzung selbst beteiligten Partei festgehalten und verzerrt somit das Bild auf die wahren Beweggründe und Motive der Ketzer. Erschwert wird das Auswerten dieser Texte besonders dadurch, daß sich Ketzerbeschreibungen meist spezieller Adjektive und Textformen bedienten, sie von einem Autor zum anderen weitergegeben wurden, und nur allzu oft das Ergebnis kärglicher Urteilskraft über die Ketzer, ihrer Glaubensformen und Frömmigkeitsübungen war. Die Beschreibungen dienten in erster Linie dazu, einige konventionelle Charakteristika des Ketzertypus zu entwickeln, wie beispielsweise ihr Stolz, ihre nur scheinbare Frömmigkeit oder ihre Heimlichtuerei.[24] Besondere Schwierigkeiten entstehen bei der Quelleninterpretation gerade dann, wenn sich Forschungsinteresse und möglicherweise nur formelhafte Beschreibungen überkreuzen. So sieht der bürgerliche Historiker in den Ketzerbezeichnungen katholischer Schriftsteller als rusticani oder idiotae et illiterati eher Charakterisierungen, die also nicht auf die soziale Herkunft verweisen, während der sozialistische Forscher dahinter gerade diese erkennen mag.[25]

Im Vergleich zu der Menge an katholischen Quellen, existieren weit weniger Dokumente von den Ketzern selber. Neben der Tatsache, daß ihre Schriften zu einem großen Teil von ihren Gegnern vernichtet wurden, spielt ebenfalls eine Rolle, daß ihre Lehren meist nur mündlich überliefert wurden.

Einen kommentierten Überblick über die der Forschung zugrundeliegenden Quellen gibt Arno Borst in seiner Arbeit „Die Katharer“. Den Zeitraum vom 11. Jh. bis 1520 unterteilt er in fünf Phasen, welche er mit ihren wichtigsten Merkmalen beschreibt.[26] Eine kurze Zusammenfassung dieser Einteilung soll einen Eindruck von dem wechselnden Quellengehalt und den Motiven ihrer Autoren geben und gleichzeitig den Schluß der Betrachtung der Quellenlage darstellen.

1. Die Chronisten des 11. Jahrhunderts

In dieser ersten Phase sind es fast ausschließlich Chronisten, die neugierig und erschreckt über Häretiker berichten. Fast unverändert geben sie die dogmatischen Sätze der Ketzer wieder, was damit zu begründen ist, daß sie für theologische Spekulationen noch kein Verständnis hatten. Im Gegensatz dazu liefern ihre Schriften wenig Informationen über die Moral der frühen Ketzer, da sich das Interesse und der Ekel der Schreiber gegen die Lebensform jener richtete, denen sie Teufelsdienst und schlimmste Unzucht nachsagten.

Der generelle Mangel an echtem Informationsgehalt dieser Quellen läßt sich damit erklären, daß die Ketzer des 11. Jh.s. Einzelgänger waren und in ihrer Anzahl sehr beschränkt. Die Quellenlage kann somit als Spiegel der Wirklichkeit gesehen werden, in der die Schreiber zu wenig Nachrichten über die Ketzer hatten und dadurch gezwungen waren, an alte überlieferte Häresien anzuknüpfen, oder ihnen Schauergeschichten und nächtliche Orgien anzudichten.

2. Die Briefschreiber (c. 1140-1160)

Seit etwa 1140 fand eine größere Verbreitung der Ketzerei statt. Nun begegnen Theologen der Gefahr in geschlossenen Briefen, briefartigen Traktaten und Predigten. Typisch für diese Theologen sind deren unsystematischen Monographien, in denen eine genaue theologische Trennung der ketzerischen Lehrmeinungen gar nicht erst versucht wird. Unter den Schriftstellern sind die bedeutendsten Mönche dieser Zeit (z.B.: Petrus Venerabilis († 1156), Abt von Cluny), deren Anliegen die Warnung der Christenheit vor den Ketzern ist. Ihre Schriften, die von einer Verfeinerung der katholischen Ketzerauffassung zeugen, richten sich vorwiegend an die Gebildeten unter den Christen, noch nicht an die Ketzer.

3. Die kritischen Polemiker (c. 1160-1230)

Um die Mitte des 12. Jh.s. hat die katholische Theologie eine neue Stufe der Systematik erreicht. Gleichzeitig bauen die Katharer ihre Lehre aus und geben sie den Gegnern bekannt. Die theologisch angeregten Kritiker der Ketzer und Verteidiger der Kirche können und wollen nun die katharischen Lehrsätze genauer untersuchen und widerlegen. Es entstehen die ersten Selbstdarstellungen der Katharer, wenn auch nur von bekehrten Ketzern. Auch die Waldenser richten sich in dieser Zeit mit Schriften gegen die Katharer, welche ihrerseits nun ebenfalls theoretische und polemische Schriften verfassen.

4. Die systematischen Scholastiker (c. 1230-1250)

Etwa um 1230 beginnt die Blütezeit der katholischen Ketzerpolemik. Die Kritiker sind jetzt philosophisch und systematisch geschult, was sich darin äußert, daß sie nicht mehr nur polemisch und rechtfertigend die Verteidigung der Kirche und die Ermahnung der Christenheit anstreben, sondern zuvor die sachlich richtige Erkenntnis des katholischen Wesens herausstellen. Über katharische Schriften gelangen sie zu einer Fülle an Material über deren Glauben. Das Interesse der Schreiber gilt zunächst den Dogmen der Katharer und wechselt schließlich auf die praktische Moral der Ketzer.

5. Die Inquisitoren (c. 1250-1520)

In dieser Zeit entsteht eine ganz neue Art von Quellen, in ihnen verschiebt sich das ehemals herrschende Gleichgewicht zwischen persönlicher Polemik und sachlicher Tatsachenfeststellung, das die Glanzzeit der katholischen Ketzerliteratur auszeichnete. An die Stelle der leidenschaftlichen Diskussion tritt das kalte Verhör. In praktischen Handbüchern wird nach 1250 das theoretische Wissen über die Ketzer zusammengetragen. Daneben entstehen die Akten der Inquisition, die von Autor zu Autor sachlicher und systematischer werden. Das Interesse dieser Schreiber gilt der vollständigen Vernichtung der Ketzer. Meist liefern die Akten, die die Ketzerverhöre protokollieren, das vertraute Bild des Tatbestandes Ketzerei und nur in wenigen Fällen geben sie darüber hinaus Merkmale der Ketzer preis, die für die Ketzergeschichte von Wert sind.

2. Die Häresien im Überblick

Bis zum beginnenden 11. Jh. blieben West- und Mitteleuropa von ketzerischen Bewegungen weitestgehend verschont. Während in Bulgarien der Ketzer Bogomil predigte, hatten Chronisten in diesem Teil Europas nichts über Häresien zu berichten. Der Grund dafür wird darin gesehen, daß sich die gnostischen und manichäischen Gemeinden nach dem Verfall der Antike im Weströmischen Reich nicht halten konnten und die gesellschaftlichen Bedingungen für die Bildung eigenständiger Häresien noch nicht bestanden. Im agrarisch orientierten frühmittelalterlichen Europa fehlten die ideologischen Voraussetzungen. Als potentielle häretische Prediger wären nur niedere Geistliche in Frage gekommen, deren Bildungsniveau dafür jedoch ebenfalls nicht ausreichte. Zeitgenössische Chronisten klagen über sie noch bis zum 10. Jh., daß sie Latein nicht beherrschten, die Bibel nicht richtig verständen und von der Kirchengeschichte keine Ahnung hätten. Von dem Problem der Häresie wußte man nur in gelehrten Theologenkreisen. Aber auch die Situation im Volk selbst verhinderte die Herausbildung neuer religiöser Auffassungen, die für größere Territorien Wirkung hätten erhalten können. Neben der Tatsache, daß das gesamte öffentliche und private Leben der Bauern auf das eigene Dorf und die Grundherrschaft begrenzt war[27], darf auch nicht außer Acht gelassen werden, daß die von den Wikingern verursachten Unruhen in Europa erst im ausgehenden 10. Jh. ein Ende fanden.[28] Die Ordnung im Inneren nahm daraufhin allmählich wieder zu und trug damit zur Entstehung einer Atmosphäre bei, die das kritische Überdenken des eigenen Glaubens überhaupt erst ermöglichte.[29]

Ab dem 11. Jh. breiten sich nun auch im Westen häretische Ideen aus. Zunächst sind es nur kleine Ketzergruppen an verschiedenen Orten in Frankreich und Oberitalien, die jedoch bald wieder verschwinden. Im 12. Jh. nahmen dann die Häresien einen Aufschwung, der an Vehemenz und Ausmaß für die mittelalterliche Geschichte einmalig ist.[30]

Das folgende Kapitel soll einen Überblick über die häretischen Bewegungen des 11. und des 12. Jh.s. geben. Dabei soll anhand von Beispielen der Charakter der Häresien der beiden Jahrhunderte deutlich werden. Eine vollständige Darstellung der ketzerischen Bewegungen wird dabei nicht angestrebt. Zum einen reicht die Beschreibung mancher Ketzerei nicht aus, um daran eine Rekonstruktion ihrer Lehren durchzuführen, und zum anderen ist eine solche Darstellung an sich schon unmöglich, da nicht davon ausgegangen werden kann, daß alle Häresien der jeweiligen Zeit überliefert wurden. Es existierte noch keine zielgerichtete Aufspürung und systematische Berichterstattung, die eine mehr als fragmentarische Überlieferung möglich gemacht hätte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Züge der Normannen im 8., 9. und 10. Jahrhundert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ketzer im Westen und Dualisten im Osten im 11. Jahrhundert.

2.1. Häresien des 11. Jahrhunderts

In den Jahren von 970-1018 wird über Ketzer nur in vier Fällen berichtet. Im darauffolgenden Jahrzehnt (1018-1028) fand ein sprunghafter Anstieg statt, der sich in Berichten aus Frankreich, Italien und den Niederlanden widerspiegelt. In den Jahren nach 1028 wurden es wieder weniger Fälle, bis diese erste Phase der Häresie ihren Abschluß fand in der Aufdeckung einer Gruppe von Ketzern in Oberlothringen, die von ihrem Herzog zum kaiserlichen Hof in Gosslar gebracht, und dort im Jahre 1051 gehängt wurden.[31]

2.1.1. Der Bauer Leuthard (1000)

Einer der ersten Fälle wird von dem Chronisten Rodulfus Glaber um das Jahr 1000 berichtet. Der Chronist hatte durch Pilger und wandernde Mönche von einem Bauern namens Leuthard aus dem Dorf Vertu in der Champagne (im Gebiet Châlons-sur-Marne) erfahren, welcher für wahnsinnig und für einen Boten des Satans gehalten wurde. Bei der Feldarbeit eingeschlafen, soll dieser Bauer von einem Bienenschwarm geträumt haben, der in seinen Körper eindrang und dann mit großem Getöse aus seinem Mund wieder hinausflog. Anschließend sollen die Bienen auf ihn eingeredet und ihn zu ungewöhnlichen Handlungen aufgefordert haben. „Endlich erhob er sich ganz zerschlagen und ging nach Hause. Dort trennte er sich sogleich von seinem Weibe und ließ sich, angeblich nach evangelischer Vorschrift, scheiden. Dann begab er sich nach draußen, um zu beten, betrat die Dorfkirche, packte das Kruzifix und zertrampelte das Bild des Erlösers. Alle, die das sahen, ergriff Entsetzen ... Er aber überzeugte die Anwesenden - Bauern sind ja wankelmütig -, daß er das alles durch wunderbare Gottesoffenbarungen vollbringe ...Denn er sagte, den Zehnten zu entrichten sei in jeder Hinsicht überflüssig und unnütz ... die Propheten hätten teils Nützliches, teils Unglaubliches erzählt.“[32] Weiter wird berichtet, daß viele Zuhörer seinen Worten Glauben schenkten, woraufhin Bischof Gebuin II. von Châlons († 1004) den Bauern zu sich bringen ließ und ihn der Ketzerei überführte. Daraufhin, vom Volk im Stich gelassen, soll sich Leuthard in einem Brunnen ertränkt haben.[33]

Der Bericht Rodulfus ist an vielen Stellen sehr plastisch, gibt aber keine Auskunft über die eigentlichen Hintergründe, die zu Leuthards Taten geführt haben.

Schenkt man den Ausführungen des Chronisten Glauben und erkennt den Wahrheitsgehalt der Quelle an, so ließe sich der bloß beschreibende Charakter der Überlieferung so deuten, daß dem Schreiber das Hintergrundwissen zum Problem der Ketzerei fehlte und er Leuthards Verhalten deswegen nicht in den Zusammenhang einer häretischen Lehre brachte.[34]

Aus der Sicht des Historikers könnte folgernd die Existenz einer dogmatischen Häresie vermutet werden, die Leuthard zu seinem Verhalten motivierte. Zu den Lehren dieser Häresie wäre dann die Ablehnung der Ehe sowie der Bilder- und Kreuzesverehrung zu zählen. Des weiteren könnte die Verweigerung des Kirchenzehnts auf eine Ablehnung des reichen Klerus schließen lassen.[35]. Die Unterscheidung zwischen Nützlichem und Unnützen in den Erzählungen der Propheten ließe darüber hinaus eine kritische Haltung gegenüber dem Alten Testament erkennen.

Aufgrund der dürftigen Überlieferung des Falles Leuthard und der zweifelhaften Wahrheitstreue des Chronisten, über den sich Heinrich Fichtenau auch an anderer Stelle abwertend äußert,[36] ist dieser Fall von Häresie jedoch kritisch zu beurteilen. Rückschlüsse auf die Existenz einer dogmatischen Häresie um das Jahr 1000 bieten sich in Kenntnis der späteren Ketzereien und deren Lehren zwar an, doch könnte die Beurteilung Leuthards Verhalten, als durch ähnliche Lehren motiviertes Handeln, eine Überinterpretation des tatsächlichen Informations- und Wahrheitsgehalts der Überlieferung Rodulfus Glabers sein.

2.1.2. Orléans (1022)

Von einer weiteren Häresie wird aus der Stadt Orléans berichtet. Die Spuren dieser Ketzerei lassen sich hier noch bis zum Jahr 1015 zurückverfolgen[37], entdeckt wurde sie aber erst um Weihnachten des Jahres 1022. Im Vergleich zu den anderen Ketzereien dieses Jahrhunderts ist jene in Orléans, die wohl am besten bezeugte, was damit zusammenhängt, daß die Ketzer einer hohen sozialen Schicht entstammten. Es waren Adlige und Kleriker, darunter der ehemalige Beichtvater der Königin sowie ein Vertrauter König Roberts des Frommen.[38] Die Aufdeckung der Ketzergruppe war ein gesellschaftlicher Skandal.

Insgesamt existieren zwölf Quellen, die über dieses Geschehen berichten, wovon jedoch nur sieben Auskunft über die Lehren der Ketzer geben.[39] Unter den Schreibern befinden sich der bereits erwähnte Chronist Rodulfus Glaber, Andreas von Fleury und der spanische Mönch Johannes von Ripoll.

Andreas von Fleury berichtet: „Es lebten nämlich hier einige Männer vom Stande der Kleriker, die seit ihrer Kindheit in der Religion erzogen worden waren und sich im kirchlichen und profanen Schrifttum gleich gut auskannten. Die einen von ihnen waren Priester, andere Diakone und Subdiakone. Sie verbargen unter einem Schafspelz ihre Verderben bringende Lehre. Ihre Häupter hießen Stefan und Lisoio. Sie waren Samen des Teufels und Ursache für das Verderben einer großen Anzahl von Menschen.“[40] Von Johannes von Ripoll, der seinen Abt Oliba (971-1046) informierte, erfährt man weiter: „Denn König Robert ließ ungefähr 14 Personen dieser Stadt, darunter die angesehensten Kleriker und die edelsten Laien, lebend verbrennen. Von Gott verflucht und verhaßt im Himmel und auf Erden, verneinten sie ganz und gar die Gnadenwirkung der heiligen Taufe sowie die Wandlung des Altsakramentes in den Leib und das Blut des Herrn. Und da sie nun einmal mit den frevelhaften Lastern begonnen hatten, wollten sie auch nicht, daß man Sündenvergebung erlangen könne. Außer diesen Behauptungen verwarfen sie die Ehe, enthielten sich bestimmter Speisen wie Fett und Fleisch als unreiner Nahrung, obwohl sie doch Gott den Menschen geschenkt hatte.“[41] Ergänzend berichtet Rodulfus Glaber, daß die Ketzer die sichtbare Welt nicht Gott zuordneten, die menschliche Geburt Christi bestritten sowie die Hierarchie, Gebete und gute Werke verwarfen. Ihnen genügte, dem Chronisten zufolge, die Handauflegung durch einen Gleichgesinnten, da sie die Ausschüttung des Heiligen Geistes bewirke, wodurch sich den Ketzern der Sinn der Heiligen Schrift offenbare und ihnen ihre Sünden vergeben würden. Lachend sollen sie am 28. Dezember 1022 den Scheiterhaufen bestiegen haben.[42]

Die relativ breite Überlieferung des Geschehens und der Ansichten der Ketzer macht eine annähernde Rekonstruktion ihrer Lehren möglich, die im Folgenden zusammengefaßt dargestellt wird.

Die Ketzer, die sich von jeder Sünde reingewaschen sahen, erhoben den Anspruch, durch die Eingabe vom Heiligen Geist volles Schriftverständnis erlangt zu haben. Ihrer Ansicht nach existierte eine sichtbare und eine unsichtbare Welt. Die sichtbare, die materielle Welt, sahen sie als unrein an und begründeten damit ihre Ablehnung der Ehe und des Genusses von Fleischspeisen. Aus dem gleichen Grund glaubten sie auch nicht an die orthodoxe Lehre vom menschlichen Leib Christi und dessen Auferstehung. Sie verwarfen diese katholische Ansicht ebenso, wie sie die Jungfräulichkeit Marias ablehnten. Aus dem Reich der Legenden stammend lehnten sie diese ihnen fremden Auffassungen ab. Ähnliche Motive spielen eine Rolle bei ihrer Ablehnung jeglichen Glaubens an Wunder, den kirchlichen Kult und die Gültigkeit der Sakramente (Taufe, Konsekration des Leibes und Blut Christi, Buße). Die Fähigkeit heilsbringende Kräfte zu spenden, war nach Ansicht der Ketzer nicht durch die katholische Hierarchie, d.h. durch die Vergabe eines Amtes, gegeben, sondern konnte nur durch die eigene Erfüllung und Erleuchtung durch den Heiligen Geist erreicht werden.

2.1.3. Lüttich und Arras (1025)

Wenige Jahre nach dem Aufsehen erregenden Fall in Orléans wurde eine weitere Ketzerei in Arras (1025) aufgedeckt. Sie steht in Verbindung mit Ketzereien in Lüttich und Châlons, dem Gebiet, dem schon der Bauer Leuthard entstammte. Berichtet wird über das Geschehen vor allem in zwei Quellen, einem Brief Bischof Gerhards von Cambrai und einer von ihm verfaßten Denkschrift, welche sich auf die wegen der Ketzer einberufenen Synode in Arras (1025) bezieht. Zwei weitere Quellen liefern Anhaltspunkte über die Anwesenheit der Ketzer in Châlons und Lüttich.[43]

Zum Geschehen: Etwa 1025 schreibt Bischof Gerhard von Cambrai seinem Amtsbruder Roger I. von Châlons-sûr-Marne in einem Brief: „Wir haben Euer Liebden wie ihr wißt, mitgeteilt, daß solche Menschen [Ketzer] in Euerem Gebiet wohnen, und haben es durch wahrhafte Zeugnisse bewiesen. Weil sie Strafe fürchtend heuchlerisch ihre Rechtgläubigkeit behaupteten, habt ihr sie ohne Verurteilung, wie Unschuldige, laufen lassen.[44] Diese Nichtverurteilung, so der Bischof weiter, habe zur Verwirrung einfacher Gemüter geführt, was der Grund dafür sei, daß sie von den Ketzern verführt werden konnten. Die Häretiker sollen in des Bischofs Diözese Missionsarbeit betrieben haben, woraufhin er sie, nach heftigem Leugnen, überführt und zu einem Geständnis gebracht habe.[45]

Es waren also Ketzer aus Châlons, die in Arras ihre Lehren verbreiteten, daraufhin von Bischof Gerhard festgenommen und auf einer eigens dafür einberufenen Synode verhört wurden. Im Verlauf dieser Synode gestanden die Ketzer dem Bischof ihre Lehren und wurden, nachdem sie eine formale Erklärung ihrer Rechtgläubigkeit abgaben, wieder heim geschickt.

Die Merkmale dieser Ketzerei faßte Gerhard von Cambrai in einer Denkschrift zusammen. Demnach waren es Männer aus Italien (vermutlich Handwerker, die sich in Arras, Lüttich und Châlons ausbreiteten), die nach einer Regel (disciplina) lebten, welche sie von einem Mann namens Gundulf in Italien bekommen hatten. Sie legten Wert darauf, daß diese Regeln mit den Anweisungen des Evangeliums und der Apostel übereinstimmten. Dem kirchlichen Heilsapparat setzten sie die Forderung nach einem vorbildlichen religiösen Leben in Askese entgegen, wie es die Apostel praktiziert hätten. Im Einzelnen hatten sie die Auffassungen, daß die Priester aufgrund ihres schlechten Lebenswandels unfähig seien, Sakramente zu spenden, und sie auch nicht den wahren Glauben vermitteln könnten, da sie im Gegensatz zu den Ketzern nicht die Taufe durch den Heiligen Geist empfangen haben, welche jene durch das consolamentum (Handauflegung eines Gleichgesinnten) nach vorbildlichem Leben erlangt hatten. Sie verwarfen die Beichte und die Taufe, da ihrer Meinung nach eine sittliche Lebenshaltung deren Notwendigkeit ausschloß. Das Abendmahl nannten sie ein „wertloses Ding“, weil Jesus seinen Leib nicht auf so viele Brote, wie die Gläubigen ihrer bedurften, verteilen könnte. Bezüglich ihrer Einstellung zur Ehe stellte der Bischof fest, daß sie die Enthaltung vom fleischlichen Verlangen, von der sie behaupteten, sie sei ein Gebot des Evangeliums, so interpretierten, als ob ein Mensch, der heiratet, nicht gerettet werden könnte.[46]

Angemerkt sei noch, daß es bezüglich der Datierung, Lokalisierung und Glaubwürdigkeit der erwähnten Quellen, die von der Ketzerei in Arras berichten, kontroverse Meinungen gibt.[47]

2.1.4. Monteforte (1028)

Ein anderer Fall von Häresie wurde 1028 in der Nähe von Turin auf der Burg Monteforte entdeckt. Die Hauptquelle über diese Häresie sind Aufzeichnungen des Stadtchronisten Landulf des Älteren, dessen Mitschriften des Verhörs der Ketzer später wohl auch in das Prozeßprotokoll aufgenommen wurde. Daneben berichtet auch der Chronist Rodulfus Glaber über das Geschehen, den Heinrich Fichtenau jedoch als „wie stets nicht sehr gut informiert“[48] bewertet.

Ähnlich wie in Orléans handelte es sich bei diesen Ketzern um Angehörige der oberen Gesellschaftsschicht. Es waren etwa 30 Adlige darunter die Gräfin des Ortes. Doch im Gegensatz zu der Gruppe in Orléans befanden sich unter ihnen keine Geistlichen. Auch kam es nicht, wie in dem etwa sechs Jahre zurückliegenden Fall, zu größerem Aufsehen, als die Ketzer entdeckt wurden. Nach Landulfs Bericht unternahm der Erzbischof von Mailand eine Visitationsreise, die ihn auch nach Turin führte, wo er von der Ketzerei erfuhr. Daraufhin ließ er sich einen ihrer Anhänger bringen und befragte ihn. Der Ketzer, ein gewisser Gerhard[49] gab dem Bischof bereitwillig Auskunft über seine Gruppe, deren Mitglieder sich „Brüder“ nannten.[50] „Die Jungfräulichkeit schätzen wir über alles ... niemand von uns berührt fleischlich seine Gattin, sondern er hält sie in Liebe wie eine Mutter oder Schwester. Niemals essen wir Fleisch, sondern wir fasten und beten ununterbrochen ... Unsere Besitzungen verwalten wir gemeinsam“[51], hieß es in dem von ihm abgegebenen Glaubensbekenntnis. Demnach lebten sie in Gütergemeinschaft und Askese. Auf Fragen des Bischofs nach den Hintermännern dieser Häresie, antwortete Gerhard laut dem Chronisten Landulf: „Wir haben nicht jenen römischen Hohepriester, [...], sondern einen anderen, der täglich unsere Brüder, die in der Welt verstreut sind, besucht, und wenn er Gott zu uns bringt, dann wird uns Vergebung für alle Sünden zuteil.“[52] Hinter dieser Aussage verbirgt sich kein Wanderprediger, sondern es handelt sich um den Heiligen Geist.[53] Es ist die Erfüllung und die Erleuchtung durch den Heiligen Geist, wodurch den Anhängern dieser Häresie die Sünden vergeben werden. Eine Absolution durch Priester, Bischöfe und selbst durch den Papst, ist ihrer Meinung nach nicht wirksam.[54] In gleicher Weise äußern sie sich auch auf die Frage des Bischofs nach der Macht des Priestertums, Leib und Blut Christi zu konsekrieren, daß sie keinen anderen Hohenpriester außer ihren Hohenpriester kennen. Bezüglich der orthodoxen Lehre von der Trinität hatten sie eine eigene Auffassung. Sie sahen Jesus nicht als historische Gestalt an, sondern interpretierten ihn als die von Gott geliebte Menschenseele. Geboren wurde sie, so glaubten die Ketzer, „von der Jungfrau Maria, d.h. geboren aus der Heiligen Schrift.“[55] Den Heiligen Geist verstanden sie, als den Inbegriff göttlicher Wahrheiten (das Verständnis der heiligen Wissenschaften), durch den alle Dinge, jedes für sich gelenkt wird. Im Mittelpunkt des Denkens der Ketzer stand der Heilige Geist sowie die Heilige Schrift, und diese in ihrer eigenen Auslegung.

Innerhalb der Gruppe von Monteforte läßt sich aufgrund der vorhandenen Gemeindeleiter und Ältesten eine gewisse Organisation erkennen. Sakramentale Funktion kam diesen aber wahrscheinlich nicht zu. Ihre Aufgabe waren beispielsweise das Verlesen der Heiligen Schrift (Altes und Neues Testament sowie die „heiligen Regeln“)[56] und die Entscheidung über die Aufnahme neuer Brüder. Diese Neuaufgenommenen waren im übrigen nicht unerwünscht, denn auch der Missionseifer gehörte zu den Eigenheiten dieser Gruppe.

Am Ende wurden die Ketzer vor die Wahl gestellt, ob sie lieber das Kreuz verehren, das heißt von ihren Lehren absagen, oder den Tod durch den Scheiterhaufen finden wollten. Ein großer Teil der Gruppe entschied sich für den qualvollen Tod durch das Feuer. Diese Tatsache gibt nicht nur auf ihre Glaubensüberzeugung, sondern auch einen Hinweis auf die Glaubwürdigkeit, die man einer Aussage Gerhards schenken kann, daß nämlich niemand in der Gruppe ohne Qualen sein Leben beenden würde. Denn liege jemand von ihnen im Sterben, so behauptete Gerhard, würde er von seinen Genossen auf eine bestimmte Art und Weise getötet werden.

2.1.5. Zusammenfassung

Faßt man die Lehren und Eigenheiten der Ketzer des 11. Jh.s. zusammen und vergleicht sie miteinander, kann man vermuten, daß die Häresien in einer gewissen Verbindung zueinander standen.[57] Dafür sprechen immer wiederkehrende Anliegen, wie die Behauptung mittels Erleuchtung durch den Heiligen Geist zu einem besserem Schriftverständnis gelangt zu sein, die Ablehnung der Ehe bzw. der fleischlichen Gelüste oder etwa die Zweifel an den heilsbringenden Kräften der Kirche. Wo die Gruppen Unterschiede aufweisen, könnte man zudem vermuten, daß die Überlieferung, die ohnehin sehr ungleichmäßig ist, Lücken hinterlassen hat. Direkte Verbindungen unter den einzelnen Ketzergruppen lassen sich jedoch nicht erkennen. „Nur gelegentlich hört man von Beziehungen zwischen ihnen: eine Frau aus Italien soll die Ketzerei nach Frankreich gebracht haben, ein Italiener Gundulf nach Arras, ein Bauer aus Périgord nach Orléans; Genaueres erfährt man nicht.“[58] Wenn somit schon keine einheitliche Sektengemeinschaft vermutet werden kann, wogegen im übrigen auch die Heterogenität der Ketzer bezüglich ihres Standes und ihrer Bildung spricht, so ließe sich eventuell, aufgrund der Ähnlichkeit der Lehren, eine Verbindung zu den dualistischen Häresien im Osten denken. Belege für diese Theorie finden sich jedoch ebenfalls nicht. Die Kenntnis von dem enormen Missionseifer der Bogomilen und ihrer Anwesenheit zur fraglichen Zeit in Süditalien, stützen jedoch diesen Gedanken, zu dem die Historiker nach langer Diskussion tendieren[59]. Wie sonst wären die Ketzer unabhängig voneinander, durch eigenes Bibelverständnis zu immer wieder gleichartigen Überzeugungen gelangt? So plausibel die Argumente, die diese These stützen auch sind, darf nicht außer Acht gelassen werden, daß es auch Differenzen zwischen den Lehren der Ketzer gibt. Heinrich Fichtenau verweist auf die den Ketzern von Monteforte eigene Überzeugung, daß die Jungfrau Maria gleichzusetzen sei mit der Heiligen Schrift, Jesus also durch diese geboren wurde. Parallelen zu dieser Ansicht existieren wohl nicht.[60] Eigenständigkeiten im Glauben der Ketzergruppen relativieren jedoch die bogomilische Theorie. Andere Auffassungen der Ketzer, die eine Nähe zu den dualistischen Bogomilen vermuten lassen könnten, sind ebenso aus einem Bibelverständnis der Häretiker zu erklären, welches beispielsweise durch Schriften Augustinus´ geprägt gewesen sein könnte.[61] Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, daß sich manche Auffassungen der Ketzer auch in der Volksmeinung widerspiegelten, so etwa die Zweifel an der tatsächlichen Verwandlung von Brot und Wein zu Christi Leib und Blut bei der Messe.

Woher die häretischen Lehren der Ketzer des 11. Jh.s. stammen, bleibt letztlich ungeklärt. Weder eine Erklärung der Auffassungen aus westlichen Traditionen, noch die Übernahme bogomilischer Lehren ist diesbezüglich befriedigend. Es ist wohl davon auszugehen, daß beide Faktoren zusammen wirkten und Häresien entstehen ließen, die durch zwei Grundmotive geprägt waren. Zum einen propagierten die Ketzer das Wissen um das Wesen Gottes und wandten sich damit gegen Wunderglauben und äußerliche Kultformen. Zum anderem stellten sie dem Priesterprivileg der Kirche das Prinzip der Leistung durch Askese, Armut und innere Frömmigkeit gegenüber. Diese Motive spielten auch in der weiteren Ketzergeschichte eine bedeutende Rolle.

[...]


[1] Bedeutender italienischer Physiker und Astronom, der sich für die Lehre des Nikolaus Kopernikus (1473-1543) einsetze, daß sich die Erde um die Sonne bewege. Geriet dadurch in Widerspruch zur katholischen Kirche und mußte seine Anschauungen gegen besseres Wissen widerrufen. Erst 1983 wurde das Fehlurteil von Rom aufgehoben.

[2] Vgl. zum Begriff Häresie: Theologische Realenzyklopädie Bd. 14, Gerhard Müller (Hrsg.), 1985, S. 313-349; Betzer und Belte´s Kirchenlexikon Bd. 5, Joseph Hergenröther (Hrsg.), 1888, S. 1442-1451.

[3] So sicherte beispielsweise die alte Kirche ihre eigene Einheit, indem sie alle Glaubensabweichungen brandmarkte und verurteilte (vgl. zum Begriff Häresie: Lexikon für Theologie und Kirche Bd. 4, Walter Kasper (Hrsg.), 1995, S. 1190).

[4] Vgl. Titus 3, 10.

[5] Vgl. Kor. 11, 19.

[6] Malcom D. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 17.

[7] In einem Kirchenlexikon von 1888 findet sich eine noch differenziertere Unterscheidung des Begriffes Häresie, so zum Beispiel in formelle oder materielle. Berücksichtigt wird unter anderem auch, ob ein Häretiker beispielsweise protestantisch erzogen wurde. (vgl. zum Begriff Häresie: Betzer und Belte´s Kirchenlexikon Bd. 5, Joseph Hergenröther (Hrsg.), 1888, S. 1442-1451).

[8] Vgl. zum Begriff Ketzer: Der Duden, Etymologie, 1997, S.341.

[9] Bruno Gloger vertritt die Theorie, daß sich der Begriff Ketzer von mittelniederdeutsch „quetser“ (Schänder) ableitet. Diese Annahme wird in der übrigen Literatur jedoch nicht erwähnt, was er damit begründet, daß die Verwandtschaft beider Begriffe in Vergessenheit geraten sei. Bruno Gloger/ Walter Zöllner, Teufelsglaube und Hexenwahn, 1999, S.81.

[10] Vgl. Herbert Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, 1977, S. 5.

[11] Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 24.

[12] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S.23-41; Martin Erbstösser, Ketzer im Mittelalter, 1987, S. 13-46.

[13] Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, 1977, S. 6.

[14] Grundmann (a.a.O., S. 7) sieht in der protestantischen Ketzergeschichtsschreibung die katholische Ketzerpolemik mit umgekehrten Vorzeichen fortgesetzt.

[15] Vgl. zum Begriff der Häresie: Theologische Realenzyklopädie Bd. 14, Gerhard Müller (Hrsg.), 1985, S. 318, 331f.

[16] Theologische Realenzyklopädie Bd. 14, a.a.O., S. 332.

[17] Arno Borst sieht in Arnold noch nicht die entscheidende Wende. Er hebt hervor, daß in Arnolds Ketzergeschichte die Waldenser immer noch gleichgesetzt sind mit den Katharern und verweist diesbezüglich auf den Holländer Phillip van Limborch (†1712), der der entgegengesetzten These zum Durchbruch verhalf. Dies ist für Borst „der Sieg der Wissenschaft über die Konfession.“ Arno Borst, Die Katharer, 1953, S.33.

[18] Vgl. Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter, 1977, S. 8.

[19] Grundmann, a.a.O., S. 8.

[20] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 11.

[21] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 12, 20.

[22] Z.B.: Herbert Grundmann „Religiöse Bewegungen im Mittelalter“, 1. Aufl. 1935- 4. Aufl. 1977, Arno Borst „Die Katharer“ 1. Aufl. 1951- 3. Aufl. 1991, Malcom D. Lambert „Ketzerei im Mittelalter“, (übersetzt ins Deutsche) 1. Aufl. 1981- (neu übersetzt) 3. Aufl. 2001.

[23] Lambert, a.a.O., S.12.

[24] Vgl. Lambert, a.a.O., S. 18.

[25] Vgl. Grundmann, a.a.O., S. 29.

[26] Vgl. Borst, Die Katharer, 1953, S. 1-27.

[27] Vgl. Erbstösser, Ketzer im Mittelalter, 1987, S. 65f.

[28] Vgl. Abb. 1.

[29] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 47.

[30] Vgl. Erbstösser, a.a.O.

[31] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 48.

[32] Raul Glaber, Les cinq livres de ses histoires, ed. M. Prou, Paris 1886, lib. II, cap. 11, S. 49f., zitiert bei: Ernst Werner/ Martin Erbstösser, Ketzer und Heilige, 1986, S. 70.

[33] Vgl. Werner/ Erbstösser, a.a.O., S. 70.

[34] Vgl. Erbstösser, Ketzer im Mittelalter, 1987, S. 68. / Diese Vermutung würde zudem in das Bild Borsts von den Chronisten des 11. Jh.s passen (vgl. I 1.2. Zu den Quellen, S. 8).

[35] In diesem Zusammenhang verweist Ernst Werner auf ein Argument aus der Bibel: Von Abgaben an Seelenhirten war in der Bergpredigt Matth. 5-7 keine Rede. (vgl. Werner/ Erbstösser, Ketzer und Heilige, 1986 , S. 71).

[36] Vgl. Heinrich Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 44; ebenso Arno Borst, der Rudulfus als „trefflichen Zeuge für mönchische Vorurteile, [aber] nicht für historische Fakten“ beurteilt (vgl. Borst, Lebensformen im Mittelalter, 1997, S. 610).

[37] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 49.

[38] Vgl. Erbstösser, Ketzer im Mittelalter, 1987, S. 69.

[39] Vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, Anhang A, Teil 1.

[40] Vie de Gauzlin, abbé de Fleury. Vita gauzlini, abbatis Floriacensis monasterii. Ed. R.-H. Bautier et G. Labory. Paris 1969, lib II, S. 96, 98, zitiert bei: Werner/ Erbstösser, Ketzer und Heilige, S. 71.

[41] Ebd. , Appendix III, S. 180, 182, zitiert bei: Werner/ Erbstösser, a.a.O., S. 72.

[42] Vgl. Werner/ Erbstösser, Ketzer und Heilige, 1986 , S. 72.

[43] Dürftige Nachricht über eine Ketzersynode in Châlons (1012) und ein Lehrgedicht von dem Lütticher Schulmeister Egbert (zwischen 1010-1027). (vgl. Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 22).

[44] Brief an Bischof „R.“, Mansi, S. 19, zitiert bei: Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 22.

[45] Vgl. Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 22.

[46] Vgl. Werner/ Erbstösser, Ketzer und Heilige, 1986, S. 73.

[47] Die Klarheit, in der die Lehren dieser Ketzerei durch den Bischof Gerhard wiedergegeben werden, stimmt nachdenklich über den Wahrheitsgehalt der Quellen. Im Fall von Orléans begründet sich die gute Überlieferung mit dem gesellschaftlichen Skandal, den die Aufdeckung der Ketzerei auslöste. Welche Gründe waren es in Arras? Der Glaubwürdigkeit der Quellen vertrauen beispielsweise Werner, Erbstösser und Lambert, der darauf hinweist, daß der Bischof die Ketzer nicht einmal Manichäer nennt, was seiner Meinung nach gegen die These spricht, der Bischof habe den Ketzern die dualistische Lehren nur eingeredet (vgl. Lambert, Ketzerei im Mittelalter, S. 63). Zu einem anderen Ergebnis kommt Fichtenau, der den Bischof Gerhard im Zusammenhang mit politischen Verstrickungen sieht, die ihn zwangen sich zu profilieren. (vgl. Fichtenau, a.a.O., S. 23ff.).

[48] Vgl. Fichtenau, a.a.O., S. 44.

[49] Bei Werner: Gerardo (vgl. Werner, a.a.O., S. 74). Außerdem besteht Uneinigkeit, ob er Haupt der Gemeinde (vgl. Werner/ Erbstösser, a.a.O.) oder nur Angehöriger der Sekte (vgl. Lambert, a.a.O., S. 51) war.

[50] Fichtenau, a.a.O., S. 45.

[51] Landulfi Mediolanensis historiae libri IV, ed. L. Bethmann und W. Wattenbach. MGH SS 8, lib. II, cap. 27, S. 65, zitiert bei: Werner/ Erbstösser, Ketzer und Heilige, 1986, S. 74.

[52] Landulf der Ältere, in: WEH, S. 88, zitiert bei: Lambert, Ketzerei im Mittelalter, 1991, S. 52.

[53] Vgl. Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 45; Werner/ Erbstösser, a.a.O., S. 74.

[54] Vgl. Lambert, a.a.O., S. 52.

[55] Lambert, a.a.O.

[56] Vgl. Lambert, a.a.O.

[57] Aufgrund der bereits genannten Zweifel gilt dies nur eingeschränkt für den Fall Leuthard.

[58] Grundmann, Ketzergeschichte des Mittelalters, 1978, G 9.

[59] Vgl. Erbstösser, Ketzer im Mittelalter, 1987, S. 71.

[60] Vgl. Fichtenau, Ketzer und Professoren, 1992, S. 47.

[61] In Augustinus´ apokryphen Schriften spiegelte sich die frühere Auseinandersetzung der Kirche mit dem Dualismus wieder. Augustinus selber war teilweise dualistisch geprägt. (vgl. Fichtenau, a.a.O.).

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten

Details

Titel
Häresien im Hohen Mittelalter. Historische Darstellung und didaktische Überlegungen für eine Thematisierung im Geschichtsunterricht
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (FB Geschichte)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
114
Katalognummer
V3273
ISBN (eBook)
9783638119894
Dateigröße
889 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Häresien, Ketzer, Mittelalter, Geschichtsunterricht, Inquisition
Arbeit zitieren
Jürgen Grabowksi (Autor), 2001, Häresien im Hohen Mittelalter. Historische Darstellung und didaktische Überlegungen für eine Thematisierung im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3273

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