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Islamischer Fundamentalismus und Islamismus - Eine notwenige Differenzierung

Title: Islamischer Fundamentalismus und Islamismus - Eine notwenige Differenzierung

Term Paper , 2003 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Patrick Ehlers (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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[...] Die "Zeugen Jehovas" sind Fundamentalisten in diesem Sinne, so wie evangelische oder katholische "Kreationisten". Fundamentalismus gibt es in allen Religionen, die sich auf ein offenbartes Buch berufen - im Christentum und Judentum ebenso wie im Islam. Spricht man gegenwärtig von Fundamentalismus, so meint man häufig den islamischen und lässt dabei ebenso häufig außer Acht, dass es sich bei der Erscheinung des Fundamentalismus im religiösen Sinne ursprünglich um eine christlich-innerkirchliche Bewegung innerhalb des amerikanischen Protestantismus handelte. Entgegen der verbreiteten Annahme ist er auch keineswegs auf den Orient beschränkt. Seit Ende der siebziger Jahre ist er auch in westlichen
Industriegesellschaften zu beobachten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wo sich fundamentalistische Fernsehprediger mit rechtskonservativen Politikern zusammenschließen. In Israel repräsentiert die Siedlungsbewegung Gush Emunim eine militante Spielart des jüdischen Fundamentalismus. Traditionalismus und Integrismus bilden eine starke Gruppierung innerhalb der katholischen Kirche. Der Fundamentalismus unter den Sikhs in Indien oder buddhistischen Singhalesen in Sri Lanka schließlich zeigt, dass offenbar keine Religion und kein Kulturkreis immun ist gegen diese Mischung aus Heilsversprechen und politischer Aktion. Doch es bedarf nicht einer Religion, um fundamentalistische Strukturen zu entwickeln. Indem er den Fundamentalismus generell als soziales Phänomen charakterisierte, schrieb der schweizerische Psychiater Berthold Rothschild: „Im Fundamentalismus bleibt der konservierende Ursprung fest, undiskutabel, ist er nicht etwas menschlich Gewordenes, sondern etwas rückwärtig Utopisches: Es gilt, das göttliche Wort zu erfüllen.“2 Thomas Meyer kennzeichnet beim Fundamentalismus drei unterschiedliche Ausprägungen: Anfangs war Fundamentalismus eine Reaktion von Mitgliedern einer Glaubensgemeinschaft, die sich gegen jegliche Art von Modernisierung „ihrer“ Religion richtete. Wieder aufgetaucht sei das Phänomen in den siebziger Jahren in den islamisch geprägten Gebieten und schließlich sei das Thema Fundamentalismus mit dem Aufkommen der grünen alternativen Bewegung und der Frage der Zivilisationskritik wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt.3 2 Jäggi/Krieger, Fundamentalismus – Ein Phänomen der Gegenwart, Zürich, Wiesbaden 1991, S. 16 3 vgl. Jäggi/Krieger, a.a.O., S. 21

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Begriff und Wesen des Fundamentalismus

2. Der Islam

2.1 Grundzüge des islamischen Glaubens

2.2 Das Märtyrertum

3. Entwicklung des islamischen Fundamentalismus

4. Islamismus – Die Ideologie des politischen Islam

4.1 Entwicklung zwischen Fundamentalismus und Nationalismus

4.2 Islamischer Fundamentalismus als Feindbild

5. Fazit: Wege zur Überwindung des islamischen Fundamentalismus

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die notwendige Differenzierung zwischen islamischem Fundamentalismus und Islamismus. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Islamismus als moderne politische Ideologie von der traditionellen Religion des Islams zu unterscheiden ist, um den Hintergründen der Krisen im Nahen Osten wissenschaftlich fundiert zu begegnen.

  • Begriffliche und inhaltliche Abgrenzung von Fundamentalismus und Islamismus
  • Die Rolle des Korans und der Scharia als Fundament islamischer Ordnung
  • Historische Entwicklungslinien: Von der Kolonialzeit bis zur Entstehung des modernen Islamismus
  • Geopolitische Faktoren, Krisensymptome und die Wahrnehmung des Islams im Westen

Auszug aus dem Buch

Die shari’a

Ein wichtiger Begriff in den Versuchen zur Wiederbelebung einer islamischen Ordnung ist die shari’a, der „Weg zum Heil". Man versteht darunter ein während des ersten Kalifats-Jahrhunderts aufgekommenes „kanonisches Recht" des Islams, das die Gesamtheit der auf die Handlungen des Menschen bezüglichen Vorschriften Allahs erfasst. Der Prozess der schrittweisen Säkularisierung führte bereits vor der Kolonialzeit in muslimischen Großreichen (Osmanisches Reich, Mogulkaiser in Indien) dazu, „(...) dass die shari’a immer stärker auf Fragen des Familien- und Erbrechts beschränkt wurde, während die übrige Rechtsprechung einem „staatlichen" Gesetzeskodex folgte, der im Osmanischen Reich sogar seinem Namen nach deutlich als solcher zu erkennen war. Er hieß nämlich qanun (canon), und dieses Wort existiert weiterhin in den Sprachen mehrerer muslimischer Völker Seite an Seite mit dem Begriff shari’a.“ Auch dadurch begann bei den orthodoxen Rechtsgelehrten in vorkolonialer Zeit „(...) jenes Träumen von einer Wiederherstellung des Gottesreiches, getragen von der Wunschvorstellung, eine Rückkehr zur shari’a würde ein goldenes Zeitalter anbrechen lassen (...) Während der Kolonialzeit wurde stellenweise der Wirkungsbereich der shari’a noch weiter eingeschränkt, und nun kam die Vorstellung auf, die Befreiung vom kolonialen Joch sei gleichbedeutend mit der Wiederherstellung einer imaginären islamischen Glorie. So wurde in manchen Kreisen die Erringung der nationalen Unabhängigkeit mit der Wiedereinführung der shari’a gleichgesetzt.“

Im Islam steht weniger der rechte Glaube, die Orthodoxie, als vielmehr das rechte Tun, die Orthopraxis, im Vordergrund. Rechtes Tun aber wird in der shari’a festgelegt Es gibt daher im Islam eine klare, allgemeingültige Norm des Handelns: das von Gott stammende und durch seinen Propheten verkündete religiöse Gesetz, das bis in kleinste Einzelheiten festlegt, was der Mensch zu tun hat. „Man muss also wissen, was das Gesetz vorschreibt und danach handeln (...) Gut und Böse sind folglich keine Wesensmerkmale, die "in se" Verhaltensweisen eigen sind; sie entstammen einzig und allein Kategorien positiver Setzung, denn Gott "tut, was er will" (Koran 11, 107) (...) Daher ist die menschliche Vernunft von sich aus nicht fähig, die Qualifizierung nach "gut - böse" treffsicher zu erkennen und eigenständig vorzunehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Begriff und Wesen des Fundamentalismus: Definition des Fundamentalismus als religionswissenschaftlicher Begriff und Einordnung desselben als globales, nicht ausschließlich islamisches Phänomen.

2. Der Islam: Erläuterung der Grundzüge des islamischen Glaubens, der Bedeutung des Korans sowie der Kontroverse um das Märtyrertum im Kontext aktueller Konflikte.

3. Entwicklung des islamischen Fundamentalismus: Historische Analyse der Reaktion des Islams auf Modernisierung, Kolonialismus und den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches.

4. Islamismus – Die Ideologie des politischen Islam: Analyse des Islamismus als moderne Ideologie und politische Strömung im Vergleich zum traditionellen Islam sowie dessen Wahrnehmung im Westen.

5. Fazit: Wege zur Überwindung des islamischen Fundamentalismus: Zusammenfassung der Kernerkenntnis, dass der Islamismus ein politisches Krisensymptom darstellt und eine Säkularisierung sowie wirtschaftliche Perspektiven für eine langfristige Lösung notwendig sind.

Schlüsselwörter

Islam, Islamismus, Fundamentalismus, Scharia, Koran, Naher Osten, Politische Ideologie, Säkularisierung, Identitätssuche, Kolonialismus, Religion, Politik, Nationalismus, Moderne, Geopolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Differenzierung zwischen der traditionellen Religion des Islams und dem Islamismus als politischer Ideologie im heutigen Nahen Osten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische Genese beider Begriffe, die Rolle von Rechtstraditionen wie der Scharia sowie die politischen Auswirkungen von Krisen und fremden Einflüssen auf islamische Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein wissenschaftliches Verständnis für die Entstehung islamistischer Bewegungen zu schaffen, um die pauschale Dämonisierung des Islams zu vermeiden und sachliche Ursachenanalysen zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche und ideengeschichtliche Analyse, wobei sie auf vorhandene Fachliteratur und Zeitzeugnisse zurückgreift.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, den Ideologiecharakter des Islamismus, das Verhältnis von Religion und Nationalismus sowie die Konstruktion des Islams als Feindbild im Westen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Islamismus, Fundamentalismus, Politische Ideologie, Identitätssuche, Säkularisierung und Geopolitik.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Märtyrertums?

Der Autor legt dar, dass die Rechtfertigung von Selbstmordanschlägen als Märtyrertum innerhalb des Islams stark umstritten ist und durch politische Krisen und territoriale Besatzung instrumentalisiert wird.

Warum ist laut Autor die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus wichtig?

Da der Islam eine Weltreligion mit pluralistischen Zügen ist, während der Islamismus ein geschlossenes, politisches Ideologiesystem darstellt, ist die Unterscheidung entscheidend, um den Kern der aktuellen politischen Herausforderungen zu verstehen.

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Details

Title
Islamischer Fundamentalismus und Islamismus - Eine notwenige Differenzierung
College
University of Potsdam
Grade
2,0
Author
Patrick Ehlers (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V32830
ISBN (eBook)
9783638334532
Language
German
Tags
Islamischer Fundamentalismus Islamismus Eine Differenzierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Ehlers (Author), 2003, Islamischer Fundamentalismus und Islamismus - Eine notwenige Differenzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32830
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