„Nichts ist findbar, wenn es nicht gefragt ist“. An diesen Gedanken des sorbischen Schriftstellers Jurij Brìzan anknüpfend soll mit dieser Hausarbeit die Fragestellung „Ist die Erwerbsarbeit in der Krise ?“ erörtert werden. Unter dem Begriff der Krise versteht man lt. Brockhaus einen Prozess, in dem sich nach Zuspitzung der Situation die weitere Entwicklung entscheidet. Es stellt sich die Frage, ob wir uns heute in Bezug auf die Erwerbsarbeit an einem solchen kritischen Punkt unbestimmten Ausganges befinden. Die tägliche Diskussion über die Ausgestaltung der Arbeitsmarktpolitik macht deutlich, welche zentrale Bedeutung diesem Thema aus gesellschaftspolitischer Sicht beigemessen wird. Zudem bestätigen nur wenige Wochen vor den Wahlen zum Deutschen Bundestag Erhebungen führender Meinungsforschungsinstitute, dass die Partei beste Wahlaussichten genießt, der durch den Wähler ein hoher Kompetenzwert auf diesem Politikfeld zugeschrieben wird. Die abschließenden Ergebnisse der seitens der Bundesregierung eingesetzten sog. Hartz-Kommission werden infolge dessen mit Spannung erwartet. Die vorliegende Arbeit dient in diesem Zusammenhang der Darstellung bestehender Problemlagen der heutigen Erwerbsarbeit vor dem Hintergrund ihrer Entstehung. Darüber hinaus sollen aber auch Positionen Berücksichtigung finden, die der Unüberwindbarkeit einer u.U. gegebenen Arbeitskrise entgegenstehen und mögliche Entwicklungen aufgezeigt werden, die zu einer Bewältigung dieser Krise beitragen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge der Entstehung der Erwerbsarbeit
3. Ende der Erwerbsarbeit oder Arbeitsform der Zukunft ?
3.1 Veränderung der Arbeitsgesellschaft und ihre Ursachen
3.1.1 Merkmale der Verknappung der Erwerbsarbeit
3.1.2 Ursachen der Entwicklung aus gesellschaftspolitischer Sicht
3.2 Kernthesen für den Fortbestand der Erwerbsarbeit
4. Welche gesellschaftlichen Folgen ergeben sich aus der Veränderung ?
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Krisenhaftigkeit der Erwerbsarbeit in der modernen Industriegesellschaft. Ziel ist es, die historische Entstehung und die strukturellen Ursachen der Arbeitsmarktprobleme zu analysieren, um der Frage nachzugehen, ob sich die Erwerbsarbeit in einem unumkehrbaren Wandel oder einer systemimmanenten Krise befindet.
- Historische Entwicklung des Arbeitsbegriffs und der Erwerbsarbeit.
- Strukturelle Ursachen der Arbeitslosigkeit und Verknappung der Arbeit.
- Zusammenhang zwischen Rationalisierung, Produktivität und Lohnentwicklung.
- Alternative Beschäftigungsformen und die Zukunft der sozialen Identität.
- gesellschaftspolitische Lösungsansätze zur Bewältigung der Arbeitskrise.
Auszug aus dem Buch
Verengung des Arbeitsbegriffs – Entstehung der Erwerbsarbeit
Wie bereits eingangs dargestellt, steht eine definitorische Bestimmung des Arbeitsbegriffs jeweils in Abhängigkeit epochaler und gesellschaftlicher Strukturmerkmale. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde unter Arbeit das gesamte Tätigkeitsspektrum des Menschen verstanden, sofern es der Maßgabe des Produzierens genügte. Erst in der Folgezeit verlangten weitergehende Veränderungen ökonomischer Strukturen und damit einhergehend der Arbeitswelt eine noch präzisere Ausrichtung der Arbeit auf ihre Bedürfnisse. Dieser Prozess, dessen Gestaltung ganz wesentlich durch die industrielle Entwicklung im europäischen Raum mitbestimmt wurde, stand darüber hinaus in kausalem Zusammenhang mit den im Folgenden exemplarisch angeführten Entwicklungstendenzen.
Eine sich zu dieser Zeit wandelnde Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung diente der gegenständlichen Entwicklung als Fundament und Wegbereiter. Der bereits angesprochene Zustand einer zunehmend destabilisierten und erodierenden Ständegesellschaft und der damit einhergehenden Verstetigung ökonomischer Strukturen kapitalistischer Ausprägung nahm großen Einfluß auf das damals gültige Wesensbild der Arbeit.
Insbesondere der „Versachlichung und Generalisierung der Arbeit“ ist in diesem Zusammenhang höchste Priorität beizumessen. Die Versachlichung der Arbeit und ihrer somit vollzogenen Wandlung zu einer Ware gegenstandsähnlicher Natur resultierte aus der zunehmenden Entkoppelung des Wesens Mensch und der ihm anhaftenden arbeitsrelevanten Fähigkeiten. Erst durch diesen Entwicklungsverlauf von grundsätzlicher Bedeutung erfuhr die Arbeit eine inhaltliche Erweiterung um die Eigenschaft der Marktfähigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert das Ziel der Untersuchung im Kontext der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte um die Arbeitsmarktkrise.
2. Grundzüge der Entstehung der Erwerbsarbeit: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Wandel des Arbeitsbegriffs vom antiken Verständnis der „Mühe“ hin zur Aufwertung durch industrielle und kapitalistische Strukturen.
3. Ende der Erwerbsarbeit oder Arbeitsform der Zukunft ?: Das Kapitel analysiert die Ursachen der aktuellen Arbeitskrise, insbesondere die Verknappung des Arbeitsvolumens sowie technologische und demografische Einflussfaktoren.
3.1 Veränderung der Arbeitsgesellschaft und ihre Ursachen: Hier werden die Faktoren diskutiert, die zur Krise der Arbeitsgesellschaft beitragen, mit Fokus auf das Arbeitsvolumen und politische Steuerung.
3.1.1 Merkmale der Verknappung der Erwerbsarbeit: Analyse der Einflussfaktoren auf das Arbeitsvolumen, wie Arbeitszeitverkürzungen und gesamtwirtschaftliche Strukturveränderungen.
3.1.2 Ursachen der Entwicklung aus gesellschaftspolitischer Sicht: Untersuchung der Rolle von Arbeitgebern, Gewerkschaften und der Lohnentwicklung als Determinanten der Beschäftigungssituation.
3.2 Kernthesen für den Fortbestand der Erwerbsarbeit: Darstellung von Gegenargumenten, die trotz Krisensymptomen auf die Anpassungsfähigkeit und den langfristigen Fortbestand der Erwerbsarbeit setzen.
4. Welche gesellschaftlichen Folgen ergeben sich aus der Veränderung ?: Dieses Kapitel thematisiert die Auswirkungen der reduzierten Erwerbsarbeit auf das Individuum und alternative informelle Beschäftigungssysteme.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass eine „Genesung“ der Erwerbsarbeit in ihrer jetzigen Form unwahrscheinlich ist und eine Neuausrichtung notwendig erscheint.
Schlüsselwörter
Erwerbsarbeit, Arbeitsgesellschaft, Arbeitslosigkeit, Industriegesellschaft, Strukturwandel, Rationalisierung, Arbeitsvolumen, Normalarbeitsverhältnis, Sozialstaat, Subsistenzwirtschaft, Identität, Arbeitsmarktpolitik, Produktivität, Beschäftigungssysteme, Strukturveränderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung der Erwerbsarbeit im Kontext der modernen Industriegesellschaft und hinterfragt deren krisenhafte Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entstehung der Erwerbsarbeit, den Ursachen der aktuellen Arbeitslosigkeit sowie den sozioökonomischen Auswirkungen des Strukturwandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status quo der Erwerbsarbeit zu analysieren und zu erörtern, ob diese Form der Arbeit langfristig zukunftsfähig ist oder durch gesellschaftliche Veränderungen transformiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Betrachtung sowie die Auswertung soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur zur Einordnung der aktuellen Arbeitsmarktprobleme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Wandel des Arbeitsbegriffs, die Ursachen der Verknappung der Erwerbsarbeit und die gesellschaftlichen Folgen der Fragmentierung der Arbeit detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Arbeitsgesellschaft, Strukturwandel, Verknappung der Erwerbsarbeit, Rationalisierung und soziale Identität definiert.
Warum wird im Dokument vom „doppelten Dilemma der Rationalisierung“ gesprochen?
Der Begriff beschreibt das Problem, dass Arbeitnehmer zwar auf Lohnerhöhungen drängen, diese jedoch Rationalisierungsmaßnahmen fördern, die wiederum Arbeitsplätze vernichten und die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen.
Was versteht der Autor unter der „informellen Subsistenzwirtschaft“?
Es handelt sich um einen Sektor, in dem nicht mehr durch Erwerbsarbeit abgedeckte soziale oder handwerkliche Tätigkeiten organisiert werden, oft bei geringerer Entlohnung, aber mit höherer persönlicher Sinnhaftigkeit.
- Quote paper
- Carsten Ulferts (Author), 2002, Ist die Erwerbsarbeit in der Krise?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32862