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Die orthoepische Norm

Título: Die orthoepische Norm

Trabajo , 2004 , 18 Páginas , Calificación: gut (1.7)

Autor:in: Jan Hendrik Schmidt (Autor)

Filología alemana - Lingüística
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Die orthoëpische Norm (auch Aussprachenorm, Hochlautung, Orthophonie, Lautungsnorm) der deutschen Sprache regelt, wie die deutsche Sprache ausgesprochen werden soll. Doch anders als bei der Rechtschreibung gibt es bei der Aussprache viele strittige Fälle, vor allem bei den Unterschieden zwischen deutschländischem, österreichischem und schweizerischem Deutsch. Der Prozess der Normierung dauert schon viele Jahre an und ist bis heute nicht abgeschlossen. Erst 1986 konnte man sich auf den flexiblen Begriff Deutsch als plurizentrische Sprache einigen und rückte damit von der Vorstellung des einen richtigen Deutsch ab. Das Deutsche begegnet uns von Norden nach Süden und Westen nach Osten in sehr unterschiedlichen Färbungen. Dennoch ist im deutschsprachigen Raum eine Verständigung aller Sprecher meist problemlos möglich, sicherlich auch, weil deutsche Sprecher und Sprecherinnen (im Unterschied etwa zu französischen oder englischen) gegenüber landschaftlichen Aussprachebesonderheiten ihrer Gesprächspartner eine große Toleranz zeigen. Damit ist wohl auch zu erklären, warum „das öffentliche Interesse an einer Regelung der Aussprache doch insgesamt gering ist“ und warum so gut wie jeder ein Nachschlagewerk der deutschen Rechtschreibung, zumeist wohl den Duden, zuhause stehen hat, aber so gut wie niemand, ein Aussprachewörterbuch, was eigentlich ein Paradox ist, da nicht jeder in seinem täglichen Leben schreiben muss, wohl aber niemand von sich behaupten kann, er würde nicht täglich sprechen. Dialekt und Umgangssprache sind heute im deutschsprachigen Raum keine Besonderheit mehr und selbst bei Sprechern des öffentlichen Lebens, wie Politikern oder Nachrichtensprechern kann nicht mehr von einer reinen Hochlautung die Rede sein. Andererseits scheint jeder deutsche Sprecher zu wissen, wie er die Sprache, der er sich bedient, aussprechen muss, da sonst die oben angesprochene Verständigung nicht möglich wäre. Es muss also doch Normen geben, die jedem Sprecher bekannt sind und an die er sich hält, zumindest wenn er mit seinem Gegenüber nicht in seinem gewohnten Dialekt sprechen kann. Die Entstehung der vorhandenen und doch zumindest unterbewusst bekannten Normen der deutschen Aussprache ist Thema dieser Arbeit, ebenso wie ein Blick auf die Unterschiede zwischen festgelegten Normen und der Sprechwirklichkeit in den deutschsprachigen Gebieten. Die Arbeit nähert sich dem Thema dabei mehr von der sprachgeschichtlichen als von der linguistischen Seite.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Früheste Entwicklungen einer Normierung der Aussprache

3. Bühnenaussprache

4. Hochsprache, Hochlautung und Standardaussprache

5. Deutsch als plurizentrische Sprache

6. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachgeschichtliche Entwicklung der orthoepischen Norm im Deutschen, beleuchtet den historischen Weg von der Bühnenaussprache zur modernen Standardaussprache und analysiert die Herausforderungen einer einheitlichen Normierung in einer plurizentrischen Sprachlandschaft.

  • Historische Genese der deutschen Aussprachenorm seit dem 19. Jahrhundert.
  • Die Rolle der "Bühnenaussprache" nach Theodor Siebs und deren Kritik.
  • Die Entwicklung von der "Hochlautung" zur zeitgemäßen "Standardaussprache".
  • Die Herausforderungen durch die plurizentrische Natur des Deutschen (Deutschland, Österreich, Schweiz).
  • Verhältnis zwischen kodifizierten Aussprachenormen und der Sprechwirklichkeit.

Auszug aus dem Buch

3. Bühnenaussprache

Die im allerersten „Siebs“ empfohlene Aussprache basierte auf Beobachtungen, die in deutschen Theatern gemacht worden waren. Sie entsprach weitgehend der schon angesprochenen norddeutschen (nicht niederdeutsch-dialektalen) Aussprache der geschriebenen Hochsprache, beinhaltete aber doch wichtige Ausnahmen, die eindeutig dem Süddeutschen entnommen waren, wie zum Beispiel die Aussprache des wortanlautenden /st/ als [t] anstelle des niederdeutschen [st]. Der erste „Siebs“ ist also getreu seinem Untertitel wirklich das Zeichen für den schon oben angesprochenen Ausgleichsprozess zwischen niederdeutsch und hochdeutsch, wobei immer noch eine deutliche Präferenz für das Norddeutsche erkennbar war.

Leider war der erste Siebs, nicht zuletzt durch die hinter dem Projekt stehenden Beteiligten und Auftraggeber, „eine extrem hochkulturelle, der alltäglichen Praxis öffentlicher Kommunikation weitgehend ferne Anlehnung an höchste, idealisierende Normen der Bühnenlautung in ihrer am meisten hochstilisierten Variante für die klassische Verstragödie“. Doch es gibt noch weit mehr Kritikpunkte an der ersten Auflage des „Siebs“. Er enthielt weder eine einheitliche Lautschrift, noch ein ausführliches Aussprachewörterbuch, sondern lediglich ein Verzeichnis der behandelten ca. 650 Wörter mit einer recht eigenwilligen Lautbeschreibung, doch dies sind nur formale Mängel. Weit massivere Kritik wurde an den teils doch eigenwilligen Entscheidungskriterien für bestimmte Normsetzungen geübt, da sie auf „bildungselitären Geschmacksurteilen, nur aufgrund subjektiver auditiver Eindrücke, nicht auf statistischem Material“ beruhten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der orthoepischen Norm und skizziert das Spannungsfeld zwischen kodifizierten Regeln und der sprachlichen Realität im deutschsprachigen Raum.

2. Früheste Entwicklungen einer Normierung der Aussprache: Dieses Kapitel beschreibt das Fehlen einheitlicher Normvorbilder im frühen 19. Jahrhundert und die Bestrebungen, durch die Bühnensprache eine überregionale Mustersprache zu etablieren.

3. Bühnenaussprache: Es wird die historische Bedeutung und die Kritik an der von Theodor Siebs initiierten "Bühnenaussprache" als hochkulturelles, preußisch-dominiertes Konstrukt analysiert.

4. Hochsprache, Hochlautung und Standardaussprache: Der Abschnitt behandelt die institutionelle Etablierung der Bühnenaussprache als "Hochsprache" sowie die spätere Ablösung durch den Begriff der "Standardaussprache" in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

5. Deutsch als plurizentrische Sprache: Das Kapitel widmet sich der Erkenntnis der sprachlichen Unterschiede zwischen den Zentren Deutschland, Österreich und der Schweiz und deren Auswirkungen auf die Normierungsdebatte.

6. Schluss: Der Schluss zieht ein Fazit über die mangelnde Einheitlichkeit der Ausspracheregelung und fordert eine situative, an der Sprechwirklichkeit orientierte Forschung.

Schlüsselwörter

Orthoepische Norm, Hochlautung, Bühnenaussprache, Standardsprache, Plurizentrik, Deutsch als plurizentrische Sprache, Siebs, Sprechwirklichkeit, Aussprachewörterbuch, Dialekt, Sprachgeschichte, Normierung, Lautung, Sprachvarietät, Soziolinguistik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und Entwicklung der normativen Ausspracheregeln für die deutsche Sprache, von der klassischen Bühnenaussprache bis hin zu modernen Konzepten der Standardaussprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Kodifizierungsversuche durch Aussprachewörterbücher, das Spannungsverhältnis zwischen Sprachnorm und Sprechwirklichkeit sowie die Anerkennung des Deutschen als plurizentrische Sprache.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, den langjährigen Prozess der Normierung der deutschen Aussprache nachzuzeichnen und aufzuzeigen, warum eine rigide, binäre Normierung in der heutigen Sprachlandschaft kaum noch durchsetzbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nähert sich dem Thema primär sprachgeschichtlich und analysiert die Entwicklung anhand von Referenzwerken, historischen Kontroversen und der linguistischen Debatte über Sprachzentren.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Siebs-Regelwerks, die Evolution des Begriffs der Hochlautung und die soziolinguistische Betrachtung der Sprachzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Begriffe wie orthoepische Norm, Bühnenaussprache, Plurizentrik, Standardaussprache und das "Siebs"-Regelwerk sind konstitutiv für den Inhalt der Untersuchung.

Warum wurde die "Bühnenaussprache" von Siebs historisch so stark kritisiert?

Die Kritik entzündete sich an der bildungselitären Basis der Norm, der fehlenden empirischen Grundlage und der einseitigen Bevorzugung norddeutscher Varianten, die oft von der realen Sprechweise vieler deutscher Muttersprachler abwich.

Wie unterscheidet sich die österreichische Perspektive von der schweizerischen hinsichtlich der Norm?

Während Österreich aktiv an der Weiterentwicklung der Standardsprache teilnimmt und nationale Varietäten integriert, pflegt die Schweiz eine Diglossiesituation, in der die Standardsprache primär als Schriftsprache dient und Schwyzertütsch als Alltagssprache dominiert.

Inwiefern beeinflussten Medien wie Rundfunk und Fernsehen die Normierung?

Medien veränderten die Sprechbedingungen (weg vom theatralen Deklamieren hin zum "Mikrophonsprechen") und trugen dazu bei, dass regionale Färbungen zunehmend mit überregionalen Standards in Kontakt traten, was den Druck zur Anpassung der Normen erhöhte.

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Detalles

Título
Die orthoepische Norm
Universidad
University of Würzburg  (Deutsche Philologie - Sprachwissenschaftliche Abteilung)
Curso
Sprachgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Calificación
gut (1.7)
Autor
Jan Hendrik Schmidt (Autor)
Año de publicación
2004
Páginas
18
No. de catálogo
V32869
ISBN (Ebook)
9783638334846
ISBN (Libro)
9783640521890
Idioma
Alemán
Etiqueta
Norm Sprachgeschichte Jahrhunderts
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Jan Hendrik Schmidt (Autor), 2004, Die orthoepische Norm, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32869
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