Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492 sollte die Geschichte ganzer Völker in der Alten und besonders in der Neuen Welt radikal verändern. Abenteurer, Schatzsucher, Kriminelle und politisch Verfolgte sahen eine Chance, in der Neuen Welt ihr Glück zu finden. Die großen Kolonialmächte dagegen versuchten, neben dem Streben nach Macht und Reichtum, auch die europäisch-christliche Kultur auf dem neuentdeckten Kontinent zu etablieren.
Eine wichtige Unterstützung dabei leisteten vor allem die europäischen Missionare. Sie sorgten nicht zuletzt dafür, dass die europäischen Eroberer in der Neuen Welt ihre Macht festigen konnten.
Im Rahmen des Seminars „Die koloniale Expansion“ wählte ich mir das Thema „Die Arbeit der Jesuitenmissionare in Latein- und Südamerika“ aus. Hierbei möchte ich nach einer kurzen Vorstellung des Jesuitenordens dessen Ziele und Aufgabenbewältigung darstellen. Parallel dazu untersuche ich die Wirkungen auf die Ureinwohner, die von einer Missionsstation ausgingen. Einen zentralen Punkt meiner Seminararbeit bildet die Frage, wie eigentlich die Bekehrung der amerikanischen Ureinwohner gelang? Am Ende meiner Betrachtungen fasse ich noch einmal meine Ergebnisse zusammen und versuche dabei, auch die Arbeit der Jesuitenmissionare kritisch einzuschätzen.
In meiner Darstellung möchte ich mich besonders auf das Missionsgebiet Mexiko konzentrieren. Um aber bestimmte Dinge zu erklären oder Parallelen ziehen zu können, werde ich auch Beispiele jesuitisch- missionarischer Arbeit in Südamerika (Amazonasgebiet) heranziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Der Jesuitenorden
2.Missionsgebiet Mexiko
3. Die Stellung der Indios in den Kolonien
3.1 Die Arbeit in der Neuen Welt
3.2 Das Verhältnis von Kolonisten und Ureinwohnern
3.3 Die wirtschaftliche Organisation
4. Die Bekehrung der Ureinwohner
4.1 Erste Kontakte mit den Eingeborenen- Anfänge der Missionierung
4.2 Die Bekehrung der Ureinwohner und Probleme innerhalb der Mission
5.Schlussbetrachtung und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Tätigkeit der Jesuitenmissionare in Latein- und Südamerika während der kolonialen Expansion, wobei der Fokus insbesondere auf dem Missionsgebiet Mexiko liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Methode und dem Gelingen der Bekehrung der amerikanischen Ureinwohner sowie mit den Auswirkungen der Missionsstationen auf deren Alltag und die sozialen Strukturen.
- Historische Rolle und Zielsetzung des Jesuitenordens in den Kolonien
- Analyse der täglichen Abläufe und Wirtschaftsweise jesuitischer Missionsstationen
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Jesuiten, Kolonisten und Ureinwohnern
- Kritische Beleuchtung der Bekehrungsmethoden und der Rolle von Gewalt und Zwang
Auszug aus dem Buch
3.3 Die wirtschaftliche Organisation
Die Organisation der Wirtschaft spielte neben der Missionierung indes ein zentrale Rolle. Da die Gelder aus dem Mutterland in der Folgezeit sukzessive zurückgingen und die Kosten für die Unterhaltung der Missionen aber stiegen, waren die Jesuiten gezwungen sich wirtschaftlich zu engagieren.
In der Quelle Caberos werden diese Aspekte deutlich und Ansätze von organisierter Wirtschaftlichkeit erkennbar: „Jeden Montag besteht die morgendliche Tätigkeit darin, Zucker vom Lagerplatz, wo er in der Sonne getrocknet wird, für die Fracht beiseitezubringen (sic.!). Jeden Dienstag bringen Saumtiere 20 oder 25 Ladungen Säcke nach Mexiko (-Stadt).“. 21
Durch einen regelmäßigen Verkauf von landwirtschaftlichen Gütern, in diesem Falle Zucker, sicherten sich die Jesuitenmissionare die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Station. Ich behaupte sogar, dass sich eine Regelmäßigkeit durch Handel bzw. Verkäufe von Gütern auch indirekt auf die Missionierung, die an sich kaum mit der Wirtschaft in Verbindung zu bringen scheint, auswirkte. Die stete Versorgung der lokalen Märkte mit wichtigen Rohstoffen, wie z. B. Zuckerrohr, schuf viele Verbindlichkeiten in einer Station: Erstens gab dies den dortigen Menschen Arbeit, was als eine Grundvoraussetzung für den Missionierungsprozess, wie bereits erwähnt, angesehen werden kann. Nur die Einbindung in den Arbeitsprozess mit christlich- religiöser Abwechslung konnte auf Dauer ein Umdenken der Indios bewirken.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert das Thema der Arbeit, die Fragestellung bezüglich der Bekehrung der Ureinwohner sowie die Quellenlage, insbesondere unter Berücksichtigung des Berichts von Hernando Cabero.
1.Der Jesuitenorden: Dieses Kapitel stellt die Gründung, die Ziele und die Bedeutung des Jesuitenordens als katholische Glaubensgemeinschaft sowie deren Rolle bei der Erschließung der Neuen Welt dar.
2.Missionsgebiet Mexiko: Hier wird der Fokus auf das Missionsgebiet Mexiko gelegt, wobei der Alltag in einer Missionsstation anhand der Quelle von Hernando Cabero analysiert wird.
3. Die Stellung der Indios in den Kolonien: Das Kapitel untersucht die unterschiedlichen rechtlichen und sozialen Positionen der Ureinwohner in den spanischen Kolonien im Vergleich zu den Sklaven.
3.1 Die Arbeit in der Neuen Welt: Diese Sektion beleuchtet die spirituellen und wirtschaftlichen Aufgaben der Jesuiten sowie den Unterricht der Ureinwohner in den Missionen.
3.2 Das Verhältnis von Kolonisten und Ureinwohnern: Hier werden die Konflikte zwischen den Kolonisten, die auf Ausbeutung zielten, und den Jesuiten, die als Vermittler und teilweise als Schützer auftraten, analysiert.
3.3 Die wirtschaftliche Organisation: Das Kapitel verdeutlicht die Notwendigkeit der ökonomischen Selbstständigkeit der Missionen durch Landwirtschaft und den Verkauf von Gütern wie Zucker.
4. Die Bekehrung der Ureinwohner: Dieser Abschnitt thematisiert die Herausforderungen der Kontaktierungsphase und die Strategien der Jesuiten zur Bekehrung der sogenannten Heiden.
4.1 Erste Kontakte mit den Eingeborenen- Anfänge der Missionierung: Hier werden die Schwierigkeiten der Anreise, der Kontaktaufnahme und der Versuch, das Vertrauen durch Geschenke zu gewinnen, beschrieben.
4.2 Die Bekehrung der Ureinwohner und Probleme innerhalb der Mission: Dieser Teil befasst sich mit der sesshaften Lebensweise der Ureinwohner in den Missionen und der Einbindung in einen religiösen, teils durch Zwang geprägten Alltag.
5.Schlussbetrachtung und Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Arbeit der Jesuiten kritisch, insbesondere im Hinblick auf den Beitrag zur Kolonialisierung und die Anwendung von Gewalt.
Schlüsselwörter
Jesuitenorden, Koloniale Expansion, Missionsstationen, Mexiko, Bekehrung, Ureinwohner, Indios, Landwirtschaft, Missionierung, christlicher Glaube, Kolonialismus, Versklavung, Hernando Cabero, Religionsgeschichte, Kulturkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die missionarische Tätigkeit des Jesuitenordens in Latein- und Südamerika während der kolonialen Expansion, wobei ein besonderes Augenmerk auf das Missionsgebiet in Mexiko gelegt wird.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind der Jesuitenorden als Institution, die tägliche Arbeit in den Missionsstationen, die soziale Stellung der Ureinwohner (Indios) in den Kolonien sowie das komplexe Spannungsfeld zwischen Missionaren, Kolonisten und den einheimischen Kulturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel der Seminararbeit ist es, den Bekehrungsprozess der amerikanischen Ureinwohner zu untersuchen und zu analysieren, wie die Jesuiten ihre missionarischen Ziele unter den gegebenen historischen und sozialen Bedingungen verfolgten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse. Insbesondere der Bericht von Hernando Cabero über eine Zuckerhacienda im Jahr 1664 dient als zentrale Quelle, die durch Sekundärliteratur zur historischen Forschung ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Organisation der Missionsstationen, die wirtschaftlichen Aktivitäten wie der Zuckeranbau, das Verhältnis zwischen Kolonisten und Ureinwohnern sowie der Prozess der Bekehrung von den ersten Kontakten bis zur Sesshaftmachung detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Jesuitenorden, Missionsstationen, Bekehrung, Kolonialisierung, Indios und ökonomische Selbstständigkeit der Missionen beschreiben.
Welche Rolle spielt die Quelle von Hernando Cabero?
Der Bericht von Cabero ist für die Arbeit essenziell, da er Einblicke in den Alltag auf einer Zuckerhacienda gibt und die enge Verknüpfung von Arbeit, religiösen Pflichten und wirtschaftlicher Organisation in den Missionen verdeutlicht.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen Missionaren und Gewalt?
Der Autor hinterfragt kritisch, ob die Missionierung ausschließlich friedlich verlief. Er kommt zu dem Schluss, dass Gewalt gegen die Ureinwohner auch seitens der Jesuiten – teils aktiv, teils indirekt durch Soldaten – nicht auszuschließen ist und ein "Deckmantel der christlichen Missionierung" oft zur Machtausübung diente.
- Citation du texte
- Thomas Mrotzek (Auteur), 2004, Die Arbeit der Jesuitenmissionare in Latein- und Südamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32954