1. EINLEITUNG
In den letzten Jahren hat das kreative Schreiben große Popularität erlangt. Es wird in verschiedenen Bereichen mit den verschiedensten Erwartungen angewendet. Da es jetzt schon eine große Rolle in so vielen Bereichen spielt und es voraussichtlich in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird, ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Im Rahmen dieser Arbeit wird es nicht möglich sein, einen vollständigen und ausführlichen Überblick über das kreative Schreiben und seine Anwendungsmöglichkeiten zu bieten. Vielmehr wird nach einer kurzen, allgemeinen Einführung ins kreative Schreiben versucht, über ein spezielles Gebiet des kreativen Schreibens Zugang zu seiner Methodik und seinen Möglichkeiten zu finden. Bei diesem Gebiet handelt es sich um das analoge Schreiben, also Schreiben, das sich am Beispiel von Schriftstellern und Dichtern orientiert. An Georg Trakls Vorgehensweise beim Schreiben soll aufgezeigt werden, welche Rolle dichterischen Schreibtechniken im kreativen Schreiben zukommt. Insbesondere aber wird sich darüber hinaus bemüht, zu demonstrieren, inwieweit kreatives Schreiben und Schreibprozessforschung füreinander von Bedeutung sind und welche Rolle dichterische Schreibtechniken für den Austausch dieser beiden Konzepte spielen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KREATIVES SCHREIBEN
2.1 Kreatives Schreiben
2.2 Analoges Schreiben
3. DER SCHREIBPROZESS IM KREATIVEN SCHREIBEN
3.1 Kreatives Schreiben und Schreibprozessforschung
3.2 Der Schreibprozess im Allgemeinen
3.3 Die Phasen des Schreibprozesses und die phasenbezogene Anwendung des kreativen Schreibens
3.3.1 Erste Phase des Schreibprozesses – Planen
3.3.2 Zweite Phase des Schreibprozesses – Formulieren
3.3.3 Dritte Phase des Schreibprozesses – Überarbeiten
4. TRAKLS SCHREIBTECHNIKEN IN BEZUG AUF DEN SCHREIBPROZESS
4.1 Trakls Person und Leben
4.2 Trakls Schreibtechniken
4.2.1 Der Schreibprozess in Trakls Schreibtechniken
4.2.2 Vor Beginn der Niederschrift ablaufende Prozesse
4.2.2.1 Motivation
4.2.2.2 Schreibstimuli
4.2.3 Phase 1 – Die Niederschrift anregende Schreibtechniken
a) Anfangsformel
b) Assoziation
c) Imagination
d) Farbmeditation
4.2.4 Phase 2 – Die Niederschrift strukturierende Schreibtechniken
a) Verschmelzung von Motiven
b) Klangästhetik
c) Kreis- und Zielkomposition
d) Abschlussformel
4.2.5 Phase 3 – Den Text überarbeitende Schreibtechniken
a) Reduktion
b) Szenische Darstellung von Motiven
c) Entsubjektivierung
5. ABSCHLIESSENDE BETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung dichterischer Schreibtechniken für das kreative Schreiben, indem sie diese als Modell für den Schreibprozess analysiert und am Beispiel von Georg Trakls Werk konkretisiert. Dabei wird insbesondere das Wechselspiel zwischen literarischer Praxis und kognitiver Schreibprozessforschung beleuchtet.
- Grundlagen des kreativen Schreibens und des analogen Schreibens
- Phasenmodell des Schreibprozesses (Planen, Formulieren, Überarbeiten)
- Analyse spezifischer Schreibtechniken von Georg Trakl
- Transfer der dichterischen Techniken auf das allgemeine kreative Schreiben
- Die Rolle der Schreibprozessforschung in der Didaktik des kreativen Schreibens
Auszug aus dem Buch
b) Klangästhetik
Ein weiteres besonderes Merkmal von Trakls Dichtung ist ihr lautlicher Wohlklang. Man könnte annehmen, dass der Wohllaut der Verse sich ganz selbstverständlich unbewußt eingestellt hat, doch dem ist nicht so. Trakl konstruiert seine Verse bewußt unter klangästhetischen Kriterien. Dazu bedient er sich oft der Vokalhäufung und Alliteration, nach Möglichkeit versucht er, beide Stilmittel gleichzeitig anzuwenden. Kemper zeigt, dass Trakls Hauptmotive durch Alliteration miteinander verbunden sind, so z. B. „schweigen – schwarz – Schatten – Schwester – Schlaf – Schwermut – Schmerz – Schuld – Schauer – Schnee“ [Kemper 1970, 63]. Aus solchen Wortsammlungen kann Trakl immer schöpfen, um wohlklingende Verse zu ‚komponieren‘. Oft probiert er viele Versionen eines Verses aus, um ihm den bestmöglichen Klang zu verleihen. So verändert er beispielsweise in dem Gedicht „An die Nacht“ [I, 417] „In verfallnem Zimmer kühl“ zu „In verfallner Kammer kühl“, um auf diese Weise zum einen eine Assonanz (verfallner Kammer) zum anderen gleichzeitig eine Alliteration zu schaffen (Kammer kühl) [vgl. Wetzel, 127 ].
Natürlich muss ein kreativ Schreibender nicht schon zu Anfang so viele klangästhetische Ansprüche zu erfüllen versuchen, wie Trakl es tat. Es würde zum Beispiel ausreichen, seinen Text mit möglichst vielen dunklen Vokalen schreiben zu wollen. Dies liefert dem Schreibenden einerseits ein bestimmtes Arsenal an Worten. Andererseits hält es ihn davon ab, Worte und Wendungen, die lautlich nicht in das Konzept passen, zu benutzen, was verhindern kann, dass auf eingefahrene, klischeehafte Ausdrucksweisen zurückgegriffen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema, die Relevanz des kreativen Schreibens und die spezifische Ausrichtung der Arbeit auf das Werk von Georg Trakl.
2. KREATIVES SCHREIBEN: Begriffsbestimmung von Kreativität und Schreiben sowie Abgrenzung des kreativen Schreibens von anderen Schreibformen.
3. DER SCHREIBPROZESS IM KREATIVEN SCHREIBEN: theoretische Verknüpfung von Schreibprozessforschung und kreativem Schreiben sowie detaillierte Erläuterung der drei Phasen Planen, Formulieren und Überarbeiten.
4. TRAKLS SCHREIBTECHNIKEN IN BEZUG AUF DEN SCHREIBPROZESS: Hauptteil, der Trakls Biografie und seine spezifischen Schreibtechniken systematisch den Phasen des Schreibprozesses zuordnet.
5. ABSCHLIESSENDE BETRACHTUNG: Zusammenfassende Einschätzung des Erkenntnisgewinns und Plädoyer für einen engeren Austausch zwischen der Erforschung dichterischer Techniken und der Didaktik des kreativen Schreibens.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Analoge Schreibtechniken, Schreibprozessforschung, Georg Trakl, Schreibphasen, Motivation, Schreibstimuli, Anfangsformel, Klangästhetik, Kreis- und Zielkomposition, Textüberarbeitung, Reduktion, Entsubjektivierung, Literaturdidaktik, Schreibblockaden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie dichterische Schreibtechniken, speziell jene von Georg Trakl, als wertvolles Werkzeug für das kreative Schreiben genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Konzepte des kreativen Schreibens, die allgemeine Schreibprozessforschung und die praktische Anwendung historischer literarischer Techniken zur Unterstützung des Schreibprozesses.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen dichterischer Schreibtechniken für die Bewältigung der verschiedenen Phasen des Schreibprozesses (Planen, Formulieren, Überarbeiten) aufzuzeigen und eine Brücke zwischen Literaturtheorie und Schreibdidaktik zu schlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, bei dem Literaturanalysen zu Georg Trakl mit didaktischen Theorien zum kreativen Schreiben verknüpft und auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Georg Trakls Schreibverfahren und ordnet diese systematisch den Phasen der Planung, der Niederschrift und der Textüberarbeitung zu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreatives Schreiben, Schreibprozessforschung, Georg Trakl, Schreibstimuli, Klangästhetik und Reduktion.
Wie hilft die Technik der "Farbmeditation" nach Trakl beim Schreiben?
Sie dient als strukturierendes Verfahren zu Beginn des Schreibprozesses, indem sie durch das Assoziieren von Farbbildern den Schreibfluss fördert und gleichzeitig eine ästhetische Vorstrukturierung des Textes ermöglicht.
Warum ist die "Entsubjektivierung" für Schreibende wichtig?
Sie bietet die Möglichkeit, persönliche Erlebnisse zu verarbeiten, ohne dabei die eigene Intimsphäre preiszugeben, und hilft, einen unpersönlichen, poetischen Ausdruck zu finden.
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- M.A. Marga Marczyk (Author), 1999, Dichterische Schreibtechniken im Kreativen Schreiben und ihre Bedeutung für den Schreibprozess - Am Beispiel der Schreibtechniken von Georg Trakl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32996