Die Neue Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas, kurz: NEPAD, hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt: Mit ihren Initiativen für Demokratie, Frieden, Sicherheit, Wachstum und Entwicklung wollen die Initiatoren – keine Geringeren als die afrikanischen Staatschefs – ihre Länder und damit den gesamten afrikanischen Kontinent an die internationalen Standards nicht nur des wirtschaftlichen Entwicklungsstandes, sondern insbesondere der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte heranführen. Weltweit stößt diese Initiative auf Begrüßung und Unterstützung. Die Ziele sind definiert, nun stellt sich jedoch die Frage nach der Umsetzung und nach der Messbarkeit der Erfolge. Wirtschaftliches Wachstum lässt sich unschwer messen, aber ist die Demokratie bzw. ein Demokratisierungsprozess überhaupt messbar? Die afrikanischen Staatschefs haben nach eigenem Bekunden darauf eine Antwort gefunden: den African Peer Review Mechanism, kurz: APRM. Die vorliegende Arbeit soll sich nach einem kurzen Überblick über die Methode des peer review-Ansatzes sowohl mit dem Aufbau und der Organisation als auch mit dem Ablauf des APRM beschäftigen, wobei auch einzelne Kriterien und Standards, an denen der APRM ausgerichtet ist, kurz skizziert werden sollen. Darüber hinaus wird ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand des peer review-Prozesses sowie über die Reaktionen und Einschätzungen sowohl der afrikanischen Politiker und Experten, als auch internationaler Organisationen und Beobachter zum peer review-Prozess gegeben, wobei auch verschiedene Richtungen der Kritik dargestellt werden sollen. Abschließendes Ziel ist es, nicht nur einen Überblick über die Struktur und Funktionsweise des APRM, sondern auch eine Perspektive für die Umsetzbarkeit und schließlich den Erfolg des Prozesses zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis
I. Demokratiemessung in Afrika: Der African Peer Review Mechanism
II. Messung von Demokratie und Demokratisierung
II.I Demokratie – ein Definitionsversuch der empirischen Demokratieforschung
II.II Zur Problematik der Messbarkeit von Demokratie und Demokratisierung
II.II.I Freedom House-Index
II.II.II Demokratie-Autokratie-Index
II.II.III Index of Democratisation
II.III Zur Übertragbarkeit der Demokratie-Indizes auf afrikanische Staaten
II.IV Ansprüche an Demokratiemessung in Afrika
III. Der African Peer Review Mechanism (APRM)
III.I „Becoming My Brother´s Keeper“ – Der peer review-Ansatz
III.II Struktur und Organisation des APRM
III.III Aufbau und Ablauf des APRM
III.IV Kriterien und Standards der Bewertung
III.V Teilnehmerstaaten
III.VI APRM in der Praxis: Erste Schritte und das lange Warten auf Ergebnisse
III.VII Zwischen Skepsis und Hoffung – Bewertung des APRM
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den African Peer Review Mechanism (APRM) als innovatives Instrument zur Messung und Förderung demokratischer Standards in afrikanischen Staaten und analysiert dessen Potenzial sowie die bestehenden methodischen Herausforderungen im Vergleich zu klassischen Demokratieindizes.
- Kritische Analyse der Übertragbarkeit westlicher Demokratie-Indizes auf afrikanische Staaten.
- Untersuchung der Struktur, Organisation und des fünfstufigen Verfahrens des APRM.
- Bewertung des APRM als Instrument zur Förderung von „good governance“.
- Diskussion der Herausforderungen und Kritikpunkte, insbesondere hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Ressourcen.
Auszug aus dem Buch
III.I „Becoming My Brother´s Keeper“ – Der peer review-Ansatz
Die moderne peer review-Methode im Sinne der vorliegenden Arbeit wurde in den 60er Jahren aus der Soziologie übernommen und für die Politikwissenschaft weiterentwickelt. Zuerst von internationalen Institutionen wie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – der OECD – eingesetzt, findet die peer review mittlerweile auch im Rahmen der NEPAD Verwendung.
Die Kernüberlegung besteht in einer freiwilligen gegenseitigen Überprüfung der Teilnehmer – in diesem Fall Teilnehmerstaaten – die eine peer group bilden, d.h. bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen. Überprüft werden, je nach Zielsetzung, bestimmte Themenbereiche des staatlichen Handelns oder des gesellschaftlichen Lebens. „Today´s critics become tomorrow´s subjects”: Die Teilnehmer stehen auf gleicher Höhe, jeder Staat nimmt – mehr oder weniger unmittelbar – an den Untersuchungen der anderen Staaten teil und wird von diesen ebenso untersucht, selbstverständlich anhand einheitlicher Kriterien und Standards. Ziel des peer review-Prozesses ist es, die Stärken und Schwächen der Teilnehmerstaaten im jeweiligen Handlungsfeld auszuloten und die bestmöglichen Lösungen und Verfahrensweisen – „best practice“ – zu identifizieren.
Das Ergebnis soll dann bestenfalls ein gegenseitiger Lernprozess – „peer learning processes“ – sein, der über einen gewissen Gruppendruck – „peer pressure“ – zumindest zur teilweisen Umsetzung der identifizierten Vorschläge und Lösungen führt. Gleichwohl bleibt der Erfolg vom Willen der Teilnehmerstaaten und ihrer Ernsthaftigkeit bei Mitarbeit und Umsetzung der Ergebnisse abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Demokratiemessung in Afrika: Der African Peer Review Mechanism: Einführung in die Zielsetzungen von NEPAD und Vorstellung des APRM als zentrales Instrument für Demokratie und Entwicklung in Afrika.
II. Messung von Demokratie und Demokratisierung: Analyse der methodischen Schwierigkeiten bei der Erfassung von Demokratie in Afrika und Evaluierung gängiger Indizes.
II.I Demokratie – ein Definitionsversuch der empirischen Demokratieforschung: Erörterung der Minimaldefinition von Demokratie in der empirischen Forschung und ihrer universellen Ansprüche.
II.II Zur Problematik der Messbarkeit von Demokratie und Demokratisierung: Diskussion der Herausforderungen bei der empirischen Messbarkeit und Vergleichbarkeit von politischen Systemen.
II.II.I Freedom House-Index: Erläuterung der methodischen Ansätze und Einschränkungen des Freedom House-Index.
II.II.II Demokratie-Autokratie-Index: Vorstellung der Funktionsweise und der qualitativen Datenbasis des Jaggers/Gurr-Index.
II.II.III Index of Democratisation: Darstellung des quantitativen Ansatzes von Vanhanen und dessen Stärken sowie Schwächen.
II.III Zur Übertragbarkeit der Demokratie-Indizes auf afrikanische Staaten: Kritische Untersuchung der Anwendbarkeit westlich geprägter Indizes auf afrikanische Kontexte.
II.IV Ansprüche an Demokratiemessung in Afrika: Darlegung der Notwendigkeit für spezifische, an afrikanische Verhältnisse angepasste Messinstrumente.
III. Der African Peer Review Mechanism (APRM): Detaillierte Betrachtung des APRM als Innovation in der afrikanischen Governance-Struktur.
III.I „Becoming My Brother´s Keeper“ – Der peer review-Ansatz: Theoretische Herleitung und Funktionsweise des Peer-Review-Verfahrens.
III.II Struktur und Organisation des APRM: Überblick über die zentralen Institutionen, wie das APR Forum und das APR Secretariat.
III.III Aufbau und Ablauf des APRM: Beschreibung der fünfstufigen Prozessschritte von der Selbstbeurteilung bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse.
III.IV Kriterien und Standards der Bewertung: Erläuterung der zugrunde liegenden Indikatoren und des standardisierten Messinstrumentariums.
III.V Teilnehmerstaaten: Auflistung der Beitrittskriterien und der beteiligten afrikanischen Staaten.
III.VI APRM in der Praxis: Erste Schritte und das lange Warten auf Ergebnisse: Bestandsaufnahme der ersten durchgeführten „Country Support Missions“.
III.VII Zwischen Skepsis und Hoffung – Bewertung des APRM: Diskussion der kontroversen Einschätzungen zum Erfolgspotenzial des APRM.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Kritische Bilanz der bisherigen Entwicklungen und Einschätzung der langfristigen Erfolgschancen des APRM.
Schlüsselwörter
APRM, NEPAD, Demokratisierung, Demokratiemessung, Afrika, Governance, Peer Review, Good Governance, politische Reform, institutioneller Wandel, Partizipation, Korruptionsbekämpfung, Rechtsstaatlichkeit, Politikwissenschaft, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den African Peer Review Mechanism (APRM) als ein spezifisch afrikanisches Instrument zur Bewertung und Förderung demokratischer Standards und verantwortungsvoller Regierungsführung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die methodische Messung von Demokratie, die Strukturen des NEPAD-Prozesses und die Wirksamkeit gegenseitiger Überprüfungsprozesse unter afrikanischen Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise des APRM zu erläutern und zu bewerten, inwiefern dieses Instrument den Herausforderungen der Demokratiemessung in afrikanischen Transformationsländern begegnen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und kritisch-analytische Auswertung von Dokumenten der Afrikanischen Union, NEPAD-Richtlinien sowie politikwissenschaftlicher Literatur zu Demokratie-Indizes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst klassische Demokratieindizes kritisch hinterfragt, bevor der Aufbau, der Ablauf, die institutionelle Struktur und die Praxis des APRM detailliert untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
APRM, NEPAD, Demokratisierung, Demokratiemessung, Governance, Peer Review, Transformation und Rechtsstaatlichkeit.
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft im APRM-Prozess laut der Arbeit?
Die Arbeit kritisiert, dass die Einbindung der Zivilgesellschaft bislang mangelhaft ist und der Prozess weitgehend von Regierungen und deren Administrationen dominiert wird.
Wie bewertet der Autor das Erfolgspotenzial des APRM trotz der geäußerten Kritik?
Trotz der Skepsis und der Probleme bei der Umsetzung sieht der Autor in der steigenden Teilnehmerzahl und den ersten Schritten einen langfristigen, wenn auch zähen, erfolgversprechenden Weg zur Demokratisierung.
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- Josef Korte (Author), 2004, African Peer Review Mechanism - Strukturen, Prozesse und Perspektiven der Demokratiemessung in Afrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33023