Die Wehrpflicht ist bereits Thema in der Bibel und wird seitdem mehr oder weniger heiß diskutiert und in Frage gestellt.
Während derzeit FDP, Grüne und Linke für eine Aussetzung oder Abschaffung der Wehrpflicht plädieren, sind große Teile der Union und SPD für deren Beibehaltung. Auch in der Politikwissenschaft gibt es Kontroversen, die u.a. um die Wehrgerechtigkeit, den Gleichbehandlungsgrundsatz, sicherheitspolitische, ökonomische, verfassungsrechtliche, ethische oder weltanschauliche Gründe kreisen.
In dieser Arbeit werden die Argumente, die für oder gegen die Wehrpflicht sprechen, dar- und gegenübergestellt. Ein geschichtlicher Überblick wird in einem ersten Teil gegeben, der für ein besseres Verständnis dieser Argumente sorgen kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zur Geschichte der allgemeinen Wehrpflicht
1. Vorformen der Wehrpflicht
1.1 Alte Kulturen
1.2 Deutschland im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
2. Die Entstehung der modernen Wehrpflicht
2.1 Frankreich
2.2 Preußen
2.3 Die Wehrpflicht in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg
3. Die allgemeine Wehrpflicht nach 1918
3.1 Die allgemeine Wehrpflicht in der Weimarer Republik
3.2 Die Wehrpflicht in der Diktatur Hitlers
3.3 Die Diskussionen um die allgemeine Wehrpflicht in der Nachkriegszeit
III. Die Kontroverse um Beibehaltung oder Abschaffung der Wehrpflicht
IV. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die historische Entwicklung der allgemeinen Wehrpflicht, insbesondere in Deutschland, und analysiert die anhaltende gesellschaftliche sowie politische Kontroverse bezüglich ihrer Beibehaltung oder Abschaffung im Lichte moderner sicherheitspolitischer Anforderungen.
- Historische Herleitung wehrpflichtähnlicher Strukturen von der Antike bis zum Mittelalter.
- Die Genese der modernen Wehrpflicht in Frankreich und Preußen als Instrument der Staatsbildung.
- Die Rolle der Wehrpflicht in der deutschen Geschichte während der Weltkriege und der Diktatur.
- Diskursanalyse der Argumente von Befürwortern und Ablehnern einer Berufsarmee versus Wehrpflichtarmee.
- Verfassungsrechtliche Aspekte und Fragen der Wehrgerechtigkeit im vereinten Deutschland.
Auszug aus dem Buch
2.1 Frankreich
Opitz berichtet, daß die Wehrpflicht in ihrer modernen Form, in Frankreich zu Zeiten der Revolution entstand. Nachdem das französische Bürgertum Anschauungen, Überlieferungen und Institutionen der alten Armee zerstört hatte, mußte nun ein neues Wehrkonzept entwickelt werden. Das gestaltete sich aber schwierig, da die Nationalversammlung kein Verständnis dafür zeigte, daß „Staatsform und Militärwesen einander bedingen“ (Opitz 1995, 11); man war sich eher darin einig, „daß stehende Heere einer Pest“ (ebd.) gleichen, „die, wenn sie Europa nicht entvölkerten, so doch volkswirtschaftlich steril“ (ebd.) seien. Zwar wurde 1789 über die Einführung der Wehrpflicht beraten, doch verwarf man diesen Vorschlag. Noch 1792 war man wenig auf die Verteidigung der revolutionären Eroberungen bedacht. Erst ein Jahr später, als infolge der Hinrichtung Ludwig XVI. „andere europäische Mächte“ (ebd.) massiv reagierten, entschloß man sich zu einem Wehrpflichtgesetz, nach dem jeder wehrfähige Mann zwischen 18 und 40 Jahren als dienstpflichtig eingestuft wurde. Damit sollte ein Heer von 300.000 Mann aufgebracht werden. In der (nicht in Kraft getretenen) Verfassung von 1793 wurde „das politisch-militärische Prinzip demokratischer Staatsauffassung“ (a.a.O., 12) festgeschrieben, in dem die Wehrpflicht als entsprechendes Mittel zur Freiheit und Vaterlandsverteidigung verankert wurde. Praktisch umgesetzt wurde dieses Prinzip erst durch die Jakobiner, die das Heer zu einem Part des Staates machen wollten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Definiert die Wehrpflicht und skizziert die wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Debatte um ihre Beibehaltung in Deutschland seit den 1990er Jahren.
II. Zur Geschichte der allgemeinen Wehrpflicht: Zeichnet die historische Entwicklung von frühen Milizsystemen über die preußischen Reformen bis zur deutschen Wehrpflichtpraxis vor und nach den Weltkriegen nach.
III. Die Kontroverse um Beibehaltung oder Abschaffung der Wehrpflicht: Analysiert die aktuellen sicherheitspolitischen, ökonomischen und verfassungsrechtlichen Argumente im Diskurs um eine mögliche Aussetzung der Wehrpflicht.
IV. Resümee: Führt die Argumente zusammen und schließt auf die Unvermeidbarkeit einer baldigen Entscheidung zur Aussetzung oder Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland.
Schlüsselwörter
Wehrpflicht, Militärgeschichte, Preußische Heeresreform, Bundeswehr, Sicherheitspolitik, Berufsarmee, Wehrgerechtigkeit, Zivildienst, Staatsbürger in Uniform, Verteidigungsfähigkeit, NATO, Krisenbewältigung, Demokratisierung, Deutschland, Rechtsradikalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Herkunft der allgemeinen Wehrpflicht und analysiert die politischen sowie gesellschaftlichen Debatten um ihre Existenzberechtigung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die militärhistorische Entwicklung, die verfassungsrechtliche Legitimation und der sicherheitspolitische Nutzen der Wehrpflicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Argumente für und gegen die Wehrpflicht gegenüberzustellen, um die historische Notwendigkeit und aktuelle Dringlichkeit einer Reform oder Abschaffung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die den Diskurs von Politikern, Militärexperten und Rechtswissenschaftlern kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Wehrpflicht von der Antike bis zum 20. Jahrhundert und eine vertiefte Diskussion zur aktuellen Kontroverse um Beibehaltung oder Abschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wehrpflicht, Sicherheitspolitik, Wehrgerechtigkeit und Staatsbürger in Uniform geprägt.
Warum wird die Einberufungspraxis der Bundeswehr kritisiert?
Die Kritik entzündet sich an der mangelnden Wehrgerechtigkeit, da nur ein kleiner Teil der wehrpflichtigen Männer tatsächlich eingezogen wird, was verfassungsrechtliche Fragen aufwirft.
Welche Rolle spielt der Zivildienst für die Debatte?
Der Zivildienst wird einerseits als gesellschaftlich notwendig für soziale Dienstleistungen betrachtet, andererseits wird kritisiert, dass seine Beibehaltung den Wehrpflichtgedanken künstlich verlängert.
- Quote paper
- Ricardo Westphal (Author), 2005, Zur Geschichte der Wehrpflicht mit besonderem Fokus auf Deutschland und zur Diskussion um das Für und Wider ihrer Beibehaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33036