E-Mail-Coaching unter besonderer Berücksichtigung des klientenzentrierten Beratungsansatzes


Hausarbeit, 2004

33 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Internet
2.1 Der Internet-Dienst E-Mail
2.2 CMC - Besonderheiten der Interaktion und Kommunikation im Internet

3. Coaching
3.1 Coaching - eine spezielle Form der Beratung
3.1.1 Beratung
3.1.2 Beratung im von Rogers verstandenen Sinne
3.2 Begriffsherkunft und –bedeutung
3.3 Coachingarten
3.3.1 Differenzierung nach Art und Anzahl der Klienten
3.3.2 Differenzierung nach Art und Herkunft des Coach
3.3.3 Differenzierung nach Inhalten
3.3.4 Differenzierung nach verwendeten Medien
3.4 Verwirrende Definitionsvielfalt
3.5 Vergleich mit anderen Interventionsformen
3.5.1 Unterschiede zur Beratung
3.5.2 Unterschiede zur Therapie
3.6 Historie
3.7 Gründe für Coaching
3.8 Ziele
3.9 Setting
3.10 Methode

4. Klientenzentrierte Beratung nach Carl Rogers
4.1 Persönlichkeitstheorie
4.1.1 Persönlichkeitsstruktur
4.1.2.Persönlichkeitsdynamik
4.2 Ziele
4.3 Setting
4.4 Die drei Basis-Variablen
4.4.1 Selbstkongruenz und Echtheit
4.4.2 Empathie bzw. einfühlendes Verstehen
4.4.3 Positive Wertschätzung und emotionale Wärme

5. Klientenzentrierte Beratung im Rahmen eines E-Mail-Coaching?
5.1 Einflussfaktor CMC
5.2 Einflussfaktor Zeit
5.3 Einflussfaktor Wahrnehmung
5.4 Einflussfaktor Anonymität
5.5 Einflussfaktor Datenarchivierung

6. Abschließende Betrachtung und persönliche Stellungnahme

7. Literatur

8. Anhang

1. Einleitung

Wer sich für das Thema Coaching als eine mögliche Form der Beratung interessiert, findet dazu unzählige Informationen und Angebote im Internet. Auffallend zahlreich sind dabei jene Angebote, die entweder ausschließlich oder aber ergänzend zum persönlichen Kontakt Coaching per E-Mail anbieten.

Mit den Besonderheiten dieser Beratungsform setzt sich die vorliegende Arbeit unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren auseinander. Die zen-

trale Frage nach der Verwendbarkeit des klientenzentrierten Beratungsansatzes im Rahmen dieser speziellen psychosozialen Interventionsform entstand dabei aus zwei Gründen:

Zum einen findet die Thematik der Internetberatung trotz ihrer Aktualität im Studienbrief 3273 keine Erwähnung.

Zum anderen steht der klientenzentrierte Beratungsansatz von Carl Rogers im Ruf universell einsetzbar zu sein und wird auch von einigen Coachs entweder explizit im Methodenrepertoire genannt oder sie weisen ganz allgemein darauf hin, dass sie eine Ausbildung in klientenzentrierter Beratung besitzen (vgl. Anhang I).

Literatur, die sich mit dem Thema E-Mail-Beratung in explizitem Zusammenhang mit Rogers Ansatz befasst, ist rar. So streift Döring in einem ihrer Aufsätze (2000b) nur am Rande diese Thematik. Das Thema Coaching wird nur von Fengler in Aufsätzen von 1997 in einen personenzentrierten Kontext gebracht, jedoch im traditionellen Rahmen einer face-to-face-Situation. Und E-Mail-Coaching wird nur bei Rauen einer kritischen Betrachtung unterzogen.

So steht diese Arbeit vor der Aufgabe, aus Bruchstücken ein Gesamtbild zusammenzutragen.

Neben wissenschaftlichen Quellen hat die Autorin daher auch ganz bewusst Angebote und Zeitungsartikel bzw. –interviews von Praktikern, also Beratern oder Psychologen, die als Coach arbeiten, berücksichtigt. Denn sie sind es, die mit ihrer jeweiligen Idee und Konzeption zur Vielfältigkeit und rasanten Verbreitung von Coaching beitragen.

Dass Qualität und Seriosität solcher Angebote für einen hilfesuchenden Laien, gerade in bezug auf E-Mail-Coaching, nicht immer leicht zu prüfen sind, ist nur einer von vielen Aspekten, mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigen möchte.

Der Zielsetzung, die Besonderheiten einer E-Mail-Beratung im Allgemeinen zu erfassen und diese mit der Beratungsform Coaching und dem klientenzentrierten Beratungsansatz von Rogers in Zusammenhang zu bringen, nähert sich die vorliegende Arbeit daher schrittweise.

So wird eingangs zunächst kurz und bewusst untechnisch beschrieben, was unter Internet und E-Mail zu verstehen ist, um daran anschließend die Besonderheiten der Interaktion und Kommunikation im Internet näher zu erläutern.

Nach Einführung eines allgemeinen Beratungsbegriffes wird versucht, die Vielschichtigkeit des Coaching als eine spezielle Form der Beratung überblicksartig darzustellen.

Die anschließende Einführung des klientenzentrierten Beratungsansatzes von Carl Rogers dient als Grundlage zur kritischen Überprüfung der Einsatzfähigkeit dieser Interventionsmethode im Rahmen eines E-Mail-Coaching unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren.

Den Abschluss der Arbeit bildet eine persönliche Stellungnahme.

2. Internet

Das Internet ist ein riesiges, digitales Netzwerk, in dem unzählige Computer miteinander verbunden sind, über die sich Informationen (Daten) austauschen lassen. Im Gegensatz zu anderen Medien, wie z.B. dem Fernsehen, ist es ein interaktives, ortsunabhängiges und offenes Medium. So kann jeder Internet-Nutzer, der über eine entsprechende technische Grundausrüstung verfügt (Computer, Tastatur, Bildschirm, Maus und Modem) und entsprechende Kenntnisse besitzt, sowohl als Konsument als auch als Produzent auftreten, indem er die vielfältigen Informationen im Internet entweder einfach nur nutzt oder durch eigene ergänzt (vgl. Stiwitz, 2000, S. 10).

2.1 Der Internet-Dienst E-Mail

Im Internet werden fünf grundlegende Dienste unterschieden:

WWW (World Wide Web), E-Mail (elektronische Post), FTP (Dateiarchive), Newsgroups (Diskussionsgruppen) und Chats (Plauderecken) (vgl. S. 12).

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit findet lediglich der Dienst E-Mail Berücksichtigung.

Er ist einer der ältesten und am meisten genutzten Internet-Dienste. Sein großer Vorteil liegt im Komfort und Nutzeneffekt.

So bietet E-Mail räumlich getrennten Kommunikationspartnern die Möglichkeit, asynchron (zeitversetzt) miteinander zu kommunizieren und zwar weltweit.

Mit Hilfe eines so genannten E-Mail-Programms schreibt man Briefe bequem am Computer, um diese dann innerhalb weniger Sekunden an einen oder mehrere Empfänger zu versenden. E-Mail spart somit Zeit, aber auch Geld, da die Kosten einer E-Mail weder von der Textmenge noch davon abhängig sind, wo sich der Empfänger gerade aufhält (vgl. S. 45f.).

Laut Döring ist der Dienst E-Mail einschlägig für Netz-Beratung und Netz-Therapie (vgl. 2000b, S. 510).

2.2 CMC - Besonderheiten der Interaktion und Kommunikation im Internet

Jedes Verhalten in mittelbaren und unmittelbaren zwischenmenschlichen Situationen kann als Interaktion bezeichnet werden. Jener Teil der Interaktion, der alles beobachtbare Verhalten im unmittelbaren zwischenmenschlichen Austausch umfasst wird, als Kommunikation bezeichnet (vgl. Rechtien 1988, S.16f.).

Der so verstandene Begriff der Kommunikation lässt sich auf das Medium Internet nicht übertragen, denn es ist eben keine unmittelbare face-to-face-Situation gegeben, bei der beide Gesprächspartner zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind (Kopräsenz). Es handelt sich vielmehr um eine Form der vermittelten Kommunikation (via Tastatur und Bildschirm), bei der vernetzte Computer als Kommunikationsmedien dienen. Der Fachbegriff lautet „computer mediated communication“ (CMC), also computervermittelte Kommunikation. Der zwischenmenschliche Austausch via E-Mail erfolgt dabei rein textbasiert (vgl. Döring, 2000a, S. 346f.).

Diese spezielle Form der computervermittelten Kommunikation impliziert nicht nur technische Besonderheiten, sondern auch psychologische, wie z.B. eingeschränkte Wahrnehmung.

Wahrnehmung ist der Prozess der Informationsgewinnung aus Reizen.

Nun kann man bei der CMC via E-Mail einander nicht sehen, hören, anfassen oder riechen. Dadurch wird erstens die sinnliche Wahrnehmung erheblich eingeschränkt, zweitens entfällt die wechselseitige interpersonelle Wahrnehmung, die uns im Alltag schnelle Orientierung ermöglicht, indem wir uns auf Grundlage impliziter Persönlichkeits- oder Attributionstheorien ein „Bild des anderen machen“.

Sprache tritt nur als geschriebene Sprache in Erscheinung, nonverbale Faktoren wie Gestik, Mimik und Tonfall entfallen somit. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass diese Gegebenheiten eine E-Mail-Coaching-Situation positiv und negativ beeinflussen können.

Zunächst soll jedoch überblicksartig vermittelt werden, was unter Coaching zu verstehen ist.

3. Coaching

3.1 Coaching - eine spezielle Form der Beratung

Coaching stellt eine mögliche Form der Beratung dar. Nun kann das Ver-ständnis davon, was Beratung ist bzw. leisten soll, erheblich differieren, weshalb im Folgenden zunächst das für diese Arbeit relevante Verständnis von Beratung dargelegt werden soll.

3.1.1 Beratung

Die vorliegende Arbeit orientiert sich am Beratungsverständnis von Rechtien. Für ihn ist Beratung „ein zwischenmenschlicher Prozess (Interaktion), in welchem eine Person (der/die Ratsuchende oder Klient[in]) in und durch die Interaktion mit einer anderen Person (dem Berater) mehr Klarheit über eigene Probleme und deren Bewältigungsmöglichkeiten gewinnt. Ihr Ziel ist die Förderung von Problemlösekompetenz“ (1997, S. 14).

Beratung bedeutet deshalb nicht Ratgeben, sondern den Ratsuchenden soweit zu bringen, „für sich selbst Rat zu wissen“ (Rechtien, 1988, S 14f.).

3.1.2 Beratung im von Rogers verstandenen Sinne

Da der klientenzentrierte Ansatz von Rogers ebenfalls Gegenstand dieser Arbeit ist, soll auch sein Verständnis von Beratung, gewissermaßen als Vorwegnahme auf die spätere Einführung seines Ansatzes, bereits an dieser Stelle dargelegt werden.

Rogers unterscheidet im Gegensatz zu Vertretern der Psychoanalyse oder Gestalttherapie nicht zwischen Beratung und Therapie (vgl. Rechtien, 1988, S. 33). Für ihn ist Beratung Teilbereich allgemeinen menschlichen Kontaktes. Es geht ihm um grundsätzliche Möglichkeiten hilfreichen Kontaktes und hilfreicher Formen des Gespräches (vgl. Rogers, 1987, S. 17).

Die zuvor genannten Definitionen von Beratung helfen dem interessierten Laien jedoch wenig, wenn er beginnt sich mit Coaching zu beschäftigen, denn sie vermitteln eine Einfachheit, die der Komplexität dieser Beratungsform nicht gerecht wird.

So kann Coaching eher als ein Sammelbegriff für verschiedenste Modelle, Ansätze und Verfahren betrachtet werden, weshalb es hilfreich ist, sich dem Begriff unter verschiedenen Perspektiven zu nähern.

3.2 Begriffsherkunft und –bedeutung

Der Begriff „Coaching“ ist vom englischen Wort Coach abgeleitet und kann mit Kutsche, Lehrer und Trainer übersetzt werden (vgl. Breitsprecher, Calderwood-Schnorr, Terell & Morris, 1987, S. 190).

Die vom Coach beratene Person wird zum Teil als „Coachee“ bezeichnet. Der Begriff entstand in Anlehnung an das Begriffspaar „Trainer – Trainee“, impliziert jedoch ein hierarchisches Beziehungsgefälle, das dem horizontalen Beratungsverständnis des Coaching nicht gerecht wird (vgl. Looss, 1991, S. 93, nach Rauen, 2002, S. 68f.).

Rauen verwendet die Begriffe „Klient“ und „Gecoachter“, obgleich er darauf hinweist, dass beim eingedeutschten Begriff des „Gecoachten“ eine Passivität mitschwingt, die der Vorgehensweise beim Coaching ebenfalls nicht gerecht wird. Den Begriff „Klient“ hält er in Hinsicht auf ein Coaching durch Vorgesetzte für wenig geeignet (vgl. 1999, S. 63), was für die vorliegende Arbeit jedoch nicht von Relevanz ist, da es sich bei E-Mail-Coaching in der Regel um ein Verfahren handelt, dass von organisationsexternen Coachs, also nicht von Vorgesetzten, angeboten wird.

Ganz allgemein wird der Begriff „Coaching“ eher undifferenziert und häufig synonym zu den Begriffen „Instruktion, Training, Gespräch, Unterricht, Anleitung usw. (...)“ (Schlieper-Damrich, 2002, S. 7) verwendet.

3.3 Coachingarten

Es lassen sich unterschiedliche Coachingarten unterscheiden, die je nach

Coach, Situation und Zielsetzung auf verschiedenste Weise miteinander kombiniert werden.

3.3.1 Differenzierung nach Art und Anzahl der Klienten

Eine Möglichkeit der Differenzierung ist die nach Art und Anzahl der Klienten.

So differenziert Rauen beispielsweise zwischen Einzel-, Gruppen-, Team- und Projektcoaching (vgl.2002, S. 70f.).

3.3.2 Differenzierung nach Art und Herkunft des Coach

Bezüglich der Herkunft des Coach unterscheidet Rauen einerseits zwischen organisationsexternen hauptberuflichen Coachs, zu denen er selbstständige Coachs und Angestellte in Unternehmensberatungen zählt, andererseits nennt er die internen Coachs, die hauptberuflich (Stabs-Coach) oder nebenberuflich (Vorgesetzter als Coach, Linien-Coach) agieren (vgl. 1999, S. 44 und 2002, S. 70f.)

Laut Rauen dominiert im deutschsprachigen Raum das Einzelcoaching von Führungskräften durch externe Coachs (vgl. 1999, S. 19).

3.3.3 Differenzierung nach Inhalten

Kennzeichnend für die Begriffsvielfalt im Bereich des Coaching ist ebenfalls die Unterscheidung nach Coaching-Inhalten.

So nennt Becker-Hill u.a. die Formen Businesscoaching, Lifecoaching, Executivecoaching, inhaltsoffenes Coaching und Transfercoaching (vgl. 2003, S. 76).

Eine wesentlich umfassendere Liste, die jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, findet man bei Rauen (vgl. 1999, S. 39).

In Hinsicht auf die Thematik der vorliegenden Arbeit ist es ebenfalls erforderlich, weitere Coachingarten bezüglich der medialen Gestaltungsmöglichkeiten von Coaching einzuführen.

3.3.4 Differenzierung nach verwendeten Medien

Coaching, das sich der Medien Telefon, Fax und Internet (hier meist E-Mail und Chat) bedient, wird als „Tele-Coaching“ (vgl. Rauen, 2002, S. 91) bezeichnet.

E-Mail-Coaching ist somit eine mögliche Form des Tele-Coaching und wird im Rahmen dieser Arbeit als Einzelcoaching betrachtet. Hierbei handelt es sich um eine Beratungsform, bei der eine einzelne Person durch einen Coach beraten wird (vgl. Rauen, 2002, S. 70). Für gewöhnlich ist dabei eine unmittelbare face-to-face Kommunikations-Situation gegeben. Ausnahmen der Regel entstehen durch alle Varianten des Tele-Coaching, bei denen nur eine vermittelte Kommunikation (vgl. Punkt 2.2) stattfindet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
E-Mail-Coaching unter besonderer Berücksichtigung des klientenzentrierten Beratungsansatzes
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V33057
ISBN (eBook)
9783638336314
ISBN (Buch)
9783640837106
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Mail-Coaching, Berücksichtigung, Beratungsansatzes
Arbeit zitieren
Yasmin Stiwitz (Autor), 2004, E-Mail-Coaching unter besonderer Berücksichtigung des klientenzentrierten Beratungsansatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33057

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