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Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?"

Title: Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?"

Term Paper , 2004 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christiane Burmeister (Author)

Ethics
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Die stetige Veränderung der Gesellschaft ist untrennbar verbunden mit einer Anpassung und Modifizierung ihrer Werte und Normen. Tendenziell ist die Entwicklung von moralischen Prinzipien von Generation zu Generation auf stärkere Liberalisierung ihrer Inhalte ausgerichtet. Sie bietet somit Anlass zur Frage, ob sie der Integrität der Gesellschaft zum Schaden sei und Moral demzufolge durch das Recht gestärkt, bzw. durchgesetzt werden dürfe. Diese Frage zieht in ihrem Umfang eine Fülle anderer rechtsethischer Konflikte mit sich, wie zum Beispiel jene über die Grenzen des Machtbereichs von staatlich gesetztem Recht, die Trennung von privater und öffentlicher Moral oder die Begrenzung der Rechte des Individuums zum Schutz der Gesellschaft. Die wohl berühmteste Kontroverse zum Einfluss von Recht auf Moral entbrannte in den 1950er bzw. 60er Jahren zwischen dem Rechtspositivisten und Richter des Obersten Gerichts Großbritanniens Lord Patrick Devlin und dem Rechtsphilosophen Herbert Lionel Adolphus Hart anlässlich eines umstrittenen Berichts des 1954 vom britischen Parlament eingesetzten Wolfenden- Komitees. Seine Aufgabe war die Prüfung einiger skandalöser Rechtsurteile gegen Homosexuelle und Prostituierte. Konklusion seiner Arbeit und Kernaussage des Berichts war die Forderung, Homosexualität nicht länger als Verbrechen zu betrachten und einen gewissen Privatraum dem Einwirken des Rechts vorzuenthalten. Letztere gab den Ausschlag für eine Auseinandersetzung zwischen Befürwortern, allen voran Patrick Devlin und Gegnern, insbesondere H.L.A. Hart, der rechtsgestützten Moral, deren Gegenstand weniger die normative Beurteilung von Homosexualität als das Verhältnis von Moral, Recht und Gesellschaft war. Der wesentliche Streitpunkt dieser Debatte ist der Umgang mit moralisch strittigen Handlungen, die sich nicht unmittelbar auf andere auswirken und ihnen keinen ersichtlichen Schaden zufügen, so genannte victimless immoralities. Ihre Klassifizierung als Straftat ist auf den ersten Blick nicht zureichend begründbar, soll aber in der nachfolgenden Darstellung zweier ausgeprägter rechtsethischer Positionen näher betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte

3. Patrick Devlin: The Enforcement of Morals

3.1 Die Rolle der Moral für die Gesellschaft

3.2 Die Festlegung von Moral und Unmoral

4. H.L.A. Hart:

5. Devlin und Hart, gemessen am Schadensprinzip von John Stuart Mill

6. Schlussgedanken

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende rechtsethische Fragestellung, ob und inwieweit das Recht dazu legitimiert ist, moralische Vorstellungen einer Gesellschaft durchzusetzen. Im Zentrum steht dabei die historische Kontroverse zwischen Lord Patrick Devlin und H.L.A. Hart, die durch den Wolfenden Report ausgelöst wurde.

  • Die Auswirkungen moralischer Normen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt
  • Die Debatte um den Schutz privater moralischer Freiheit gegenüber staatlicher Intervention
  • Die rechtspositivistische Position von H.L.A. Hart versus der konservativen Ansicht von Patrick Devlin
  • Die Anwendung des Schadensprinzips nach John Stuart Mill auf die moderne Rechtsethik

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Rolle der Moral für die Gesellschaft

An den Anfang seiner Überlegungen stellt Devlin drei Fragestellungen: 1. Hat die Gesellschaft das Recht, über alle Aspekte der Moral ein Urteil zu fällen? Sollte es eine öffentliche Moral geben oder ist Moral immer eine Angelegenheit privater Ansichten? 2. Wenn die Gesellschaft das Recht dieses Urteils hat, besitzt sie demzufolge auch das Recht, das Gesetz als Waffe zu seiner Durchsetzung zu gebrauchen? 3. Ist auch dies so, kann sie diese Waffe in allen oder nur in einigen Fällen einsetzen; und nach welchen Prinzipien ist bei letzterem zu unterscheiden?

Der Ansatz zur Beantwortung der ersten Frage liegt im Strukturgefüge der Gesellschaft an sich, die sich durch vor allem durch ihre gemeinsamen Ideen und eine von allen Mitgliedern geteilte Moral auszeichnet: „What makes a society of any sort is the community of ideas (...) about the way its members should behave and govern their lives; these latter ideas are its morals.“ Keine Gesellschaft kann existieren, ohne annähernd in Fragen der Politik, Moral, Ethik sowie von „gut“ und „böse“ überein zu stimmen. Ansichten, die gravierend von dieser Gesellschaftsmoral abweichen oder ihr sogar prinzipiell widersprechen, können nicht im Privaten und fern von der Öffentlichkeit ausgelebt werden. Wäre die öffentliche Moral in ihrer Einheitlichkeit zu schwach und unbeständig, würden die zusammenhaltenden Bande dieser Gesellschaft und somit auch ihre Mitglieder auseinanderdriften.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die rechtsethische Kontroverse zwischen Devlin und Hart sowie den Kontext des Wolfenden Reports.

2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte: Historische Aufarbeitung der Ereignisse in England, die zur Forderung nach einer Liberalisierung des Rechts gegenüber homosexuellen Handlungen führten.

3. Patrick Devlin: The Enforcement of Morals: Analyse der Devlin’schen Position, die eine staatliche Moral durch den Einsatz des Rechts als gesellschaftserhaltend postuliert.

3.1 Die Rolle der Moral für die Gesellschaft: Erläuterung der Annahme, dass eine geteilte Moral das notwendige Bindeglied für den Bestand einer Gesellschaft bildet.

3.2 Die Festlegung von Moral und Unmoral: Untersuchung der intuitiven Kriterien, nach denen Devlin unmoralisches Verhalten definiert.

4. H.L.A. Hart: Kritische Auseinandersetzung mit der Position Devlins und Plädoyer für einen gemäßigten Positivismus, der individuelle Freiheiten betont.

5. Devlin und Hart, gemessen am Schadensprinzip von John Stuart Mill: Diskussion der Kontroverse im Lichte des liberalen Schadensprinzips und dessen Übertragbarkeit.

6. Schlussgedanken: Fazit zur Relevanz der Debatte für das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und individueller Freiheit.

Schlüsselwörter

Devlin-Hart-Kontroverse, Rechtsethik, Moral, H.L.A. Hart, Patrick Devlin, Wolfenden Report, Schadensprinzip, John Stuart Mill, victimless immoralities, Rechtsphilosophie, Homosexualität, staatliche Macht, Gesellschaftsmoral, Liberalismus, Rechtswissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden rechtsethischen Frage, ob und wie das Recht als Instrument zur Durchsetzung von Moral innerhalb einer Gesellschaft eingesetzt werden sollte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Gesetz und privater Moral, die Bedeutung von gesellschaftlichem Zusammenhalt sowie die Abgrenzung individueller Freiheitsrechte gegenüber staatlichen Eingriffen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die philosophische Debatte zwischen dem Juristen Lord Patrick Devlin und dem Rechtsphilosophen H.L.A. Hart strukturiert darzustellen und ihre Positionen kritisch zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische und ethische Analyse, indem sie die Kernthesen der Kontrahenten anhand ihrer Primärquellen (unter anderem „The Enforcement of Morals“ und „Law, Liberty and Morality“) gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Positionen von Devlin und Hart im Detail, beleuchtet deren unterschiedliche Definitionen von Moral und Gesellschaft und setzt diese in Bezug zum Schadensprinzip von John Stuart Mill.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind die Devlin-Hart-Kontroverse, das Schadensprinzip, victimless immoralities, Rechtsphilosophie und das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von H.L.A. Hart von der Lord Devlins in Bezug auf Homosexualität?

Während Devlin Homosexualität als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ansieht und rechtliche Sanktionen legitimiert, betont Hart den Vorrang individueller Freiheit, sofern kein unmittelbarer Schaden für andere entsteht.

Welche Bedeutung kommt dem Wolfenden Report in der Argumentation zu?

Der Wolfenden Report fungiert als Katalysator, da er die Forderung nach der Entkriminalisierung homosexueller Handlungen zwischen Erwachsenen erhob und damit den Anstoß für die juristisch-ethische Debatte über die Grenzen des Rechts gab.

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Details

Title
Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?"
College
http://www.uni-jena.de/
Course
Einführung in die Angewandte Ethik
Grade
1,7
Author
Christiane Burmeister (Author)
Publication Year
2004
Pages
13
Catalog Number
V33150
ISBN (eBook)
9783638336963
ISBN (Book)
9783638819664
Language
German
Tags
Devlin-Hart-Kontroverse Konflikt Thema Darf Recht Moral Einführung Angewandte Ethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Burmeister (Author), 2004, Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33150
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