Mit der zunehmenden Intensität, in der Unternehmen ihre IT- (Informationstechnologie) Landschaften ausbauen, wuchs über die letzten Jahren auch die Größe des IT-Budgets an. Ein substantieller Anteil dieses Budgets wird nicht nur in Wartung und Betrieb bestehender Landschaften investiert, sondern auch in den Aufbau neuer und in die Optimierung und Integration vorhandener Systeme. Solche Vorhaben werden in der Regel im Rahmen von IT-Projekten abgewickelt. Viele IT-Projekte haben sich nach einer optimistischen Planungsphase im Projektverlauf zu desaströsen, kaum mehr kontrollier- und steuerbaren Unterfangen entwickelt. In ca. der Hälfte der Projekte wird die Planung nach dem Projektstart mindestens einmal korrigiert. Der ursprünglich geplante Termin- und Kostenrahmen kann damit nicht mehr eingehalten werden und bzw. oder der funktionale Umfang muss so stark reduziert werden, dass die ursprüngliche Kosten-Nutzen-Kalkulation nicht mehr aufrecht zu erhalten ist
IT-Projekte sind, wie am Beispiel von e-Business Projekten deutlich wird, häufig strategische Projekte. Aus dieser Perspektive heraus gewinnt das Controlling von IT-Projekten, auch oder gerade für den Gesamtunternehmenserfolg, stark an Bedeutung. Es empfiehlt sich somit, Projekte durch das Controlling zu begleiten, um so die langfristige Ergebnissteuerung im Unternehmen sicherzustellen. Auf dieser Erkenntnis basiert die folgende Arbeit, deren Zielsetzung es ist, darzustellen, inwiefern sich IT-Projekte von „konventionellen“ Projekten unterscheiden. Hiervon ausgehend soll dargestellt werden, welche Controllinginstrumente für IT-Projekte herangezogen werden können. Dabei wird sich herauskristallisieren, dass die konventionellen Instrumente zur Steuerung von IT - Projekten im Rahmen der Projektplanung und -überwachung grundsätzlich einsetzbar sind, jedoch bezüglich der Aufwands- und Restaufwandsschätzung Besonderheiten bergen, die zwingend berücksichtigt werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung (5%)
2 Grundlagen des Projektcontrolling (25%)
2.1 Projektmanagement
2.2 Projektcontrolling
2.3 Regelkreis des Projektcontrolling
3 IT-Projektcontrolling (15%)
3.1 Charakteristika von IT Projekten
3.2 Projektcontrolling in IT-Projekten
3.2.1 Planungsmethoden für die Softwareentwicklung
3.2.2 Bestimmung des Realisierungsgrads
4 Instrumente des Projektcontrolling (40%)
4.1 Projektplanung
4.1.1 Projektstrukturplan (PSP)
4.1.2 Projektablauf- und Terminplanung
4.1.3 Kostenplanung
4.2 Zeitorientiertes Projektcontrolling
4.2.1 Balkenpläne
4.2.1 Meilensteintrendanalyse
4.3 Kostenorientiertes Projektcontrolling
4.3.1 Budgetanalyse
4.3.2 Integrierte Kostenleistungsrechnung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Anforderungen an das Controlling bei IT-Projekten zu untersuchen und aufzuzeigen, wie konventionelle Controlling-Instrumente in diesem Kontext erfolgreich angepasst und eingesetzt werden können, um eine langfristige Ergebnissteuerung sicherzustellen.
- Unterscheidung zwischen IT-Projekten und konventionellen Projekten
- Herausforderungen bei der Aufwands- und Restaufwandsschätzung in der Softwareentwicklung
- Anwendung traditioneller Planungsinstrumente (z.B. PSP, Termin- und Kostenplanung) auf IT-Projekte
- Einsatz von Schätzmethoden wie COCOMO und Function Point
- Methoden der Projektüberwachung unter Berücksichtigung des Leistungsfortschritts
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Planungsmethoden für die Softwareentwicklung
Die Planung des Softwareentwicklungsaufwands erweist sich in der Praxis als wenig stabil. In ca. der Hälfte der Projekte wird sie nach Projektstart mindestens einmal korrigiert, in der Regel nach oben. Für die Planung des Softwareentwicklungsaufwands haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten diverse Methoden herauskristallisiert, die auch in der Praxis überzeugende Resultate liefern. Zwei weit verbreitete Schätzverfahren, die COCOMO Methode und die Function Point Methode sollen hier vorgestellt werden.
3.2.1.1 COCOMO Methode
Das ursprüngliche COnstructive COst MOdel (COCOMO) stammt aus den 70er Jahren und ist ein parametrisches, inkrementelles Schätzverfahren. Parametrisch, da es verschiedene Einflussfaktoren in Form von Parametern berücksichtigt und inkrementell, da die Verfeinerung der Aufwandsabschätzung in drei Stufen erfolgt. Jede Stufe spiegelt hierbei eine vollständige Aufwandsabschätzung wider, bei kontinuierlich zunehmendem Planungsaufwand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Erläutert die wachsende Bedeutung von IT-Projekten und die Notwendigkeit für ein spezialisiertes Controlling aufgrund häufiger Planabweichungen.
2 Grundlagen des Projektcontrolling: Definiert Projekte sowie das Projektmanagement und ordnet das Projektcontrolling als unterstützende Funktion in den Führungsprozess ein.
3 IT-Projektcontrolling: Analysiert die Besonderheiten von IT-Projekten und präsentiert spezielle Schätzverfahren sowie Methoden zur Bestimmung des Realisierungsgrads.
4 Instrumente des Projektcontrolling: Stellt traditionelle Instrumente für die Projektplanung und Überwachung vor und diskutiert deren Anpassung an IT-spezifische Rahmenbedingungen.
5 Fazit: Fasst zusammen, dass IT-Projekte aufgrund der immateriellen Natur der Software eine methodisch angepasste Planung und Überwachung erfordern.
Schlüsselwörter
Projektcontrolling, IT-Projekte, Softwareentwicklung, Projektmanagement, Aufwandsschätzung, COCOMO, Function Point Methode, Realisierungsgrad, Projektplanung, Projektüberwachung, Soll-Ist-Vergleich, Kostenplanung, Terminüberwachung, Budgetanalyse, Kostenleistungsrechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Instrumenten des Projektcontrollings zur Steuerung von IT-Projekten und beleuchtet dabei die spezifischen Herausforderungen, die sich aus dem immateriellen Charakter der Softwareentwicklung ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Planungsmethodik für Softwareaufwände, die objektive Bestimmung des Leistungsfortschritts (Realisierungsgrad) sowie der Einsatz traditioneller Controlling-Instrumente zur Termin- und Kostenkontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie IT-Projekte gesteuert werden können und warum konventionelle Methoden zwar anwendbar sind, aber bezüglich der Aufwandsschätzung spezielle Anpassungen erfordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert und Methoden wie COCOMO und Function Point zur Aufwandsschätzung sowie Verfahren zur Kostenleistungsrechnung systematisch darstellt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Planung (z.B. COCOMO, Function Point), die Überwachung des Realisierungsgrads sowie die detaillierte Darstellung von Planungsinstrumenten wie dem Projektstrukturplan und Überwachungsinstrumenten wie Meilensteintrendanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Projektcontrolling, IT-Projekte, Aufwandsschätzung, Realisierungsgrad, COCOMO-Methode und integrierte Kostenleistungsrechnung.
Warum ist die prozentuale Schätzung des Realisierungsgrads in IT-Projekten problematisch?
Sie ist oft subjektiv und ungenau, da sie häufig dem "90%-Syndrom" unterliegt, bei dem der Fortschritt psychologisch bedingt zu früh optimistisch eingeschätzt wird und danach kaum noch steigt.
Was ist der Vorteil der integrierten Kostenleistungsrechnung?
Im Gegensatz zur einfachen Budgetanalyse erlaubt sie eine konsistente Betrachtung von Terminen, Kosten und Leistungen, wodurch beispielsweise zwischen reinen Einsparungen und einem tatsächlichen Rückstand im Leistungsfortschritt unterschieden werden kann.
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- Martin Schädler (Author), 2004, Einsatz von Instrumenten des Projektcontrollings zur Steuerung von IT-Projekten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33176