Im Rahmen von IT-Projekten stehen Entscheider häufig vor der grundsätzlichen Fragestellung, ob Software fremdbezogen oder eigenentwickelt werden soll. Diese Entscheidung muss nicht notwendigerweise eine klassische „Make or Buy“ Entscheidung sein, denn über das Internet sind eine Vielzahl von Softwareprodukten im Rahmen von Open Source (OS) Projekten kostenfrei zu beziehen. Entscheidet man sich für den Einsatz von OS Software, stellt sich häufig die Frage der Integration in bestehende bzw. im Aufbau befindliche Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK).
Die vorliegende Fallstudie erläutert am Beispiel eines fiktiven Unternehmens, den Entwicklungsprozess, Qualitätssicherung und konkrete Einsatzmöglichkeiten von OS Software. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie mittels Normen und Standards die Kompatibilität der Komponenten gewährleistet wird, welche Organisationen dafür zuständig sind und wo sich konkrete Auswirkungen für das ITProjekt ergeben können.
Inhaltsverzeichnis
1 Fragestellung
2 Open Source Software
2.1 Entwicklungsprozess
2.2 Qualitätssicherung
2.3 Einsatzmöglichkeiten bei der Impuls-Schuh-AG
3 Kompatibilität von Informations- und Kommunikationstechnologien
3.1 Wie wird Kompatibiltät gewährleistet?
3.2 Standardisierungsorganisationen
3.3 Praktische Bedeutung für die Impuls-Schuh-AG
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Fallstudie untersucht, wie die Impuls-Schuh-AG Open Source Software (OS) in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren kann, um Kosten zu senken und die Interoperabilität durch die Einhaltung globaler Standards zu wahren.
- Grundlagen und Lizenzmodelle von Open Source Software
- Entwicklungsprozesse und Qualitätssicherung in OS-Projekten
- Einsatzmöglichkeiten für Linux, Apache und weitere OS-Komponenten
- Die Rolle von Normen und Standards für die Systemkompatibilität
- Strategische Bedeutung von Dokumentenstandards für die Kommunikation
Auszug aus dem Buch
3.0 Entwicklungsprozess
Konventionelle Methoden und Vorgehensmodelle der Softwareentwicklung sind auf OS Projekte nicht oder nur eingeschränkt anwendbar. Bei der Vielzahl der aktuellen Projekte dürfte kaum ein Entwicklungsprozess dem anderen gleichen. Dennoch lassen sich grundsätzliche Strömungen unterscheiden. Am Beispiel des erfolgreichen Open Source Projektes fetchmail stellt Eric S. Raymond Unterschiede der von ihm diagnostizierten Entwicklungsmodelle dar:
Die Kathedrale: Dieses Modell wird häufig im kommerziellen Umfeld eingesetzt. Ähnlich dem mittelalterlichen Kathedralenbau arbeitet eine kleine, geschlossene Gruppe zentralistisch und nahezu isoliert an der Software und entscheidet autonom über Weiterentwicklung und Implementierung. Die Distribution von Zwischenreleases zu Test- und Reviewzwecken ist i.d.R. nicht vorgesehen.
Der Bazar: Bei diesem netzwerkähnlichen Modell kann theoretisch jeder mitarbeiten, der sich dazu berufen und in der Lage fühlt. Der Entwicklungsprozess folgt dem Paradigma „release early, release often“. Im Vergleich zum Kathedralen Modell sieht Raymond hier den Vorteil einer beschleunigten Weiterentwicklung und gesteigerten Qualität durch stetige Tests und Reviews einer Vielzahl von Programmierern und Testpersonen. Dadurch lassen sich die eigentlichen Vorteile eines Open Source Projekts kapitalisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fragestellung: Einführung in die Make-or-Buy-Entscheidung bei IT-Projekten unter Berücksichtigung von Open Source Software.
2 Open Source Software: Erläuterung der Historie, der Lizenzmodelle (GPL, LGPL, BSD) und der Abgrenzung zu proprietärer Software.
2.1 Entwicklungsprozess: Vergleich der Kathedralen- und Bazar-Modelle hinsichtlich Organisation und Effizienz der Softwareentwicklung.
2.2 Qualitätssicherung: Analyse, wie heterogene Entwicklernetzwerke durch kontinuierliche Tests hohe Softwarequalität garantieren.
2.3 Einsatzmöglichkeiten bei der Impuls-Schuh-AG: Untersuchung konkreter Einsatzbereiche für OS-Software wie Linux-Server, Apache, E-Mail-Systeme und Datenbanken.
3 Kompatibilität von Informations- und Kommunikationstechnologien: Hinführung zum Thema Interoperabilität als Voraussetzung für die Integration von OS-Komponenten.
3.1 Wie wird Kompatibiltät gewährleistet?: Erläuterung der Bedeutung von de-Facto- und de-Jure-Standards sowie Normen für technische Systeme.
3.2 Standardisierungsorganisationen: Vorstellung maßgeblicher Gremien wie W3C und IETF und deren Rolle in der Standardisierung des Internets.
3.3 Praktische Bedeutung für die Impuls-Schuh-AG: Diskussion über die Integration in bestehende Backend-Systeme mittels XML und standardisierter Nachrichtenaustausch-Formate.
4 Zusammenfassung: Abschließende Bewertung der OS-Strategie unter Kosten-Nutzen-Aspekten und der strategischen Bedeutung von Standards.
Schlüsselwörter
Open Source, Software, Standardisierung, Kompatibilität, Interoperabilität, Impuls-Schuh-AG, Linux, Apache, E-Business, IT-Architektur, Lizenzmodelle, EDIFACT, XML, Webshop, Qualitätssicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von Open Source Software in der IT-Landschaft der Impuls-Schuh-AG.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Lizenzierung von Open Source, deren Qualitätssicherung durch spezielle Entwicklungsprozesse sowie die Sicherstellung technischer Kompatibilität durch Standards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Impuls-Schuh-AG OS-Software professionell integrieren kann und welche Rolle internationale Standards dabei für eine reibungslose Systemkommunikation spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die theoretische Konzepte (z.B. nach Eric S. Raymond) auf ein spezifisches Unternehmensbeispiel anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Entwicklungsprozesse (Kathedrale vs. Bazar), Lizenzmodelle, konkrete Einsatzmöglichkeiten (Server, Datenbanken) und die Standardisierungsgremien wie W3C und IETF analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Open Source, Standardisierung, Interoperabilität, IT-Architektur und E-Business charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Bazar-Modell vom Kathedralen-Modell?
Das Bazar-Modell basiert auf einer offenen, dezentralen Mitarbeit und schnellen Release-Zyklen, während das Kathedralen-Modell durch eine geschlossene, zentralistische Gruppe geprägt ist.
Warum spielt XML eine wichtige Rolle für die Impuls-Schuh-AG?
XML dient als herstellerunabhängiger Kommunikationsstandard, der es ermöglicht, den Webshop effizient mit dem bestehenden SAP-Backend zu verknüpfen.
Ist die Nutzung von Open Source Software für die Impuls-Schuh-AG immer kostenneutral?
Nein, obwohl Lizenzkosten entfallen können, müssen Migrationsaufwände wie Schulungen, Support und Roll-out in einer Kostenvergleichsrechnung berücksichtigt werden.
- Quote paper
- Martin Schädler (Author), 2004, Offene Systeme und Standardisierung im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33178