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Isotopie, Text und Textsorte

Title: Isotopie, Text und Textsorte

Seminar Paper , 1998 , 26 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jochen Müller (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Ausgangspunkt der Textlinguistik ist die Frage, was einen Text zu einem Text macht, d. h. sie beschäftigt sich mit der Definition von "Textualität", mit Abgrenzung und Klassifizierung von Texten und ihrer Struktur. Innerhalb der Textlinguistik wird einerseits an einem einheitlichen Textbegriff geforscht, andererseits an der Bestimmung von Textsorten und, soweit sie pragmatisch orientiert ist, an der Bestimmung von Textfunktionen. Dafür stehen verschiedene linguistische Zugänge bereit, die je nach Perspektive andere Aspekte von Textualität hervorheben. Grob zur unterscheiden sind dabei: ein syntaktisch-systemlinguistischer Ansatz, der auf "Oberflächenphänomene" Bezug nimmt, wie z. B. syntaktische Verknüpfungen etc.; ein semantisch-inhaltlicher Ansatz, der auf "Tiefenphänomene" Bezug nimmt, wie z. B. Inhalt, Thema und Bedeutungszusammenhang; schließlich ein pragmatischer Ansatz , der sich auf Sprachverwendung und die kommunikativen und funktionalen Aspekte von Sprache konzentriert. Dementsprechend gibt es unter-schiedliche Möglichkeiten zur Bestimmung von Textualität (syntaktisch, semantisch oder funktional) und zur Textklassifizierung, z. B. nach Textgegenstand/Textinhalt oder Textfunktion. Schließlich ergeben sich aus den Definitionen von Textualität unterschiedliche Arten von Text- und Textsortenanalyse, nämlich eine kohäsions- und kohärenzorientierte. Kohäsion bezeichnet die Texthaftigkeit einer "Oberflächenstruktur", d. h. die Verknüpfung durch Syntax, Kohäsionsmittel (Rekurrenz und Substitution, Pronomina, Artikel, Konjunk-tionen) und durch die Abfolge von Textbausteinen. Diese Form von Texthaftigkeit ist un-mittelbar an das Sprachmaterial gebunden und damit direkt auf der Textoberfläche sichtbar. Demgegenüber bezeichnet Kohärenz Verknüpfung innerhalb der "Tiefenstruktur" eines Textes, d. h. eine semantische oder inhaltlich-konzeptuelle Beziehung. Kohäsion wie Kohärenz können als textinterne Kriterien betrachtet werden, da sie sich am Text selbst ablesen lassen, während sich die pragmatische Texttheorie an textexternen Kriterien orientiert, z. B. der Verwendung oder Intention von Texten.

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Gliederung

1. Einleitung

2. Isotopie und Textualität

2.1 Einführung in die Komponentialsemantik

2.2 Isotopie: Ansatz und Textkonzept

2.3 Beispieltexte für Isotopie

2.4 Kritik: Probleme und Grenzen einer an Isotopie orientierten Texttheorie

3. Isotopie und Textsorte

3.1 Texttheorie und Textsorte

3.2 Anwendung der Isotopie auf Textsorten

3.3 Kritik: Die Unzulänglichkeit der Isotopie als Textsortentheorie

4. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern das linguistische Konzept der „Isotopie“ dazu geeignet ist, Textualität zu erklären sowie Textsorten zu definieren und zu klassifizieren, wobei insbesondere die kritischen Grenzen dieses Ansatzes beleuchtet werden.

  • Grundlagen der Komponentialsemantik und das Isotopiekonzept nach Greimas
  • Analyse der Textualität durch semantische Merkmalsrekurrenz
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Grenzen der semantikorientierten Textanalyse
  • Untersuchung der Anwendbarkeit von Isotopie auf verschiedene Textsorten
  • Bedeutung von Weltwissen und pragmatischen Faktoren für die Kohärenz

Auszug aus dem Buch

2.3 Beispieltexte für Isotopie

Die bislang aufgezeigte Theorie der Isotopie eines Textes läßt sich an folgendem Beispieltext verdeutlichen (zitiert nach Kallmeyer 1974, 134f.):

Ein Toter bei Streit zwischen Kambodschanern in Paris Paris (AP) Bei einer blutigen Auseinandersetzung in der Unterkunft kambodschanischer Studenten an der Pariser Universität hat es einen Toten und etwa 30 Verletzte gegeben. Nach Mitteilung der Polizei fand ein Student durch einen Kopfschuß den Tod. Augenzeugenberichten zufolge waren etwa 50 Anhänger des abgesetzten kambodschanischen Staatschefs Prinz Sihanouk in die Räume eingedrungen und hatten Anhänger der Regierung des Marschalls Lon Nol angegriffen. Die Angreifer hätten Eisenstangen, lange Messer und Pflastersteine benutzt. Die Umgebung des Studentenquartiers, das von der Polizei abgeriegelt wurde, war mit Trümmern übersät. ("Süddeutsche Zeitung", 9.1.73)

Dem Textkonzept der Isotopie zufolge entsteht Vertextung dadurch, daß auftretende Lexeme durch ein gemeinsames rekurrentes semantisches Merkmal verbunden sind. Im obigen Beispiel enthalten die Lexeme "abgesetzt", "Staatschef", "Prinz" das Merkmal [+politisch]. Das wiederholte Auftreten dieses Sems führt dazu, daß es andere Merkmale dominiert. So enthält "Prinz" zwar auch das Merkmal [+adelig], da dieses Merkmal aber in keinem der übrigen Lexeme des Textes erneut auftritt, dominiert es nicht den Text. Offensichtlich handelt der Text nicht von einer Adelsgeschichte, sondern von einer politischen. In Anlehnung an Greimas kann man davon sprechen, daß hier ein dominantes und rekurrentes Merkmal eine Isotopieebene konstituiert, nämlich eine mit dem Merkmal [+politisch]; diese Isotopieebene umfaßt die Lexeme "Anhänger", "abgesetzt", "Staatschef", "Prinz", "Regierung".

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die textlinguistische Fragestellung ein und definiert zentrale Begriffe wie Textualität, Kohäsion und Kohärenz sowie das grundlegende Konzept der Isotopie.

2. Isotopie und Textualität: Hier werden die komponentialsemantischen Grundlagen sowie das Textkonzept der Isotopie detailliert erläutert und anhand von Beispielen sowie einer kritischen Reflexion ihrer Grenzen diskutiert.

3. Isotopie und Textsorte: Dieser Abschnitt untersucht den Zusammenhang zwischen Isotopie und der Klassifikation von Textsorten und diskutiert die Grenzen dieses Ansatzes gegenüber kommunikationstheoretischen Modellen.

4. Literaturverzeichnis: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführenden Literatur.

Schlüsselwörter

Isotopie, Textlinguistik, Textualität, Komponentialsemantik, Sem, Kohärenz, Kohäsion, Textsorte, Semem, Monosemierung, Textstruktur, Semantische Merkmale, Rekurrenz, Textanalyse, Sprachwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse von Texten unter Anwendung des Isotopie-Konzepts, das auf der semantischen Rekurrenz von Merkmalen basiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Beschreibung von Textualität durch semantische Strukturen, die Anwendung dieser Analyse auf verschiedene Textsorten und die kritische Würdigung der Grenzen einer rein semantischen Betrachtungsweise.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit Isotopie ein taugliches Mittel zur Definition und Klassifikation von Textsorten darstellt und wo die theoretischen Grenzen dieses Modells liegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine strukturalistisch-semantische Analyse (Komponentialsemantik) angewandt, die den Text als ein System von kompatiblen semantischen Merkmalen betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Komponentialsemantik und Isotopie, eine praktische Anwendung auf Beispieltexte sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Unzulänglichkeit der Isotopie als alleinige Textsortentheorie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Isotopie, Textualität, Kohärenz, Komponentialsemantik und Textsorten charakterisiert.

Warum ist das Beispiel des Beipackzettels für die Untersuchung wichtig?

Der Beipackzettel dient als Beispiel für einen Text, bei dem eine dominierende Isotopieebene (hier: [+medizinisch]) maßgeblich zur Identifikation der Textsorte und zur Kohärenz beiträgt.

Welche Rolle spielt das "kulturelle Wissen" bei der Analyse literarischer Texte?

Das kulturelle Wissen ist laut Arbeit unerlässlich, um komplexe Isotopien in literarischen Texten (wie im Beispiel von Mallarmé) überhaupt "lesbar" zu machen, da sich die Bedeutung nicht allein aus den textimmanenten semantischen Merkmalen ergibt.

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Details

Title
Isotopie, Text und Textsorte
College
Technical University of Darmstadt  (Sprach- und Literaturwissenschaft)
Course
Zur Kulturspezifik von Textsorten
Grade
1,7
Author
Jochen Müller (Author)
Publication Year
1998
Pages
26
Catalog Number
V33223
ISBN (eBook)
9783638337533
Language
German
Tags
Isotopie Text Textsorte Kulturspezifik Textsorten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen Müller (Author), 1998, Isotopie, Text und Textsorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33223
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