Theorie des Rational Choice Ansatzes
In den letzten Jahren hat der Rational Choice Ansatz eine sehr hohe Aufmerksamkeit erlangt. In sozialwissenschaftlichen Untersuchungen wird mit zunehmender Häufigkeit in Handlungsanalysen von Erklärungskonzepten Gebrauch gemacht. Die RC Theorie bezieht sich auf „Mikro-Fundierungen“ für die Erklärung sozialer Phänomene und greift mehr oder weniger auf das Handeln von Individuen zurück. Der RC Ansatz basiert auf dem methodologischen Individualismus. Darunter versammeln sich theoretische Konzepte und empirische Verfahren. Der methodologische Individualismus kann als Sammelbezeichnung für die verschiedenen Verhaltens- und Lerntheorien verwendet werden. Aussagen über soziale Sachverhalte sind schließlich rückführbar auf Aussagen über Individuen. Aufgrund Einzelner ergibt sich das Soziale, anhand von Individuen ist es möglich deren Bedürfnisse, Motive und Handlungen zu ermitteln. Statt gesamtgesellschaftlicher Strukturen wird pars pro toto das Verhalten einzelner oder mehrerer Individuen untersucht. Der Ursprung dieser individualistischen Sozialtheorie ist rückführbar auf Tausch- und Vertragstheorien, die beide auf individuellen Wahlhandlungen basieren.
Die Rational Choice Theorie teilt den Wahlhandlungsvorgang in drei Phasen ein. In der ersten Phase wird Handlungssituation wahrgenommen; in der zweiten Phase werden die Alternativen und erwarteten Folgen evaluiert; in der dritten Phase wird nach einem bestimmten Kriterium letztlich die Wahl getroffen.
Selbst in Theorien internationaler Beziehungen wird versucht das RC Modell anzuwenden, um Verhaltensweisen von Staatsoberhäuptern und internationalen Institutionen zu erklären.
Ein bedeutender Vertreter dieser Theorie ist Hartmut Esser. Sein Ansatz wird im Folgenden erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Theorie des Rational – Coice Ansatzes
2. Essers Grundannahmen
3. Résumé
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Rational-Choice-Ansatz innerhalb der Soziologie, insbesondere unter Berücksichtigung der theoretischen Konzeptionen von Hartmut Esser. Das Ziel der Arbeit ist es, die methodischen Grundlagen, die Handlungslogiken des Modells sowie dessen Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen im soziologischen Kontext kritisch zu analysieren.
- Methodologischer Individualismus als Grundlage soziologischer Erklärungen
- Die drei Logiken der Tiefenerklärung: Situation, Selektion und Aggregation
- Das Menschenbild des RREEMM-Modells und die SEU-Theorie
- Kritische Reflexion der Rational-Choice-Theorie hinsichtlich Alltagshandeln und mathematischer Modellierung
Auszug aus dem Buch
Zu Punkt 2 und 3 (soziale Prozesse und handlungstheoretischer Kern):
Hier versuche ich Aspekte des allgemeingütigen Erklärungsmodells aus der Sicht von Hartmut Esser wiederzugeben. Das soziologische Anliegen besteht nicht nur darin, menschliches Handeln und Einwirkungen auf dieses Handeln zu erklären, sondern vielmehr auch in der Erklärung der Entstehung des menschlichen Handelns und sozialer Einwirkungen sowie der Entstehung von Sozialräumen. Es wird versucht, strukturelle Zusammenhänge zu definieren und wie Esser es beschreibt Tiefenerklärung zu betreiben. Damit das allgemeingütige Erklärungsmodell und somit auch die Tiefenerklärung zu verstehen sind, bedarf es einer Aufteilung in drei unterschiedliche Themenkomplexe, wie unter Punkt 1. schon erwähnt. Jede einzelne Logik innerhalb der Tiefenerklärung „hat andere Problemstellungen zum Gegenstand“.
Um eine umfassende Erklärung eines soziologischen Phänomens zu erhalten, ist es unabdingbar, die Kombination aller drei Logiken zu betrachten. a) Die Logik der Situation. Es wird in dieser Logik untersucht, in welcher objektiven und subjektiven Situation sich die typischen und relevanten Akteure in einem gegebenen sozialen Gebilde befinden. Hierbei werden auch die für den Akteur zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen erfasst. Darunter fallen seine Präferenzen und Erwartungen sowie seine Einschränkungen. Man kann vereinfacht aussagen, wie sich die Situation für den Akteur darstellt.
b) Die Logik der Selektion. In der Situation, in der sich die Akteure gerade befinden, treffen sie eine Auswahl ihrer Handlungen. Die Logik der Selektion verbindet die Akteure in ihrer jeweiligen Situation mit der Auswahl einer Handlung aufgrund der Situation, in der sie sich bewegen. Diese Logik „ist der analytisch-nomologische Kern des gesamten Modells. Nur mit diesem Kern wird das Ganze eine richtige „Erklärung“ “. Um den handlungstheoretischen Kern und die daraus resultierenden Handlungen am angemessensten zu beschreiben, verweist Esser auf die sogenannte „subjective expected utility“-Theorie (SEU) oder auch Wert-Erwartungs-Theorie genannt. Hierbei handelt es sich darum, dass die Akteure nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung aus verschiedenen Handlungsalternativen diejenige Situation auswählen, die den größten Gewinn einbringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Theorie des Rational – Coice Ansatzes: Dieses Kapitel führt in den Rational-Choice-Ansatz ein, definiert ihn als Wahlhandlungstheorie auf Basis des methodologischen Individualismus und erläutert seine theoretischen Wurzeln im Utilitarismus und Behaviorismus.
2. Essers Grundannahmen: Dieser Hauptteil beleuchtet die Perspektive von Hartmut Esser auf die Theorie, insbesondere durch die Darstellung der drei Logiken der Situation, Selektion und Aggregation sowie der Methode der abnehmenden Abstraktion.
3. Résumé: Das Kapitel reflektiert kritisch über die Komplexität der Theorie und die Art ihrer Vermittlung in den Werken von Esser sowie über die Grenzen der mathematischen Modellierung menschlichen Verhaltens.
4. Literatur: Dieser Abschnitt listet die für die Hausarbeit verwendeten Quellen und Referenzen auf.
Schlüsselwörter
Rational-Choice, Hartmut Esser, methodologischer Individualismus, Tiefenerklärung, Logik der Situation, Logik der Selektion, Logik der Aggregation, SEU-Theorie, RREEMM-Modell, Alltagshandeln, Nutzenmaximierung, Wahlhandlung, soziologische Erklärung, Brückenhypothesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Rational-Choice-Ansatz als soziologische Theorie, die menschliches Verhalten auf individuelle Entscheidungen und Wahlhandlungen zurückführt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des Ansatzes, das Modell der Tiefenerklärung nach Hartmut Esser sowie das menschliche Entscheidungsverhalten unter Kosten-Nutzen-Aspekten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die strukturierte Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der Wahlhandlung, wie sie von Hartmut Esser in seinem soziologischen Erklärungsmodell dargelegt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse der Fachliteratur und vergleicht das Modell des Rational-Choice-Ansatzes mit anderen soziologischen Konzepten, um dessen Erklärungskraft zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Essers Grundannahmen, insbesondere die Logik der Situation, die Logik der Selektion und die Logik der Aggregation, sowie die Methode der abnehmenden Abstraktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rational-Choice, methodologischer Individualismus, Tiefenerklärung, Nutzenmaximierung und das RREEMM-Modell.
Wie bewertet die Autorin den Verzicht auf den Begriff „Rational Choice“ bei Esser?
Die Autorin empfindet die Verwendung des Begriffs „Allgemeine Grundlagen“ anstelle von „Rational Choice“ in Essers Büchern als irritierend und führt dies auf die Komplexität der Theorie zurück.
Warum hält die Autorin die mathematische Modellierung bei Esser für problematisch?
Sie interpretiert die starke Nutzung mathematischer Formeln kritisch als einen „verzweifelten Versuch“, der Theorie den Anschein von exakter wissenschaftlicher Objektivität zu verleihen, wobei emotionale Aspekte des Handelns vernachlässigt würden.
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- Kirsten von der Crone (Author), 2003, Der Rational-Choice Ansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33238