Welt ohne Geld


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2016
11 Seiten

Leseprobe

1. Im Supermarkt

Heute soll es also soweit sein! So richtig glauben kann ich es aber noch nicht. Wie soll denn das funktionieren?

Gespannt gehe ich los, hin zu meinem Supermarkt. Ich betrete die Halle, alles ist doch so wie immer! Zugegeben, die Kunden sind irgendwie entspannter, gucken freundlicher, reden fröhlicher miteinander. Aber das ging doch schon vor ein paar Wochen los, in Erwartung dieses „Ereignisses“.

Draußen stehen ein paar Lebensmittel-Trucks mehr, die auf ihre Entladung warten, aber ansonsten? Eine leichte Enttäuschung steigt kurzzeitig in mir auf, während ich meine Runde weiter drehe.

Und dann fällt es mir plötzlich geradezu in die Augen. Leicht erstarrt, mit hinab gefallener Kinnlade, muss ich erstmal stehenbleiben:

Alles ist wie immer, ja, aber - die Kassen? Sämtliche Kassen sind abgebaut worden!

2. Zweifel und Fragen

„Welt ohne Geld“, wie soll das auf Dauer funktionieren? Das war damals die meistgestellte Frage. Geld regiert doch die Welt! Sicherlich, diese „Regierung“ war im Laufe der Jahrhunderte immer eigensinniger und brutaler geworden, also mehr und mehr für sich selbst da, hatte die gesamte Menschheit von sich absolut abhängig gemacht. Aber konnte man es wagen, sie völlig zu entmachten und abzuschaffen, so wie sich Alkoholkranke durch totale Abstinenz vom Alkohol befreien?

Das Geld war doch über einen langen Zeitraum ein zunächst sehr hilfreiches und dann ein unbedingt notwendiges Werkzeug gewesen, notwendig, um die Arbeits­produktivität ständig zu steigern. Ist denn Geld nicht das Hauptmotiv, um Menschen zum Arbeiten zu bewegen? Menschen arbeiten nur gezwungener Maßen, nicht freiwillig - ODER ETWA DOCH?

„Freiwillig arbeiten als zutiefst menschliches Bedürfnis“ - das klingt sehr nach kom­munistischen Idealen. Und der Versuch, eine kommunistische Gesellschaftsordnung zu errichten (1917 - 1989), scheiterte bekanntermaßen.

Der erste derartige Versuch, die „Pariser Kommune“, war in noch wesentlich kürzerer Zeit plattgemacht worden. Also, erstens, unter welchen Umständen und zweitens, mit welchen Methoden kann ein dritter Versuch erfolgreich sein?

3. Freiwillig arbeiten - ein menschliches Grundbedürfnis

„Labor est etiam ipsa voluptas“, Arbeit ist die Freude, das Vergnügen, das Lebens­werte. Ist das wirklich so, und wenn ja, warum?

In (1) habe ich diese Frage auf 17 Seiten diskutiert.

Dort sehe ich als wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier die Tatsache an, dass der Mensch über einen permanent währenden Sexualtrieb verfügt, im Gegensatz zu den Paarungszeiten der Tiere. Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in den paradiesisch guten Lebensbedingungen unserer tierischen Vorfahren im Tertiär, die es ermöglichten, den Fortpflanzungstrieb über das gesamte Jahr auszu­dehnen.

Als es dann gegen Ende des Tertiär zur Klimaverschlechterung kam - egal, ob durch Kälte oder Hitze - musste der Trieb irgendwie gezügelt werden. Es wurde aber nicht zu Paarungszeiten zurückgekehrt, sondern eine Umlenkung der Triebenergie auf andere nützliche Ziele vorgenommen („Sublimierung“).

Über die Sublimationsprodukte Nächstenliebe und gesunde Selbstliebe, die ihrer­seits wieder in die typisch menschliche Selbstindividuationstendenz verwandelt werden, entsteht letztlich die typisch menschliche freiwillige Arbeit als effektivste Möglichkeit zur permanenten Individuation (s. Abb.).

Sexualziel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die „Umlenkwand U“ kann am „Drehpunkt D“ bewegt werden, und dadurch für die Triebenergie mal die eine oder die andere Richtung freigeben. Sie ist im Wesentli­chen ein Erziehungsprodukt, wurde von S. FREUD als „Über-Ich“ bezeichnet und besteht z. B. aus dem Gewissen und dem Schamgefühl.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Welt ohne Geld
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V333779
ISBN (eBook)
9783668238145
ISBN (Buch)
9783668238152
Dateigröße
3495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geld, Arbeit, Gesellschaft, Selbstindividualisierung, Streitschrift, Kapitalismus
Arbeit zitieren
Werner Schreiber (Autor), 2016, Welt ohne Geld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333779

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