Romantik im Netz. Online Dating und Partnerschaften als Spiegel des Wertewandels in der modernen kapitalistischen Gesellschaft


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wertewandel
2.1 Am Beispiel des 18. bis 20. Jahrhunderts

3. Romantik im Netze
3.1. Der Emotionale Kapitalismus
3.2. Emotionale, aber nicht Psychische Existenz

4. Boom der Online-Partnersuchdienste
4.1. Wieso meldet man sich an?
4.2. Aus drei Prozessen entstehen vier Konsequenzen

5. Diskussion/Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im soziologischen Diskurs werden Modernität und Modernisierung meist als ein Prozess der Rationalisierung beschrieben, der sich von einem anderen Abgrenzt und sich wiederum zu diesem in ein Verhältnis setzten muss. Eva Illouz fragt in diesem Zusammenhang nach dem spezifischen Verhältnis von Emotionalität und Rationalität in unser heutigen Gesellschaft, wobei sie auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche schaut. Das sind Lebensbereiche wie die Familie, Arbeitswelt, Partnerschaft und virtuelle Räume, auf die Illouz einen besonderen Blick wirft. Dabei dürfen die Bereiche außerhalb des Internets nicht unberücksichtigt gelassen werden, denn nur durch den Hintergrund der Emotionen kann der gesamte gesellschaftliche Zusammenhang verstanden werden.

Durch diese Arbeit soll das Thema, wie Romantik im Netz entsteht, und die Frage, wie es zu einer immer beliebteren und gesellschaftlich akzeptierten Form der Partnerschaftssuche, geworden ist.1 Dabei stellt die Soziologin Eva Illouz, die in ihrem Buch Gefühle in Zeiten des Kapitalismus umfangreich erörtert, wie Romantik im Netz entsteht, den Hauptbezug dar. Um einen besseren Überblick über aktuelle partnerschaftliche Beziehungen zu erhalten, findet zunächst ein Exkurs über das Zustandekommen von Partnerschaften in der früheren Geschichte statt und wie sich ein Wertewandel der romantischen Beziehung ab dem 18. Jahrhunderts vollzogen hat. Der Hauptteil besteht aus Illouz' Aussagen über die Entstehung der romantischen Liebe über das Netz und den Ausführungen über die Vermarktung des eigenen Selbst und den daraus resultierenden Konsequenzen.

Im Fazit soll hiernach zusammenfassend eine Einschätzung abgegeben werden, inwieweit das Online-Dating tatsächlich eine Alternative zum bisherigen Verlauf der Partnersuche darstellt und welche Gefahren durch das neuartige Kommunikationsmittel „Internet“ entstehen können.

2. Wertewandel

Im Rahmen dieser Arbeit kann aufgrund des Umfangs nicht eine komplette Sozialstrukturanalyse der letzten Jahrhunderte angefertigt werden. Stattdessen sollen bestimmte Entwicklungen kurz skizziert werden, die später in der Diskussion, um die Romantik im Netz, eine Rolle spielen werden. Die Romantik im Netz soll im Hinblick auf das 18. bis 20.. Jahrhundert beleuchtet werden.

2.1 Am Beispiel des 18. bis 20. Jahrhunderts

Um einen besseren Einblick zur Eigentümlichkeit unserer heutigen Liebesverhältnisse zu bekommen, ist es äußerst interessant in Erfahrung zu bringen, wie Liebe und partnerschaftliche Beziehungen im 18. und 19. Jahrhundert ausgelebt wurden. Eva Illouz beschreibt, dass die Liebe sich früher an einfachen Codes und sehr verlässlichen Regeln orientieren konnte.2

Diese minuziöse Kodifizierung der Liebesrituale beschränkte zwar das Feld der Liebe, hatte jedoch einen besonders hervorstechenden Effekt, indem sie Unsicherheiten verringerte oder diese sogar beseitigte. So war das Feld der Liebe überschaubar und geschützt.3

Diese Form der damaligen-modernen Partnersuche wurde laut Illouz so ernstgenommen, weil sie die schwierigste ökonomische “Operation“ im Leben vieler Menschen bedeutete. Diese Besonderheit ist erst dadurch zu verstehen, weil das gesamte Eigentum einer Frau bei der Hochzeit auf den Mann überging.4

Die am häufigsten anzutreffende Lebensform in der vorindustriellen Gesellschaft war die des „ganzen Hauses“5 Diese bestand aus dem Ehepaar, deren Kindern und etwaigen Verwandten.

Mägde etc. arbeiteten als geschlossene Einheiten in Bauernhöfen, Handwerksbetrieben oder Handelshäusern.6

In dieser Zeit war die Hauptaufgabe aller Beteiligten die der Existenzsicherung, da es keine sozialen Sicherungssysteme gab. Diese strikte Arbeitsverteilung erlaubte keinen Freiraum für persönliche Neigungen oder eine individuelle Entwicklung. Das primäre Ziel des „ganzen Hauses“ war die Funktionalität und ökonomische Sicherung der Gemeinschaft. Die emotionale Bindung stand nicht an erster Stelle und die Ehe wurde meistens von den Eltern mit Blick auf die ökonomischen Bedingungen arrangiert.7

Erst durch die Industrialisierung, die Schulpflicht für Kinder und die Entstehung der sozialen Sicherungssysteme brachen diese festen Strukturen des „ganzen Hauses“ und die nunmehr weit verbreitete Lebensform der Kernfamilie entstand.8

Mit dem Beginn der Industrialisierung erwartete der Arbeitsmarkt von der Bevölkerung

immer mehr Flexibilität. Junge Menschen wechselten nicht mehr direkt von dem elterlichen Haushalt in einen Paarhaushalt, dennoch wird nur von einer Minderheit ein dauerhaftes Alleinleben angestrebt.9

Die Kernfamilie die sich immer mehr zur Normalfamilie entwickelte, galt bis in die 1960er Jahre als die einzig legitimierte Lebensform. es war die Zeit des „Babybooms“ und „Golden Age of Mariage".10

Dennoch hat die Institution Ehe im Laufe der Zeit an Verbindlichkeit verloren und seinen normativen Wert verändert. In der Vorindustriellen zeit wurde geheiratet, bevor das Paar Kinder bekam, in der heutigen Zeit beobachtet man eine entgegengesetzte Entwicklung.

[...]


1 Vgl. URL: http://www.handelsblatt.com/lifestyle/kultur-literatur/online-dating-wird-immer-beliebter/ 2608110.html

2 Vgl.: Illouz, E. : 2012: S.

3 Vgl.: Illouz, E. : 2012: S.

4 Vgl.: Illouz, E. : 2012: S.

5 Das „Ganze Haus“ war aber nicht die einzige Lebensform in der vorindustriellen Gesellschaft. Vgl. Hradil 2006: S. 125f..

6 Vgl.: Hradil 2006: S. 90f..

7 Vgl.: Beck & Beck-Gernsheim 1990: S. 69.

8 Vgl.: Hradil 2006: S. 238.

9 Vgl.:Meyer 2006: S. 346ff.

10 Vgl.: Meyer 2006: S.333

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Romantik im Netz. Online Dating und Partnerschaften als Spiegel des Wertewandels in der modernen kapitalistischen Gesellschaft
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V333782
ISBN (eBook)
9783668235540
ISBN (Buch)
9783668235557
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
romantik, netz, online, dating, partnerschaften, spiegel, wertewandels, gesellschaft
Arbeit zitieren
Christine Fairweather (Autor), 2016, Romantik im Netz. Online Dating und Partnerschaften als Spiegel des Wertewandels in der modernen kapitalistischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333782

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