Diese wissenschaftliche Arbeit setzt sich mit dem Ansatz der Lebensweltorientierung auseinander und der Möglichkeit, diesen für digitale Lebenswelten zu adaptieren.
Die Autorin legt für den Praxisbezug den Fokus auf das Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit/Streetwork.
Eine provokative These, dass es jungen Menschen nicht gelingt, zwischen analogen und digitalen Lebenswelten zu unterscheiden und diese zu trennen, wird unter anderem mit der systemischen Brille auf ihre Nützlichkeit getestet und untersucht.
Inhaltsverzeichnis
„Sieben Gute Gründe“
1.Idee der Lebensweltorientierung
1.1.Entwicklungs- und Strukturmaximen / Planung, Einmischung
1.2.Lebensweltorientierung im Kontext Mobile Jugendarbeit/ Streetwork (MJA/ SW)
1.3.Lebensweltorientierung aus der systemisch-konstruktivistischen Perspektive
2.Darstellung Mobile Jugendarbeit/ Streetwork (MJA/ SW)
2.1.Selbst- und Grundverständnis
2.2.Handlungsfelder und Arbeitsprinzipien
2.3.Lebenswelten von Adressat_innen
2.4.Ziele
3.Digitale/ analoge Lebenswelten im Kontext von Lebensweltorientierung
3.1.Ein Definitionsversuch
3.1.1.Augmented Reality – situativ- mediengestützte Informiertheit
3.1.2.Mögliche Unterschiede
3.2.Die Bedeutung digitaler Räume bei der Suche nach Identität
3.3.Ich selbst, das soziale Umfeld, die Peergroup
4.Keine bewusste Trennung zwischen digitalen und analogen Lebenswelten
4.1.Trennung: Nützlichkeit, Haltung und Soziale Arbeit
4.2.Nicht-Nützlichkeit, Vorteile, Alternativen, Zukunft
4.3.Erkenntnistheorie und andere Erklärungsprinzipien
5.Lebensweltorientierung in digitalen Lebenswelten
5.1.Nützlichkeit
5.2.Praktische Umsetzung
5.3.Haltung
6.Herausforderungen an Mobile Jugendarbeit/ Streetwork (MJA/ SW)
7.Expert_inneninterviews und qualitative Inhaltsanalyse
8.Erfolge (auswerten) und Reflexion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Übertragbarkeit des Konzepts der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf digitale Lebenswelten von Jugendlichen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Fachkräfte in der Mobilen Jugendarbeit/Streetwork (MJA/SW) durch eine systemische Haltung dazu beitragen können, die Kluft zwischen der realen und virtuellen Lebenswelt der Adressaten zu überbrücken und digitale Räume als sinnvolle Unterstützungs- und Gestaltungsräume zu nutzen.
- Analyse des theoretischen Rahmens der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch.
- Untersuchung der digitalen Lebenswelten als integraler Bestandteil des Alltags junger Menschen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Trennung zwischen digitalen und analogen Räumen.
- Erkenntnisse aus Experteninterviews zur Praxis der MJA/SW in digitalen Kontexten.
- Ableitung von Handlungsmaximen für eine systemisch fundierte Soziale Arbeit im Netz.
Auszug aus dem Buch
1. Idee der Lebensweltorientierung
Vor dem Hintergrund der Idee einer nicht-stigmatisierenden Jugendhilfe durch Hans Thiersch sind die Konzepte der alltagsorientierten Sozialpädagogik - Alltagsorientierung, sowie das der Lebensweltorientierung entstanden (vgl. Thiersch 2014: 5-7). Letzteres ist als theoretisches Konzept, wie praktisch ein fester Bestandteil in der Sozialen Arbeit. Seit dem achtem Kinder- und Jugendbericht, hrsg. Am 06.März 1990, ist dieses ein zentrales Paradigma in der Kinder- und Jugendarbeit. Das bedeutet, dass die Basis der Unterstützungs- und Hilfsangebote durch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die „gegebenen Struktur-, Verständnis- und Handlungsmuster“ (Thiersch 2014: 21) sind. Bereiche der Hilfen finden sich in den Aufgaben der Bildung, Erziehung, Orientierung, Gestaltung von Räumen, Möglichkeiten und Hilfe zur Selbsthilfe wieder (vgl. Thiersch 2014: 21). Ein weiterer bedeutender Bestandteil der lebensweltorientierten Jugendhilfe ist die Stabilisierung und Stärkung von individuellen, sozialen und politischen Ressourcen (vgl. Thiersch 2014: 21), mit dem Ziel, dass Adressat_innen der Sozialen Arbeit und ihr System kreativ, selbstbestimmt und geborgen leben können. Lebenswelten sind gekennzeichnet durch räumliche, soziale und zeitliche Strukturen, sowie durch die kulturellen Möglichkeiten. Die Unterscheidung findet zwischen der Lebensbewältigung und der Umsetzung dieser in verschiedensten Lebensfeldern, in denen Widersprüche liegen können, statt.
„Der Mensch wird nicht abstrakt als Individuum gesehen, sondern in einer Wirklichkeit, in der er sich immer schon vorfindet. In subjektiven Deutungs- und Handlungsstrategien, in Anpassungen, Verwandlungen und Verweigerungen, pragmatisch und in Routinen und Ritualen entlastet...“ (Grunwald/ Thiersch 2011: 856).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Idee der Lebensweltorientierung: Das Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch ein und definiert die zentralen Paradigmen der Unterstützung in der Kinder- und Jugendhilfe.
2.Darstellung Mobile Jugendarbeit/ Streetwork (MJA/ SW): Hier wird der Arbeitskontext der MJA/SW erläutert, wobei insbesondere die Ziele und handlungsleitenden Standards sowie das Selbstverständnis der Fachkräfte im Vordergrund stehen.
3.Digitale/ analoge Lebenswelten im Kontext von Lebensweltorientierung: Dieses Kapitel widmet sich der Definition digitaler Räume und untersucht deren Bedeutung für die Identitätsbildung und den Alltag Jugendlicher.
4.Keine bewusste Trennung zwischen digitalen und analogen Lebenswelten: Die These der Unmöglichkeit einer starren Trennung wird diskutiert, unter Einbeziehung von Expertenstimmen und der Kritik am digitalen Dualismus.
5.Lebensweltorientierung in digitalen Lebenswelten: Hier erfolgt der Transfer des Konzepts der Lebensweltorientierung in den digitalen Bereich, mit Fokus auf Nützlichkeit, Praxisumsetzung und Haltung.
6.Herausforderungen an Mobile Jugendarbeit/ Streetwork (MJA/ SW): Das Kapitel reflektiert die konkreten Herausforderungen für die Praxis der Streetworker_innen bei der Arbeit in digitalen sozialen Netzwerken.
7.Expert_inneninterviews und qualitative Inhaltsanalyse: Die methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung sowie die Durchführung und Auswertung der Experteninterviews werden detailliert beschrieben.
8.Erfolge (auswerten) und Reflexion: Der abschließende Teil fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert das methodische Vorgehen sowie die Relevanz der Arbeit für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, Mobile Jugendarbeit, Streetwork, Digitale Lebenswelten, Identitätsbildung, Systemtheorie, Medienkompetenz, Jugendhilfe, Partizipation, Alltagsorientierung, Konstruktivismus, Soziale Netzwerke, Handlungsmaximen, Reflexivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit des Konzepts der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch im digitalen Zeitalter, insbesondere für den Bereich der Mobilen Jugendarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verflechtung digitaler und analoger Lebenswelten, die Bedeutung von Identitätskonstruktion in sozialen Medien sowie die professionelle Haltung von Sozialarbeiter_innen in diesen hybriden Räumen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Streetworker_innen digitale Räume professionell und lebensweltorientiert in ihre Arbeit integrieren können, ohne dabei der Falle eines digitalen Dualismus zu erliegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsmethode angewandt, basierend auf Experteninterviews mit führenden Vertretern der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und einer anschließenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring/Gläser/Laudel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Konzepts, eine Analyse der aktuellen digitalen Herausforderungen für Jugendliche sowie eine empirische Untersuchung, in der Fachstandards an die digitale Realität angepasst werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie systemische Haltung, digitale Lebenswelten, Partizipation, Ressourcenorientierung und Alltagsnähe beschreiben.
Welche Rolle spielt die Trennung zwischen "online" und "offline"?
Die Arbeit argumentiert explizit gegen eine bewusste Trennung und plädiert stattdessen für eine Integration beider Bereiche, da Jugendliche ihren Alltag nicht in solche künstlichen Dichotomien aufteilen.
Wie bewerten die Experten den Einsatz von sozialen Medien in der MJA/SW?
Die befragten Experten betrachten soziale Medien als neue, notwendige Kontakt- und Kommunikationskanäle, betonen jedoch die Notwendigkeit einer reflexiven Haltung und einer professionellen Medienkompetenz bei den Fachkräften.
- Quote paper
- Silka Mager (Author), 2015, Systemische Lebensweltorientierung im Kontext von digitalen und analogen Lebenswelten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333857