Höfische Liebe in Chaucers "Canterbury Tales". Die Figur des Squires


Hausarbeit (Hauptseminar), 1993
14 Seiten, Note: 3,0
Angelika Felser (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundelemente der höfischen Liebe in der mittelalterlichen Literatur
2.1 Definitionen höfischer Liebe
2.2 Das erotic pattern
2.3 Auswirkungen der höfischen Liebe auf Geist und Körper

3 Die Figur des Squires: Höfische Liebe

4 Schlussbetrachtung

1 Einleitung

Erste Formulierungen über höfische Liebe tauchten bereits Ende des 11. Jahrhunderts in Südfrankreich bei den Troubadours auf. Unter dem Einfluss von Eleanor von Aquitanien gelangten sie nach Nordfrankreich und von dort nach England.[1]

Das Werk des Andreas Capellanus De Arte Honeste Amandi, das im 12. Jahrhundert verfasst wurde, wird als Grundlage höfischer Liebe angesehen. In seinem Werk beschreibt Capellanus Liebe als Wissenschaft und formuliert Regeln, die bei höfischer Liebe eingehalten werden sollen.[2]

Der Begriff armour courtois taucht 1883 zum ersten Mal in der Literaturkritik Gaston Paris auf.[3] Diese Bezeichnung wurde in der englischsprachigen Literaturkritik als courtly love übernommen und etablierte sich nach einer Reihe grundlegender Studien als terminus technicus , „der zur Kennzeichnung einer bestimmten Art von Liebesbeziehung dient, die nach festgelegten Regeln […] abläuft“[4]:

„The lover was expected to fall in love in a certain way, perform certain rituals in praise and service of his lady, react in established patterns to his lady’s rebuffs, caprices, and, even, to her granting <<mercy>>.”[5]

Sogar die Auswirkungen der höfischen Liebe, d.h. Krankheitserscheinungen aufgrund der Unnahbarkeit der Geliebten wurden obligatorisch und mussten ähnlich erlebt werden.

Die stereotypische, stets gleich ablaufende höfische Liebe wird heute vom Leser als absurd und paradox empfunden.[6]

Im ersten Teil dieser Arbeit werden verschiedene Definitionen höfischer Liebe vorgestellt.

Es folgt die Darstellung des stereotypischen „erotic pattern“ unter Berücksichtigung der Auswirkungen unerwiderter Liebe auf Geist und Körper.

Im zweiten Teil der Arbeit soll die Figur des Squires in Chaucers Canterbury Tales auf die erarbeiteten Elemente höfischer Liebe hin betrachtet werden.

2 Grundelemente der höfischen Liebe in der mittelalterlichen Literatur

2.1 Definitionen höfischer Liebe

Obwohl sich die Literaten darüber einig sind, dass höfische Liebe bestimmten Regeln folgte, sind Einzelheiten sehr umstritten.

Andreas Capellanus, der sich in seinem Buch De Arte Honeste Amandi auf Ovid bezieht, formulierte die Regeln höfischer Liebe wie folgt:

„1. Courtly love is sensual […], a passion arising from the contemplation of beauty in the opposite sex, and culminating in the gratification of the physical desires thus awakened […];
2. Courtly love is illicit and, for the most part, adulterous [...] since love cannot exist between two people joined together in the conjugal relation [...];
3. A love, sensual and illicit, must needs be secret [...];
4. Love, to meet the requirements of the courtly system, must not be too easily obtained [...]”[7]

Gaston Paris nennt ebenfalls vier Charakteristika höfischer Liebe:

„[Il est]

(1) illégitime furtif;
(2) l’amant est toujours devant la femme dans une position inférieur ;
(3) Pour être digne […] il accomplit toutes les prouesses imaginables, et elle de son côté songe toujours à le rendre meilleur, à le faire plus «valoir» ;
(4) l’amour est un art, une science, une vertu, qui a ses règles tout comme la chevalerie ou la courtoisie.“[8]

Alexander J. Denomy benennt ähnliche Merkmale:

„[…] first […] the ennobling force of human love;

second […] the elevation of the beloved to a place of superiority above the lover;

third […] the conception of love as ever unsatiated, ever increasing desire.“[9]

C. S. Lewis definiert courtly love wie folgt:

„[...] love of a highly specialized sort, whose characteristics may be ennumerated as Humility, Courtesy, Adultery, and the Religion of Love.“[10]

Jane Hall Martin fasst die Grundlelemente wie folgt zusammen:

„(1) the lady's souvereignity over her lover, (2) the ennobling power of love, (3) definite rules that must be obeyed.“[11]

2.2 Das erotic pattern

Das erotic pattern bezeichnete den idealtypischen Entwicklungsablauf leidenschaftlicher Liebe („amor hereos“) im Mittelalter und umfasste die folgenden Phasen:

visio – emanatio – meditatio continua – passio corporis – [dementia]

„Die Liebe entsteht durch die Betrachtung [visio] körperlicher Schönheit, deren Wirkung auf den Betrachter entweder durch den Bezug auf die Emanation [emanatio] der Seele (Strahlen der Augen) oder durch die helle Ausstrahlung der schönen Gestalt der geschauten Person unterstrichen wird; eine Kombination beider Wirkungen ist möglich.“[12]

Die wahrscheinlich wichtigste Rolle in den ersten beiden Phasen des erotic pattern spielte der sogenannte „Schönheitskatalog“ der geliebten Person, der wie folgt aussah:

„The lady is regularly represented as perfect in all her attributes […] Her hair is blond or golden; her eyes beautiful; her complexion fresh and clear, her mouth rosy and smiling; her flesh white, soft, and smooth; her body slender, well formed, and without blemish.“[13]

Das wichtigste Charakteristikum der emanatio war der Glanz, wobei nicht die Augenfarbe entscheidend war, sondern die Leuchtkraft der Augen, die den Betrachter ins Herz traf.

Die Emanation verursachte zusammen mit dem äußeren Erscheinungsbild der Frau eine Verwundung im Herzen des Betrachters.

Dieser Vorgang wurde durch ein „festes, literarisches Inventar allegorisch dargestellt – mit Hilfe der Bilder von Cupido und seinen Pfeilen, die durch das Auge ins Herz treffen und es verletzen.“[14]

Die Verwundung fand in der sekenesse ihren Ausdruck - sowohl in geistigen als auch physischen Krankheitserscheinungen (Vgl. hierzu unten Kap. 2.3):

Es entwickelte sich ein begehrendes, brennendes Verlangen nach Besitz der Person, nach Erfüllung der so entstandenen Liebe, was vornehmlich durch die Metaphorik des Feuers symbolisiert wurde[15]:

[...]


[1] Ders., S. 1f.

[2] Ders., S. 3ff

[3] Busse, Wilhelm G., Courtly love oder Paramours. Die Liebesauffassungen in der mittelenglischen Literatur vor dem medizinischen und moraltheologischen Hintergrund der Zeit, Düsseldorf 1975

[4] Ders., S. 11

[5] Martin, Jane Hall, Love’s Fools: Aucassin, Troilus, Calisto and the parody of the courtly lover, London 1972, S. 10

[6] Vgl. dazu: Ders., Chapter I

[7] Dodd, S. 5ff.

[8] Martin, S. 2

[9] Denomy, Alexander J., The Heresy of Courtly love, Gloucester, Mass. 1965, S. 20

[10] Lewis, C. S., The Allegory of Love. A Study In Medieval Tradition, New York 1958, S. 2

[11] Martin, S. 7f.

[12] Busse, S. 225f.

[13] Dodd, S. 10

[14] Busse, S. 65

[15] Ders., S. 65

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Höfische Liebe in Chaucers "Canterbury Tales". Die Figur des Squires
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Anglistik)
Veranstaltung
Chaucers Canterbury Tales
Note
3,0
Autor
Jahr
1993
Seiten
14
Katalognummer
V333868
ISBN (eBook)
9783668235267
ISBN (Buch)
9783668235274
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
höfische, liebe, chaucers, canterbury, tales, figur, squires
Arbeit zitieren
Angelika Felser (Autor), 1993, Höfische Liebe in Chaucers "Canterbury Tales". Die Figur des Squires, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333868

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