In der Geschichte des Selbstporträts spielt R eine Schlüsselrolle. Er baute es durch eine völlig eigenständige Leistung zu einer wichtigen Bildgattung aus. R malte über 70 Selbstbildnisse in mehr als 40 Jahren. Betrachtet man sie in zeitlich geordneter Reihenfolge, so ergibt sich eine regelrechte gemalte Autobiographie. Ich habe hier eine Auswahl aus Anfang, Mitte und Ende seines Schaffens vorgenommen. Bevor ich zur Bildbeschreibung komme, möchte ich kurz noch das Problem des Rechts und Links beim Selbstbildnis klären. Normalerweise sehen wir auf der Leinwand links die rechte Seite der dargestellten Person. Da beim Selbstbildnis der Maler aber vor dem Spiegel sitzt, sehen wir seitenverkehrt auf der rechten Bildseite auch seine rechte Körperseite. Bei Radierung oder Holzschnitt kehrt sich das Ganze wieder um (rechte Seite auf dem Blatt = linke Körperseite).
Inhaltsverzeichnis
1 Biographie
2 Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse
2.1 Selbstbildnis als junger Mann
2.2 Raffaels Bildnis des Baldassare Castiglione und sein Einfluss auf Rembrandt
2.2.1 Raffael: Bildnis des Baldassare Castiglione
2.2.3 Rembrandt: Selbstbildnis von 1640
2.2.4 Selbstbildnis mit Barett und aufgestelltem Kragen
2.3 Selbstbildnis von 1658
2.4 Selbstbildnis als Zeuxis
2.4.1 Zeuxis, der legendäre Maler der Antike
2.4.2 Rembrandt als Zeuxis
3 Die Funktionen von Rembrandts Selbstporträts
3.1 Selbstbildnisse, die als Tronies anzusehen sind
3.2 Selbstbildnisse als Muster für Rembrandts außergewöhnliche Technik
3.3 Die „Vermarktung“ der eigenen Person
3.3.1 Selbstbildnis mit Hut und eingestütztem Arm
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Rembrandts umfangreiches Selbstporträt-Werk mit dem Ziel, die künstlerischen Beweggründe und die soziokulturellen Funktionen hinter der Darstellung der eigenen Person im 17. Jahrhundert zu ergründen.
- Analyse der biografischen Hintergründe von Rembrandt van Rijn
- Untersuchung repräsentativer Selbstbildnisse in ihrer chronologischen Entwicklung
- Dekonstruktion der Bedeutung von "Tronies" und Ausdrucksstudien
- Reflexion über die Vermarktung der Künstlerpersönlichkeit und technischer Meisterschaft
- Interpretation der symbolischen Ebene, etwa beim Selbstbildnis als Zeuxis
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Rembrandt als Zeuxis
Das Bild gab der Forschung lange Zeit Rätsel auf, weil nicht klar war, als was R sich hier darstellte. Die dunkle Gestalt links oben wurde als antike Büste fehlinterpretiert. Erst die Entdeckung des Zusammenhangs mit einem Gemälde seines Schülers Arent de Gelder (1645-1727), dem Selbstbildnis als Zeuxis von 1685(Leinwand, 142x169 cm, Frankfurt a.M., Städelsches Kunstinstitut), gab schließlich klärende Hinweise.
R stellt sich also als Zeuxis dar, der gerade dabei ist, eine alte Frau zu porträtieren. Er steht vor der Leinwand, wendet sich von ihr ab, dem Betrachter zu. Mit hochgezogenen Augenbrauen fängt er an zu lachen. Der Lachzwang krümmt ihn geradezu, er steht nach vorne gebeugt.
Die nächste Frage ist, warum R sich hier so darstellt. Zeuxis wurde als Vorreiter des aufkommenden Klassizismus gesehen, da er bereits in seinem Bildnis der Helena versuchte, eine ideale Schönheit zu schaffen. Womöglich wurde R für seine schonungslos realistische und gleichzeitig skizzenhaft pastose Malweise kritisiert. Um diese Vorwürfe zu parieren, wäre es logisch gewesen, sich als Zeuxis zu malen, der etwas Hässliches malt. Es ist jedoch nicht bewiesen, dass R schon zu Lebzeiten einer solchen Kritik ausgesetzt war.
Es zeigt sich aber auch wieder R’s Sinn für Ironie: Er malt sich selbst dabei, wie er gerade jemand anderen malt. Das ist eine absurde Situation, denn man kann nur entweder sich selbst oder jemand anderen malen. In diesem Witz liegt ein zusätzlicher Reiz des Zeuxis-Motivs.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Biographie: Dieser Abschnitt bietet einen tabellarischen Überblick über die Lebensdaten und entscheidende Ereignisse im Leben von Rembrandt von der Geburt in Leiden bis zu seinem Tod.
2 Eine Auswahl seiner Selbstbildnisse: Hier werden ausgewählte Porträts des Künstlers analysiert, um seine stilistische Entwicklung und die Auseinandersetzung mit Vorbildern wie Raffael nachzuvollziehen.
3 Die Funktionen von Rembrandts Selbstporträts: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Hintergründe, warum Rembrandt zahlreiche Selbstbildnisse schuf, darunter als Ausdrucksstudien oder zur kommerziellen Repräsentation.
4 Schlussbemerkung: Der Autor fasst zusammen, dass Rembrandts Selbstbilder über bloße Identitätsdarstellungen hinausgehen und eine konsequente Ablehnung der Idealisierung zugunsten einer realistischen Lebensbejahung zeigen.
Schlüsselwörter
Rembrandt van Rijn, Selbstbildnis, Malerei, Tronie, Zeuxis, Barock, Kunstgeschichte, Identität, Ausdrucksstudie, Raffael, Porträtkunst, Lichtgestaltung, niederländische Malerei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Selbstbildnisse Rembrandts und hinterfragt deren soziokulturelle und künstlerische Funktionen im Kontext des 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der biografischen Einordnung, der Analyse ausgewählter Bildbeispiele, der Bedeutung der "Tronies" sowie der Vermarktungsstrategien des Künstlers.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Zweck der zahlreichen Selbstporträts zu klären und aufzuzeigen, dass diese weit mehr als nur psychologische Selbsterkundungen waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert kunsthistorische Bildanalysen mit der Auswertung zeitgenössischer Quellen und biographischer Daten, um Rembrandts Intentionen zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung bedeutender Selbstbildnisse – wie das Selbstbildnis als Zeuxis oder die Auseinandersetzung mit Raffael – und die theoretische Herleitung der Funktionen dieser Werke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rembrandt, Selbstbildnis, Tronie, Zeuxis, Realismus, Identität, Barock und künstlerische Technik.
Warum vergleicht die Autorin Rembrandt mit dem antiken Maler Zeuxis?
Der Vergleich dient dazu, Rembrandts Sinn für Ironie und seine bewusste Entscheidung, sich als Künstler darzustellen, der sich nicht der Idealisierung, sondern der ungeschönten Realität verschreibt, zu illustrieren.
Welche Rolle spielt die "Vermarktung" in Rembrandts Selbstporträts?
Die Arbeit argumentiert, dass Selbstbildnisse im 17. Jahrhundert auch als Probe des technischen Könnens dienten, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und Käufer für die Kunst des Meisters zu gewinnen.
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- Anne-Barbara Knerr (Author), 2003, Rembrandts Selbstporträts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33389