Soziale Arbeit durch Bewegungsförderung bei Senioren. Der Rollatortanz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Gesundheits- und Bewegungsförderung im Alter
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Relevanz der Bewegungsförderung für ältere Menschen

3. Bewegungsangebote für Senioren am Beispiel des Pflegestiftes „Mediana“
3.1 Vorstellung Mediana
3.2 Angebotsvielfalt

4. Der Rollatortanz als Konzept zur Bewegungsförderung älterer Menschen
4.1 Vorstellung des Angebotes „Rollatortanz“
4.2 Wirkung von Musik und Tanz auf Senioren
4.3 Förderung der Selbstständigkeit beim Tanz mit dem Rollator

5. Reflexion des Prozesses
5.1 Schwierigkeiten
5.2 Fortschritte

6. Relevanz für die Soziale Arbeit

7. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Lebensqualität wird durch eine körperliche Aktivität deutlich beeinflusst. Besonders Ältere nutzen jedoch das gesundheitsförderliche Potenzial von Bewegung zu selten. Der Bewegungsmangel hat sich im höheren Alter zu einem ernsten gesellschaftlichen Gesundheitsproblem entwickelt. Um Einschränkungen, die durch den Prozess des Alterns entstehen können, entgegenzuwirken, ist die Bewegung als Teil eines gesunden Lebensstils zu steigern. Einerseits führt dies zu Vorbeugung von Krankheiten und andererseits wird eine Förderung der Gesundheit erreicht. Das Arbeiten mit alten Menschen, im Bereich der Bewegungsförderung, ist eine Querschnittaufgabe der Sozialen Arbeit. Im Rahmen unseres Moduls beschäftigten wir uns ausführlich mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, die sich sowohl positiv als auch negativ auf die gesundheitliche Entwicklung im Alterungsprozess auswirken können. Fördernde und vorbeugende Maßnahmen zur Gesundheits- und Bewegungsförderung wurden in zahlreichen Sitzungen thematisiert. Des Weiteren beinhaltete unser Seminar das Ableisten von 150 Praxisstunden. Diese absolvierten wir in dem Pflegestift Mediana in Fulda.

In der nachfolgenden Arbeit gehen wir zunächst allgemein auf die Gesundheits- und Bewegungsförderung und deren Relevanz für ältere Menschen ein. Im Anschluss daran beginnen wir mit der Vorstellung unserer Praxisstelle sowie deren dort bestehenden Angebotsvielfalt zur Freizeitgestaltung. Nach einer Kennenlernphase des Hauses Mediana, entschieden wir uns für die regelmäßige Teilnahme an der Veranstaltung „Rollatortanz“. Nach den ersten Kursstunden entwickelten wir, anhand der bei den Teilnehmern vorliegenden Defizite, unser Konzept zum Thema Bewegungsförderung älterer Menschen. Im Zuge dessen erläutern wir in Kapitel vier die Wirkung von Musik und Tanz auf Senioren. Unser Konzept beinhaltete zum einen die Förderung der Selbstständigkeit der Mitglieder beim Tanz mit dem Rollator und zum anderen die Unterstützung schwächerer Kursteilnehmer. Anschließend erfolgt eine Reflexion des gesamten Prozesses, indem wir die Schwierigkeiten und Fortschritte näher erläutern. Zum Abschluss dieser Arbeit wird die Bewegungsförderung aus Sicht der Sozialen Arbeit betrachtet. Des Weiteren findet eine kritische Auseinandersetzung mit den bereits vorhandenen Förderungsmaßnahmen im Pflegestift Mediana statt.

Wir möchten darauf hinweisen, dass wir in unserer Arbeit die grammatikalisch männliche Sprachform verwenden, es sind jedoch immer weibliche und männliche Personen gemeint. Des Weiteren wurde jedes einzelne Kapitel von uns gemeinsam erarbeitet. Somit entfällt eine namentliche Zuordnung.

2. Gesundheits- und Bewegungsförderung im Alter

2.1 Begriffsbestimmungen

Gesundheitsförderung dient zur Erhaltung der Gesundheit. Dabei sollen vorhandene Ressourcen gestärkt sowie genutzt werden. Durch gezielte Gesundheitsförderung soll ein höheres Maß an Selbstbestimmung jedes Einzelnen erreicht und die Gesundheit positiv gefördert werden. Die Stärkung der Gesundheit knüpft an den Lebensbedingungen der Menschen an. Es werden biologische, seelische und soziale Widerstandskräfte sowie Schutzfaktoren geschaffen, die zum einen die Mobilität stärken und zum anderen für ein positives Wohlbefinden beitragen (vgl. Blättner/Waller 2011, S.201f.).

Bewegungsförderung ist wiederrum ein Prozess zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Durch diese gesteigerte Bewegung werden Gesundheitsressourcen gestärkt, wodurch ein stabiler Lebensstil entstehen kann. Das Bewegen wird in das Leben jedes Einzelnen fest integriert, hierbei sind allerdings Lebensbereiche wie Freizeit, Alltag und Beruf zu berücksichtigen. Die individuelle Betrachtung auf biopsychosozialer Ebene ist des Weiteren unerlässlich. Im Mittelpunkt der Bewegungsförderung steht sowohl das Stärken der Gesundheit als auch das Vorbeugen von Krankheiten (vgl. LIGA.NRW 2010, S.27).

2.2 Relevanz der Bewegungsförderung für ältere Menschen

Ältere Menschen bewegen sich, im Vergleich zu anderen Altersgruppen, nur unzureichend. Im Rahmen des Projektes „bewegt leben – Mehr vom Leben“ wurden im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis Daten zum Thema Bewegungsverhalten älterer Menschen, mittels einer Umfrage, erhoben. Daraus wurde ersichtlich, dass sich über die Hälfte der über 55-jährigen kaum noch sportlich betätigen. Als Gründe wurden fehlende Zeit, körperliche Einschränkungen und ein zu geringer Stellenwert genannt. Außerdem schätzten einige Befragten fälschlicherweise ihre Alltagsbewegungen als ausreichend ein. Des Weiteren offenbarten die Ergebnisse der Umfrage, dass fast zwei Drittel der Befragten unzureichend über vorhandene Sportangebote informiert sind. Zudem bevorzugen es viele der über 66-jährigen, sich lieber unabhängig von einer Gruppe zu bewegen (vgl. LIGA.NRW 2010, S.29f.).

Dabei ist Bewegung insbesondere im Alter wichtig. Viele Betroffene fühlen sich schmerzbedingt in ihrer Mobilität eingeschränkt. Dadurch vermeiden sie jegliche Formen der Bewegung, was zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führt. Wer sich kaum bewegt wird zwangsläufig einer Isolation ausgesetzt sein. Es führt zu einem Rückzug in die eigenen vier Wände, sodass soziale Kontakte verloren gehen. Die Selbstständigkeit und die damit verbundene Entscheidungskraft nehmen ab, Wahrnehmungen werden nur noch minimal stimuliert und die Leistungsfähigkeit sinkt. Sich bewegen zu können ist eine wesentliche Eigenschaft von Lebewesen; sich weiterentwickeln zu können, frei und unabhängig zu sein. Bewegung wirkt sich ebenfalls positiv auf die Gehirnleistung aus und trägt zum Erhalt der Gesundheit bei, wodurch sich das Krankheitsrisiko (bspw. Demenz) verringert. Des Weiteren wird die Wachheit gefördert, woraus eine erhöhte Lebensfreude resultiert (vgl. Jasper 2012, S.13-20).

Durch die körperlichen Alternsvorgänge werden Funktions- und Leistungsfähigkeiten gemindert. Koordination, Gelenkigkeit, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer sind Komponenten, die mit zunehmendem Alter in Mitleidenschaft gezogen werden. Aus diesem Grund erhält die Bewegung einen besonderen Stellenwert (vgl. Hollmann 1980, S.3f.). Doch nicht allein die genannten Fähigkeiten sollen durch Bewegung gefördert werden. Vor allem geht es auch um eine Reduktion der nachfolgenden Risikofaktoren:

- Vorzeitiger Tod
- Stürze und deren Folgen (z. B.: Hüftfrakturen)
- Schlaganfälle
- Herzerkrankungen
- Diabetes
- Krebserkrankungen
- Depressionen
- Gewichtszunahme
- Schlafstörungen
- etc. (vgl. LIGA.NRW 2010, S.12).

Die obengenannten Aspekte können bereits durch einen minimalen, jedoch regelmäßigen, Bewegungsaufwand gefördert werden. Spezielle Bewegungsangebote für Senioren werden im nachfolgenden Kapitel, am Beispiel des Pflegestiftes Mediana, vorgestellt.

3. Bewegungsangebote für Senioren am Beispiel des Pflegestiftes „Mediana“

3.1 Vorstellung Mediana

Der Pflegestift Mediana wurde im Jahre 2003 in Fulda eröffnet. Die Wohneinrichtung für ältere Menschen lehnte eine krankenhausähnliche Struktur von Anfang an ab. Die Senioren leben in Hausgemeinschaften (insgesamt 15), die sich auf fünf sternförmig angeordnete Häuser verteilen. Die Gruppengröße einer Hausgemeinschaft beträgt zehn bis maximal zwölf Personen. Die Einrichtung der einzelnen Gemeinschaften enthält von den Senioren mitgebrachtes Mobiliar, sodass ihnen ein heimisches und familiäres Gefühl vermittelt werden kann. Jede Hausgemeinschaft verfügt über einen großzügigen Aufenthaltsbereich mit Wohnküche und angrenzender Terrasse, welcher als zentraler Treffpunkt der Bewohner dient. Eine enge Kooperation zwischen Mitarbeitern, Bewohnern und Angehörigen ist Grundvoraussetzung für eine optimale Betreuung. Ein ganz besonderes Lebensumfeld wird den Bewohnern versprochen. Um diese Versprechungen zu gewährleisten, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung Zielsetzung des Pflegestiftes (vgl. Mediana o.J., URL). Das Pflege,- Betreuungs- und Begleitungskonzept des Medianas orientiert sich an persönlichen Ressourcen und Kompetenzen jedes Einzelnen. Der Alltag wird so normal wie möglich gestaltet, sodass eine umfassende Teilhabe am Leben gewährleistet ist. Neben den Hausgemeinschaften bietet der Pflegestift eine Tages- und Kurzzeitpflege an. Diese sind in dem Gästezentrum des Medianas angesiedelt. Auch hier wird eine hausgemeinschaftsähnliche Struktur geboten, wodurch den Senioren erste Einblicke in das Alltagsgeschehen des Pflegestiftes gewährt werden. Weiterhin verfügen spezielle Hausgemeinschaften über eine räumliche und technische Ausstattung, die insbesondere eine Betreuung von Menschen mit Demenz ermöglicht (vgl. Mediana o.J., URL).

3.2 Angebotsvielfalt

Das Mediana verfügt über ein vielfältiges Angebot zur Freizeitgestaltung der Bewohner. Monatlich wird ein Programm für den darauffolgenden Monat erstellt, welches in einem Programmblättchen erfasst wird (einschl. Rätsel, Sprüche, Rezepte etc.). Dieses Heft wird sowohl an die Bewohner als auch an das Pflege- und Betreuungspersonal verteilt. Die darin enthaltenen Angebote können von den Senioren frei besucht werden. Lediglich einzelne Veranstaltungen benötigen eine vorherige Anmeldung. Die Angebotsvielfalt wiederholt sich größtenteils wöchentlich, um den Senioren einen strukturierten Wochenablauf bieten zu können. Des Weiteren befindet sich in dem Pflegestift ein Kino, in dem circa fünf Filme pro Monat abgespielt werden. Neben den regelmäßigen Angeboten bietet das Mediana weitere Veranstaltungen wie zum Beispiel Tanzaufführungen für die Bewohner an, die passend zu der jeweiligen Jahreszeit ausgewählt werden (Fasching, Ostern, Weihnachten etc.). Nachfolgend werden einige Veranstaltungen aufgeführt (vgl. Mediana 2016, S.1-40).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Bewegungsangebot „Rollatortanz“ wird, im Rahmen eines Konzeptes zur Bewegungsförderung älterer Menschen, im darauffolgenden Kapitel näher vorgestellt.

4. Der Rollatortanz als Konzept zur Bewegungsförderung älterer Menschen

4.1 Vorstellung des Angebotes „Rollatortanz“

Der Rollatortanz ist eine Form des Tanzens für Menschen, die sich mit Hilfe ihres Rollators selbstständig bewegen können. So wird der Rollator nicht allein zur Bewältigung des Alltags (Einkaufen etc.) genutzt, sondern er kann ebenso als Stütze bei der Bewegungsförderung auf der Tanzfläche dienen. Ziele des Rollatortanzens sind unter anderem die Förderung bzw. Erhaltung der Mobilität, das Festigen der Sicherheit beim Gehen, das Trainieren des Gleichgewichtes und der Orientierungssinne sowie das Stärken des Umgangs mit dem Hilfsmittel „Rollator“ (vgl. Hilscher o.J., S.38).

Der Rollatortanz wird von einer Seniorentanzleiterin geführt. Diese Ausbildung wird bei dem Bundesverband Seniorentanz e.V. angeboten und mit einem Zertifikat - Lizenz „Trainer C Breitensport – Seniorentanz“ - abgeschlossen. Die Ausbildung benötigt keinerlei Vorkenntnisse und wird innerhalb von zwei Jahren absolviert. Sie umfasst 140 Lerneinheiten (1 LE = 45 min.). Zu Beginn erfolgt eine theoriegeleitete Einführung in die Didaktik und Methodik der Bewegungsform des Tanzens sowie die Vermittlung allgemeiner musikalischer Grundlagen. Des Weiteren beinhaltet die erste Stufe der Ausbildung eine Auseinandersetzung mit den physiologischen Prozessen des Alterns. Daraufhin erfolgen zwei Aufbaulehrgänge, in denen die angehenden Seniorentanzleiter eine Gruppe begleiten und anschließend eigenständig leiten. Am Ende der Ausbildung erfolgt eine theoretische (schriftliche Ausarbeitung mit Präsentation) und praktische (Vermittlung eines Tanzes) Prüfung (vgl. Bundesverband Seniorentanz e.V. 2015, S.1-8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Soziale Arbeit durch Bewegungsförderung bei Senioren. Der Rollatortanz
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Bewegungsförderung mit alten Menschen
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V333994
ISBN (eBook)
9783668238466
ISBN (Buch)
9783668238473
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensqualität, Aktivität, Bewegung, Therape, Senioren, Pflegestift, Pflege, Sport, Alterungsprozess, Bewegungsförderung, Gesundheit, ältere Menschen
Arbeit zitieren
Sandra Kraft (Autor), 2016, Soziale Arbeit durch Bewegungsförderung bei Senioren. Der Rollatortanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/333994

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Soziale Arbeit durch Bewegungsförderung bei Senioren. Der Rollatortanz



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden