Achim von Arnims "Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau". Eine Handlungszusammenfassung


Rezension / Literaturbericht, 2016

12 Seiten

Angelika Felser (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Handlungszusammenhang

2. Handlungsaufbau
2.1 Exposition
2.2 Durchführung

3. Erzählsituation

4. Motivwahl

5. Thematik

1. Handlungszusammenhang

Ohne Kenntnis, wer ihr Vater ist, wächst Rosalie bei ihrer Mutter, einer Prostituierten, auf. Letztere hütet ihre Tochter besonders streng, damit Rosalie nicht wie sie selbst vom rechten Pfad der Tugend abkommt.

Rosalie verliebt sich jedoch in Francoeur, einen französischen Soldaten, der durch eine Kopfverletzung zum Kriegsinvaliden geworden ist.

Als sie sich mit ihm verlobt, wird sie von ihrer Mutter verflucht und dem Teufel übergeben.

Mit ihrer Hochzeit geht ein Teil des Fluchs auf Francoeur über; mit der Entbindung ihres gemeinsamen Kindes der gesamte Fluch.

Francoeur zeigt Symptome geistiger Verwirrung, scheidet aus dem Regiment aus und soll für einige Zeit zu den Invaliden geschickt werden. Rosalie bittet den Grafen Dürande, Kommandant von Marseille und Chef der Invaliden, um eine ruhige Stellung für ihren Mann.

Francoeur erhält trotz seines getrübten Bewusstseins einen Posten auf dem Außenfort Ratonneau und die Schlüsselgewalt über alle sich dort befindlichen Waffen.

Alles scheint gut zu sein. Die Familie lebt glücklich miteinander.

Doch als ein Pater wie ihm scheint den vom Teufel besessenen Francoeur exorzieren will, bricht Francoeurs „Wahnsinn“ wieder aus. Er droht, sich, das Fort und die Stadt in die Luft zu sprengen.

Rosalie ist entschlossen, ihren Mann zu retten. Sie nähert sich dem Fort, ungeachtet der Warnschüsse, die der maßlos erregte Francoeur von sich gibt.

In seiner äußersten Aufgebrachtheit bricht die alte Kopfwunde des Invaliden wieder auf. Ein eitriger Knochensplitter tritt heraus. Francour ist geheilt. Familie, Fort und Stadt sind gerettet. Francoeur kann mit Begnadigung rechnen.

2. Handlungsaufbau

2.1 Exposition

Achim von Arnim beginnt seine Erzählung mit der Einführung der Figuren: Francoeur, der Kommandant und Rosalie, die Protagonistin.

In der Exposition (S. 3-12, „die Ehre habe“)[1] charakterisiert der Erzähler Rosalie als eine zurückhaltende Frau, die sich für ihre Mitmenschen mutig und tatkräftig einsetzt, wenn es die Situation verlangt. So führt der Erzähler sie als eine Frau ein, die „lange durch ein bescheidnes Husten die Aufmerksamkeit des Kommandanten auf sich zu ziehen gesucht hatte“ (S. 4) und dem Kommandanten sofort „mit eifrigem Bemühen“ (S. 4) zu Hilfe „springt“ (S. 4), als sein Holzbein zu brennen beginnt.

Sie bittet den Kommandanten um Gnade für ihren Mann, in ihrem unerschütterlichen christlichen Glauben davon überzeugt, dass ihre Liebe es war, die Francoeur zum Teufel geschickt habe und sie die Schuld für das Unglück ihres Mannes trage („meine Liebe trägt die Schuld von all dem Unglück, ich habe meinen Mann unglücklich gemacht und nicht jene Wunde“ (S. 5).

Für Francoeur zeigt sich ihr gutes Herz auch bildlich in dem„Heiligenschein“ in ihren Augen (S. 7).

Francoeur wird in der Exposition durch Rosalies Bericht eingeführt und aufgrund seiner „Grillen“ als unwissendes Opfer des teuflischen Plans Rosalies Mutter charakterisiert.

Durch den Bericht Rosalies erfährt der Leser[2] von Francoeurs „wichtigster“ Eigenschaft, seine „Raserei“. Diese wird vom Wundarzt als „Wahnsinn“ infolge seiner Kopfverletzung diagnostiziert.

Seine zweite wichtigste Eigenschaft wird in seinem Gespräch mit dem Kommandanten deutlich: Seine Leidenschaft für das „Feuerwerk“ („einen leidenschaftlichen Feuerkünstler, der bei seinem Regimente schon alle Arten Feuerwerke ausgearbeitet hatte“ (S. 12).

Der Kommandant Graf Dürande wird vom Erzähler als ein gütiger Mann dargestellt, der sich durch großes Verständnis für die Sorgen seiner Mitmenschen auszeichnet.

Als Rosalie ihn um ein Gespräch bittet, setzt er sich „sorgsam“ (S. 5) in ihre Nähe und überfliegt den Brief: „was waren Ihre Eltern, legten die Ihnen kein Hindernis in den Weg? Und was hat denn Ihr Mann für scherzhafte Grillen [...]“ (S. 5).

Im Gegensatz zu Rosalie sieht er Francoeurs „Grillen“ nicht als des Teufels Werk, sondern vielmehr als ein typisches Merkmal eines Franzosen: „ein Franzose hat immer den Teufel im Leibe“ (S. 12). Begeistert ruft er: „Ein Teufelskerl […], wenn doch so ein Teufel in alle unsere kommandierenden Generale führe“ (S. 6)

Auch teilt er Francoeurs Leidenschaft für das Feuerwerk, das ihn gedanklich so sehr fasziniert, dass er seine Umgebung vergisst:

„Aber in der Freude des Gelingens, wie er schon alles strahlen, sausen, prasseln, dann wieder alles in stiller Größe leuchten sah, hatte er […] nicht bemerkt, daß sein hölzernes Bein Feuer gefangen hatte […].

Erst jetzt weil […] das Aufsteigen tausend Raketen, seine Einbildungskraft beflügelte und entflammte, bemerkte er [...]“ (S. 4)

Als der erfährt, dass er in Francoeur einen Komplizen in Sachen „Feuerwerk“ gefunden hat, überträgt er dem als wahnsinnig erklärten Kriegsinvaliden die Befehlsgewalt über das Fort Ratonneau, wo er „fleißig Raketen füllen, Feuerräder drehen und Frösche binden“ solle (S. 12), womit Achim von Arnim das „Konfliktpotential“ in die „Exposition“ eingeführt.

2.2 Durchführung

Mit der Krankheit, die in Francoeur schlummert und der ihm übertragenen Befehlsgewalt über ein wörtlich zu nehmendes „Pulverfass“, das Fort Ratonneau, führt der Erzähler dem Leser das „Konfliktpotential“ vor Augen.

In der Exposition werden weitere Elemente eingeführt, die -zusammen mit dem bereits eingeführten „Konfliktpotential“ - die Handlung in der „Durchführung“ vorantreiben.

Der Erzähler fügt weitere szenische Episoden zu und aneinander, die -Kettenglied für Kettenglied- die Handlung zu einer Eskalation führen sollen:

In der Exposition lernt der Leser Basset kennen, den Kammerdiener des Grafen Dürande.

Basset sieht Rosalie beim Grafen und belauscht den im Schlaf sprechenden Kommandanten. So erfährt er von der Geschichte Francoeurs. Er beschließt, zu intervenieren und den Pfarrer zu bitten, Francoeur zu exorzieren (S. 11).

Diese Episode ist Anknüpfungspunkt zahlreicher folgender Momente in der Zuspitzung der Handlung:

Schauplatz für das erste komplexe Szenario der Durchführung stellt das Fort Ratonneau dar, auf dem Rosalie und Francoeur zunächst glücklich miteinander leben.

Symbol hierfür ist die über dem Fort befindliche „Fahne mit den Lilien, der Stolz Francoeurs, ein segenreiches Zeichen der Frau, die eine geborene Lilie“ war (S. 14).

Die Idylle zerbricht mit dem Besuch Bassets. Dieser wundert sich, dass Francoeur so gesund und vernünftig aussieht – und nicht etwa wie ein Wahnsinniger.

Daraufhin droht allerdings Francoeur in Wut auszubrechen, symbolisiert durch Feuer:

„aber Francoeur hatte etwas Furchtbares in seinem Wesen, sein dunkles Auge befeuerte sich, sein Kopf erhob sich, seine Lippen drängten sich vor“ (S. 15)

Basset berichtet von Gerüchten beim Kommandanten, wonach Francoeur vom Teufel besessen sei. Er möchte ihn bitten, sich vom Pfarrer, Vater Philip exorzieren zu lassen.

Dies empört Francoeur sehr („er schwor, daß er sich blutig an dem rächen wolle […] (S. 15))

Der Konflikt spitzt sich weiter zu, als Francoeur erfährt, dass es seine Frau war, die dem Kommandanten den Brief überbracht hatte:

„Wir sind geschieden“ schrie Francoeur und schlug sich vor den Kopf“ (S. 15)

Im Invaliden macht sich eine gefährliche Stille breit („Allmählich schien er stiller zu werden, je lauter es in ihm wurde“).

Eine Stille, die nicht lange anhalten soll, denn der nächste Konflikt kündigt sich fast gleichzeitig mit der Ankunft des dreist-törichten Vater Philips an, der den, wie es scheint, vom Teufel besessenen Invaliden exorzieren will.

Jetzt belässt es Francoeur nicht mehr bei Verbalitäten, sondern wird handgreiflich und setzt den Pfarrer buchstäblich vor die Tür.

Francoeurs Eifersucht auf den Kommandanten, verbunden mit der Tatsache, dass Rosalie ihrem Gast Basset bei Tisch mehr Suppe anbietet als ihm selbst, drohnt seinen noch unterdrückten Wutausbruch zu entfesseln.

Rosalies Geste, Basset auch noch das größte Stück Eierkuchen anzubieten, ist schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt:

Francoeur bricht mit seiner Frau („wir sind geschieden“ (S. 17)) und schließt sich im Pulverturm ein. Rosalie, der Halt Francoeurs, flieht mit dem gemeinsamen Kind.

Ihre dunkle Vorahnung („Gott, ihn plagt der Böse, wenn er nur nicht Unheil stiftet im Pulverturm“ (S. 17) scheint sich zu erfüllen:

[...]


[1] Die Seitenzahlen beziehen sich auf: Achim von Arnim: „Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau. Owen Tudor, herausgegeben von Philipp Reclam jun., mit einem Nachwort von Kurt Weigand, Stuttgart 1994 (Universalbibliothek Nr. 197)

[2] Der Begriff „Leser“ wird stellvertretend für „Leser“ oder “Leserin“ verwendet.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Achim von Arnims "Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau". Eine Handlungszusammenfassung
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V334246
ISBN (eBook)
9783668244153
ISBN (Buch)
9783668244160
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungszusammenhang, Novelle, Struktur, Achim von Arnim
Arbeit zitieren
Angelika Felser (Autor), 2016, Achim von Arnims "Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau". Eine Handlungszusammenfassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334246

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