Qualität im deutschen Bezahlfernsehen. Die Aspekte und Angebote des Pay-TV-Senders Sky


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

19 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aspekte des Qualitätsfernsehens

3. Bezahlfernsehen in Deutschland
3.1 Sky - Individuelles Pay-Tv
3.1 Qualitätsaspekte des Fernsehens im Sky-Angebot

4. Fazit

Anhang:

Literaturverzeichnis, Internetquellen

Interview-Ausschnitt Marcel Reif (Sky) / Steffen Simon (ARD)

1. Einleitung

Seit dem Beginn der ersten Ausstrahlung wird das Fernsehen von einer Qualitätsdiskussion bestimmt. Das mag zum einen daran liegen, dass das Medium zu keiner Zeit eine konstante Form oder feste Anordnungsstruktur besaß und auch nicht besitzen wird, andererseits aber ebenso an den kritischen Ansprüchen der Produzenten und Zuschauer. Von Anfang an gab es sowohl die Konzeption des Fernsehens als Kulturmedium als auch den Legitimationsdiskurs des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit der stetigen Frage nach der Qualität der gesendeten Inhalte.1

Gleichermaßen ist der Fernsehmarkt in fortdauernder Bewegung, die Angebote wirken vielfältig und lassen auf sich in verschiedensten Weisen zugreifen. PayTV (engl. Bezahlfernsehen) ist dabei eine wählbare Methode, die in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre vom Rezipienten empfangen werden kann. Die Sky Deutschland AG gilt dabei als größter nationaler Anbieter und stellt in der Möglichkeit des Abonnements verschlüsselte Sender mit unterschiedlichen Programmpaketen zur Verfügung.

Interessant sind dabei die Aspekte und die darauffolgende Diskussion vom „Besseren Fernsehen“. In meiner Seminararbeit möchte ich demzufolge erforschen, welche Angebote von Sky unter der Betrachtung von Qualitätsfernsehen einen besonderen Mehrwert des Zuschauererlebnisses garantieren und wie diese hierbei eingeordnet werden können. Dafür steht zuerst der Begriff „Qualitätsfernsehen“ im Vordergrund, der in Hinsicht auf die neue Medialität geklärt werden soll. Die anschließende kurze Betrachtung der strukturellen Zusammensetzung von Sky soll die Grundlage für die nachfolgende Analyse bieten, die den Pay-TV-Sender auf die Inhalte im Bezug auf die Aspekte der Qualität im TV untersucht.

2. Aspekte des Qualitätsfernsehens

Mit der Zeit wurden die Formen und Inhalte des Fernsehens in großem Maße konventionalisiert. Die Vereinheitlichung von Zeitleisten im Programm oder die Standardisierung der Darstellungsweisen und deren Kriterien sind Beispiele für den geregelten Zugriff des Zuschauers. Die Suche nach Begrifflichkeiten und Normen zur Bewertung einer Produktion hat meist einen ökonomischen Hintergrund2, der technische Aspekt wird dabei wesentlich nach außen getragen. Somit gelten Bild und Ton als Aushängeschild des angebotenen Produktes. Fernsehproduktionen sind demnach von Qualitätsmanagement bestimmt, jedoch wird der Wertungsdiskurs von der grundsätzlichen Frage nach der Qualität getragen und erreicht immer wieder Grenzen und Konfliktzonen über die diskutiert und argumentiert werden muss.2

Der Qualitätsbegriff ist ein individueller, der immer im Bezug auf den Rezipienten vorherrscht. In der großen Diskussion um das Seriengenre Quality TV bezeichnete Jane Feuer mit quality audience ein bestimmtes Zuschauersegment, welches in seiner Charakterisierung gebildet, mit hohem Einkommen und in Konsequenz darauf besonders interessant für die Werbeanbieter ist.3 Eben wie auch Quality TV eine Zuschauerkategorie im Bestandteil der ökonomischen Verflechtungen ist, wird der Anspruch an Qualität im Fernsehen durch das Publikum gefordert.

In der Auseinandersetzung mit der Frage nach einem wertbaren Fernsehen ist es nun notwendig Schwerpunkte zu setzen und zu kategorisieren. Offensichtlich ist dabei die technische Komponente, die visuell und auditiv festgesetzt ist. Die Anordnungsstruktur des Kinos ist dem Fernsehen bis in die Gegenwart ein anzustrebendes Ideal, das mit High Definition Television (HD-TV), der Vergrößerung der Bildfläche, der Verbesserung der Auflösung sowie der Steigerung der Tonqualität dem kinematographischen Standard angenähert wird.4 Diese Möglichkeiten gilt es auszuschöpfen, indem Sendungen produziert werden, die dem Maximum der im durchschnittlichen Haushalt verfügbaren technischen Grundlagen entsprechen. Dieses Ausreizen geschieht immer unter der Prämisse, dass der Konsument die Gelegenheit besitzt, das Produkt in seiner Ganzheit zu erfahren. Das technische Know-how und eine annehmbare finanzielle Situation werden vom Zuschauer vorausgesetzt. Ohne einen HD-TV- fähigen Fernsehapparat oder eine Dolby-Surround-fähige Heimkinoanlage ist ein von hoher Qualität gefordertes digitales Fernsehen nicht empfangbar.

Der Zuschauer folgt bei der Einbindung in die apparative Anordnung individuellen Bedürfnissen nach informativer Orientierung, nach Unterhaltung und emotionaler wie kognitiver An- und Entspannung.5 Das Fernsehen kann demnach als Ort, als ein „Forum“ betrachtet werden6, auf dem gesellschaftliche Probleme behandelt und verschiedene Konflikte thematisiert werden, an die der Konsument in ständig vorherrschender Realität zwar angeschlossen ist, aber eigene Optionen ziehen kann. Die Fähigkeit zu Wählen und die Entscheidungsbefugnis schaffen einen Menschen vor dem Bildschirm, der aktiv an den Prozessen im Fernsehen beteiligt ist. Es zeugt von Qualität, zwischen vielfältigen Programmangeboten wechseln zu können und diese gegeneinander abzuwägen. Die Fernbedienung ist einerseits ein Machtinstrument des Rezipienten, eröffnet andererseits den Zugang zu einer grafischen Oberfläche, die in ihren Grundzügen das wiedergibt, was der Zuschauer von ihr verlangt. Die Fernbedienung produziert allerdings nicht allein Beweglichkeit zwischen den Angeboten, sondern erst die Kombination mit der vermehrten Zahl von Programmen.7

Für Markus Stauff ist der „Zugriff“ ein wesentlicher Begriff für ein „Besseres“ Fernsehen. Die Bedienung des Apparates müsste so vereinfacht werden, dass es den Zuschauer vor keine Probleme stellt oder ihn nicht im Genuss des Sehens stört. Das Bereithalten von Hintergrundinformationen, die jederzeit abrufbar sind oder zusätzliche, exklusive Angebote versprechen dem Rezipienten einen besonderen Mehrwert.8 Im Bezahlfernsehen geschieht dies zusätzlich im Gedanken des Kunden, welcher weiß, dass nicht jeder Zugriff auf eben jene Möglichkeiten hat und bringt ihn damit in eine privilegierte Position. Ein exklusiver Zugriff auf das Sendematerial bedeutet, dass der Kunde in die Machtstrukturen innerhalb des Programms einbezogen wird. Ein entscheidender Aspekt der medialen Optimierung besteht demnach darin, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht mehr einfach Fernsehen schauen, sondern individuell auf ein vielfältiges Angebot zugreifen.9 Das setzt voraus, dass genügend Material vorhanden ist, damit zumindest bestimmte Geschmäcker angesprochen werden können.

„Besser Fernsehen“ bedeutet aber auch bei jeder Nutzung von Apparat und Programm die Potentiale des Mediums komplett auszuschöpfen, wie es (wie bereits erwähnt) aus technischer Perspektive das digitale Fernsehen verspricht.10 Die Verfügbarkeit der Angebote bestimmt die Flexibilität des Empfängers. Vor kurzer Zeit noch musste sich die Familie im Wohnzimmer zu einer bestimmten Zeit versammeln und sich auf eine Sendung einigen. Der Alltag richtete sich nach den vorgegebenen Programmstrukturen der Produzenten. Von hoher Qualität kann gesprochen werden, wenn - andersherum - der Apparat sich den Wünschen der Zuschauer fügen muss. Mittel dafür ist die Freigabe von Material „sofort und jetzt“ oder „per Knopfdruck“, aber auch das Lösen von der allgemeinen Zeitlichkeit des Fernsehens, indem Funktionen wie das „Stoppen des Bildes“, Zurückspulen oder das Abspeichern und Aufzeichnen des Gesehenen auf einer Plattform ermöglicht wird. Bildschirm und Fernbedienung werden somit gleichermaßen zu Objekten der Verbesserung des Mediums, bieten die Alternative eines besseren Fernsehens und garantieren in dem Sinne Qualität, auch weil dabei der Problematik des Verpassens vorgebeugt wird.11

Menschen wollen vor dem TV-Gerät entspannen, abschalten und eigentlich nichts tun. Eine Hilfe kann es sein, wenn das Fernsehverhalten nicht an Kriterien der Ausgewogenheit oder Pluralität orientiert wird, sondern das erworbene Wissen über Wünsche, Vorlieben und / oder Lieblings-Genres zu weiteren und ähnlichen vom Produzenten verdeutlichten Vorschlägen führt.12 Die Personalisierung und Individualisierung kann hingegen aber auch vom Rezipienten als eine Einschränkung der Privatsphäre aufgefasst werden. Optimal wäre somit eine Lösung, in der dem Zuschauer eine Alternative angeboten wird, indem er bewusst Umgangsformen mit dem Medium preisgeben darf, sich diesem Angebot allerdings auch entziehen kann.

Fernsehen gilt im ökonomischen Kontext vor allem als ein Werbeträger. „Werbung nervt. Werbung unterhält. Beides ist richtig.“13 - lautet ein Ergebnis diverser Untersuchungen und Einschätzungen von Experten aus der Werbewirtschaft. Werbung ist inzwischen ein anerkannter, gesellschaftlicher Bestandteil, der selten als störend empfunden werden kann.14 Viele Faktoren können hierbei Auswirkungen auf das Fernseherlebnis des Konsumenten haben. Zum einen garantiert ihm Werbung meist ein kostenloses Schauen, gibt ihm zudem die Möglichkeit von Pausen während einer Sendung und kann außerdem informieren. Andererseits kann sie aus den eben genannten Gründen als störend empfunden werden. Wenn zudem durch einen Rundfunkbeitrag oder beim erworbenen Bezahlfernsehen bereits investiert worden ist, trotzdem große Werbeblöcke auffällig erscheinen, kann es das Vergnügen nachhaltig beeinträchtigen. Für den Produzenten bedeutet dies einen gewählten Umgang mit dem zeitlichen Einsatz von Reklame sowie eine seriöse Auswahl der Werbepartner, die durch die öffentliche Erscheinung eine Kooperation mit dem Sender vermitteln und somit dem publikem Image schaden würden.

Zudem können mittels unterschiedlicher Platzierung der Werbung Einnahmen generiert werden, die dann im besten Fall den Zuschauer durch die indirekte Vermittlung nicht stören. Product-Placement beispielsweise kann einen ähnlich hohen Unterhaltungswert für den Rezipienten aufweisen wie reklamefreie Beiträge.15 Außerdem beeinträchtigen Produktplatzierungen nicht die Glaubwürdigkeit des Programms.16

Fernsehen produziert und reproduziert Informationen, Unterhaltung, Bildung und Meinungsvielfalt. Das Verhältnis zum Kunden darf nicht belastet werden, so gilt seit jeher nach demokratischem Grundverständnis: Neutralität bewahren. Gerade bei nationalen Sportsendungen oder politischen Diskussionsrunden ist es notwendig beide Parteien gleich zu behandeln, um alle absehbaren Zuschauerpositionen abzudecken. Die Kunden erwarten von den Nachrichtendiensten der Sender, dass diese ihre Informationen angemessen gewichten, sortiert nach Relevanz und Seriosität übermitteln und dem Rezipienten die Möglichkeit bieten, selbst Bezug zum Inhalt herzustellen.

Die Partizipation der Konsumenten kann zwar zusätzlich als Wertekriterium diskutiert werden, vielmehr ist jedoch die Kommunikation mit den Zuschauern im modernen Verständnis von Fernsehen unerlässlich geworden. Durch die Verknüpfung von den digitalen Medien und dem TV, nutzen Anbieter mit Applikationen, Facebook- und Twitter-Seiten und einer informativen Homepage die Potenzialität der neuen Medien. Jene Anwendungen beweisen Modernität sowie, dass die Sender mit der Zeit und den Rezipienten mitgehen und sichern ihnen zudem weitere Werbeplattformen.

Qualität kann im Fernsehen zudem in der exklusiven Berichterstattung vorherrschen. Fernsehanstalten zahlen beispielsweise hohe Gebühren, um sich die hbertragungsrechte bestimmter Ereignisse zu sichern. Wird nun bei nur einem bestimmten Sender eine Veranstaltung ausgestrahlt, setzt dieser sich augenscheinlich von seiner Konkurrenz ab, indem etwas Einzigartiges präsentiert wird. Live-hbertragungen garantieren dem Konsumenten dabei einen besonderen Reiz. Der aktuelle und ereignishafte Gegenwärtigkeitscharakter einer Direktübertragung gilt gleichzeitig als ein Versprechen der räumlichen und zeitlichen Anwesenheit der Produzenten und vermittelt dem Publikum im „Hier und Jetzt“ die Perspektive, unmittelbar an dem Ereignis teilzunehmen.17

[...]


1 Bleicher, Joan: „Der Begriff Fernsehen wird auf etwas übertragen, das überhaupt kein Fernsehen ist“. In: montage AV, Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation: Neues Fernsehen. Schüren Verlag, Marburg, 21.1.2012, S. 111.

2 Bolik, Sybille: Qualitätsfernsehen - Fernsehqualitäten. Ansätze empirischer Medienwertungsforschung. In: Bolik, Sybille / Schanze, Helmut (Hg.): Ästhetik, Pragmatik und Geschichte der Bildschirmmedien. Arbeitshefte Bildschirmmedien, Siegen 1997, S. 7. (im folgenden zit. als: Bolik, Qualitätsfernsehen).

3 McCabe, Janet / Akass, Kim: Introduction: Debating Quality. In: McCabe / Akass (Hg.): Quality TV: Contemporary American Television and Beyond. I.B. Tauris, London 2007, S. 8.

4 Hickethier, Knut: Dispositiv Fernsehen. Skizze eines Modells. In: montage AV, Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation: Neoformalismus / Fernsehen (1). Gesellschaft für Theorie & Geschichte audiovisueller Kommunikation e.V., Westerkappeln, 1.4.1995, S. 68.

5 Ebd. S. 71.

6 Vgl. Ebd. S. 73.

7 Ebd. S. 75.

8 Stauff, Markus: „Das neue Fernsehen“. Machtanalyse, Gouvernementalität und digitale Medien. LIT Verlag, Münster 2005, S. 211. (im folgenden zit. als: Stauff, Das neue Fernsehen).

9 Ebd. S. 207.

10 Ebd. S. 211.

11 Vgl. Ebd. 218.

12 Ebd. S. 236.

13 Paukens, Hans: Werbung im Pay-TV. Akzeptanz, Werbeformen, Perspektiven. Verlag Reinhard Fischer, München 2000, S. 29. (im folgenden zit. als: Paukens, Werbung im Pay-TV).

14 Ebd. S. 30.

15 Gerhards, Claudia: Gute Unterhaltung trotz programmintegrierter Werbung. In: Hallenberger, Gerd (Hg.): Gute Unterhaltung?! Qualität und Qualitäten der Fernsehunterhaltung. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2011, S. 169.

16 Ebd.

17 Kirchmann, Kay: Störung und Monitoring - Zur Paradoxie des Ereignishaften im LiveFernsehen. In: Hallenberger, Gerd / Schanze, Helmut (Hg.): Live is Life. Mediale

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Qualität im deutschen Bezahlfernsehen. Die Aspekte und Angebote des Pay-TV-Senders Sky
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar  (Fakultät Medien)
Veranstaltung
TV-Studies
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V334332
ISBN (eBook)
9783668273795
ISBN (Buch)
9783668273801
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pay TV, Sky, Fernsehmarkt, besseres Fernsehen, Zuschauer, Qualitätsfernsehen
Arbeit zitieren
Simon Dietze (Autor), 2015, Qualität im deutschen Bezahlfernsehen. Die Aspekte und Angebote des Pay-TV-Senders Sky, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334332

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