Deutsch als Zweitsprache. Einfluss der Faktoren Alter und Erwerbskontext auf den Spracherwerb


Ausarbeitung, 2016

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundlegende Begriffsbestimmungen

Erwerbskontext – Einflussfaktor auf den ZSE

Alter – Einflussfaktor auf den ZSE

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Examensklausur ist Deutsch als Zweitspracherwerb. Für Schülerinnen und Schüler (SuS) mit Migrationshintergrund ist die Zweitsprache Deutsch. Die Aneignung der Sprache ist grundlegend für den Schulerfolg und damit abhängig ihre zukünftige Lebensgestaltung in der Gesellschaft. Der Schul(miss-)erfolg von SuS mit Migrationshintergrund wird von PISA und IGLU gezeigt, dass die SuS mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem effektiver gefördert werden sollten, um bessere Erfolge zu erzielen. Dass Migrantenkinder und – jugendliche überproportional häufig Hauptschulen besuchen sowie keinen Schulabschluss erreichen, ist damit zu erklären, dass der Bildungserfolg nicht nur von der sozialen Herkunft abhängig ist und ein beträchtlicher Prozentsatz der SuS mit Migrationshintergrund aus niedrigen sozio-ökonomischen Status vertreten sind, sondern auch von ihrer unzureichenden zweitsprachlichen Kompetenz (vgl. Kniffka und Siebert – Ott, 2007).

Seit Beginn der 1970er Jahre hat sich die Zweitspracherwerbsforschung als wissenschaftliche Disziplin entwickelt und wird in Bildungseinrichtungen, wie etwa in Schulen – wo bisher Sprachproduktionen von SuS mit Migrationshintergrund, die nicht der standardsprachlichen Norm entsprechen, als falsch bzw. fehlerhaft gewertet wurde – eine andere Sichtweise eingenommen. Demnach versucht die Zweitspracherwerbsforschung, die Prinzipien und Mechanismen nachvollzuziehen, welche den Zweitspracherwerb sowie die ihn kennzeichnenden Strukturen bestimmen (vgl. Ahrenholz, 2008).

Im Folgenden soll zunächst auf die Definitionen zum Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb eingegangen werden, damit beim Gebrauch der terminologischen Begriffe die differenzierenden Besonderheiten verdeutlicht werden. Anschließend sollen die Einflussfaktoren des Zweitspracherwerbs dargestellt werden. Hierbei werden die Faktoren „Erwerbskontext“ und das „Alter“ ausführlich diskutiert. Zur Auseinandersetzung des Themas „Deutsch als Zweitspracherwerb“ werden folgende Autoren herangezogen: Als Primärliteratur beziehe ich mich auf die Autoren Bickes und Pauli (2009), Klein (1992) und Kniffka und Sibert- Ott (2007). Zur Sekundärliteratur zählen die Autoren: Pagonis (2009), Jeuk (2011), Meisel (2007), Dimroth (2007), Apeltauer (2001), Volmert (2005) und Ahrenholz (2008). Die Arbeit endet mit einer kurzen Zusammenfassung und einem kritischen Ausblick.

Grundlegende Begriffsbestimmungen

In wissenschaftlicher Literatur als Erstsprache bezeichnet, ist die Sprache, die von Geburt an, im familiären Kontext angeeignet wird, die Muttersprache. Die Bezeichnung Erstsprache entspricht in sprachwissenschaftlicher Literatur im Englischen den Bezeichnungen: First Language, Language one, native language bzw. L1. Der Erstspracherwerb kann monolingual oder auch bilingual sein (vgl. Klein, 1992). Klein zufolge wird vom monolingualem Erstspracherwerb (ESE) gesprochen, wenn entweder nur eine Sprache zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr angeeignet wird, hingegen wird vom bilingualem ESE gesprochen, wenn zwei Erstsprachen gleichzeitig angeeignet werden. Im Folgenden soll auf den bilingualen ESE und damit ein Übergang zum Zweitspracherwerb (ZSE) eingegangen werden. Während beim bilingualen ESE zwei Sprachen gleichzeitig erworben werden, ist bereits beim ZSE ein Sprachsystem entwickelt und ein weiteres bildet sich aus (vgl. Klein, 1992). Bickes und Pauli (2009) bezeichnen das gleichzeitige Erlernen von mehr als einer Sprache bis zum dritten Lebensjahr als primäre Bilingualität bzw. simultane Bilingualität. Ein nachzeitiger Zweitspracherwerb wird als sekundär oder auch sukzessiv bezeichnet.

Im Zusammenhang des Bilingualismus werden in der Literatur drei Formen unterschieden: Einerseits „subordinate bilingualism“, d.h. die Strukturen der Zweitsprache werden den Regeln der Erstsprache untergeordnet. Des Weiteren „coordinate bilingualism“, d.h. die Sprachen werden in jeweils zwei voneinander getrennten sozialen Kontexten gelernt und zwei getrennte Sprachsysteme werden ausgebildet, z.B. im Elternhaus, dann in Bildungseinrichtungen. Andererseits und letztendlich „compound bilingualism“ , d.h. dass der Sprachlernkontext der weiteren Sprache von dem ersten nicht getrennt ist, z.B. beim Fremdspracherwerb in der Schule (vgl. Klein, 1992)

In Bezug auf den Grad der Sprachbeherrschung für den ZSE unterscheidet Apeltauer (2001) zwischen vier Typen: Balancierter Bilinguale (Typ 1) beherrschen zwei Erstsprachen sehr gut, weil sie beide Sprache unter günstigen Bedingungen angeeignet haben und deshalb fähig sind von einer Sprache in die andere Sprache zu wechseln. In diesem Zusammenhang wird auch von primärem Bilingualismus gesprochen. Bilingualismus mit Dominanz der Erstsprache (Typ 2) sind solche, die ihre zweite Sprache weniger gut beherrschen als ihre Erstsprache. Bilingualismus mit Dominanz der Zweitsprache (Typ 3) sind solche, die ihre Zweitsprache besser beherrschen als ihre Erstsprache. Sprecher der Typen 2 und 3 verfügen über eine dominante Sprache, in der sie sich differenziert auszudrücken vermögen. Die dominante Sprache auch als „Denksprache“ benannt wird auch als starke Sprache bezeichnet, während zwar eine schwache Sprache flüssig gesprochen werden kann, wird ihr Gebrauch als anstrengender empfunden, wobei in diesem Kontext von sekundärem Bilingualismus gesprochen wird. Semilingualismus bzw. „Halbsprachige“ (Typ 4) sind solche, die nur begrenzte Kompetenzen ihrer Zweitsprache verfügen und darum verstärkt körpersprachliche Mittel zur Verständigungssicherung einsetzen.

Nach Klein (1992) spielt das Alter eine besondere Rolle bei der Unterscheidung des ZSEs, da vom 3. und 4. Lebensjahr bis zur Pubertät der „ZSE des Kindes“ gilt, dann ab der Phase der Pubertät die Rede vom „ZSE des Erwachsenen“ gilt. Die Zweitsprache, die zeitlich versetzt zur Erstsprache angeeignet wird, wird nach englischer Bezeichnung als L2 verstanden. Zweitsprache wird als Sammelbegriff für alle Formen der Sprachaneignung nach der Erstsprache verwendet und wird weiterhin unter Tertiärsprachen und Fremdsprachen differenziert (vgl. Ahrenholz, 2008). Der Terminus Tertitärsprachen auch L3 bezeichnet, verwendet die Grundannahme, dass bestimmte Sprachaneignungsprinzipien ähnlich sind, erworbenes Sprachwissen und entwickelte Sprachlernstrategien übertragen werden können und die den Drittspracherwerb beeinflusst (vgl. Klein). Es ist notwendig, die Zweitsprache und von der Fremdsprache abzugrenzen, da die verschiedenen Erwerbstypen durch zwei unterschiedliche Erwerbskontexte unterscheiden, auf die im nächsten Abschnitt unter Einflussfaktor auf den Spracherwerb eingegangen werden soll.

Erwerbskontext – Einflussfaktor auf den ZSE

Im Folgenden soll nach Klein auf den Erwerbskontext eingegangen werden, dann auf den Einfluss des Alters auf den ZSE.

Klein (1992) differenziert beim Erwerbskontext zwischen gesteuertem und ungesteuertem ZSE. Der Erwerb einer Zweitsprache „ohne systematische intentionale Versuche“, in der alltäglichen Kommunikation wird als ungesteuerter ZSE bezeichnet, z.B. ein immigrierter Arbeiter, der ohne sprachliche Kenntnisse des Ziellandes durch soziale Kontexte in seiner Umgebung sich die Sprache aneignet. Für den Prozess im ungesteuerten Spracherwerb greift der Lerner auf sein Ausdrucksrepertoire, das aus nonverbalen Mitteln zur Kommunikation bereitsteht. Dabei wird der Lerner vor zwei Aufgaben gestellt: Zum einen vor der „Kommunikationsaufgabe“, d.h. eine optimale Nutzung seines Repertoires sowohl in der Produktion als auch im Verstehen, und zum anderen vor der „Lernaufgabe“, d.h. sich sprachlich an die Zielsprache anpassen. Damit ist die Kommunikationsaufgabe ein „stabilisierender Faktor“ die eng miteinander zusammenhängen und den Zweitspracherwerbsprozess bewirken. Die sogenannten „Vermeidungsstrategien“ bzw. „avoidance strategies“ ist ein typischer Aspekt für den ungesteuerten ZSE. Demnach umgeht der Lerner, z.B. bei unbekannten Wörter, mit Hilfe von Umschreibungen oder durch Themenwechsel und Vermeidungen. Diese Strategie ist „Gebrauchsstrategie“, die zur Kommunikationsaufgabe zählt, aber keine „Erwerbsstrategie“ ist, weil der Druck, den Erwerbsprozess voranzutreiben verringert wird, aber hemmend wirkt. Ein weiterer typischer Aspekt ist die geringe Fokussierung auf die Sprache selbst. Demnach hat der „kommunikative Erfolg“, eine größere Bedeutsamkeit für den Lerner, d.h. die Aussicht mit allen Ausdrucksmitteln zu verstehen und sich verständlich zu machen, als die „formale Richtigkeit“ der Sprache. Dabei ist die „mentale sprachliche Komponente“ bzw. „die Reflexion über Sprache“ gering entwickelt.

Im Gegensatz zum ungesteuerten ZSE ist der gesteuerte ZSE systematisch und intentional durch Unterricht gekennzeichnet, entweder durch ein Aufbereiten von Material oder nur eine Beschreibung des Materials wird angeboten, wie z.B. im Grammatikunterricht. Dem gegenüber steht der „kommunikative Unterricht“. Hierzu wird eine Kommunikationssituation durch Rollenspiele und wenig Grammatik geplant, um einen ungesteuerten Spracherwerbsprozess nahe zu kommen bzw. zu begünstigen.

Der Unterschied zwischen gesteuertem und ungesteuertem Spracherwerbsprozess ist die Art und die Reihenfolge der anzubietenden Eigenschaften der Zielsprache und damit verbunden sind die Schwierigkeiten und die Bedeutsamkeit der sprachlichen Strukturen. So wird z.B. beim gesteuerten ZSE der Flexionsmorphologie ein hohes Gewicht beigemessen, wohingegen diese im gesteuerten ZSE eine untergeordnete Rolle spielt. Auch besteht im gesteuerten ZSE im Gegensatz zum ungesteuerten ZSE kein Zwang, weil hierbei Methoden, wie z.B. Übungen eingesetzt werden.

Wie beschrieben, gibt es auch Fälle des gesteuerten ZSE, dass die Sprache in Form des Grammatikunterrichts auch durch den kommunikativen Unterricht angeeignet wird. In solchen Fällen ist nicht ganz möglich, dass zwischen „Erwerben“ und „Lernen“ eine klare Differenzierung besteht. Die Unterscheidung in ungesteuertem und gesteuertem Erwerb entspricht weitgehend die Dichotomie Erwerben und Lernen, die auch mit der Unterscheidung von ZSE (= ungesteuerter Erwerb) und Fremdsprachlernen (= gesteuerter Erwerb) identifiziert werden (vgl. Ahrenholz, 2008). Während Erwerben stärker Prozesse fokussiert, die nicht intentional gesteuert sind, verweist Lernen auf einen absichtsvollen Aneignungsprozess.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Deutsch als Zweitsprache. Einfluss der Faktoren Alter und Erwerbskontext auf den Spracherwerb
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V334337
ISBN (eBook)
9783668255517
ISBN (Buch)
9783668255524
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zweitspracherwerb, Bilingualismus, Erwerbskontext, Alter, Einflussfaktoren, Motivation, Migration
Arbeit zitieren
Hülya Karadag (Autor:in), 2016, Deutsch als Zweitsprache. Einfluss der Faktoren Alter und Erwerbskontext auf den Spracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334337

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