Gegenstand der vorliegenden Examensklausur ist das Thema Deutsch als Zweitsprache für Schülerinnen und Schüler (SuS) mit Migrationshintergrund. Die Aneignung der Sprache ist grundlegend für den Schulerfolg und damit bestimmend für die zukünftige Lebensgestaltung in der Gesellschaft. Der Schul(miss-)erfolg von SuS mit Migrationshintergrund wird von PISA und IGLU gezeigt, ebenso wie der Umstand, dass die SuS mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem effektiver gefördert werden sollten, um bessere Erfolge zu erzielen.
Dass Migrantenkinder und – jugendliche überproportional häufig Hauptschulen besuchen, sowie keinen Schulabschluss erreichen, ist damit zu erklären, dass der Bildungserfolg nicht nur von der sozialen Herkunft abhängig ist und ein beträchtlicher Prozentsatz der SuS mit Migrationshintergrund aus niedrigen sozio-ökonomischen Status vertreten sind, sondern auch von ihrer unzureichenden zweitsprachlichen Kompetenz.
Seit Beginn der 1970er Jahre hat sich die Zweitspracherwerbsforschung als wissenschaftliche Disziplin entwickelt, wird in Bildungseinrichtungen, wie etwa in Schulen – wo bisher Sprachproduktionen von SuS mit Migrationshintergrund, die nicht der standardsprachlichen Norm entsprechen, als falsch bzw. fehlerhaft gewertet wurde – eine andere Sichtweise eingenommen. Demnach versucht die Zweitspracherwerbsforschung, die Prinzipien und Mechanismen nachvollzuziehen, welche den Zweitspracherwerb sowie die ihn kennzeichnenden Strukturen bestimmen.
Im Folgenden soll zunächst auf die Definitionen zum Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb eingegangen werden, damit beim Gebrauch der terminologischen Begriffe die differenzierenden Besonderheiten verdeutlicht werden. Anschließend sollen die Einflussfaktoren des Zweitspracherwerbs dargestellt werden. Hierbei werden die Faktoren „Erwerbskontext“ und das „Alter“ ausführlich diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Grundlegende Begriffsbestimmungen
Erwerbskontext – Einflussfaktor auf den ZSE
Alter – Einflussfaktor auf den ZSE
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Zweitspracherwerb (ZSE) bei Migrantenkindern und Jugendlichen, wobei der Fokus auf den Erwerbskontext sowie die Rolle des Alters gelegt wird. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen und Mechanismen des Zweitspracherwerbs zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, wie sich diese Faktoren auf den individuellen Lernerfolg auswirken.
- Grundlegende Definitionen zum Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb
- Unterscheidung zwischen gesteuertem und ungesteuertem Zweitspracherwerb
- Analyse des Alters als Einflussfaktor und die Hypothese der kritischen Periode
- Bedeutung von Motivation und Identitätsbildung im Spracherwerbsprozess
- Diskussion über Transferphänomene wie Code-Switching und Code-Mixing
Auszug aus dem Buch
Erwerbskontext – Einflussfaktor auf den ZSE
Klein (1992) differenziert beim Erwerbskontext zwischen gesteuertem und ungesteuertem ZSE. Der Erwerb einer Zweitsprache „ohne systematische intentionale Versuche“, in der alltäglichen Kommunikation wird als ungesteuerter ZSE bezeichnet, z.B. ein immigrierter Arbeiter, der ohne sprachliche Kenntnisse des Ziellandes durch soziale Kontexte in seiner Umgebung sich die Sprache aneignet. Für den Prozess im ungesteuerten Spracherwerb greift der Lerner auf sein Ausdrucksrepertoire, das aus nonverbalen Mitteln zur Kommunikation bereitsteht. Dabei wird der Lerner vor zwei Aufgaben gestellt: Zum einen vor der „Kommunikationsaufgabe“, d.h. eine optimale Nutzung seines Repertoires sowohl in der Produktion als auch im Verstehen, und zum anderen vor der „Lernaufgabe“, d.h. sich sprachlich an die Zielsprache anpassen. Damit ist die Kommunikationsaufgabe ein „stabilisierender Faktor“ die eng miteinander zusammenhängen und den Zweitspracherwerbsprozess bewirken. Die sogenannten „Vermeidungsstrategien“ bzw. „avoidance strategies“ ist ein typischer Aspekt für den ungesteuerten ZSE.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Problematik des Zweitspracherwerbs bei Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem vor und erläutert die forschungsrelevante Basis.
Grundlegende Begriffsbestimmungen: Hier werden terminologische Differenzierungen zwischen Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb vorgenommen und Formen des Bilingualismus erläutert.
Erwerbskontext – Einflussfaktor auf den ZSE: Das Kapitel analysiert die Unterschiede zwischen dem gesteuerten und ungesteuerten Zweitspracherwerb und erläutert Strategien sowie Transferphänomene.
Alter – Einflussfaktor auf den ZSE: Es wird die Rolle des Alters beleuchtet, insbesondere im Kontext der kritischen Periode und motivationaler Faktoren beim Spracherwerb.
Fazit: Abschließend werden die zentralen Faktoren des Zweitspracherwerbs zusammengeführt und die Auswirkungen der gesellschaftlichen Bewertung auf das Selbstkonzept von Lernern diskutiert.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Erstsprache, Bilingualismus, Erwerbskontext, Altersfaktor, Kritische Periode, Motivation, Spracherwerb, Sprachaneignung, Interferenz, Transfer, Identitätsbildung, Migration, Sprachlernen, Zielsprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Zweitspracherwerbs bei Schülern mit Migrationshintergrund und untersucht die Bedingungen, die diesen Prozess positiv oder negativ beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die begriffliche Abgrenzung von Spracherwerbsprozessen, die Unterscheidung zwischen gesteuertem und ungesteuertem Erwerb sowie die Bedeutung von Alter und Motivation als Einflussfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Mechanismen des Zweitspracherwerbs zu schaffen und aufzuzeigen, warum verschiedene Faktoren wie Erwerbskontext und Alter das Ergebnis des Spracherwerbs entscheidend prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Fachliteratur und einschlägigen Studien renommierter Sprachwissenschaftler zum Thema Deutsch als Zweitsprache.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Definitionen zum Spracherwerb geklärt, gefolgt von einer detaillierten Analyse des Einflusses des Erwerbskontexts und des Alters, inklusive Diskussionen zur Motivationsforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Zweitspracherwerb, Erwerbskontext, Altersfaktor, Bilingualismus, kritische Periode, Motivation und Sprachaneignung.
Wie unterscheidet sich der gesteuerte vom ungesteuerten Zweitspracherwerb?
Der ungesteuerte ZSE findet ohne systematische Anleitung in der alltäglichen Kommunikation statt, während der gesteuerte ZSE durch intentionalen Unterricht und strukturierte Lernmaterialien gekennzeichnet ist.
Welche Rolle spielt die "kritische Periode" beim Spracherwerb?
Die Hypothese der kritischen Periode postuliert ein biologisch determiniertes Zeitfenster, in dem eine Sprache besonders effizient erworben werden kann; die Arbeit diskutiert jedoch auch die Gegenargumente, die auf lebenslange Lernfähigkeit verweisen.
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- Hülya Karadag (Author), 2016, Deutsch als Zweitsprache. Einfluss der Faktoren Alter und Erwerbskontext auf den Spracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334337