Wie berichten französische und deutsche Medien über die EU? Ein Vergleich


Bachelorarbeit, 2015
63 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Teil I – Theorie
2.Nationale Kommunikationsräume Europas im Vergleich: Frankreich – Deutschland
2.1 Institutionell-politische Rahmenbedingungen des Politikjournalismus in Frankreich und Deutschland
2.2 Strukturbedingungen des Mediensystems
3.Europa – Politische Kommunikation in allen Sphären
3.1 Politische Berichterstattung in Deutschland und Frankreich - Gemeinsamkeiten, Unterschiede
3.2 Auf der Suche nach einer europäischen Öffentlichkeit - aktueller Forschungsstand
3.3 Europaberichterstattung in Frankreich und Deutschland – ausgewählte Studien
3.3.1 AIM Research Consortium: Europaberichterstattung in Frankreich und Deutschland
3.3.2 Der Pressecorps in Brüssel: Zwischen Verlautbarungsjournalismus und transnationalem investigativem Journalismus
4.Die Produktionsbedingungen der Medien
4.1 Das Problem der Selektion
4.2 Die Nachrichtenwerttheorie
4.3 Themenselektion der Europaberichterstattung

Teil II – Eine quantitative vergleichende Inhaltsanalyse der EU- Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich
5.Untersuchungs- und Methodenkonzeption
5.1 Forschungsfragen
5.2 Hypothesengenerierung
5.3 Zur Methode der Inhaltsanalyse
5.4 Definition der Analyseeinheit
5.5 Stichprobe und Untersuchungszeitraum
5.6 Kategorienbildung und Definition der Codiereinheiten
5.6.1 Formale Ebene
5.6.2 Inhaltliche Ebene
5.7 Datenerhebung
6.Ergebnispräsentation und –interpretation
6.1 Umfang der europäischen Politikberichterstattung in der deutschen und französischen Presse
6.2 Formale Struktur der europäischen Politikberichterstattung
6.3 Stellenwert und Bewertung der Europäischen Union innerhalb der Berichterstattung
6.4 Nationale Bezugnahme innerhalb der Berichterstattung
6.5 Dominierende Nachrichtenanlässe
6.6 Nachrichtenfaktoren der Berichterstattung
7.Fazit.
Literaturverzeichnis

Teil III – Anhang
8. Codebuch
9. Tabellenanhang
10.Hinweise zu den untersuchten Zeitungen

1. Einleitung

Die Europäische Union ist mit 28 Mitgliedsstaaten, etwa 507 Millionen Einwohnern und seinen etablierten politischen Institutionen ein Staatenverbund der derzeit so einflussreich und wichtig erscheint wie noch nie zuvor: Tagtäglich werden in Brüssel Beschlüsse gefällt, die auch das Leben der EU-Bürger in erheblichem Maße betreffen. Über die Jahre hinweg hat die Europäische Union als Entscheidungsherd nationaler und supranationaler Angelegenheiten politisch immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Und dennoch: Einem Großteil der Bürger ist die Europäische Union immer noch ein Dorn im Auge. Laut dem Eurobarometer aus dem Jahr 2014 haben 50 Prozent der Bürger kein Vertrauen in die EU. (vgl. Eurobarometer 2014: 8) Besonders Frankreich ist ein Mitgliedsland, das für seine EU-Skepsis bekannt ist. Das zeigte sich nicht zuletzt im Jahr 2005 durch die ablehnende Haltung der französischen Wähler zum europäischen Verfassungsentwurf. Auch das fehlende Wissen der europäischen Bürger über die EUInstitutionen und die mangelnde Wahlbeteiligung bei den EU-Parlamentswahlen machen das Desinteresse an der europäischen Union deutlich und zeigen außerdem in welcher Krise sich die EU noch immer befindet.

Aber worin liegt diese Skepsis der Bürger gegenüber der EU begründet? Eine zentrale Rolle bei dem Prozess der Meinungsbildung über die EU dürften die Massenmedien spielen. Studien im Bereich der Kommunikationswissenschaft kommen zu dem Urteil, dass Medien über die Europäische Union quasi kaum berichten: „The mass media also neglect European Union Affairs. The proportion of reports dealing with the European Union in the news media is still rather low.“ (AIM report 2007: 9) Außerdem haben Wissenschaftler festgestellt, dass es der Berichterstattung über Europa oft an Hintergrundinformationen und nötigen Details mangelt. (vgl. ebd.: 9)

In Zeiten, in denen die EU eine Reihe von politisch wichtigen Entscheidungen trifft, liegt es im besonderen Interesse sich folgender Forschungsfrage zu widmen:

Wie berichten französische und deutsche Medien über die EU, wenn es um Politik geht?

Die europäische Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich wird deshalb in dieser Arbeit das zentrale Hauptthema darstellen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, den Prozess näher zu analysieren, in welchem die EU-Bürger von der französischen und deutschen Presse über EU-Politik informiert werden. Außerdem liegt es im besonderen Interesse mögliche Unterschiede oder gar Gemeinsamkeiten der nationalen französischen und deutschen Politikberichterstattung über die EU zu analysieren. Auf der Suche nach Orten von Vermittlung europäischer Politikberichterstattung bieten sich überregionale und meinungsführende Tageszeitungen an. Da insbesondere Qualitätszeitungen eine gesellschaftliche Leitfunktion nachgesagt wird (vgl. Wilke 1999: 302ff.), soll ein Vergleich der auflagenstarken Qualitätsblätter Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Le Monde und Le Figaro Aufschluss hinsichtlich der Forschungsfrage geben.

Der Theorieteil dieser Arbeit gliedert sich wie folgt: In Kapitel 2 werden zunächst die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen abgesteckt, die sich unmittelbar auf den Politikjournalismus in Deutschland und Frankreich auswirken. Zudem werden die Strukturbedingungen der Mediensysteme kurz erläutert.

In Kapitel 3 soll zunächst ein grober Überblick darüber gegeben werden, über welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich verfügt. Außerdem wird der aktuelle Forschungsstand zur europäischen Öffentlichkeit vorgestellt. Auch werden ausgewählte Studien zur Europaberichterstattung in beiden Ländern herangezogen und ausgewertet.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Problem der Selektion der Medien, sowie der Nachrichtenwerttheorie, da in dieser Arbeit untersucht werden soll, welche Nachrichtenfaktoren die europäische Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich dominieren.

In welchem Licht wird die EU in der französischen und deutschen Presse dargestellt, wenn es um Politik geht? Berichten die Medien in ähnlichem Umfang über dieselben Akteure? Bewerten sie die EU in gleichem Maße? Führen ähnliche Anlässe zur Berichterstattung? Und welche Faktoren dominieren die Berichterstattung? Im empirischen Teil dieser Arbeit sollen Ergebnisse einer quantitativen Inhaltsanalyse zeigen wie über europäische Politikthemen in Deutschland und Frankreich berichtet wird. Untersucht wurden ausschließlich Artikel aus den Politikressorts der überregionalen Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Le Monde und Le Figaro. Der untersuchte Analysezeitraum erstreckte sich vom 01.11.2014 bis zum 31.12.2014. Von der Autorin wurde ein Zeitraum ausgewählt, der möglichst wenige dominierende Medienevents enthält. Denn es liegt im besonderen Interesse dieser Arbeit zu untersuchen, wie die nationalen Medien im Normalfall über europäische Politikthemen berichten.

Teil I Theorie

2. Nationale Kommunikationsräume Europas im Vergleich: Frankreich – Deutschland

Neben den zu analysierenden Sachverhalten muss transnationale Journalismusforschung auch die Rahmenbedingungen für die Aussageentstehung einbeziehen. (vgl. Smetko/Peter/Vreese 2000: 122) Dieser Prämisse soll im folgenden Kapitel nachgegangen werden, indem ein Einblick in die unterschiedlichen Systemkontexte des deutschen und französischen Journalismus gegeben wird.

2.1 Institutionell-politische Rahmenbedingungen des Politikjournalismus in Frankreich und Deutschland

Unterschiede finden sich in den Rahmenbedingungen politischer Berichterstattung in Frankreich und Deutschland: Die Bundesrepublik weist sich durch eine parlamentarische Demokratie mit deutlicher Volksvertretung im Parlament aus. Im semipräsidentiellen System Frankreichs verkörpert der Präsident das Land. Machill resultiert für den politischen Journalismus in Frankreich, dass sich Journalisten in Frankreich scheuen, dem Staatspräsidenten kritische Fragen zu stellen. (vgl. Machill 1997: 92) Nicht nur in Frankreich galt lange Zeit die Regel, dass Politikjournalisten längst nicht über alles berichten, was sie wissen. Nach Fengler und Vestring hielten sich auch deutsche Journalisten lange Zeit bedeckt, wenn es um brenzlige, politische Themen wie die Privatangelegenheiten von Spitzenpolitikern ging. Die beiden Wissenschaftlerinnen räumen jedoch ein, dass diese Verhaltensweisen der Journalisten immer mehr der Vergangenheit angehören, weil auch „der Wettbewerb um aufmerksamkeitsträchtige Schlagzeilen immer härter wird“. (Fengler/ Vestring 2009: 174)

Das französische Parlament ist im Vergleich zum deutschen relativ schwach, sodass der Präsident in Frankreich politisch sehr viel Einfluss hat. (vgl. Preisinger 2000: 96) Machill kommt zu dem Schluss, dass es dem Staatsoberhaupt daher sehr leicht fällt, eigene Interessen in den Medien durchzusetzen. (vgl. Machill 1997: 92)

Unterschiede spiegeln sich in der inneren politischen Ordnung der beiden Länder wieder: Im föderalistischen Deutschland verteilt sich die Politik auf zwei Ebenen, also auf Bund und Länder. Im zentralistischen Frankreich regelt nur eine Zentrale die politisch-rechtlichen Angelegenheiten. Ab den 1980er Jahren waren in Frankreich zwar Dezentralisierungsbewegungen zu verzeichnen. Laut Preisinger ist die „zentralistische Struktur allerdings bis heute ein Charakteristikum“. (Preisinger 2000: 96)

Für die Medien bedeutet das nun Folgendes: Die Medienzentren der beiden Länder richten sich nach der politischen Struktur des jeweiligen Landes. Nachdem Deutschland ein polyzentrisches, föderalistisches Land ist, gibt es mehrere Medienzentren quer über Deutschland verteilt – Hamburg, Berlin und München sind nur einige wenige nennenswerte Beispiele. In Frankreich dagegen bildet Paris den Knotenpunkt für die Medien und somit bleibt das Land trotz aller Dezentralisierungstendenzen ein zentralistisches Land bei den Medien. Alle überregionalen Tageszeitungen, Fernsehsender, Radiostationen sowie auch Zeitschriftenverlage haben ihren Sitz im Großraum Paris. (vgl. Vesthoff 2003: 57) So derartig gebunden an die Hauptstadt sind die deutschen Medien nicht, es sind lediglich die Korrespondenten für politische Ereignisse in Berlin vor Ort. Es ist anzunehmen, dass sich der politische sowie mediale Föderalismus in Deutschland und der Zentralismus in Frankreich unmittelbar auf die deutschen und französischen Redaktionsstrukturen der Politikressorts auswirken. (vgl. ebd. 57)

Da sich in Paris Medien und Politik ballen, hat das außerdem besondere Auswirkungen auf die umliegenden Departements von Paris. Zwischen Paris und seinem umliegenden Land bildet sich ein sogenanntes „Informationsgefälle“: Nationale Zeitungen publizieren vor allem innen- und außenpolitische Nachrichten, während die Regionalzeitungen häufig lediglich Lokalnachrichten aus ihrem jeweiligen Verbreitungsgebiet veröffentlichen. (vgl. Preisinger 2000: 97) Diese Begebenheit lässt annehmen, dass es in Regionalzeitungen an politischer Berichterstattung, darunter auch an Europaberichterstattung, mangelt oder gar fehlt.1 Dies könnte unter anderem auch verantwortlich für das fehlende Institutionenwissen im Land sein.

Neben der politischen, institutionellen Ordnung ist auch die „politische Kultur“ der beiden jeweiligen Länder unterschiedlich zu bewerten. Politische Kultur „bezieht sich auf unterschiedliche Bewusstseinslagen, Mentalitäten, typische Gruppen oder ganzen Gesellschaften zugeschriebenen Denk- und Verhaltenswiesen.“ (vgl. Nohlen/Schultze/Schüttemeyer 1998: 499) Die politische Kultur eines Landes formt beispielswiese Meinungen, Einstellungen und Werte gegenüber dem politischen System. (vgl. ebd.:499) Deshalb dürfte die politische Kultur eines Landes auch den Umgang von Journalisten und Politikern beeinflussen.

Frankreich zeichnet sich besonders durch einen „autoritätsförmigen Umgang“ zwischen den Bürgern und den Politikern aus. Bemerkbar ist dieser insbesondere am Umgang der Bürger mit den Präsidenten. (vgl. Burgert 2010: 89) Nach Christadler scheinen die Franzosen ihren Präsidenten zu verehren, die Haltung der französischen Bürger gegenüber ihrem Präsidenten ist durch eine gewisse Ehrerbietung gekennzeichnet. Christadler geht deshalb sogar davon aus, dass die französische Demokratie in ihren Wesenszügen monarchisch geblieben ist. (vgl. Christadler 1999: 294) In einer anderen Quelle wird jedoch angemerkt, dass die französischen Bürger immer kritischer werden, was das Verhältnis zwischen ihnen und den Regierenden anbelangt. Diese kritische Haltung ist auch in Deutschland festzustellen. (vgl. Schild 2002: 108ff.)

Gleichzeitig wird in Frankreich seit Jahren die fehlende Distanz zwischen Politik und Medien kritisiert. Siegfried Weischenberg zufolge dominiert in Frankreich die politische Elite, Karriereverläufe zwischen Politik, Medien und Wirtschaft sind ihm zufolge keine Seltenheit. (vgl. Weischenberg 1995: 249ff) Laut Irene Preisinger hat sich der französische Journalismus allerdings seit den 80er Jahren überwiegend von der Führungselite abgeschottet. (vgl. Preisinger 2004: 27 ff.) Doch auch in Deutschland sind Irene Preisinger zufolge, Berufswechsel zwischen Politikern und Journalisten gängig. Also auch hier ist ein Einfluss der Politik auf die Medien bemerkbar. (vgl. Preisinger 2000: 99) Ob eine fehlende Distanz zischen Politik und Medien auch bei den EU-Korrespondenten der beiden Länder vorhanden ist, darauf soll im Verlaufe der Arbeit noch eingegangen werden.

Was die politische Kultur in Deutschland anbelangt ist keine „autoritäre Untertanenkultur“ zu erkennen, so wie es in Frankreich der Fall ist. Gerade die Revolte gegen Ende der 1960er Jahre führte zur „Überwindung autoritär-obrigkeitsstaatlicher Traditionsbestände“. (Schild 2002: 142) In Deutschland ist ein breites politisches Engagement zu verzeichnen, sodass Deutschland als ein „multi-actor-system“ bezeichnet werden kann, während man Frankreich unter Berücksichtigung der starken exekutiven Durchsetzungskraft als ein „single-actorsystem“ bezeichnet. (vgl. Burgert 2010: 94) Diese Begebenheit sollte sich auch auf die politisch-medialen Austauschbeziehungen auswirken.

2.2. Strukturbedingen des Mediensystems

Aktuell erlebt die Presse in beiden Ländern einen Auflagenrückgang. Zum einen erhöhen sich die Produktionskosten, zum anderen sinken die Anzeigeneinnahmen durch wirtschaftliche Rezessionen allgemein und auch deshalb weil das Internet Anzeigen abzieht. Außerdem sinkt die Nachfrage der Leserschaft: Besonders die nachkommende Generation bedient sich kaum des Angebots der Presse. (vgl. Kuhn 2014: 29)

Der Auflagenrückgang begann Mitte der 90er Jahre mit Einführung der privaten Fernsehsender. Fernsehen stellt in Frankreich bis heute das Hauptinformationsmedium dar. (vgl. Eurobarometer 81: 11) Lange Zeit holten sich die Franzosen ihre politischen Informationen bei dem privaten Fernsehsehsender TF1 und dem öffentlichen Kanal France 2 - wobei Zuschauer, die sich politisch eher rechts orientieren oder politisch nicht festbinden wollen, sich eher über TF1 informieren. Zuschauer mit einer politischen Tendenz nach links informieren sich dagegen eher über France 2. (vgl. Vedel 2013: 66) Allerdings räumt Raymud Kuhn ein, dass diese beiden Hauptsender mittlerweile mit Formaten von M6,

Canal+, i-Télé und BFM TV konkurrieren (müssen), deren Aufmachung „bunter“ gestaltet ist und mit dem deutschen Sender ProSieben verglichen werden können. (vgl. Kuhn 114: 29) In Deutschland machen sich die Sender ARD und ZDF einen Namen für Nachrichten- und Informationssendungen. (vgl. Burgert 2010: 115)

Freie Meinungsäußerung ist in Frankreich in der Verfassung von 1958 verankert, Presse- und Rundfunkrecht beziehen sich allerdings auf einfache Gesetze. Im Vergleich zu Deutschland existieren für französische Journalisten mehr gesetzliche Grenzen und weniger Rechte. (vgl. Burgert 2010: 112) Vermutlich ist dies nicht zuletzt der Grund dafür, dass sich der investigative Journalismus in Frankreich erst in den 80er Jahren entwickelte. Investigative Recherche hat auch heute besonders in den Redaktionen nationaler französischer Tageszeitungen noch Seltenheitswert, da die finanziellen Mittel oftmals fehlen und es billiger ist, sich an Agenturmeldungen zu bedienen. (vgl. ebd. 113) Führende investigative Medien wie Le Canard Echaîné, Libération und Le Monde stellen allerdings die Ausnahme dar . (vgl. Preisinger 2004: 27 ff.)

Das Pressesystem in Frankreich ist mittlerweile so finanzschwach, dass es finanzielle Hilfen vom Staat erhält. (vgl. ebd. 29) Bei manchen französischen Tageszeitungen machen die staatlichen Subventionen bis zu 20 Prozent der Einnahmen aus. (vgl. Burgert 2010: 109) Daraus folgt unter anderem, dass die französische Presse anfällig für Einfluss von außen, vor allem seitens der Politik ist.

Durch den Auflagenrückgang werden in Deutschland und Frankreich vor allem Stellen abgebaut und mit neuen Formaten wie Tablet Ausgaben für jüngeres Publikum geworben. In Frankreich begegnen die Tageszeitungen der Krise auch mit Börsengang oder der Beteiligung von privatwirtschaftlichen Unternehmen aus medienfernen Branchen: „Derzeit ist fast die gesamte französische Presselandschaft in den Händen von Industriekonzernen bzw. Finanzinvestoren (...)“. (Burgert 2010: 109)

Als bedeutende nationale Tageszeitungen gelten in Frankreich Le Monde und Le Figaro, Libération, L'Humanité und La Croix. (vgl. Charon 2005: 36) Beliebte Nachrichtenmagazine sind Le Nouvel Observateur, L'Express und Le Point. (vgl. Bourgeois 2005: 319)

Boulevardmedien, wie beispielsweise die „Bild-Zeitung“ in Deutschland, gibt es in Frankreich nicht. (Vgl. ebd. 111) Man könnte höchstens – aber mit vielen, vielen Einschränkungen – die Gratiszeitungen 20 Minutes, Direct Matin und Métro zum Vergleich heranziehen, die in Paris an jeder U-Bahn Station aufzufinden sind. Anders als kostenpflichtige, französische Zeitungen sind die Gratiszeitungen von einem eher sprachlich flapsigen und einfachen Stil gekennzeichnet. Unter den Franzosen erfahren die Gratiszeitungen große Beliebtheit. Im Vergleich zu den Tageszeitungen und Zeitschriften florieren sie. (vgl. Bourgeois 2005: 318; Burgert 2010: 109)

3. Europa – Politische Kommunikation in allen Sphären

Um im empirischen Teil dieser Arbeit auf die europäische Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich näher eingehen zu können, ist es zunächst von großer Wichtigkeit die Rahmenbedingungen hierfür abzustecken und die Wesenszüge der politischen Berichterstattung links und rechts des Rheins vorzustellen. Im folgenden Kapitel soll deshalb auf empirische Befunde von Irene Preisinger eingegangen werden, die deutsche und französische politische Journalisten nach ihrem Rollenbild und Arbeitsalltag befragt hat. Außerdem sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Praktiken der Politikberichterstattung in beiden Ländern herausgearbeitet werden.

Auch werden der aktuelle Forschungsstand zur „Europäischen Öffentlichkeit“ kurz erläutert und bereits existierende Studien zur Europaberichterstattung in Frankreich und Deutschland zusammengefasst.

3.1 Politische Berichterstattung in Deutschland und Frankreich – Gemeinsamkeiten, Unterschiede

„Eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften ist, dass die Bürger hinreichend mit politischen Akteuren und politischen Angelegenheiten vertraut sind.“ (Fengler/ Vestring 2009: 30) Auch das Funktionieren einer europäischen Demokratie liegt unter anderem in der Hand von Journalisten. Sie stellen Öffentlichkeit her, die wiederum Voraussetzung dafür ist, sich über das aktuelle politische Geschehen zu informieren und daran teilzuhaben. (vgl. ebd.: 31)

Laut einer explorativen Fallstudie von Irene Preisinger2 zum Rollenbild und Arbeitsalltag von politischen Journalisten in Frankreich und Deutschland bedeutet „informieren“ für politische Journalisten in beiden Ländern: interpretieren, kritisieren und kontrollieren. Nach eigenen Aussagen legen die Journalisten in Frankreich und Deutschland besonderen Wert auf Transmissionsjournalismus, also die reine Übermittlung von Wissen. Im Gegensatz zu deutschen Politikjournalisten beschränken sich die französischen Kollegen ausschließlich auf die wesentlichen Aspekte komplexer Themen. (vgl. Preisinger 2004: 26)

Auch Objektivität und Neutralität stellen bei der Berichterstattung für die Mehrheit der befragten Journalisten das Ideal dar. Laut Preisinger sind allerdings vor allem die französischen Politikjournalisten sehr skeptisch, dass ihresgleichen objektiv Bericht erstatten. Als Grund dafür nennen sie die individuelle Rechtschaffenheit, die in Frankreich im nationalen Ethikkodex Charte des devoirs festgehalten ist. Dieser Ethikkodex verlangt mehr Zurückhaltung als der deutsche Pressekodex. Außerdem verweisen die Journalisten auf die Tatsache, dass sich die französische Presse aus politischen Umständen herausgebildet hat und nun zur Meinungspresse wurde. (vgl. ebd. 26) Auch andere Quellen definieren die französische Presse als Meinungspresse: Isabelle Bourgeois zufolge legen französische Journalisten großen Wert auf Meinungsfreiheit, denn sie spiegelt für sie das Selbstverständnis des Journalismus wieder. (vgl. Bourgeois 2004: 14)

Und Raymund Kuhn betont, dass Politikjournalisten in Frankreich durchaus ihre politischen Neigungen in der Berichterstattung zum Vorschein bringen. (vgl. Kuhn 2104: 37) Die Grenzen zwischen Meinung und Nachricht im französischen Politikjournalismus verschwimmen jedoch oftmals, denn die Franzosen legen großen Wert auf sprachliche Kontemplation und literarischen Stil: Französische Artikel sind in lebendigerer und anschaulicherer Sprache verfasst als deutsche. (vgl. Schönbrunn 2015: 36) Information kann deshalb einem schönen Satz zum Opfer fallen. (vgl. Bourgeois 2004: 14)

Für deutsche Journalisten sind umfangreiche Detailrecherchen und das Liefern von ausführlichen Hintergrundinformationen von großer Bedeutung. Diese Art des Nachrichtenjournalismus empfinden die Franzosen als langweilig und trocken. (vgl. Preisinger 2004: 26) Für die Franzosen steht die Kritikfunktion im Vordergrund und nicht etwa die Erklärfunktion. (vgl. Schönbrunn 2015: 36) Dabei wird Kritik an Missständen, sowie die Rolle als Gegenpart zur Politik in beiden Ländern als wichtige Aufgabe der Politikjournalisten gesehen. Außerdem halten die befragten Journalisten es für wichtig, Themen auf die politische Agenda zu setzen. (vgl. Preisinger 2004: 27)

Auf der Themenebene der Politikberichterstattung in Deutschland und Frankreich stehen nationale Belange im Vordergrund. EU-politische Themen erfahren vergleichsweise sehr wenig Zuwendung und haben einen niedrigen Nachrichtenwert, auch wenn grundlegende politische Entscheidungen mittlerweile oft auf EU-Ebene gefällt werden. Die Europäische Union wird für die Medien nur dann interessant, „wenn sich Skandale mit europäischen Dimensionen ereignen (…), wenn über Meilensteine der europäischen Einigung berichtet werden kann (…), oder wenn Wahlen zum europäischen Parlament bevorstehen“. (Fengler/Vestring 2009: 77) Für den geringen Anteil an EU-Berichterstattung sind aber unter anderem auch die EU-Akteure verantwortlich. Wie die Forschergruppe des AIM-Reports deutlich macht, gibt es bei der PR europäischer Institutionen noch Potential zur Optimierung. (vgl. AIM report 2007a: 9ff)

Der französische Politikjournalismus neigt dazu, Themen wie politische Streitfragen oder Wahlkämpfe zu personalisieren. Bei der Berichterstattung über EU-Gipfel beispielsweise stellt der Präsident von Frankreich die zentrale Schlüsselfigur dar. (vgl. Kuhn 2014: 40ff.) In Deutschland hat sich laut Kepplinger der Hang zur Skandalisierung in den letzten Jahren vermehrt (vgl. Kepplinger 2005: 148), weshalb auch zu erklären ist, dass EUBerichterstattung oft nur in Form von Skandalen auftritt. Sensationalisierung, sowie Skandalisierung und die Privatsphäre unterliegen in Frankreich zwar stärkeren ethischen Grenzen. (vgl. Preisinger 2004: 27 ff.) Raymund Kuhn zufolge vermehrt sich aber auch in Frankreich die Neigung zur Skandalisierung vor allem was Finanzthemen anbelangt. (vgl. Kuhn 2014: 40ff.)

Der gestiegene Skandalisierungs-Grad in Deutschland und auch zu Teilen in Frankreich kann unterschiedliche Gründe haben: Zum einen steigt der Konkurrenzdruck unter den Journalisten und Politikern: „Die erfolgreichen Skandalierer unter den Journalisten genießen (…) innerhalb des Journalismus hohes Ansehen.“ (Kepplinger 2005: 148) Zum anderem leisten Medien mit der Aufdeckung von Skandalen jedoch auch einen wichtigen Beitrag für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften. (vgl. ebd.: 148)

Zum Problem wird Skandalisierung für die Gesellschaft nur dann, wenn Medien Skandale inszenieren, um die Nachfrage zu steigern. Als bedenkenswert stufen Fengler und Vestring ebenso die Tatsache ein, dass Skandale Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben können, wie beispielsweise der Zusammenbruch der Fleischindustrie nach der medialen Aufregung um BSE und Vogelgrippe zeigt. (vgl. Fengler/Vestring 2009: 81ff.)

Parallel zur gestiegenen Skandal-Berichterstattung machen Befragungen von Bürgern deutlich, dass sich das Ansehen von Politik und Politikern deutlich verschlechtert hat. Dieses Anzeichen von Politikverdrossenheit sieht Kepplinger als Resultat der Skandalisierung. (vgl. Kepplinger 2005: 154) Aber auch das Verhältnis zwischen Medien und Bürgern scheint sich zunehmend zu verschlechtern:

„(...) Berichterstattungsexzesse und Rudeljournalismus schüren die Skepsis gegenüber den Medien. Zugleich steigt die Zahl gut ausgebildeter Bürger, die möglicherweise höhere Erwartungen an politische Institutionen und Medien haben als einst ihre Großeltern.“ (Fengler/Vestring 2009: 82)

Ist also die Skandalisierung ein möglicher Grund, weshalb EU-Bürger mit der Europäischen Union immer noch fremdeln? Auf die Frage, inwiefern die Medien schuld daran sind, dass Bürger von Politik und Politikern enttäuscht sind, hält die Wissenschaft verschiedene Thesen bereit:

1. Die These der Mobilisierung der Menschen durch Massenmedien besagt, dass Medien sich positiv auf die Bereitschaft der Menschen auswirken, sich für das Gemeinwesen zu interessieren und einzusetzen. (vgl. Emmer 2005: 38ff; Fengler/Vestring 2009: 82)
2. Der These der Medien-Malaise zufolge trägt der politische Journalismus Verantwortung dafür, dass sich die Menschen von der Politik abwenden. Die zunehmende Skandalisierung und die Betonung von „bad news“ fördert den Frust über politische Akteure und Institutionen. Wegen journalistischer Defizite werden wichtige Sachverhalte außerdem nicht oder nur verzerrt dargestellt. (vgl. Maurer 2003: 65ff.; Fengler/Vestring 2009: 83)

3.2 Auf der Suche nach einer europäischen Öffentlichkeit aktueller Forschungsstand

In modernen demokratischen Gesellschaften ist es die Aufgabe der Massenmedien Öffentlichkeit herzustellen, sodass sich die Bürger aktiv an politischen Prozessen beteiligen können. In der Kommunikationswissenschaft hat in den letzten Jahren deshalb vermutlich kaum ein Begriff wie der, der europäischen Öffentlichkeit so viel Beachtung erfahren. Im Verlaufe der Jahre haben sich vor allem in Deutschland zwei normative Öffentlichkeitskonzeptionen heraus entwickelt: Zum einen das diskursive (vgl. Eder/Kantner 2000), zum anderen das repräsentativ-liberale Öffentlichkeitsmodell (vgl. Gerhards 1993).3 In der Forschung wurde anhand dieser Modelle vor allem eine Europäisierung der nationalen Medienöffentlichkeiten untersucht. Unter „Europäisierung“ versteht Gerhards, dass europäischen Themen und Akteure zunehmend auftreten, sowie Themen aus einer europäischen Perspektive heraus bewertet werden. (vgl. Gerhards 1993:12)

Ob die Ergebnisse von bereits durchgeführten Inhaltsanalysen schon Hinweise zur Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit geben, darüber ist man sich in der Wissenschaft uneinig. Silke Adam resümiert in ihrer Arbeit, dass sich Europäisierung an den Themen, den Politikphasen, den Medien und den Ländern bricht, in denen man nach ihr sucht. (vgl. Adam 2007: 42)

Was den Ergebnissen dieser Inhaltsanalysen ähnelt ist, dass eine geringe transnationale Vernetzung zu erkennen ist und nationale Akteure im Vordergrund stehen. Und das, obwohl die Studien eine verstärkte Europäisierung und auch einen zunehmenden Berichterstattungsumfang verzeichnen. (vgl. Offerhaus 2011: 13)

Diese Ergebnisse der Medienoutput-Analysen werden von Kritikern in der Hinsicht als verwunderlich eingestuft, dass auf der Medieninput-Seite die EU-Institutionen im Verlaufe der Jahre ihre Öffentlichkeitsaktivitäten immer mehr ausgebaut haben. Außerdem verweisen sie darauf, dass auf der Medieninputseite gleiche Themen und Akteure stehen und die Anzahl der EU-Korrespondenten in Brüssel über die Jahre hinweg stetig gewachsen ist. (vgl.Meyer 2002: 122; Offerhaus 2011:13)

Dennoch wurde dem Brüsseler Pressecorps mit seinen EU-Korrespondenten in der Wissenschaft noch kaum Beachtung entgegengebracht. Deshalb werden im Folgenden ausgewählte Studien aufgegriffen, die sich mit den Praktiken der EU-Journalisten in Deutschland und Frankreich näher beschäftigt haben. Diese Studien dienen der Hypothesenbildung in dieser Arbeit.

3.3 Europaberichterstattung in Frankreich und Deutschland - ausgewählte Studien

Das AIM Research Consortium beschäftigt sich mit der Europaberichterstattung in EUMitgliedsländern. Im Auftrag dafür haben sich Leppik, Lönnendonker, Nitz und Hahn in ihrer

Studie „The case of Germany“ näher damit beschäftigt, wie es zur deutschen Europaberichterstattung kommt. Hierfür haben sie etwa 47 deutsche EU-Korrespondenten in den Monaten März und April des Jahrs 2006 befragt.

Auch Baisnée, Frinault und Lechaux arbeiteten im Auftrag für das AIM Research Consortium ihre Studie „The Case of France“ zur europäischen Berichterstattung aus. Bezüglich dieser Studie wurden 30 französische EU Korrespondenten befragt, die für die Tageszeitungen Le Monde, Le Parisien, Ouest France und die Fernsehsender France 3 und TF1 arbeiten. Im folgenden Kapitel werden einige Ergebnisse dieser beiden Studien gegenübergestellt. Zudem wird auf die Studie von Olivier Baisnée eingegangen, die Arten des EU-Journalismus thematisiert.

3.3.1 AIM Research Consortium: Europaberichterstattung in Frankreich und Deutschland

Dass zwischen den Bürgern der EU und der EU eine Distanz besteht, darüber sind sich die deutschen und französischen EU-Korrespondenten in Brüssel einig: Auch wenn in Brüssel viele wichtige Entscheidungen getroffen werden, die auch für Deutschland und Frankreich ausschlaggebend sind, merken einige Journalisten an, dass Leser kaum etwas über die verschiedenen europäischen Akteure wissen. Aus diesem Grund berichten deutsche EUKorrespondenten sehr detailliert. Begriffe wie Europäischer Rat, Europäisches Parlament, Europäische Kommission oder Stabilitäts- und Wachstumspakt werden allerdings vorausgesetzt. (vgl. Leppik/ Lönnendonker/ Nitz/ Hahn/ Schröder 2007: 67)

Neben dem mangelnden Wissen und auch Desinteresse der Leserschaft hatten die EUKorrespondenten in den vergangenen Jahren auch mit dem Desinteresse ihrer Heimatredaktionen an europäischen Themen zu kämpfen. Dieses ist über die Jahre hinweg immer mehr verschwunden, sodass Zeitungsredaktionen heutzutage der EU-Berichterstattung größeren Stellenwert zuschreiben. Wie groß das Interesse an der europäischen Berichterstattung ist, hängt aber auch davon ab, um welches Medium mit welchem Herausgeber es sich handelt. Die nationale Qualitätspresse beispielsweise, mit gewöhnlicher Weise festangestellten Journalisten, legt (meistens) großen Wert auf EU-Berichterstattung. Die regionale Lokalpresse dagegen, mit überwiegend freien Journalisten schreibt den EUThemen einen geringeren Stellenwert zu. (vgl. ebd. 2007: 65ff.) Tageszeitungen wie Le Monde, Le Tribune oder Les Echos haben beinahe jeden Tag EU-Themen im Blatt, so dass deren Korrespondenten nicht so abhängig von den Heimatredaktionen sind. (vgl. Baisnée/ Frinault/ Lechaux 2007: 43) Französische Korrespondenten anderer Medien betonen aber dennoch die Schwierigkeit, ihre Heimatredaktionen von der Wichtigkeit der EU-Themen zu überzeugen. Grund dafür ist der Studie von Baisnée, Frinault und Lechaux zufolge die Tatsache, dass EU-Themen oft sehr sachlich und wenig spektakulär sind. Die Schwierigkeit für die Korrespondenten besteht also darin, diese abstrakten, kontroversen Themen anschaulich darzustellen. Selbst der europäische CvD der Tageszeitung Le Monde gibt an, dass EU-Berichterstattung nicht wirklich spannend ist und kaum das Interesse der Leser erweckt:

„I think that it is difficult to 'sell' Europe, whether through writing or through images (…) It is true that compared to the Iraqi crisis or other international events, the life of the institutions of Brussels is not up to the job. Because it's repetitive, because it's rare that there are crises.“ (ebd. 2007: 45)

Krisen innerhalb der Europäischen Union sind deshalb bei allen befragten Medien besonders beliebt, da sie die Nachfrage nach europäischen Themen steigern. (vgl. ebd. 2007: 45)

Die in 3.1 angeführte These, welche besagt, dass Politikjournalisten in Frankreich und Deutschland vor allem nationale Belange in ihren Artikeln in den Vordergrund stellen, bewahrheitet sich auch für die EU-Korrespondenten. Auch Skandalisierung findet vor allem in der deutschen Berichterstattung über die EU Anklang, die französische Berichterstattung weist oft personalisierte Themen vor. Ebenso wie die Journalisten auf nationaler Ebene, orientieren sich die Korrespondenten an den Nachrichtenwerten der verschiedenen Ereignisse. Bemängelt wird aber seitens der EU-Korrespondenten, dass in Brüssel kein Konfliktpotential vorhanden ist wie etwa in Berlin, wo Opposition und Regierung ständig Auseinandersetzungen haben. (vgl. ebd. 2007: 61) Was vermuten lässt, dass es innerhalb der Berichterstattung oftmals zu einer Überbetonung von Nachrichtenfaktoren kommt. Die Zusammenarbeit zwischen den Korrespondenten der verschiedenen Länder ist intensiv und wird von einigen auch als Muss bezeichnet, da die Themen komplex sind und der Nachrichtenfluss niemals von einer Person alleine bewältigt werden könnte. Dennoch: Die Europaberichterstattung variiert deutlich von Land zu Land. Die Studie kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass es einen „gemeinsamen EU-Journalismus“ nicht gibt, da jeder letztlich für sein eigenes Publikum schreibt. (vgl. ebd. 2007: 72ff.)

3.3.2 Der Pressecorps in Brüssel: Zwischen Verlautbarungsjournalismus und transnationalem investigativem Journalismus

Die zuvor erwähnten Studien des AIM Research Consortium haben verdeutlicht, dass ein gemeinsamer „EU-Journalismus“ (noch) nicht existiert und sich die Berichterstattung über die Europäische Union von Nation zu Nation sehr unterscheidet. Auch Olivier Baisnée unterstreicht diese Aussage. Im Brüsseler Pressecorps haben sich ihm und auch Christoph O. Meyer zufolge im Verlaufe der Zeit allerdings zwei Arten des EU-Journalismus herausgebildet, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll.

Der „Institutionsjournalismus“ oder Verlautbarungs-Journalismus Die Europäische Berichterstattung findet ihre Ursprünge im Institutionsjournalismus. Die Hauptaufgabe des Journalisten wird darin gesehen, die EU in ihrem Tätigkeitsfeld zu dokumentieren sowie aktuelle Events und Streitfragen abzubilden. Baisnée zufolge übt vor allem die Zeitung Le Monde diese Art von Journalismus aus. (vgl. Baisnée 2002: 118).

[...]


1 Für die Inhaltsanalyse bilden lediglich meinungsführende Nationale Blätter Untersuchungsgegenstand, da in regionalen Blättern aus genannten Gründen wenig oder gar fehlende Berichterstattung über Europa zu erwarten ist.

2 Die Fallstudie enthält 110 ausgewertete Interviews mit politischen Redakteuren, die bei zehn ausgewählten meinungs führenden deutschen oder französischen Tageszeitungen arbeiten. Darunter befinden sich auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, Le Figaro und Le Monde. (vgl. Preisinger 2004: 24-29)

3 Auf die Modelle europäischer Öffentlichkeiten wird in dieser Arbeit nicht näher eingegangen, da in dieser Arbeit eine Messung des Europäisierungsgrades aufgrund des ausgewählten Untersuchungszeitraums und auch aufgrund des Erkenntnisinteresses nicht rentabel ist.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Wie berichten französische und deutsche Medien über die EU? Ein Vergleich
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
63
Katalognummer
V334360
ISBN (eBook)
9783668241244
ISBN (Buch)
9783668241251
Dateigröße
1384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medien, vergleich
Arbeit zitieren
Eva Hetzner (Autor), 2015, Wie berichten französische und deutsche Medien über die EU? Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334360

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