Spätestens seit ihrem Erfolg bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2014 sorgt eine 2005 gegründete feministische Partei, die Feministische Initiative (Feministiskt Initiativ, FI), für Aufmerksamkeit. Nicht nur schwedische Medien berichteten, die FI schaffte es auch in die Berichterstattung der ausländischen Presse. Zwar existieren beispielsweise in Deutschland, Spanien und Polen feministische beziehungsweise Frauenparteien, ihre Sichtbarkeit ist jedoch kaum vorhanden beziehungsweise ihr politischer Einfluss ist zu vernachlässigen.
Es stellt sich nun die Frage, weshalb gerade – paradoxerweise – in einem die Gleichstellung der Geschlechter betreffend äußert fortschrittlichen Land wie Schweden eine Partei mit dem Fokus auf feministischen Politikgestaltung Fuß fassen und ins Europäische Parlament sowie in mehrere Gemeinderäte einziehen kann. Genau dieser Frage wird in vorliegender Arbeit nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches Fundament
3. Analyse: Karriereverlauf und Erfolgsaussichten der Feministischen Initiative
3.1 Anfänge und bisherige Karrierestufen der Feministischen Initiative
3.2 Erklärung der bisherigen Erfolge und Bewertung der Zukunftsperspektiven
3.2.1 Ressourcenstärke und strategisches Vorgehen
3.2.2 Das inhaltliche Politikangebot und die Nachfrage der Wähler*innen
3.2.3 Auf den Parteienwettbewerb einwirkende Rahmenbedingungen
4. Fazit
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erfolgsbedingungen der schwedischen Partei Feministische Initiative (FI). Dabei wird analysiert, welche Karrierestufen die Partei seit ihrer Gründung überschreiten konnte, welche Faktoren ihre Entwicklung unterstützten oder hemmten und wie ihre zukünftigen Erfolgsaussichten vor dem Hintergrund der schwedischen Parteienlandschaft zu bewerten sind.
- Analyse des Karriereverlaufs der FI anhand des Modells der Karrierestufen nach Niedermayer.
- Untersuchung der Angebots- und Nachfrageseite sowie der politischen Rahmenbedingungen als Erfolgsfaktoren.
- Einordnung der Rolle von Gudrun Schyman als prominente Parteigründerin.
- Betrachtung der Wirkung der FI auf den Parteienwettbewerb und das Agendasetting in Schweden.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ressourcenstärke und strategisches Vorgehen
Wird die Angebotsseite, genauer die Verfügbarkeit der Ressourcen, betrachtet, so lässt sich zunächst feststellen, dass von der Parteigründung im April 2005 bis zur Wahlteilnahme im September 2006 recht rasch alle organisatorischen und formalen Voraussetzungen für die Überschreitung der ersten Karrierestufe erreicht wurden: Im September 2005 beschloss die Partei auf ihrer ersten Jahrestagung einstimmig, an den Parlamentswahlen im folgenden Jahr teilzunehmen, im Februar 2006 wurden die erforderlichen Unterschriften bei der staatlichen Wahlbehörde eingereicht, im April verkündete die FI ihr Wahlprogramm und die Kandidat*innenliste (vgl. FI 2005a, 2006a und 2006b).
Erwähnenswert ist auch die betont offene Haltung der FI bezüglich der Parteistruktur und -organisation: Auf der Webpräsenz der Partei wird eigens darauf hingewiesen, dass von Seiten der FI eine doppelte Parteimitgliedschaft – also eine parallele Mitgliedschaft in der FI und in einer weiteren Partei – legitim sei (vgl. FI 2016b). Zudem geht die Feministische Initiative über die traditionelle Parteiorganisation hinaus, indem jedem Mitglied freisteht, zusätzlich zu den lokalen Mitgliedsgruppen auch thematische Gruppen zu gründen, die sich mit der sogenannten Politikentwicklung beschäftigen. Auch die Ernennung von drei Parteisprecher*innen nach Gründung der Partei zeigt, dass die FI grundsätzlich offen für neue, weniger hierarchische Formen ist.
Allerdings ist auch erkennbar, dass die zu Beginn eingeführten flachen Strukturen mit dem Wachsen der Partei nur schwer beibehalten werden konnten. Insgesamt sind die Grundstrukturen der innerparteilichen Willensbildung- und Entscheidungsprozesse somit nach dem klassischen Schema ausgestaltet: Höchstes Entscheidungsorgan ist der Parteikongress, der aus ausgewählten Delegierten besteht. Zwischen den Kongressen, die alle zwei Jahre stattfinden, werden die Parteiaktivitäten vom Parteivorstand geführt (vgl. FI 2015c). Dennoch: Das Forschungsprojekt der Universität Göteborg, Swedish Party Membership Survey 2015, zeigt die Zufriedenheit der FI-Mitglieder mit ihrer Partei auf: Die wahrgenommene Effizienz der Parteiarbeit ist unter den Mitgliedern der Feministischen Initiative am höchsten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Gleichstellung in Schweden ein und stellt die Forschungsfrage nach den Erfolgsbedingungen der Feministischen Initiative.
2. Theoretisches Fundament: Hier wird das theoretische Modell der Karrierestufen einer Partei sowie die Struktur der Erfolgsfaktoren basierend auf Angebot, Nachfrage und Rahmenbedingungen erläutert.
3. Analyse: Karriereverlauf und Erfolgsaussichten der Feministischen Initiative: Das Hauptkapitel untersucht die Gründungsgeschichte, die Ressourcenausstattung, die inhaltliche Agenda sowie die systemischen Rahmenbedingungen, welche den Erfolg der Partei maßgeblich beeinflusst haben.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Fähigkeit der Partei, durch Agendasetting politischen Druck auszuüben, trotz der Herausforderung, sich langfristig als eigenständige Kraft zu behaupten.
Schlüsselwörter
Feministische Initiative, Schweden, Parteienforschung, Karrierestufen, Gleichstellungspolitik, Wahlkampf, Parteienwettbewerb, Gender Equality, Antirassismus, Gudrun Schyman, politische Bewegung, Agenda-Setting, Wählermobilisierung, schwedisches Parteiensystem, politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Erfolgsbedingungen der schwedischen Partei Feministische Initiative (FI) und untersucht, wie es einer neuen, feministisch orientierten Partei gelingen konnte, politischen Einfluss im schwedischen Parteiensystem zu erlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der FI seit ihrer Gründung im Jahr 2005, der Ressourcenmobilisierung, dem inhaltlichen Politikangebot im Bereich Feminismus und Antirassismus sowie der Wirkung der Partei auf den bestehenden Parteienwettbewerb.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Faktoren den bisherigen Karriereverlauf der FI unterstützt oder gehemmt haben und wie die zukünftigen Erfolgsaussichten der Partei unter Berücksichtigung ihrer bisherigen Leistungen zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt das Modell des Lebenszyklus einer Partei nach Niedermayer (2010), um den Erfolg der FI anhand von fünf definierten Karrierestufen zu messen und die Erfolgsfaktoren systematisch in Angebots-, Nachfrage- und Rahmenbedingungen zu gliedern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Anfänge der Partei, ihre personellen und finanziellen Ressourcen, ihr unkonventioneller Wahlkampf sowie die Reaktion der etablierten Parteien und der Regierung auf die FI-Agenda analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Feministische Initiative, Parteienwettbewerb, politische Karriereverläufe, Agendasetting und schwedische Parteienlandschaft charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Parteigründerin Gudrun Schyman für den Erfolg der FI?
Gudrun Schyman gilt als das zentrale "Zugpferd" der Partei. Ihre hohe Bekanntheit, ihre Vernetzung und ihr kontroverser Kommunikationsstil waren entscheidend, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren und die FI als politische Kraft sichtbar zu machen.
Wie beeinflusste die FI das politische Agendasetting in Schweden?
Die FI zwang die etablierten Parteien dazu, ihre geschlechterpolitischen Positionen zu überdenken und das Thema Feminismus priorisiert in ihre eigenen Wahlprogramme aufzunehmen. Dies führte sogar dazu, dass die aktuelle Regierung Schwedens sich als explizit feministisch bezeichnet.
- Arbeit zitieren
- Anne-Sophie Schmidt (Autor:in), 2016, Feministiskt Initiativ. Erfolgsbedingungen einer neuen schwedischen Partei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334419