IAS 33. Wie unverwässerte und verwässerte Ergebnisse je Aktie zur Bewertung von Unternehmen ermittelt werden


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen des IAS 33
2.1. Zielsetzung
2.2. Anwendungsbereich.
2.3. Erläuterung der Finanzterminologie

3. Ermittlung des Ergebnisses je Aktie
3.1. Unverwässertes Ergebnis je Aktie
3.1.1. Ermittlung des Ergebnisses
3.1.2. Ermittlung der Aktienanzahl
3.2. Verwässertes Ergebnis je Aktie
3.2.1. Ermittlung des Ergebnisses
3.2.2. Ermittlung der Aktienanzahl

4. Ausweis -und Angabepflichten.

5. Fazit

6. Schluss

7. Anhang
7.1. Abkürzungsverzeichnis
7.2. Abbildungsverzeichnis
7.3. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir setzen uns alle mit voller Kraft dafür ein, Volkswagen wieder zu einem vertrauenswürdigen Unternehmen zu machen.“ Mit diesen Worten richtete sich Matthias Müller der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, in einem Brief an die Aktionäre des Unternehmens.1 Europas größter Automobilkonzern hat Unregelmäßigkeiten bei der verwendeten Software für bestimmte Dieselmotoren eingeräumt, dies führte dazu, dass das Unternehmen eine außergewöhnliche Gewinnberichtigung in Höhe von 6,7 Mrd. € vornehmen musste2.

Die Geldgeber hatten aufgrund dieser Entwicklung wenig zu lachen, da sich der Aktienkurs des einstigen Vorzeigeunternehmens innerhalb weniger Wochen nahezu halbierte.3 Angesichts drohender Strafzahlungen und Sammelklagen in Milliardenhöhe will der Autobauer nun verhindern, dass die Finanzpolster abschmelzen. Als mögliche Schritte wurden Kostensenkungen diskutiert, allerdings auch eine Kapitalerhöhung.4 Eine derartige Kapitalmaßnahme ist aufgrund der komplizierten Aktionärsstruktur bei VW schwierig, da die Eigentümerfamilien Piech und Porsche 50,73% der stimmberechtigen Stammaktien am Konzern besitzen. Ebenso ist das Land Niedersachsen mit 20% am Stammkapital beteiligt.5 Eine Ausgabe neuer Stammaktien würde zu einer Verwässerung ihrer Stimmrechte führen, sodass im Falle einer Kapitalerhöhung nur die Ausgabe neuer Vorzugsaktien plausibel erscheint. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll vor allem das Ergebnis je Aktie gemäß International Accounting Standards dargestellt werden. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Ermittlung der zu Grunde gelegten Aktienzahl, da sich diese durch die Ausgabe neuer Aktien ändern würde.

2. Grundlagen des IAS 33

2.1. Zielsetzung

Gemäß IAS 33.1 ist das Ziel „ die Festlegung von Leitlinien für die Ermittlung und Darstellung des Ergebnisses je Aktie, um die Ertragskraft unterschiedlicher Unternehmen in einer Berichtsperiode [von] ein- und denselben Unternehmen in unterschiedlichen Berichtsperioden besser miteinander vergleichen zu können (IAS 33.1).“ Am Kapitalmarkt ist das Ergebnis je Aktie eine wichtige Kennzahl zur Bewertung von Unternehmen, deshalb soll IAS 33 durch klare Definition der zu verwendenden Größen und Berechnungsmethoden eine weitgehende Vergleichbarkeit dieser Kennzahl sicherstellen6. Das Ergebnis je Aktie berechnet sich, in dem man den Gewinn ins Verhältnis zu der Anzahl der ausstehenden Aktien setzt. Aus diesem Ergebnis ermitteln Finanzanalysten im Rahmen einer Unternehmensbewertung das KursGewinn-Verhältnis, welche das Vielfache des Gewinns je Aktie darstellt und somit angibt, wie viel für eine Aktie bezahlt wird7. Diese Finanzkennzahl berechnet sich, indem man den aktuellen Börsenkurs durch das Ergebnis je Aktie dividiert8.Die angestrebte Vergleichbarkeit ist in der Praxis schwierig, da länderspezifische Rechnungslegungsvorschriften im Rahmen der unterschiedlichen Gewinnermittlung zu berücksichtigen sind9. „Das Hauptaugenmerkt dieses Standards liegt [somit] auf der Bestimmung des Nenners bei der Berechnung des Ergebnisses je Aktie (IAS 33.1)“.

Eine zweite Zielsetzung des IAS 33 ist die Offenlegung von Verwässerungseffekten. Der Wert der Anteile der bisherigen Gesellschafter wird verwässert, indem Papiere unter ihrem Marktwert an neue Gesellschafter ausgegeben werden10.

2.2. Anwendungsbereich

„Die in IAS 33 kodifizierten Vorschriften zur Ermittlung und Darstellung des Ergebnisses je Aktie gelten in ihrer aktuellen Form für alle Geschäftsjahre, die am bzw. nach dem 01.01.2005 begonnen haben.“11 Das bilanzierende Unternehmen ist verpflichtet, für die Berechnung und Angaben zum Ergebnis je Aktie IAS 33 anzuwenden (IAS 33.3), falls es eines der folgenden Kriterien12 erfüllt:

- Notierung an einem öffentlichen Markt mit Stammaktien oder potenziellen Stammaktien.
- Das Unternehmen befindet sich im Prozess der Zulassung durch die Aufsichtsbehörden (SEC, Bafin etc.) und hat hierbei seinen Jahresabschluss eingereicht, mit dem Ziel Stammaktien zu emittieren.13

Weiterhin legt IAS 33.4 fest, dass das Ergebnis je Aktie auf Basis der Konzernabschlussdaten zu berechnen ist. Falls im Einzelabschluss des Unternehmens ebenfalls eine Ergebnis-je-Aktie Kennzahl veröffentlicht wird, so darf diese nicht im Konzernabschluss veröffentlicht werden. Die Regelungen des IAS 33 beziehen sich nicht nur auf den Jahresabschluss, sondern auch auf die Quartals- und Halbjahresberichtserstattung (34.11).14 Freiwillig veröffentlichte EPS-Kennzahlen müssen gemäß den Vorschriften des IAS 33 ermittelt werden.15

2.3. Erläuterung der Finanzterminologie

In IAS 33.5 bis 33.8 werden einige finanzwirtschaftliche Begriffe definiert, die innerhalb des IAS 33 Anwendung finden. Hierzu zählen insbesondere die Begrifflichkeiten, wie Verwässerungsschutz, Übereinkunft zur Ausgabe bedingt emissionsfähiger Aktien, emissionsfähige Aktien, Verwässerung, Optionen, Optionsscheine und ihre Äquivalente sowie die Stammaktie, die potenzielle Stammaktie und Verkaufsoptionen. IAS 33.8 schreibt vor, dass Begriffe, die nicht anders angegeben sind, nach der in IAS 32.11 angegebenen Bedeutung verwendet werden. Diese oben aufgezählten Begriffe sollen nachfolgend genauer erläutert werden.

- Stammaktien:

Stammaktien sind der Normaltyp der Aktie und gewähren dem Aktionär die gesetzlichen und satzungsmäßigen Rechte.16 „Eine Stammaktie ist ein Eigenkapitalinstrument, das allen anderen Eigenkapitalinstrumenten nachgeordnet ist“ (IAS 33.5) und somit eine nachrangige Gewinnbeteiligung aufweist.

- Potenzielle Stammaktie:

Ist ein Finanzinstrument oder sonstiger Vertrag, der dem Inhaber ein Anrecht auf Stammaktien verbriefen kann (IAS 33.5). Darunter fallen insbesondere Schuldverschreibungen oder Eigenkapitalinstrumente, die in Stammaktien umgewandelt werden können (IAS 33.7a) sowie Optionen und Optionsscheine (IAS 33.7b) oder Aktien, die innerhalb einer bedingten vertraglichen Verpflichtung auszugeben sind (IAS 33.7c).

- Optionen, Optionsscheine und ihre Äquivalente:

Optionen und Optionsscheine verbriefen in der Regel das Recht, nicht aber die die Verpflichtung, eine bestimmte Menge eines Basiswertes zu kaufen oder zu verkaufen17. Die Optionen, Optionsscheine und ihre Äquivalente können gemäß IAS 33.5 zum Kauf von Stammaktien berechtigen. Unter Äquivalenten versteht man im Fachjargon des Kapitalmarktes vor allem Optionsscheine aus Optionsanleihen, sowie Naked warrants, welche nicht im Zusammenhang mit Finanzierungsvorhaben von Unternehmen stehen 18 und von Wertpapierhäusern emittiert werden .18

- Bedingt emissionsfähige Aktie:

Bedingt emissionsfähige Aktien sind Stammaktien, die bei Eintreten bestimmter Voraussetzungen emittiert werden (IAS 33.5)

- Übereinkunft zur Ausgabe bedingt emissionsfähiger Aktien:

Ist eine Vereinbarung zur Ausgabe von Aktien, für die bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen (IAS 33.5). Diese Vereinbarung bedarf, im Zuge einer bedingten Kapitalerhöhung der Zustimmung auf der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft.

- Verwässerung:

Darunter versteht man den Anstieg oder Verminderung des Ergebnisses je Aktie. Der Überschuss verteilt sich auf eine höhere Anzahl von Aktien, aufgrund der Annahme, dass wandelbare Instrumente umgewandelt, Optionen oder Optionsscheine ausgeübt oder Stammaktien unter bestimmten Voraussetzungen ausgegeben wurden (IAS 33.5)

- Verwässerungsschutz:

Unter Verwässerungsschutz versteht man eine Erhöhung des Ergebnisses je Aktie bzw. eine Reduzierung des Verlusts je Aktie aufgrund der Annahme, dass wandelbare Instrumente umgewandelt, Optionen oder Optionsscheine ausgeübt oder Stammakten unter bestimmten Voraussetzungen emittiert werden (IAS 33.5)

3. Arten und Ermittlung des Ergebnisses je Aktie

Das Berechnungsschema für das Ergebnis je Aktie ergibt sich wie folgt19:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Infolgedessen treten zwei voneinander abhängige Problemfelder20 auf:

- Was ist der richtige Gewinn im Zähler?
- Was ist die korrekte Aktienzahl im Nenner?

Zähler und Nenner müssen hierbei für mindestens zwei verschiedene Ergebnis-je-Aktie Größen ermittelt werden, speziell für das unverwässerte Ergebnis je Aktie und das verwässerte Ergebnis je Aktie21, welche nachfolgend genauer beschrieben werden.

3.1. Unverwässertes Ergebnis je Aktie

Ein Unternehmen hat das den Stammaktionäre des Mutterunternehmens zurechenbare Ergebnis je Aktie zu ermitteln. Sofern ein entsprechender Ausweis erfolgt, ist auch dieses Ergebnis aus fortzuführenden Geschäften den Stammaktionären darzustellen (IAS 33.9) Das unverwässerte Ergebnis je Aktie ermittelt sich gemäß IAS 33.10 wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei sind die im Konzernabschluss gemäß IFRS 10.22 Anteile anderer im Eigenkapital ausgewiesenen Gesellschafter nicht zu berücksichtigen, da diese bei der EPS-Berechnung nicht als Stammkapital der Konzernmutter angesehen werden22.

[...]


1 Vgl. Brief an die Aktionäre

2 Vgl. Volkswagen AG – Zwischenbericht 2015: Januar – September, S. 1

3 Vgl. Volkswagen AG – Zwischenbericht 2015: Januar – September, S. 39

4 Vgl. Handelsblatt: „Gibt es eine Kapitalerhöhung“

5 Vgl. Aktionärsstruktur VW AG

6 Vgl. Lüdenbach, N., Hoffmann, W. D.(2012), S. 2234

7 Vgl. Pellens, B., et al (2014), S. 884

8 Vgl. Wiehle, U., et al (2010), S. 192

9 Vgl. Wiehle, U., et al (2010), S. 188

10 Vgl. Lüdenbach, N. (2008), S. 331

11 Pellens, B., et al (2014), S. 885

12 Vgl. Von Keitz, I., et al (2015), S. 381

13 Vgl. Von Keitz, I., et al (2015), S. 381

14 Vgl. Pellens, B., et al (2014), S. 885 - 886

15 Vgl. Baetge, J., et al (1997), S. 1322

16 Vgl. Bank-Verlag GmbH: Basisinformationen, S. 36

17 Vgl. Bank-Verlag GmbH: Basisinformationen, S. 65

18 Vgl. Bank-Verlag GmbH: Basisinformationen, S. 71

19 Vgl. Von Keitz, I., et al (2015), S. 382

20 Vgl. Pellens, B., et al (2014), S. 886

21 Vgl. Pellens, B., et al (2014), S. 886

22 Vgl. Pellens, B., et al (2014), S. 886

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
IAS 33. Wie unverwässerte und verwässerte Ergebnisse je Aktie zur Bewertung von Unternehmen ermittelt werden
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Veranstaltung
Internationale Rechnungslegung
Note
1.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V334450
ISBN (eBook)
9783668241459
ISBN (Buch)
9783668241466
Dateigröße
873 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ergebnisse, aktie, bewertung, unternehmen
Arbeit zitieren
Michael Subatzus (Autor), 2016, IAS 33. Wie unverwässerte und verwässerte Ergebnisse je Aktie zur Bewertung von Unternehmen ermittelt werden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334450

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