Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der allgemein bekannten Tatsache des Präteritumschwundes anhand einer Untersuchung der Gebrauchshäufigkeit der Tempusformen Präteritum und Perfekt. Dazu werden Schülertexte darauf hin untersucht, wo statt einem zu erwartenden Präteritum das Perfekt gebraucht wurde. LINDGREN schreibt dazu, dass die Verwendung der Vergangenheitstempora im Deutschen eine recht unklare Sache darstellt. Feste, eindeutige Regeln für ihre Verteilung lassen sich nicht aufstellen.
Somit werde ich in dieser Arbeit versuchen das genannte Problem anhand von zwei unterschiedlichen Hypothesen und einem Vergleich zwischen der Verwendung des Perfekts und Präteritums in schriftlichen Texten sowie in mündlichen Erzählungen zu untersuchen.
Dazu wird zunächst im theoretischen Teil (Kapitel 2) der vorliegenden Arbeit die Definitionen sowie die Darstellungen der beiden Tempusformen Präteritum und Perfekt in den deutschen Grammatiken sowie Schülergrammatiken und Schulbüchern geklärt werden. Anschließend daran wird das Phänomen des Präteritumschwundes durch eine allgemeine Begriffsklärung, den historischen Verlauf des Schwundes, Erklärungen für diesen und durch die Darstellung des heutigen Zustandes in der deutschen Sprache dargestellt.
Der methodische Teil (Kapitel 3) stellt die von mir zu bearbeitenden zwei Hypothesen ROWLEYS sowie den von mir durchzuführenden Vergleich vor, anhand derer ich die unterschiedlichen Gebrauchshäufigkeiten von Präteritum und Perfekt, sowohl in geschriebenen Texten als auch in der verschriftlichten Form von mündlichen Erzählungen, an den mir zur Verfügung gestellten Korpus an Schülertexten untersuchen werde.
Im Analyseteil (Kapitel 4) werden nach den Hypothesen geordnet alle darin aufkommenden Fragen in Bezug auf die Verwendung der beiden Tempusformen untersucht sowie festgestellte Unterschiede und Tendenzen zu erklären versucht. Im fünften Kapitel werde ich die vorherigen gewonnenen Ergebnisse zum unterschiedlichen Gebrauch von Präteritum und Perfekt im Deutschen zusammenfassen sowie die Frage zu klären versuchen, ob tatsächlich das Phänomen des Präteritumschwundes in den von mir zu untersuchenden Texten zu finden ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Teil
2.1 Darstellung von Präteritum und Perfekt in deutschen Grammatiken:
2.2 Darstellung von Präteritum und Perfekt in Schulgrammatiken und Schulbüchern:
2.3 Der Präteritumschwund in der deutschen Sprache:
2.3.1 Begriffsklärung:
2.3.2 Historischer Verlauf:
2.3.3 Erklärungen für den Präteritumschwund:
2.3.4 Heutiger Zustand in der deutschen Sprache:
3 Methodischer Teil
3.1 Hypothesen:
3.2 Das Korpus:
4 Analyseteil
4.1 Hypothese 1:
4.2 Hypothese 2:
4.3 Vergleich Präteritum und Perfekt:
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Präteritumschwundes im Deutschen, indem sie die Gebrauchshäufigkeit der Tempusformen Präteritum und Perfekt in Schülertexten analysiert. Ziel ist es, zu klären, ob die Tendenz zur Verwendung des Perfekts anstelle des Präteritums in schriftlichen Arbeiten nachweisbar ist und welche Faktoren diese Tempuswahl beeinflussen.
- Analyse der theoretischen Einordnung von Präteritum und Perfekt in Grammatiken und Schulbüchern.
- Untersuchung des Präteritumschwundes als sprachhistorisches und aktuelles Phänomen.
- Empirische Überprüfung zweier Hypothesen anhand eines Korpus aus Schülertexten.
- Vergleich der Tempusverwendung in schriftlichen Texten und mündlichen Erzählungen.
- Diskussion über den Einfluss von Regionalsprache und Textsorte auf die Verbformwahl.
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Historischer Verlauf:
Der Präteritumschwund setzte erst ein, als das strenge Aspekt- und Aktionsartsystem, welches im Althochdeutschen noch erhalten war und in dem sich die periphrastische Form auf perfektive Prädikate beschränkte, durchbrochen wurde und einem neuen Tempussystem wich. „Das hat aber vorerst keine Änderung im System bewirkt, sondern die alten Präteritumformen wurden weiterhin verwendet, weil sie eben nötig waren... […] Die Sprache empfindet die Schwäche und beginnt, sich nach Abhilfe umzuschauen.“ Dies geschah dadurch, dass sich das Perfekt auf Kosten des Präteritums in den Verwendungsbereich des letzteren ausbreitete:
Auf einmal sieht man ein, dass man auch ohne Präteritum ganz gut zurechtkommt... Das neue System ist da, in welchem das als störend empfundene Präteritum gar nicht nötig ist. Und so erfolgt der Schwund ganz rasch, und zwar ausdrücklich so, dass er nicht zuerst nur einige Präteritumformen betrifft, sondern auf einmal die ganze Kategorie des Präteritums als überflüssig verwirft.
Laut ABRAHAM und CONRADIE vollzogen sich diese Entwicklungen auf mehreren hintereinander stattfindenden Stufen. Stufe 0 stellt anfangs ein ungestörtes Tempussystem dar. Stufe 1 ist der erste Schritt in dem Wandel. Bei dieser dehnt sich die Funktion des Präsens – Anteriors in das Vergangenheitsumfeld aus und steht dann in freier Variation neben dem aktuell verwendeten Vergangenheitszeiten. Bei der zweiten Stufe sind die Formen des Präteritums bereits an den Rand gedrängt worden, indem ihre Verwendung immer stärker auf bestimmte Stilformen und Genres (zum Beispiel der Schriftstil oder die formelle Ausdrucksweise) eingeschränkt wurde. Auf Stufe 3 hat das Präteritum bereits total eingebüßt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung des Präteritumschwundes und der methodischen Vorgehensweise anhand von Schülertexten.
2 Theoretischer Teil: Detaillierte Darstellung der Tempusdefinitionen in der Germanistik sowie eine historische und systematische Einordnung des Präteritumschwundes.
3 Methodischer Teil: Beschreibung der wissenschaftlichen Vorgehensweise, der Hypothesenbildung und des untersuchten Korpus der Schülertexte.
4 Analyseteil: Auswertung der erhobenen Daten in Bezug auf die Hypothesen und Vergleich der Ergebnisse zwischen verschiedenen Darstellungsformen.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf den Präteritumschwund bei Schülern.
Schlüsselwörter
Präteritum, Perfekt, Präteritumschwund, Schülertexte, Tempusformen, Sprachwandel, Grammatik, Sprachdidaktik, Erzähltempus, Deutschunterricht, Korpusanalyse, Vergangenheitsbezug, Sprachökonomie, Dialektologie, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Untersuchung des sogenannten Präteritumschwundes, also dem Ersatz der Präteritumform durch das Perfekt in der deutschen Sprache.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Definition von Präteritum und Perfekt in Grammatiken, der historischen Entwicklung des Schwundes und der empirischen Analyse von Schülertexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Überprüfung, ob der Präteritumschwund in den untersuchten Schülertexten aus Bremen feststellbar ist und wie sich die Tempuswahl dort gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse von 30 Schülertexten durchgeführt, bei der die Häufigkeit von Präteritum- und Perfektformen gezählt und statistisch ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bereich zur Grammatik und Sprachgeschichte sowie einen methodischen und analytischen Bereich, in dem Hypothesen anhand der Texte überprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Präteritum, Perfekt, Sprachwandel, Schülertexte, Grammatik und Sprachdidaktik.
Warum wurde Bremen als Erhebungsort für die Schülertexte gewählt?
Die Wahl fiel auf das "Bremer Förderprojekt", wobei die Autorin feststellt, dass Bremen nördlich der Präteritalgrenze liegt, was die Ergebnisse der Analyse beeinflusst.
Warum fanden sich entgegen den Erwartungen kaum Perfektformen in den Texten?
Die Autorin vermutet eine Kombination aus der normativen Darstellung in Schulbüchern, die das Präteritum als Erzähltempus bevorzugen, und einer gewissen Schreibfaulheit der Schüler.
- Citar trabajo
- Ariane Meyer-Buchhardt (Autor), 2015, Die Tempusformen Präteritum und Perfekt. Eine empirische Untersuchung des Präteritumschwundes bei Sprechern der deutschen Sprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334456