Das Qualitative Interview


Hausarbeit, 2004

41 Seiten, Note: Unbenotet


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ziel der Hausarbeit
1.2 Gliederung der Hausarbeit

2 Empirische Sozialforschung
2.1 Quantitative Sozialforschung
2.2 Qualitative Sozialforschung
2.3 Das qualitative Interview
2.3.1 Definition und Ziele qualitativer Interviews
2.3.2 Form qualitativer Interviews
2.3.3 Das Leitfadeninterview
2.4 Methodische Schritte bei der Planung des Interviews
2.4.1 Untersuchungsziel und Verwendungszweck
2.4.2 Grundgesamtheit und Stichprobe
2.4.3 Leitfaden
2.4.4 Probeinterview und endgültige Festlegung des Verfahrens
2.5 Phasen bei der Durchführung von Interviews
2.5.1 Orientierungsphase
2.5.2 Erhebungsphase
2.5.3 Abschlussphase
2.6 Auswertung des Hauptinterviews

3 Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens
3.1 Benennung von Untersuchungsziel und Verwendungszweck
3.2 Benennung von Grundgesamtheit und Stichprobe
3.3 Festlegung des Leitfadens
3.4 Durchführung und Methodische Auswertung des Probeinterviews
3.5 Konsequenzen aus den Probeinterviews

4 Dokumentation des Hauptinterviews
4.1 Durchführung des Hauptinterviews
4.2 Transkription
4.3 Diskussion der Anwendung von Explikationstechniken
4.4 Methodische Auswertung des Hauptinterviews
4.4.1 Untersuchungsziel und Verwendungszweck
4.4.2 Grundgesamtheit und Stichprobe
4.4.3 Leitfaden
4.4.4 Durchführung und Auswertung des Probeinterviews
4.4.5 Durchführung des Hauptinterviews
4.4.6 Anwendung von Explikationstechniken

5 Persönliches Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

Im Sommersemester 2004 belegte ich das Seminar „Projekt Qualitatives Interview“. Der Inhalt des Seminars ist nicht nur für die Vordiplomsprüfungen relevant, sondern ist darüber hinaus sehr wichtig für den Beruf eines Diplom-Pädagogen bzw. einer Diplom-Pädagogin und somit auch sicherlich für meinen eigenen beruflichen Werdegang von Bedeutung.

1.1 Ziel der Hausarbeit

Das Ziel dieser Hausarbeit ist die Dokumentation der theoretischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung sowie die Dokumentation des eigenen Interviewverfahrens, sprich der Planung, der Durchführung und Auswertung eines qualitativen Interviews. Es sollen des Weiteren die persönlichen Erfahrungen bei der Erprobung einer wissenschaftlichen Befragung in Form von ständiger Reflexion festgehalten werden.

1.2 Gliederung der Hausarbeit

Ich werde im zweiten Kapitel mit einem kurzen Überblick über die Grundlagen der qualitativen Sozialforschung beginnen und den Schwerpunkt auf die theoretische Darstellung des Leitfadeninterviews legen.

Im dritten Kapitel soll der Prozess der Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens dokumentiert werden. Dazu gehört die Diskussion und Auseinandersetzung mit folgenden Punkten:

- Planung des eigenen Verfahrens ( Untersuchungsziel, Verwendungszweck etc.)
- Durchführung eines Probeinterviews
- Methodische Auswertung des Probeinterviews
- Festlegung des endgültigen Interviewverfahrens

Im vierten Kapitel werde ich die Durchführung des Hauptinterviews beschreiben und die Transkription dokumentieren. Danach folgen die Analyse des eigenen Verfahrens und die kritische Betrachtung der durchlaufenen Arbeitsschritte von der Planung bis zur Durchführung des Hauptinterviews mit Schwerpunkt auf die Stärken und Schwächen.

Im letzten Kapitel folgt eine Reflexion hinsichtlich meiner persönlichen Erfahrungen bei der Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens, der Durchführung meines Interviews und der Arbeit in meiner Projektgruppe.

2 Empirische Sozialforschung

„Unter empirischer Sozialforschung versteht man die Erhebung und Interpretation von Daten über soziale Tatbestände. Diese erfolgt systematisch an Methoden der empirischen Sozialforschung orientiert […].“[1]

Systematisch heißt hier, dass der Forschende nach bestimmten Regeln und Schritten vorgehen muss. Empirisch bedeutet, dass wir unsere Umwelt durch Sinnesorgane wahrnehmen. So beschäftigt sich die Empirische Sozialforschung mit folgenden sozialen Tatbeständen:

- Beobachtbares menschliches Verhalten
- Von Menschen geschaffene Gegenstände
- Von Sprache vermittelte Erfahrungen, Meinungen und Einstellungen

Die Erhebung von Daten kann mittels qualitativer oder quantitativer Methoden erfolgen bzw. durchgeführt werden. Hierbei gibt es folgende Möglichkeiten:[2]

- Wissenschaftliche Beobachtung
- Wissenschaftliche Befragung
- Wissenschaftliche Inhaltsanalyse
- Wissenschaftliches Experiment

Im Weiteren Verlauf möchte ich auf die quantitative und qualitative Sozialforschung genauer eingehen.

2.1 Quantitative Sozialforschung

Bei der quantitativen Sozialforschung geht es um Prüfung von vorher festgelegten Hypothesen. Sie dient der Erklärung von Tatbeständen und bedient sich standardisierter Methoden. Bei den Untersuchungen werden sowohl die Einflüsse, die vom Untersuchten ausgehen, als auch die subjektive Meinung des Forschenden so weit es geht ausgeschlossen. Ein Beispiel dafür wäre der Fragebogen, der nur geschlossene Fragen enthält und oft auch Antwortmöglichkeiten vorgibt. Bei dieser Vorgehensweise gestaltet sich die Auswertung der Ergebnisse einfacher.

Quantitative Forschung zielt auf statistische Repräsentativität und beschäftigt sich weniger mit Alltagsproblemen - ganz anders wie die qualitative Sozialforschung.[3]

2.2 Qualitative Sozialforschung

Charakteristisch für die qualitative Sozialforschung ist das Verhältnis zwischen der Theorie und der sozialen Realität. „Qualitative Sozialforschung übernimmt […] eine wichtige theoriegenerierende Funktion und lässt sich von der Praxis der Lebenswelt anleiten“[4]

Das heißt, dass alltagsweltliches und wissenschaftliches Denken ineinander greifen. Generell geht es bei der qualitativen Sozialforschung um Verstehensprozesse. Dabei sind Forschungsprozesse flexibel gestaltet und bedürfen einer ständigen Reflexion.

In der Qualitativen Sozialforschung spricht man auch oft von den fünf Postulaten bzw. Grundsätzen, die das Grundgerüst des qualitativen Denkens bilden.

Hierzu führt Mayring folgendes genauer aus (2002, S.20 ff):

Postulat 1:

„Gegenstand humanwissenschaftlicher Forschung sind immer Menschen, Subjekte. Die von der Forschungsfrage betroffenen Subjekte müssen Ausgangspunkt und Ziel der Untersuchung sein.“

Das heißt also, dass immer der Mensch und dessen Handeln der Ausgangspunkt für die qualitative Forschung ist.

Postulat 2:

„Am Anfang jeder Analyse muss eine genaue und umfassende Beschreibung (Deskription) des Gegenstandbereiches stehen.“

Es soll dem nach festgehalten werden, womit der Forschende sich beschäftigt.

Postulat 3:

„Der Untersuchungsgegenstand der Humanwissenschaft liegt nie völlig offen, er muss immer auch durch Interpretation erschlossen werden.“

In der qualitativen Forschung geht man davon aus, dass menschliches Handeln eine Bedeutung besitzt. Jeder Mensch deutet menschliche Handlungen oder bestimmte Begriffe anders, deshalb müssen diese Bedeutungen erst durch Interpretation erschlossen werden. Das heißt der Forschende muss die Bedeutung genau festlegen.

Postulat 4:

„Humanwissenschaftliche Gegenstände müssen immer möglichst in ihrem natürlichen, alltäglichen Umfeld untersucht werden.“

Das Verhalten des Menschen ist stark situationsabhängig. Indem man den Menschen in seinem natürlichen Umfeld untersucht, versucht man die Daten möglichst unverzerrt zu erfassen. Des Weiteren sind es schließlich die Alltagssituationen, auf die hin die Forschungsergebnisse verallgemeinert werden sollen.

Postulat 5:

„Die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse humanwissenschaftlicher Forschung stellt sich nicht automatisch über bestimmte Verfahren her; sie muss im Einzelfall schrittweise begründet werden.“

Das heißt also, dass der Forschende die Verallgemeinerbarkeit seiner Forschungsergebnisse im spezifischen Fall begründen muss. Er muss anführen für welche Situation die Ergebnisse gelten und warum sie auch für andere Situationen gelten.

Diese fünf Postulate sollen das qualitative Denken im Forschungsprozess verstärken und zu weniger verzerrten Ergebnissen führen. Daher sind die Postulate auch für die Entwicklung des eigenen Interviewverfahrens relevant.[5]

Im Folgenden möchte ich mich mit der wissenschaftlichen Befragung befassen, genauer gesagt mit dem qualitativen Interview.

2.3 Das qualitative Interview

„Ausgangspunkt der qualitativen Sozialforschung […] ist die These, dass menschliches Handeln eine Bedeutung besitzt. Zielsetzung ist es, diese Bedeutung zu erfassen.“[6] Eine der klassischen Methoden ist das qualitative Interview.

2.3.1 Definition und Ziele qualitativer Interviews

Grundsätzlich ist das Interview keine Alltagssituation, sondern „eine Gesprächssituation, die bewusst und gezielt von den Beteiligten hergestellt wird, damit der eine Fragen stellt, die vom anderen beantwortet werden“[7]. Die Rollen sind festgelegt und der Befragte erhält die Gelegenheit beispielsweise seine Erfahrungen zu berichten. Der Interviewer erfährt somit wie die befragte Person im Forschungsfeld sich selbst und ihre Umwelt erlebt und in Folge dessen ihr Handeln gestaltet.[8] Wie schon in Punkt 2.3 erwähnt ist das Ziel des qualitativen Interviews die Bedeutung des menschlichen Handelns zu erfassen. Das Interview soll die Sichtweise des Interviewten zu einem bestimmten Themenkomplex möglichst unverzerrt erfassen.[9]

2.3.2 Form qualitativer Interviews

Es gibt viele verschiedene Arten von qualitativen Interviews, wie z.B. das narrative Interview, das problemzentrierte Interview, das fokussierte Interview etc.

Bei dem narrativen Interview werden überwiegend Erzähltexte vom Befragten erwartet während das fokussierte Interview durch einen Leitfaden strukturiert wird.

Die einzelnen Interviewformen unterscheiden sich in einigen Punkten, wie z.B. in der Offenheit oder in der Anzahl der Fragen. Doch sie alle verfolgen das gleiche Ziel, nämlich die Erfassung der Bedeutung des menschlichen Handelns.[10]

In meinen folgenden Ausführungen möchte ich meinen Schwerpunkt auf das Leitfadeninterview legen und dieses genauer erläutern.

2.3.3 Das Leitfadeninterview

„Das zentrale Charakteristikum von Leitfaden-Interviews besteht darin, dass vor dem Interview ein Leitfaden mit vorformulierten Fragen oder Themen erarbeitet wird. Dadurch grenzen die Forschenden die Interviewtechnik ein und geben einzelne Themenkomplexe bereits vor.“[11]

Leitfadeninterviews dienen meistens der Sammlung von Daten und Informationen zu einem bestimmten Themenkomplex. Die Ergebnisse einzelner Interviews werden am Ende verglichen.[12]

2.4 Methodische Schritte bei der Planung des Interviews

Ein Interview beginnt nicht mit der ersten Frage, sondern mit der Interviewplanung. Bei der Vorbereitung und Planung des eigenen Interviewverfahrens müssen folgende Punkte festgelegt werden:

- Untersuchungsziel und Verwendungszweck
- Grundgesamtheit und Stichprobe
- Leitfaden
- Probeinterviews und endgültige Festlegung des Leitfadens[13]

2.4.1 Untersuchungsziel und Verwendungszweck

Das Untersuchungsziel legt fest was genau untersucht werden soll.

Der Verwendungszweck stellt ein praktisches Ziel dar, das angibt wozu die Daten verwendet werden sollen. Das Forschungsprojekt wird also in eine praktische Fragestellung eingebettet.[14]

2.4.2 Grundgesamtheit und Stichprobe

Als Grundgesamtheit werden diejenigen Personen festgelegt, die Auskunft zum Untersuchungsgegenstand oder Untersuchungsziel geben können. Hierbei sind drei Aspekte von besonderer Wichtigkeit. Zum Einem muss der Personenkreis eingegrenzt werden. Zum Anderem spielt die Perspektivität eine große Rolle, denn man muss sich fragen, welche oder wessen Sichtweisen wichtig sind. Als letztes muss festgelegt werden inwieweit die Grundgesamtheit geschichtet werden kann oder soll, z.B. in männlich und weiblich.[15]

2.4.3 Leitfaden

Der Leitfaden strukturiert das Gespräch und unterscheidet sich deutlich von einem Fragebogen. Während dieser geschlossene Fragen enthält, enthält der Leitfaden ca. 3 bis 6 offene Fragen, die absichern sollen, dass alle Themen angesprochen werden. Die Fragen müssen verständlich formuliert sein und dürfen nicht zu komplex sein. Außerdem sollten nicht mehrere Fragen in einer Frage eingebaut sein. Es ist allerdings nicht notwendig, dass man im Interview die formulierten Leitfragen wortwörtlich wiedergibt. Der erste Schritt zur Sammlung möglicher Fragen ist die Brainstormingphase. In dieser Phase sollen mögliche Fragen bezugnehmend auf Untersuchungsziel und Verwendungszweck gesammelt werden. Es sollten nicht mehr als 6 Fragen ausgewählt werden, denn der Interviewte würde sonst zu oft in seinen Gedankengängen unterbrochen werden. Genauso wichtig wie die Auswahl der richtigen Fragen ist auch die Festlegung der Reihenfolge. Jede Frage lenkt die Aufmerksamkeit des Interviewten in eine bestimmte Richtung, also könnte eine ungünstige Reihenfolge der Leitfragen das Ergebnis verzerren. Die wichtigste aller Fragen ist die Einstiegsfrage, denn diese führt und grenzt das Thema ein. Diese Frage sollte auch offen gestellt werden und leicht beantwortbar sein, denn so bekommt der Interviewte die Gelegenheit sich auf das Thema einzustellen und sich sozusagen „warm zu reden“. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Einem kann man den Interviewten nach Assoziationen fragen, die einem spontan in den Sinn kommen. Die vom Interviewten genannten Schlagwörter können vom Interviewer weiter genutzt werden. Zum anderen kann man Skalierungsfragen stellen. Anhand der Bewertung kann dann der Interviewer gezielt Fragen stellen. Weitere Möglichkeiten sind, dass man nach anderen Personen, Tätigkeiten, Abläufen, Sachverhalten, vergangenen oder zukünftigen Situationen fragt.[16]

[...]


[1] http:/de.wikipedia.org/wiki/Emprische_Sozialforschung

[2] Vgl. http:/de.wikipedia.org/wiki/Emprische_Sozialforschung

[3] Vgl. FLICK S. 13 ff

[4] FROSCHAUER 1998 , 15

[5] Vgl. MAYRING 2002 S.19

[6] KÖNIG 2004, 69

[7] LAMNEK 1995, 35 f

[8] Vgl. FRIEBERTSHÄUSER 2003 S.374

[9] Vgl. KÖNIG 2004, S. 86

[10] Vgl. LAMNEK 1995 S.68 f

[11] FRIEBERTSHÄUSER 2003, 371

[12] Vgl. FRIEBERTSHÄUSER 2003 S. 372

[13] Vgl. KÖNIG 2004 S. 76 7

[14] Vgl. König 2004 S. 77

[15] Vgl. KÖNIG 2004 S.77 ff

[16] Vgl. KÖNIG 2004 S.91 ff

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Das Qualitative Interview
Hochschule
Universität Paderborn
Note
Unbenotet
Autor
Jahr
2004
Seiten
41
Katalognummer
V33450
ISBN (eBook)
9783638339261
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit Beispielsinterview
Schlagworte
Qualitative, Interview
Arbeit zitieren
Anna-Maria Skora (Autor), 2004, Das Qualitative Interview, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33450

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