Die Politik der großen Zentralbanken im Vergleich. Auswirkungen und Erfolgsaussichten von Quantitative Easing


Bachelorarbeit, 2015

41 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Versagen der traditionellen Geldpolitik

3. Was ist Quantitative Easing?
3.1 Transmissionskanäle der unkonventionellen Geldpolitik
3.2 Ausgestaltung in der Eurozone und erster Vergleich

4. Empirische Evidenz zum Quantitative Easing
4.1 Quantitative Easing am Beispiel großer Zentralbanken
4.1.1 Japan
4.1.2 USA
4.1.3 Großbritannien
4.2 Zusammenfassung und Ausblick für Europa

5. Kritik und Probleme

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Monatliche Inflationsrate gegenüber dem Vorjahresmonat in der Eurozone und Hauptrefinanzierungssatz der EZB im Vergleich

Abbildung 2: Rendite 10-jähriger Staatsanleihen Japans

Abbildung 3: Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen

Abbildung 4: Rendite 10-jähriger Staatsanleihen Großbritanniens

1. Einleitung

Am 22. Januar 2015 beschloss die Europäische Zentralbank (EZB) das nicht unumstrittene Quantitative Easing (QE) Programm. Seit März 2015 werden Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von insgesamt 1.140 Milliarden Euro bis mindestens September 2016 aufgekauft. Dadurch soll den deflationären Tendenzen in der Eurozone entgegen gewirkt werden, denn Anfang des Jahres 2015 waren sowohl die Inflationsrate als auch die Erwartungen für die zukünftige Entwicklung des Preisniveaus niedrig oder sogar negativ. Dies resultierte zum einen aus fallenden Energiepreisen, ist zum anderen aber immer noch eine Folge der Finanz- und Schuldenkrise (vgl. Bernoth et al. 2015a: 189ff.). Für die Verbraucher scheinen sinkende Preise von Vorteil zu sein, aber diese können negative Folgen für eine Volkswirtschaft wie den Rückgang der Investitionstätigkeit mit einer damit einhergehenden Rezession haben. Das QE Programm soll dies durch Wertpapierkäufe verhindern. Es ist aber nicht unumstritten, weil unter anderem die Inflationsgefahr steigt. Besonders die Deutsche Bundesbank übt Kritik an diesem Programm (vgl. Winkler 2015: 178f.).

Aufgrund der Aktualität dieser Thematik widmet sich diese Arbeit dem QE und soll die Erfolgsaussichten allgemein und speziell in der Eurozone deutlich machen. Diese lassen sich am besten beurteilen, indem die Auswirkungen vergangener und laufender Programme evaluiert werden. Die EZB ist nämlich nicht die erste Zentralbank, die das QE einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen. Die Bank of Japan (BoJ) initiierte bereits 2001 ein solches Programm. Diesem Beispiel folgten die USA und Großbritannien nach der Finanzkrise, die 2007 ihren Anfang nahm. Das Programm der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) begann im Jahr 2008. Die Bank of England (BoE) startete 2009 den massiven Ankauf von Anleihen (vgl. Fawley/Neely 2013: 55ff.).

Die vorliegende Arbeit vergleicht die QE Programme der vier großen Zentralbanken und analysiert die Effektivität dieser. Dazu wird aktuelle Forschungsliteratur zu diesem Thema herangezogen. Des Weiteren werden die Renditen langlaufender Staatsanleihen betrachtet, da diese im Fokus des QE stehen. Besonders die Wirkungsweise des QE und die Auswirkungen der Programme, die bereits lange durchgeführt werden, sind zentrale Themen dieser Arbeit. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Erfolgsaussichten das QE der EZB hat und ob die Kritik berechtigt ist.

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Analyse dieser Thematik. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Untersuchung der konventionellen Geldpolitik und erörtert, warum diese nicht mehr funktioniert und der Einsatz des QE daher seine Berechtigung hat. Im darauf folgenden dritten Kapitel wird das QE grundlegend erklärt. Die Funktionsweisen und Transmissionskanäle werden analysiert. Außerdem erfolgen die Betrachtung der Ausgestaltung in der Eurozone und ein erster Vergleich der QE Programme. In Kapitel 4 wird die Umsetzung des QE in Japan, den USA und Großbritannien detailliert untersucht und die Auswirkungen evaluiert. Des Weiteren werden die Erfolgsaussichten für die Eurozone überprüft. Mit der Kritik am QE beschäftigt sich Kapitel 5.

Daneben setzt sich dieses Kapitel kritisch mit einer möglichen ExitStrategie auseinander.

2. Versagen der traditionellen Geldpolitik

In diesem Kapitel wird dargelegt, warum die traditionelle Geldpolitik ± besonders aktuell in der Eurozone ± ihre Grenzen erreicht hat und die großen Zentralbanken deshalb das QE einsetzen. Mit dem QE soll weiterhin Einfluss auf die Wirtschaft genommen werden. Eine Grafik zu den Inflationsraten und dem Leitzins in der Eurozone unterstützt diese Aussage.

Alan S. Blinder (2010) beschreibt das QE als Mittel zur Bekämpfung der schlimmsten Rezession seit 1937/38, nachdem die konventionellen Maßnahmen an ihre Grenzen gestoßen sind. Er bezieht sich hierbei auf die Politik der Fed, die seit Ende 2008 das QE durchführt. Die wichtigste und effektivste konventionelle Maßnahme hat zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Limit erreicht. Normalerweise dient der Leitzinssatz nicht nur den Geldpolitikern der Fed, sondern auch vielen weiteren Zentralbanken wie der EZB, der BoJ oder der BoE als wirksamstes Mittel, um die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen (vgl. Blinder 2010: 465f). In der Eurozone ist dies der Hauptrefinanzierungssatz, in Großbritannien die Repo Rate, in Japan die Overnight Call Rate und in den USA die Federal Funds Rate. Durch Steuerung dieser Zinssätze versuchen die Zentralbanken hauptsächlich, die Inflationsrate zu beeinflussen, da diese das primäre Ziel darstellt. Artikel 127 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union besagt, dass die Gewährleistung von Preisniveaustabilität das vorrangige Ziel der EZB ist. Mit Preisniveaustabilität ist eine europaweite und mittelfristige Inflationsrate von nahe, aber unter zwei Prozent gemeint. Außerdem soll die EZB die Europäische Union bei der Verwirklichung ihrer Ziele wie Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft unterstützen, sofern das Primärziel nicht beeinträchtigt wird (vgl. Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union Artikel 127). Die Fed verfolgt in den USA ähnliche Ziele, achtet allerdings intensiver auf die Arbeitslosenquote. Eine niedrige Arbeitslosenquote unter 6,5 % und eine Inflationsprognose von mindestens 2,5 % sind dort die erklärten Ziele des QE (vgl. Fawley/Neely 2013: 54). Die Zentralbank Großbritanniens hat sich ebenfalls die Einhaltung der Preisniveaustabilität zum Ziel gesetzt (vgl. Bank of England Act 1998). Auch die BoJ begann ihr QE Programm, um die Inflationsrate zu beeinflussen und für Wirtschaftswachstum zu sorgen (vgl. Ugai 2007: 1f.).

Diese Ziele werden normalerweise durch Geldpolitik in Form von Zinsänderungen erreicht. Bei expansiver Geldpolitik werden beispielsweise die Zinsen gesenkt. Der Transmissionsmechanismus, durch den sich Zinssenkungen auf die Wirtschaft auswirken und die Nachfrage nach Investitions- und Konsumkrediten erhöhen, wird als Zinskanal bezeichnet (vgl. Internetauftritt Deutsche Bundesbank: Zinskanal). Expansive Geldpolitik in Form einer Zinssenkung hilft den Zentralbanken in normalen Zeiten ± das heißt, wenn das Zinsniveau nicht schon sehr niedrig ist ± die Wirtschaft anzukurbeln. Banken sind bei niedrigen Zinsen verstärkt dazu bereit, Geld zu günstigen Konditionen zu verleihen. Des Weiteren reagieren Unternehmen nach einer Zinssenkung mit einem Anstieg ihrer Investitionstätigkeit sowie Privatpersonen mit einer erhöhten Konsumbereitschaft. Dadurch werden Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum positiv beeinflusst. Der Zinssatz verliert jedoch seine Wirkung, wenn er die natürliche Grenze von null erreicht hat. Bei einer Absenkung unter null würden die Menschen das Geld zu Hause aufbewahren, anstatt es zur Bank zu bringen (vgl. Fawley/Neely 2013: 51).

Dieses Phänomen erkannte bereits John Maynard Keynes. Er sprach in diesem Zusammenhang von der Liquiditätsfalle. Diese beschreibt die Situation, in der der Zinssatz die kritische Grenze erreicht hat. Bei der Liquiditätsfalle nach Keynes kann die Grenze auch bei Zinsen über null liegen und ist abhängig von der Zinsreagibilität der Geldnachfrage. Ist diese unendlich groß, so lassen sich keine weiteren Investitionen durch Zinssenkungen anregen und die klassische Geldpolitik ist wirkungslos (Borchert 2003: 174). Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage wird davon ausgegangen, dass diese Wirkungslosigkeit bei Zinsen nahe null einsetzt. Ab dieser Grenze wird das Geld in liquider Form gehalten und nicht mehr bei der Bank verwahrt. Deshalb würde es ohne positive Folgen bleiben, wenn der Zinssatz unter die Grenze von null gesenkt wird. Geld in liquider Form, welches zur Wertaufbewahrung beziehungsweise als Schutz gegen Zinsverluste gehalten wird, wird als Spekulationskasse bezeichnet. Daneben gibt es die Transaktionskasse, in der liquide Mittel für vorhersehbare Transaktionen gehalten werden. Je niedriger die Zinsen sind, desto mehr Geld befindet sich in der Spekulationskasse, da die Nachfrage nach Wertpapieren sinkt. Folglich steigt auch die Geldnachfrage. Erreicht der Zinssatz die kritische Grenze von null, werden sämtliche verfügbare liquide Mittel, abgesehen von der Transaktionskasse, in der Spekulationskasse gehalten, um auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu warten. Das Resultat dieser Wirkungskette ist, dass die expansive Geldpolitik ihre Macht verloren hat (vgl. Blanchard/Illing 2009: 685ff.). Damit liefert Keynes eine Erklärung für die Wirkungslosigkeit der konventionellen Geldpolitik bei sehr niedrigen Zinsen und begründet die Aussage Fawleys, dass die Menschen ihr Geld in diesem Fall zu Hause aufbewahren (vgl. Fawley/Neely 2013: 51).

Der Zinskanal verliert somit seine Bedeutung als Transmissionsmechanismus, da eine weitere Zinssenkung keinen Effekt hätte. Lediglich bei einer Zinserhöhung würde er wieder eine Rolle spielen. Diese Erhöhung würde sich dämpfend auf die Wirtschaft auswirken und ist Bestandteil restriktiver Geldpolitik. In Kapitel 3 dieser Arbeit werden die Transmissionskanäle, die bei Zinsen nahe an der Nullgrenze eine größere Rolle spielen, genauer analysiert.

Die Wirtschaftskrise, die 2007 ihren Anfang nahm, leitete in Kombination mit der Eurokrise ab 2009 eine Phase niedriger Zinsen und Inflations- sowie Wachstumsraten ein. In der folgenden Abbildung wird diese Problematik am Beispiel der Eurozone aufgezeigt. Dadurch soll deutlich werden, dass die konventionelle Geldpolitik ihre Grenzen erreicht hat und wirksamere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Der Einsatz unkonventioneller Instrumente, zu denen das QE zählt, wurde schon im April 2014 aufgrund sehr niedriger Inflationsraten nicht ausgeschlossen. EZB-Präsident Draghi äußerte sich wie folgt: „The Governing Council is unanimous in its commitment to using also unconventional instruments within the ECB’s mandate in order to cope effectively with risks of a too prolonged period of low inflation” (Draghi 2014 : o.S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Monatliche Inflationsrate gegenüber dem Vorjahresmonat in der Eurozone und Hauptrefinanzierungssatz der EZB im Vergleich. Eigene Darstellung auf Grundlage von Daten der EZB (Januar 2007 ± März 2015) und Eurostat (Januar 2007 ± März 2015). Die Zusammensetzung der Eurozone hat sich in der Zeit der Datenerhebung mehrfach geändert und wurde entsprechend berücksichtigt. Basisjahr der Inflationsrate ist 2005.

Auf der Abszisse wird der Zeitraum von Januar 2007 bis März 2015 dargestellt. Die Ordinate zeigt die Prozentsätze der monatlichen Inflationsrate und des Hauptrefinanzierungssatzes, dem wichtigsten Leitzins der EZB. In der Abbildung wird deutlich, dass der Leitzins immer an die Inflationsrate beziehungsweise an die Inflationserwartung angepasst wird. Bei hoher Inflationsrate ± zum Beispiel im Jahr 2008 ± war auch der Leitzins auf einem hohen Niveau, um die Inflationsrate wieder in Richtung des Ziels von zwei Prozent zu senken. Besonders deutlich wird diese Anpassung, als die Inflationsrate im Juni und Juli 2008 bei 4 % lag. Am 3. Juli erhöhte die EZB den Leitzins von 4 % auf 4,25 %, um zu zeigen, dass dieses Inflationsniveau zu hoch ist. Dies wird als restriktive Geldpolitik bezeichnet. Ist die Inflationsrate zu niedrig, wird auch der Leitzins gesenkt, um Konsum und Investitionen zu steigern, wodurch die Inflationsrate ansteigen sollte (expansive Geldpolitik).

Mittlerweile befindet sich der Leitzinssatz allerdings seit dem 4. September 2014 bei 0,05 % und wurde zuvor seit dem 3. November 2011 stetig gesenkt. Die monatliche Inflationsrate liegt in der Zeit von Dezember 2014 bis März 2015 im negativen Bereich und war bereits zuvor fast zwei Jahre teilweise deutlich unter zwei Prozent. Die Tendenz war in diesem Zeitraum stetig fallend (vgl. EZB- und Eurostat-Daten). Das wichtigste konventionelle Mittel der Zentralbanken, der Leitzinssatz, ist an seine Grenzen gestoßen. Zinssenkungen können keine neuen Impulse für die Inflation setzen, besonders aufgrund der Tatsache, dass eine weitere Absenkung keine Effekte bringen würde. Damit befindet sich die Eurozone in der von Draghi angesprochenen Phase einer anhaltend niedrigen Inflation. Laut seiner Aussage von April 2014 wollte die EZB in diesem Fall zu unkonventionellen Maßnahmen greifen.

Im Folgenden soll der genaue theoretische Zusammenhang zwischen Leitzins und Inflationsrate erklärt werden, um zu verstehen, wie die Zentralbanken über diesen Zinssatz die Inflationsrate normalerweise beeinflussen und wo die Grenzen liegen.

Der Leitzinssatz ist ein nominaler Wert. Die Nachfrage und somit auch das Wachstum einer Volkswirtschaft werden durch den realen Zinssatz (r) bestimmt. Dieser setzt sich aus nominalem Leitzinssatz (t) und er-warteter Inflationsrate (π6) zusammen: r = i-ne. Diese Gleichung wird auch als Fisher-Gleichung bezeichnet (vgl. Richter 1987: 162). Die Risikoprämie wird in diesem Beispiel vernachlässigt. Sobald der nomi-nale Leitzinssatz auf null gesenkt werden muss, beträgt der reale Zins -π6. Eine weitere Zinssenkung hätte keine Wirkung (vgl. Blinder 2010: 466). Besonders bei einer negativen Inflationserwartung - also der Er-wartung einer Deflation - könnte der Realzins, trotz Nominalzinsen von null, zu hoch sein, um Investitionen ausreichend anzuregen. Deflationä¬re Tendenzen und der nominale Zinssatz an der Nullgrenze bezie¬hungsweise in der Liquiditätsfalle, wie bereits erläutert, können somit zu Wirtschaftskrisen führen (vgl. Blanchard/Illing 2009: 689f.). Auch die Taylor Regel, die den nominalen Zinssatz in Abhängigkeit von der Fisher-Gleichung und zusätzlich von gewichteter Inflations- und Output¬lücke sowie einer Zinsglättungskomponente bestimmen soll, fordert das Unterschreiten der Nullgrenze. Dies hätte jedoch keinen Effekt, wie sich in dieser vorliegenden Arbeit bereits herausgestellt hat. Die Zentralban¬ken, denen die Taylor-Regel als Entscheidungshilfe diente, müssen auf unkonventionelle Maßnahmen zurückgreifen.

In diesem Kapitel wird die Problematik der Wirkungslosigkeit konventioneller Geldpolitik bei sehr niedrigen Zinsen deutlich. Die Zahlen aus der Eurozone zeigen eindeutig, dass die Inflationsrate, trotz einer bereits langen Phase mit Zinsen nahe null, noch weit von zwei Prozent, dem Ziel der EZB, entfernt ist. Die Fed und die BoE standen nach der Krise 2007 vor ähnlichen Problemen und mussten zu unkonventionellen Mitteln greifen. In Japan sah sich die BoJ bereits 2001 zu diesem Schritt gezwungen, ebenfalls aufgrund niedriger Inflationsraten und schwacher Wirtschaftsleistung. Im nächsten Kapitel wird besonders auf die Herkunft und Bedeutung des Begriffes QE eingegangen. Das QE soll als unkonventionelles Mittel dazu dienen, die Probleme zu beseitigen oder zumindest zu verringern.

3. Was ist Quantitative Easing?

Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen werden nötig, wenn die konventionellen Maßnahmen der Zentralbank ihr Limit erreicht haben, Inflation und Wirtschaftswachstum aber weiterhin auf niedrigem Niveau stagnieren. Diese haben verschiedene Ausprägungen. Fallweise, zum Beispiel in Dänemark, kommt es zu negativen Zinsen, was wenig erfolgsversprechend ist, wie Kapitel 2 darlegt. Außerdem zählen Maßnahmen zur Unterstützung einzelner Sektoren oder Veränderungen der Inflationsziele der Zentralbanken zu diesen unkonventionellen Methoden (vgl. Joyce et al. 2012: 272). Diese Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlich am häufigsten diskutierten Form, dem QE.

Zum ersten Mal wurde dieser Begriff eingesetzt, um die Geldpolitik der BoJ zu beschreiben, die ab 2001 QE betrieb. Deflationsängste und das Platzen einer Immobilienblase Ende der 90er Jahre waren ausschlaggebend für diese Politik. Der Ausdruck QE soll für den geänderten Fokus stehen, der sich auf quantitative Variablen richtet (vgl. Joyce et al. 2012: 274). Ziel des QE ist es, Rezession und Deflation zu bekämpfen und für angemessenes Wirtschaftswachstum sowie Preisniveaustabilität zu sorgen. Dazu werden Wertpapiere durch die Zentralbank gekauft, die ihre Bilanz verlängern. Hauptsächlich handelt es sich um Staatsanleihen. Aber auch Unternehmensanleihen oder andere Vermögenswerte aus dem privaten Sektor können in die Bilanz der Zentralbank aufgenommen werden. Im Fokus dieser Käufe steht die Menge der gekauften Papiere (vgl. Joyce et al. 2012: 276). Dies wird auch in der Aussage des ehemaligen Direktoriumsmitglied der EZB Lorenzo Bini Smaghi GHXWOLFKÄWhen the central bank decides to expand the size of its balance sheet, it has to choose which assets to buy. In theory, it could purchase any asset from anybody³ (Bini Smaghi 2009: 4). Somit spielt die Größe der Bilanzausweitung eine wichtigere Rolle als die Art der Wertpapiere.

Eine ähnliche Maßnahme wie die Ausweitung der Bilanz ist es, die Komposition dieser zu verändern. Um dies zu erreichen, kauft die Zentralbank zum Beispiel langlaufende Staatsanleihen und verkauft gleichzeitig Staatsanleihen, die in naher Zukunft auslaufen. Eine andere Möglichkeit wäre der Verkauf von Staatsanleihen und ein Kauf von risikoreicheren Papieren wie etwa Unternehmensanleihen. Dadurch wird die Bilanz nicht ausgeweitet, das Risikoprofil der Zentralbank ändert sich aber und kann ebenfalls ein Wirtschaftswachstum herbeiführen (vgl. Joyce et al. 2010: 5). In diesem Fall wird auch von Ä&UHGLW(DVLQJ³ gesprochen. Der ehemalige Vorsitzende der Fed Ben Bernanke bezeichnet es ebenfalls mit diesem Ausdruck. Credit Easing zielt speziell auf einzelne Bereiche einer Volkswirtschaft ab, kann jedoch auch QE beinhalten (vgl. Fawley/Neely 2013: 55). Daher fällt eine Unterscheidung schwer. Insbesondere bei einer Betrachtung der Auswirkungen ist eine genaue Differenzierung nicht möglich.

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Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die Politik der großen Zentralbanken im Vergleich. Auswirkungen und Erfolgsaussichten von Quantitative Easing
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Makroökonomie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
41
Katalognummer
V334520
ISBN (eBook)
9783668245938
ISBN (Buch)
9783668245945
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gute Leistung, sehr aktuell, berühmte Autoren richtig zitiert, anerkannter Lehrstuhl in Münster, guter Professor, sehr wichtiges Forschungsfeld
Schlagworte
Zentralbank, Quantitative Easing, Quantitative Lockerung, EZB, Europäische Zentralbank, Eurozone, Fed, Bank of England, Bank of Japan, Geldpolitik, Makroökonomie, Mario Draghi, Staatsanleihen, Inflation, Deflation, Zinsen, Zinspolitik, Null-Zinspolitik, Leitzins, Liquiditätsfalle, QE, Finanzkrise, Schuldenkrise, USA, Japan, England, Bundesbank, Transmissionskanal, Zinskanal, traditionelle Geldpolitik, unkonventionelle Geldpolitik
Arbeit zitieren
Markus Engelmann (Autor), 2015, Die Politik der großen Zentralbanken im Vergleich. Auswirkungen und Erfolgsaussichten von Quantitative Easing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334520

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