Die Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Analyse des Konsultationspapiers des Basler Ausschusses Nr. 319


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zinsschockszenarien
2.1. Generelle Berechnung
2.2. Berechnungsbeispiele

3. Behandlung von Positionen im Anlagebuch
3.1. Systematik
3.2. Beispielhafte Aufteilung der variablen Einlagen
3.3. Beispielhafte Aufteilung von Darlehen

4. Eigenkapitalanforderungen

5. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zinsschockszenarien per 30.12.2015

Abbildung 2: Aufteilung der variablen Einlagen 1/2

Abbildung 3: Aufteilung der variable Einlagen 2/2

Abbildung 4: Abgeleitete Cashflows der variablen Einlagen

Abbildung 5: Zinsschockszenarien per 19.10.1999

Abbildung 6: Schematische Darstellung der Ermittlung von Kapitalanforderungen für IRRBB

Abbildung 7: Cashflow des Darlehensportfolios je Szenario

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mindestkapitalunterlegung des IRRBB

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat im Juni 2015 ein Konsultationspapier zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch herausgegeben. Durch die darin vorgestellte Unterlegung von Zinsänderungsrisiken mit Eigenkapital soll sichergestellt werden, dass Banken gerade beim derzeit niedrigen Zinsniveau in der Lage sind, mögliche Verluste durch eintretende Zinsänderungsrisiken mit Eigenkapital zu absorbieren. Weiterhin sollen vorhandene Abitragemöglichkeiten zwischen dem Handels- und Anlagebuch und durch unterschiedliche Rechnungslegungsvorschriften vermindert werden. Vorgestellt werden zwei Optionen zur Behandlung von Zinsänderungsrisiken, einerseits ein standardisierter Ansatz innerhalb der Säule 1 und andererseits ein erweiterter Säule 2 Ansatz mit Teilen aus Säule 3. In dieser Arbeit geht es im Folgenden um den Säule 1 Ansatz, der den Vorteil hat, dass die Ergebnisse konsistenter, transparenter und vergleichbarer sind als beim erweiterten Säule 2 Ansatz, der dafür Marktbesonderheiten und spezielle Risikomessverfahren berücksichtigen könnte (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 1–2).

Generell entstehen „Zinsänderungsrisiken [..] aus unterschiedlichen Zinsbindungsdauern auf Aktiv- und Passivseite sowie aus unterschiedlichem Zinsanpassungsverhalten variabel verzinslicher Positionen“ (Hartmann-Wendels et al., 2015, S. 561). Diese Zinsänderungsrisiken sind für Banken momentan von besonderem Interesse, da die Anleger von langfristigen Anlagen auf Sichteinlagen umgeschichtet haben und Kreditnehmer sich das niedrige Zinsniveau durch lange Sollzinsbindungsfristen gesichert haben. Insbesondere die sinkenden Opportunitätskosten der Geldhaltung (rückläufiger Zinsabstand zwischen Spar- bzw. Termineinlagen und Sichteinlagen), die Risikoaversion und die Liquiditätspräferenz der Anleger haben zu dieser Entwicklung geführt (vgl. Deutsche Bundesbank, 2015a, S. 38–39, 2015b, S. 13–32). Von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wird das Thema der Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs ebenfalls durch eine neu herausgegebene Leitlinie (EBA/GL/2015/08) adressiert, darin geht es besonders um Szenarien und Stresstests, Bewertungsprämissen, verschiedene Methoden zur Messung des Zinsänderungsrisikos und die Zuteilung von Kapital für Zinsänderungsrisiken (vgl. European Banking Authority, 2015).

Zuerst werden im Folgenden die vom BCBS beschriebenen Zinsschockszenarien dargestellt, dann auf die Systematik der Aufteilung der Positionen des Anlagebuchs auf die Laufzeitbänder eingegangen und dabei besonders die Überlegungen zu variablen Einlagen dargestellt. Diese sind von besonderem Interesse, da hier beide Parteien die Möglichkeit haben, unmittelbar zu reagieren, der Bankkunde kann diese rechtlich gesehen täglich verfügen und die Bank den Zinssatz variabel anpassen. Da die verhaltensbezogene Laufzeit länger ist als die vertragliche Laufzeit, werden Annahmen über die verhaltensbezogene Laufzeit getroffen, die die Messung des Zinsänderungsrisikos beeinflussen. Anschließend folgt die Darstellung, wie Zinsänderungsrisiken künftig bei der Eigenkapitalunterlegung zu berücksichtigen wären und abschließend eine Gesamtschau der Arbeit.

2. Zinsschockszenarien

2.1. Generelle Berechnung

Innerhalb des Säule 1 Ansatzes sind sechs verschiedene Szenarien vorgegeben, dazu gehören ein paralleler Schock nach oben und unten, eine steilere und flachere Zinsstrukturkurve und ein Schock der kurzfristigen Zinsen nach oben und unten (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 15-17, 56-58). Die Berechnung erfolgt auf der Grundlage eines stetigen lokalen risikofreien Zerozinssatzes (R) für jeden Mittelpunkt der genutzten Zeitbänder (tk) je Währung (c). Ein weiteres Element der Berechnung ist ein globaler Schockparameter (𝛼̅j), der nach der beobachteten globalen Volatilität je nach Zinsschockszenario (j) festgelegt ist und ein Anpassungsfaktor Sj(tk) je nach Zinsschockszenario und Laufzeitband. Die generelle Formel für alle Berechnungen bis auf die Rotationsschocks (steiler und flacher) ist:

Für die Berechnung der Rotationsschocks wird eine zusammengesetzte Formel benutzt, die durch Gewichtungsfaktoren zwei feste Zinsschocks kombiniert (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 57–58). Für die einzelnen Zinsschocks sind sowohl Unter- als auch Obergrenzen festgelegt. Demnach beträgt die Veränderung mindestens 100 Basispunkte, maximal 500 Basispunkte für kurzfristige Schocks, maximal 400 Basispunkte für parallele Schocks und maximal 300 Basispunkte für den Schock langfristiger Zinssätze. Eine weitere Bedingung ist, dass alle negativen Zinssätze durch 0 % ersetzt werden (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 17).

Für die Verteilung des Cashflows werden 19 Laufzeitbänder genutzt (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 14), wohingegen der Zinsschock auf 9 Laufzeitbänder angewendet wird (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 56). Da zur Berechnung des wirtschaftlichen Werts des Eigenkapitals (Economic value of equity, EVE) für alle gebildeten Cashflows ein Abzinsungsfaktor benötigt wird, werden die benötigten Werte durch Interpolation bzw. durch Anwendung der nächstgelegenen Schockparameter auf die jeweiligen Zinssätze ermittelt.

2.2. Berechnungsbeispiele

Auf der Basis der zuvor beschriebenen Zinsstrukturkurven wird unter Anwendung der Formeln je Zinsschockszenario eine neue Zinsstrukturkurve errechnet. Als lokaler risikofreier Zinssatz wurde für den Tagesgeldzinssatz der Euro OverNight Index Average (EONIA), für die Zinssätze unterhalb eines Jahres die Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR) und für Zinssätze von einem Jahr und länger die Zerokurve von Thomson Reuters genutzt.

Abbildung 1 : Zinsschockszenarien per 30.12.2015

Quelle: Eigene Berechnung, in Anlehnung an Basel Committee on Banking Supervision (2015, S. 15-17, 56-58)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Abbildung 1 ist dargestellt, welche Zinsstrukturkurven sich mit den Zinssätzen vom 30.12.2015 ergeben. Dabei sind die Szenarien ausschließlich durch die Mindestveränderungen beeinflusst und aufgrund der Begrenzung, dass die Zinssätze der Szenarien nicht negativ werden dürfen, liegt nur das Basisszenario teilweise im negativen Bereich.

Um die Auswirkungen der Berechnungsweise auch für zukünftig mögliche Situationen abseits des momentanen Niedrigzinsumfeldes zu veranschaulichen, lassen sich auch historische Zinsstrukturkurven in die Berechnung laden. Dabei führen sowohl allgemein höhere Zinsniveaus, flachere oder steilere Zinsstrukturkurven und inverse Zinsstrukturkurven zu deutlich anderen Schockszenarien als in Abbildung 1.

Exemplarisch hierzu siehe , in der mit einer steigenden Zinsstrukturkurve vom 19.10.1999 kalkuliert wurde. Dabei ist insbesondere zu erkennen, dass die Szenarien in sehr unterschiedlichen Zinsstrukturkurven enden und sich das Verständnis einer Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve gewandelt hat. Der bisher vorgeschriebene aufsichtsrechtliche Standardschock gemäß Artikel 98 Absatz 5 der Richtlinie 2013/36/EU war ein gleichmäßiger Schock jeder Stützstelle um 200 Basispunkte (vgl. Europäisches Parlament und der Rat, 2013, S. 54). Der hier präsentierte Ansatz dagegen verschiebt die Zinsstrukturkurve an jeder Stützstelle um individuell errechnete Parameter, die teilweise deutlich über die ± 200 Basispunkte hinausgehen.

3. Behandlung von Positionen im Anlagebuch

3.1. Systematik

Um die Kapitalanforderungen für das Zinsänderungsrisiko zu bestimmen, wird ein sechsstufiger Ablaufprozess, wie in Abbildung 6 dargestellt, durchgeführt. In Stufe 1 werden alle zinssensitiven bilanziellen und außerbilanziellen Positionen nach ihrer Standardisierung aufgeteilt (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 13). Dabei stellen beispielsweise Kredite mit vorzeitiger Rückzahlungsoption, jederzeit abrufbare Kreditlinien und Einlagen mit unbestimmter Fälligkeit (Non-maturity deposits, NMD) ungeeignete Positionen dar, da sie nicht standardisiert sind. Festgeldanlagen oder Kredite mit fest vereinbarten Zins- und Rückzahlungsterminen dagegen fallen in die Kategorie ‚Geeignet‘ und können direkt den vorgeschriebenen 19 Laufzeitbändern zugeordnet werden (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 14).

In die Kategorie ‚Weniger geeignet‘ fallen beispielsweise in Grundgeschäfte eingeschlossene Optionen oder explizite Zinsoptionen, hierbei sind der Cashflow und/oder der Zeitpunkt unsicher. Ein Beispiel für eine eingeschlossene Option ist ein Darlehensvertrag mit einem vereinbarten Zins Cap und/oder Floor. Der Darlehenscashflow fällt hierbei bis zu seinem nächsten Zinsanpassungstermin in die Kategorie ‚Geeignet‘, wohingegen der Cap/Floor als separate Option innerhalb der Kategorie ‚Weniger geeignet‘ bewertet wird.

Nachdem alle Cashflows auf die 19 Laufzeitbänder aufgeteilt sind, wird in Stufe 3 die Veränderung des EVE für alle 6 Szenarien und die Veränderung des Nettozinsertrags (Net interest income, NII) für die beiden Parallelschocks berechnet.

In Stufe 4 erfolgt die Addition der Änderungen der Optionswerte je nach Szenario zu den berechneten EVE Veränderungen und die Addition der Änderungen des Basisrisikos zu den NII Veränderungen.

Die Aggregation der Schocks in Stufe 5 erfolgt in verschiedenen Währungen unter der Annahme von Diversifikationseffekten, zur Berechnung dieser und der sich daraus ergebenden Eigenkapitalanforderungen siehe Kapitel 4 (vgl. Basel Committee on Banking Supervision, 2015, S. 34).

3.2. Beispielhafte Aufteilung der variablen Einlagen

Variable Einlagen (NMD) sind dadurch gekennzeichnet, dass der Sparer das Recht hat, das Guthaben jederzeit vom Konto zu verfügen. Nichtsdestotrotz verhält sich ein Teil der Einlagen wie Langzeitanlagen, selbst bei größeren Zinsveränderungen findet dort kein Abzug der Einlagen oder eine Umschichtung in eine andere Anlage statt. Die Herausforderung besteht infolgedessen darin, die festen Einlagen von den zinssensitiven zu unterscheiden und diese adäquat in die Laufzeitbänder aufzuteilen. Der BCBS ist sich bei dem folgenden Vorschlag darüber bewusst, dass das tatsächliche Verhalten von weit mehr Faktoren und länderspezifischen Besonderheiten abhängt. Im Zielkonflikt zwischen Einfachheit und Genauigkeit werden zwei Verfahren vorgestellt.

[...]

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Details

Titel
Die Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Analyse des Konsultationspapiers des Basler Ausschusses Nr. 319
Hochschule
Universität zu Köln  (Universität zu Köln)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V334526
ISBN (eBook)
9783668242227
ISBN (Buch)
9783668242234
Dateigröße
1068 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zinsänderungsrisiko, IRRBB, BCBS, Baseler Ausschuss, Zinsen, ZÄR
Arbeit zitieren
Christoph Schubert (Autor:in), 2016, Die Messung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch. Analyse des Konsultationspapiers des Basler Ausschusses Nr. 319, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334526

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