Der Italienisch-Spanische Sprachkontakt. Lexikalische Einflüsse des Spanischen in Süditalien


Seminararbeit, 2013

12 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Chronologische Entwicklung des italienisch-spanischen Sprachkontakts
2.1 XIII. und XIV. Jahrhundert
2.2 XV. Jahrhundert
2.3 XVI. und XVII. Jahrhundert

3 Kastilismen
3.1 Kastilismen in der italienischen Standardsprache
3.2 Kastilismen in den süditalienischen Dialekten

4 Schluss

5 Bibliographie

Tabellen

Tabelle 1: Aufnahme von Kastilismen in die italienische Standardsprache

Tabelle 2: Iberismen in der italienischen Standardsprache

1 Einleitung

Zwar ist die Sprachkontaktforschung ein noch relativ junges Forschungsgebiet der Romanistik, Sprachkontakte zwischen den romanischen Sprachen selbst gibt es allerdings schon seit vielen Jahrhunderten. So auch zwischen der italienischen und der spanischen Sprache. In dieser Arbeit soll ein Überblick über die lexikalischen Einflüsse des Spanischen in Süditalien dargestellt werden. Die unter Punkt zwei aufgezeigten historischen Hintergründe, die die Aufnahme von Hispanismen in den italienischen Wortschatz, zum Teil auch über die süditalienischen Dialekte (vgl. auch 3.2), immens begünstigten, macht deutlich, warum diese Arbeit sich auf Süditalien und seine Inseln beschränkt. Beginnend mit der katalanisch-aragonesischen Herrschaft auf Sizilien beginnt eine lange Epoche spanischsprachiger Herrscher, die nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihre Traditionen, Bräuche und Kultur nach Italien trugen. “La lingua straniera di gran lunga predominante nell’Italia cinquecentesca è lo spagnolo, per l’intensa simbiosi stabilita tra dominanti e dominati” (Migliorini 1963: 329). Da die Forschung hierbei auf diese zeitliche Periode gerichtet ist, wird auf die nicht geringen Einflüsse des Spanischen auf das Italienische nach dem Ende der habsburgischen Dynastie zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht eingegangen. Zwar hinterließ die spanische Sprachen ebenso Spuren in der italienischen Grammatik, “in qualche caso lo spagnolismo incide addirittura sulla grammatica: abbiamo già ricordato l’uso di lo che, particolarmente vivo negli scrittori meridionali” (Migliorini 1963: 421), doch soll diese Arbeit rein auf die lexikalische Einflüsse beschränkt bleiben.

Die Begriffe Kastilisch und Spanisch werden in dieser Arbeit parallel miteinander verwendet. Demgegenüber steht die katalanische Sprache, die gemeinsam mit Ersteren die Gruppe der Hispanismen bildet, welche wiederum vergleichend mit den Iberismen stehen. Letztere verstehen sich im Kontext dieser Arbeit als Gruppe der drei meistgesprochenen Sprachen der iberischen Halbinsel, nämlich Spanisch, Katalanisch und Portugiesisch. Des Weiteren soll zwischen drei verschiedenen Arten von Hispanismen, die sich nach dem Gebrauch orientieren, unterschieden werden. Demzufolge unterscheiden wir zwischen Hispanismen, die erstens nur von dem einen oder anderen Autor Verwendung fanden, der in engem Kontakt mit dem spanischen Mutterland stand, die zweitens nach einem eher kurzlebigen Gebrauch verschwanden ohne eine Spur zu hinterlassen und die drittens aufgrund ihres starken und langlebigen Gebrauchs meist in den italienischen Wortschatz übernommen wurden (vgl. Zolli 1991: 121). Letztere bilden den Mittelpunkt der Forschung Arbeit, die sich nach der Frage richtet: Welche lexikalischen Einflüsse hatte die spanischer Sprache zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in Süditalien?

2 Chronologische Entwicklung des italienisch-spanischen Sprach- kontakts

2.1 XIII. und XIV. Jahrhundert

Bereits 1282 beginnt mit der Eroberung[1] Siziliens gegen das französische Haus Anjou die katalanisch-aragonesische Präsenz in Italien und damit auch die Präsenz der katalanischen Sprache, die sich 1323 auch auf Sardinien ausweiten sollte (vgl. D’Agostino 1994: 800). Peter der III. von Aragon wird als Peter I. zum König von Sizilien ausgerufen (1282-1285). Den Aragonesen, die seit der Hochzeit zwischen dem Grafen von Barcelona, Ramón Berenguer IV. (1131-1162), und Petronella von Aragon im Jahre 1137 mit der katalanischen Krone vereint waren, war es nun gelungen das Erbe der Staufer in Süditalien anzutreten. Seither wurden die italienischen Reiche Aragons von den Königen direkt oder von Seitenlinien des aragonesischen Königshauses regiert, die sich trotz ihres auf Aragon ausgelegten Herrschertitels vor allem an den katalanischen Interessen orientierten (vgl. Collado Seidel 2007: 31f; Bernecker 1997: 34). Die Krone von Aragonien stellte gewissermaßen eine Föderation mit Katalonien, Valencia und Mallorca dar, zu der auch die überseeischen Gebiete in Italien, nämlich Sizilien, Neapel und Sardinien, gehörten (vgl. Bernecker 2010: 9). Die Herrschaft des Hauses Aragon sollte auf Sizilien bis 1516 andauern (vgl. Dittelbach 2010: 123).

2.2 XV. Jahrhundert

Eine besondere Rolle für die spanische Herrschaft in Italien sollte Alfons V. von Aragon (1396-1458), el Magnànim (dt. der Großmütige), spielen, der die Anjou vom süditalienischen Festland vertrieb und 1442 nicht nur die Krone Neapels eroberte, sondern auch seinen Regierungssitz in das neu gewonnene Königreich verlegte (vgl. Reinhardt/ Sommer 2010: 121; Brunetti 2009: 140) und dort bis 1458 als „König beider Sizilien“(rex utriusque Siciliae) regierte (vgl. Dittelbach 2010: 123; D’Agostino 1994: 800f). In diesem Zusammenhang intensivierten sich nicht nur die ökonomischen Verbindungen Neapels, welches sich zu einem Zentrum der Renaissance und des Humanismus herausbilden sollte, zur iberischen Halbinsel (vgl. Pisani 2009: 47ff), sondern auch der Kontakt zwischen der italienischen und der spanischen Sprache.

Als Nachfolger seines verstorbenen Vaters Johann II. wurde Ferdinand II. 1479 König von Aragon. Damit waren die Kronen Kastiliens und Aragoniens, die bereits seit 1474 durch Isabella und Ferdinand in Matrimonialunion geführt wurden, in einer Doppelmonarchie unter einem Herrscherpaar vereint (vgl. Bernecker 2010: 9ff; 18), wodurch sich ein „neues europäisches Machtzentrum“ (Dittelbach 2010: 61) herausbildete. Ab dem Jahre 1494 wurde der sogenannte Aragonienrat einberufen, „der zur höchsten Verwaltungsbehörde für alle Kronländer – somit auch für Sizilien, Neapel und Sardinien – wurde“ (Bernecker 2010: 11). Die Vereinigung beider Kronen, deren Herrschaft in Italien unter den spanischen Vizekönigen bis 1713 andauern sollte (vgl. Dittelbach 2010: 123), hatte auch zur Folge, dass die Hofsprache von nun an nicht mehr Katalanisch, sondern vielmehr Kastilisch sein sollte. Des Weiteren ergab sich aus der Verschiebung des Herrschersitzes ein verstärkter Zuzug spanischer Adliger, Literaten, Händler und Handwerker. Vor allem durch Erstere wurden spanische Sitten, Gebräuche und Modeerscheinungen auf den süditalienischen Adel und auch dessen Sprachgebrauch übertragen. Zwar verdrängten die Habsburger 1503 die Aragonesen, allerdings änderte dies nichts an der spanisch-italienischen Sprachkontaktsituation, da das Kastilische die Hofsprache des nunmehr als tributpflichtige Provinz des spanisch-habsburgischen Weltreichs geltende Königreich Neapel blieb.

2.3 XVI. und XVII. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert kämpfen Frankreich und Spanien um die Vormachtstellung auf der italienischen Halbinsel, die durch die Schlacht von Pavia 1525 zugunsten der Spanier ausfällt, aber erst endgültig im Frieden von Cateau Cambrésis 1559 beschlossen wird (vgl. Zolli 1991: 120). Damit übernimmt Spanien die unmittelbare Kontrolle Süditaliens und der Lombardei. Auch hinsichtlich des Spracheinflusses lässt sich feststellen, dass „le lingue che influiscono più fortemente sul lessico italiano in questo periodo sono il francese e lo spagnolo […]” (Migliorini 1963: 417). In Folge der Machtsicherung der spanischen Krone und der sich dadurch verstärkenden Verbindung der spanischen und italienischen Nationen verbreitet sich das Kastilische weiter unter den Italienern. Dabei ist der spanischer Spracheinfluss keineswegs auf die Welt der Literatur oder der Politik beschränkt, sondern hinterlässt neben den Spuren in den süditalienischen Dialekten ebenso welche in der italienischen Standardsprache (vgl. Zolli 1991: 121).

[…] il perfetto cortegiano doveva conoscere oltre al francese lo spagnolo […] Ma la conoscenza di questa lingua non è limitata al mondo delle lettere o dell’alta politica, giacché esso, penetrando nelle cancellerie di Milano e di Napoli, si diffonderà anche a livello popolare, lasciando tracce durature nei dialetti non meno che nella lingua […] (ebd.: 120f).

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts befinden sich die Zentren der spanischen Kultur auf italienischem Boden neben Rom und Neapel auch in Ferrara (vgl. D’Agostino 1994: 804).

Il libro spagnolo gode di una buana presenza […]. La conoscenza della lingua spagnola si diffonde anche di là da necessità meramente pratiche: […] qualche letterato italiano scrive direttamente in casttgliano […] (ebd.).

Bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird die erste spanische Grammatik für Italiener veröffentlicht, Il paragone della lingua toscana e castigliana (1560) von Giovanni Mario Alessandri, welcher zehn Jahre später das erste bilinguale italienisch-spanische Wörterbuch, das Vocabulario de las dos lenguas Toscana y Castellana von Cristóbal de las Casas, folgt (vgl.ebd.: 805).

Im 17. Jahrhundert bleibt die spanische Herrschaft Spaniens unverändert. Allerdings verringert sich die Anziehungskraft der spanischen Kultur und mit ihr die Aufnahme der Hispanismen in die italienische Sprache (vgl. ebd.: 808).

Le traduzioni di autori spagnoli […] continuano, ma in misura esigua […] e si riduce l’interesse per la letteratura geografica. Se è vero che non poche opere drammatiche spagnole sono all’origine di commedie italiane […], non si può dire che il nostro teatro abbia saputo (o voluto) emulare la grandezza di quello barocco castigliano (ebd.: 808f).

[...]


[1] Die Vertreibung der französischen Anjou aus Sizilien am Ostermontag 1282 wird auch als „Sizilianische Vesper“ bezeichnet (vgl. Reinhardt/ Sommer 2010: 116f).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Italienisch-Spanische Sprachkontakt. Lexikalische Einflüsse des Spanischen in Süditalien
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V334540
ISBN (eBook)
9783668245013
ISBN (Buch)
9783668245020
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
italienisch-spanische, sprachkontakt, lexikalische, einflüsse, spanischen, süditalien
Arbeit zitieren
Patrick Poliudovardas (Autor), 2013, Der Italienisch-Spanische Sprachkontakt. Lexikalische Einflüsse des Spanischen in Süditalien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334540

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Italienisch-Spanische Sprachkontakt. Lexikalische Einflüsse des Spanischen in Süditalien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden