Im Rahmen des Seminars ‚Soziale Probleme‘ haben wir uns mit verschiedenen sozialen Problematiken innerhalb einer Gesellschaft befasst. Da der Fußball nicht selten als Spiegel, Zerrbild oder Brennglas einer ebensolchen bezeichnet wird, möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit sozialen Problemen innerhalb des Zuschauerverhaltens der 1. Fußball Bundesliga beschäftigen.
Um ein möglichst flächendeckendes Abbild zu gewährleisten, habe ich mir die Thematiken Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus sowie Gewalt ausgesucht. Selbstredend ist es mir nicht möglich, diese Bereiche detailliert darzustellen, da eine solche Abbildung jeglichen Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde. Weiterhin beschäftige ich mich überwiegend mit dem Zuschauerverhalten in der 1. Fußball Bundesliga, wobei ich das ein oder andere Mal auch Ein- bzw. Ausblicke in andere nationale sowie internationale Wettbewerbe wagen werde.
Die Probleme, mit denen ich mich in dieser Arbeit beschäftige, sind oft Verschränkungen oder Überlappungen ausgesetzt, dennoch werde ich versuchen mich mit jeder Thematik einzeln zu beschäftigen und Verbindungen strukturiert und deutlich darzustellen.
Beginnen werde ich diese Hausarbeit mit einer allgemeinen Definition sozialer Probleme. Daraufhin werde ich versuchen, den Ursprung und die Entwicklung des Fußballs in England zu beschreiben und kurz auf die Entfaltung des Fußballsports in Deutschland eingehen. Anschließend folgen eine Differenzierung der Fankultur und –szene in Deutschland sowie eine Beschreibung der Ausbreitung, Attraktivität und Funktion des Fußballs (für den Zuschauer). Im Anschluss erläutere ich, wie und warum es zu problematischen Verhaltensweisen im Zuschauererhalten kommen kann und werde daraufhin einzeln auf die Bereiche der Homophobie, des Rassismus, des Rechtsextremismus und der Gewalt eingehen. Abschließend möchte ich versuchen, diese Probleme, ihr Auftreten sowie ihre Bewältigungsversuche zusammenzufassen und gegenüberzustellen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Definition ‚Soziale Probleme‘
4. Fußball – Ein Massenphänomen
4.1 Ursprung und Entwicklung in England
4.2 Fußball in Deutschland
4.2.1 Von der ‚englischen Krankheit‘ zum Massenphänomen
4.2.2 Entwicklung der Fankultur und –szene
4.3 Ausbreitung, Attraktivität und Funktion des Fußballs
5. Soziale Probleme im Zuschauerverhalten
5.1 Das Fußballstadion als „Spiegel der Gesellschaft“ – Wie und warum kommt es zu problematischen Verhaltensweisen?
5.2 Homophobie
5.2.1 Definition – Was bedeutet ‚Homophobie‘?
5.2.2 Homophobie im Zuschauerverhalten
5.2.3 Auswirkungen homophoben Zuschauerverhaltens auf homosexuelle Spieler
5.3 Rassismus
5.3.1 Definition – Wie ist ‚Rassismus‘?
5.3.2 Rassismus im Zuschauerverhalten
5.3.3 Exemplarische Reaktionen auf rassistisches Zuschauerverhalten seitens der Spieler
5.4 Exkurs: Hooligans versus Ultras
5.5 Rechtsextremismus
5.5.1 Definition – Was versteht man unter ‚Rechtsextremismus‘?
5.5.2 Rechtsextremismus im Zuschauerverhalten
5.5.3 Das ‚Kühnen-Papier‘
5.6 Gewalt
5.6.1 Definition – Was versteht man unter ‚Gewalt‘?
5.6.2 Gewalt im Zuschauerverhalten
5.6.3 Ausdehnung der Gewalt: Spieltagsgsbezogene und –unabhängige Gewalt versus Gewaltevent-Tourismus versus rechte Gewalt
6. Abschluss – Zusammenfassung und Maßnahmenbeschreibung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht soziale Problematiken im Zuschauerverhalten der 1. Fußball Bundesliga. Das primäre Ziel ist es, die Ausprägungen und Ursachen von diskriminierendem und gewalttätigem Verhalten in diesem Kontext zu analysieren und gesellschaftliche Implikationen sowie Ansätze zur Bewältigung darzustellen.
- Analyse von Homophobie im Zuschauerverhalten und deren Auswirkungen auf Profifußballer.
- Untersuchung von Rassismus als andauerndes Phänomen und dessen Wandel im Stadionumfeld.
- Differenzierung der Fankulturen, insbesondere der Rollen von Hooligans und Ultras.
- Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Unterwanderungsversuchen der Fanszene.
- Erörterung von Gewaltformen sowie deren Ausdehnung über den Fußballkontext hinaus.
Auszug aus dem Buch
5.2.3 Auswirkungen homophoben Zuschauerverhaltens auf homosexuelle Spieler
Nicht nur im Zuschauerverhalten, sondern auch bei Funktionären und aktiven Spielern wirft das Thema Homosexualität Emotionen und Kontroversen auf. Dementsprechend scheint es auch nicht fragwürdig, dass sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch kein aktiver Spieler der 1. oder 2. Bundesliga offen zu seiner Homosexualität bekannt hat. Zwar mag das homophobe Verhalten der Fans nicht zwangsläufig der Absicht geschuldet sein, schwule oder lesbische Menschen zu diskriminieren, dennoch zwingt es homosexuelle Sportler dazu, „ständig einen großen Teil ihrer Persönlichkeit zu verleugnen und zu verstecken“. Hinzu kommen auch die mediale Angst sowie die Befürchtung, der gesamten Mannschaft zu schaden, so dass beispielsweise der ehemalige Nationalspieler Oliver Kahn: „‘Ein Spieler der sich outet, steht jeden Samstag im Stadion vor den gegnerischen Fans. (…) Ich würde einem schwulen Fußballspieler ein Coming-Out nicht raten‘“ und der DFL-Präsident Reinhard Rauball: „‘Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich einem Spieler noch nicht guten Gewissens zu einem öffentlichem Coming-Out raten‘“, klar von einem Outing abraten.
Rückendeckung erhalten schwule Spieler dennoch. Ein erstes Zeichen setzen hier, neben bereits bestehenden Faninitiativen und Fanclubs sowie Kampagnen, Uli Hoeneß und Wolfgang Niersbach, die nicht nur Unterstützung zusichern, sondern auch als „erste Unterzeichner’innen der sog. ‚Berliner Erklärung‘ [öffentlich] gegen Homophobie“ eintreten. Ein ebenso klares Statement setzt 2014 der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzelsperger, der sich nach seiner Karriere offen zu seiner Homosexualität bekennt. Das Feedback mag zwar, vor allem medial, überwiegend positiv gewesen sein, Fans und Funktionäre stehen einem Outing (während der aktiven Karriere) dennoch weiter kritisch gegenüber. Eine Ambivalenz gegenüber Homosexualität besteht im Fußball also weiterhin, so dass homosexuelle Fußballer an dieser Stelle, trotz zahlreicher Ambitionen, noch immer auf sich allein gestellt sind. Denn trotz möglicher Toleranz und auch Akzeptanz, „vom Leben der Schwulen“ haben die meisten Menschen einfach „keine Ahnung“.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Fußballs als Spiegel gesellschaftlicher Missstände ein und definiert den Fokus auf die 1. Fußball Bundesliga.
3. Definition ‚Soziale Probleme‘: Das Kapitel erläutert den soziologischen Begriff sozialer Probleme als Abweichung von gesellschaftlichen Normen.
4. Fußball – Ein Massenphänomen: Hier werden die historische Entwicklung, die Professionalisierung und die Entstehung der Fankultur beleuchtet.
5. Soziale Probleme im Zuschauerverhalten: Der Hauptteil analysiert detailliert die Bereiche Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt im Kontext der Zuschauerschaft.
6. Abschluss – Zusammenfassung und Maßnahmenbeschreibung: Dieser Abschnitt fasst die Problematiken zusammen und diskutiert notwendige Kooperationen zwischen Akteuren zur Bewältigung der Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Fußball Bundesliga, Zuschauerverhalten, Soziale Probleme, Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus, Gewalt, Fanszene, Hooligans, Ultras, Diskriminierung, Fanprojekte, Stadionordnung, gesellschaftlicher Freiraum, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Schattenseiten des Fußballs in der 1. Fußball Bundesliga und untersucht, wie soziale Probleme wie Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt das Zuschauerverhalten prägen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die soziologische Einordnung sozialer Probleme, die Geschichte des Fußballs, die Differenzierung verschiedener Fankulturen sowie spezifische Diskriminierungsformen im Stadion.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum das Stadion trotz integrativer Ansätze ein Ort bleibt, an dem diskriminierende und gewalttätige Verhaltensweisen existieren, und wie diese durch gesellschaftliche Bedingungen beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Literatur, aktueller Studien zum Zuschauerverhalten und der Untersuchung dokumentarischer Belege wie Stadionordnungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt sowie deren jeweilige Definitionen, Erscheinungsformen im Stadion und die Auswirkungen auf Betroffene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Fußball Bundesliga, Diskriminierung, Fanszene, Hooligans, Ultras und soziale Probleme stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Warum outen sich homosexuelle Fußballer im Profibereich laut Arbeit kaum?
Die Arbeit verdeutlicht, dass das Stadion als ein Ort wahrgenommen wird, an dem heteronormative Männlichkeitsbilder dominieren, was bei Spielern mediale Angst und die Befürchtung vor Anfeindungen durch Fans und Öffentlichkeit auslöst.
Welche Rolle spielen Stadionordnungen im Kampf gegen Rechtsextremismus?
Sie dienen als formale Instrumente der Vereine, um diskriminierendes und rechtsextremes Verhalten zu sanktionieren, auch wenn ihre Wirksamkeit in der Praxis oft von der Umsetzung und Sensibilität der Akteure abhängt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2015, Die Schattenseiten der schönsten Nebensache der Welt. Homophobie, Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt im Zuschauerverhalten der 1. Fußball Bundesliga, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334738