Die Gothic-Szene ist seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren mit negativen Vorstellungen wie Satanismus und Suizid behaftet und stößt immer wieder auf Ablehnung. Auf Außenstehende wirkt sie gruselig, abschreckend und morbide.
Von den Medien wird dieses Bild zusätzlich durch Medienbeiträge im Fernsehen und dem Internet unterstützt. Doch was steckt hinter der Musik dieser Szene, wie lassen sich die Texte musikpsychologisch begründen und welche Stilrichtungen haben sich in der heutigen Zeit entwickelt und welche Funktion hat sie für die Jugendlichen / für Identitätsbildung?
Hierbei wird unter Hinzuziehung von Fachliteratur herausgearbeitet, was die Gothic Szene kennzeichnet. Betrachtet wird außerdem das Geschlechterverhältnis in der Gothic Szene. Daran anknüpfend wird die Gothic Musik betrachtet und die Frage in den Fokus gestellt, wer die Macher/innen der Musik sind. Dann werden Stilrichtungen von Gothic Musik vorgestellt und zwei neuere Stilrichtungen in den Fokus genommen. Dabei handelt es sich um „Industrial“ und „Neue Deutsche Todeskunst“.
Im vierten Kapitel liegt der Fokus auf der Identitätsbildung. Betrachtet wird dabei zuerst die allgemeine Bedeutung von Musik in der Jugendphase. Konkretisiert am Songinhalt, an der Inszenierung und Kleidung in der Gothic Szene, und an den geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen wird dargestellt, wie geschlechtliche Identität durch die Musik der Gothic Szene konstruiert wird.
Anschließend werden die Konsequenzen für die Soziale Jugendarbeit diskutiert, und Anregungen gegeben, wie die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen der Gothic Szene in Einrichtungen wie Offene Treffs und in der Jugendarbeit allgemein langfristig aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Gothic Szene
2.1 Der Begriff Gothic
2.2 Geschlechterverhältnis
3 Gothic Musik
3.1 Wer sind die Macher/innen der Musik?
3.2 Stilrichtungen
3.2.1 Industrial
3.2.2 Neue Deutsche Todeskunst
4 Identitätsbildung
4.1 Allgemeine Bedeutung von Musik in der Jugend
4.2 Emotionale Zugehörigkeit durch Identifikation mit düsteren Musiktexten
4.3 Inszenierung / Kleidung
5 Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Rahmen von Jugendarbeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gothic-Subkultur im Kontext der Identitätsbildung Jugendlicher und analysiert, welche Bedeutung Musik sowie die szenetypische Inszenierung für junge Menschen haben. Dabei wird kritisch hinterfragt, warum trotz wachsender Relevanz innerhalb der Jugendarbeit bislang kaum spezifische Angebote für diese Subkultur existieren und welche Ansätze für eine gendersensible Soziale Arbeit sich daraus ableiten lassen.
- Historische Entstehung und Entwicklung der Gothic-Szene
- Musikpsychologische Bedeutung und Stilrichtungen der Gothic-Musik
- Identitätskonstruktion durch Musik, Songtexte und Mode
- Geschlechtsspezifische Aspekte und Androgynität in der Szene
- Kritische Analyse der Sozialen Arbeit im Umgang mit Subkulturen
Auszug aus dem Buch
4.2 Emotionale Zugehörigkeit durch Identifikation mit düsteren Musiktexten
Im Zentrum des Gothic Stils steht, wie auch in vielen anderen Jugendkulturen, die Musik und die damit verbundene emotionale Zugehörigkeit durch Identifikation mit musikalischen Texten. Auffällig ist bei der Betrachtung des Gothic Musikstils, dass es den Begriff den „Einen“ Musikstil nicht gibt. Beispielsweise vermischen sich auf dem WGT (Wave-Gothic-Treffen) in Leipzig die verschiedensten Stilrichtungen miteinander, wie die im vorherigen Kapitel genannten, sodass sich auch die Bandbreite an Musik in den letzten 40 Jahren stark verändert hat. „Gothics filtern aus den verschiedensten Bereichen von Musik diejenige heraus, die ihr Lebensgefühl wiederspiegelt“. Die Spannbreite der Musik, die von Gothics gehört wird, reicht von gefühlsbetonter bis hin zu stark aggressiver Musik. Die Texte handeln von Liebe, Tod, Trauer, Einsamkeit, Schmerz, Verlassen-werden, Hinterfragen der Welt, Anprangern gesellschaftlicher Situationen, Erfahrungen und Erlebnissen, mit denen sich die RezipientInnen emotional identifizieren können.
Identifizieren können sich die RezipientInnen hierbei durch die Wahl der instrumentellen Vertonung durch ein Klavier, Schlagzeug und am Computer zusammengesetzte musikalische Elemente wie Gitarre und metallische Soundklänge. Der Text thematisiert offensichtlich das Verlassen werden und der Kampf um jemanden, den man nicht loslassen will. Ersichtlich wird dies durch, die Bitte des Sängers nicht zu gehen, sondern zu bleiben, was durch das Betteln engl. „begging“ nicht zu gehen noch unterstützt wird. Die Thematik des Textes wird klar, wenn man den letzten Auszug liest: Die Welt ist nur eine Illusion, die versucht dich zu ändern. Hierbei wird deutlich, welchen Stellenwert die Welt hat, wenn es darum geht Beziehungen zu hinterfragen. Hierbei kann man feststellen, dass mit der Welt andere Menschen gemeint sind, welche versuchen die Beziehung zweier Menschen auseinander zu bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Gothic-Szene als vielschichtige Subkultur und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung von Musik und Inszenierung für die Identitätsbildung Jugendlicher.
2 Die Gothic Szene: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Gothic-Szene seit 1979 nach und thematisiert Vorurteile, die Abgrenzung der Generationen sowie die Relevanz jährlicher Großevents.
3 Gothic Musik: Das Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Stilrichtungen und beleuchtet die Rolle der Musikproduzenten sowie die musikpsychologischen Aspekte von Genres wie Industrial und Neuer Deutscher Todeskunst.
4 Identitätsbildung: Hier liegt der Fokus auf der sozialpsychologischen Bedeutung von Musik im Jugendalter, wobei insbesondere die emotionale Identifikation mit Texten und die Inszenierung durch Kleidung analysiert werden.
5 Konsequenzen für die Soziale Arbeit im Rahmen von Jugendarbeit: Das Kapitel diskutiert das bisherige Fehlen spezifischer Angebote für Gothics in der Jugendarbeit und fordert eine wertfreie, gendersensible Herangehensweise.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Jugendliche in Subkulturen in ihrer Identitätsfindung durch eine zugewandte und fachlich informierte Soziale Arbeit zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Gothic, Jugendsubkultur, Identitätsbildung, Soziale Arbeit, Musikpsychologie, Industrial, Neue Deutsche Todeskunst, Jugendarbeit, Androgynität, Gender, Musik, Szene, Identifikation, Subkulturelles Kapital, Gothic-Szene
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gothic-Subkultur, ihrer musikalischen Vielfalt und der zentralen Bedeutung, die diese Szene für die Identitätsbildung Jugendlicher hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Entstehungsgeschichte der Gothic-Szene, verschiedene Musikstile, die Rolle der Kleidung und Inszenierung sowie die geschlechtsspezifische Identitätskonstruktion innerhalb der Subkultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, welche Funktion die Gothic-Szene für Jugendliche einnimmt und warum die Soziale Arbeit bisher kaum spezifische Angebote für diese Zielgruppe bereitstellt, obwohl ein Bedarf an Unterstützung und fachlichem Austausch besteht.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und Synthese existierender Fachliteratur, musikpsychologischer Ansätze sowie auf qualitative Erkenntnisse zur Identitätsbildung in jugendlichen Subkulturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung musikalischer Stilrichtungen (Industrial, Neue Deutsche Todeskunst), die Analyse der Identitätsbildung durch Musik und die kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gothic, Jugendsubkultur, Identitätsbildung, Soziale Arbeit, Musikpsychologie, Industrial, Neue Deutsche Todeskunst und gendersensible Jugendarbeit.
Wie unterscheidet sich die Gothic-Musik in Bezug auf ihre Wirkung auf den Hörer?
Die Arbeit stellt einen Kontrast zwischen aggressiven, ergotropen Klängen (z.B. Industrial) und beruhigenden, trophotropen Klängen (z.B. Neue Deutsche Todeskunst) heraus, die entsprechend unterschiedliche physiologische und emotionale Reaktionen hervorrufen.
Welche Empfehlungen gibt die Autorin für die Soziale Arbeit?
Es wird empfohlen, offenere Angebote in Jugendeinrichtungen zu schaffen, die über reine Partys hinausgehen, und einen diskursiven Raum zu bieten, in dem Jugendliche ihre Subkultur leben können, ohne dabei von professionellen Kräften stigmatisiert zu werden.
- Citation du texte
- Nadine van der Meulen (Auteur), 2014, Die Gothic Szene. Emotionale Zugehörigkeit und Identitätsbildung durch Musik und Konsequenzen für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334777