Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Hans Geislers Studien zur typologischen Entwicklung des Französischen. Der Autor untersucht, beginnend vom Indogermanischen über das Lateinische und Altfranzösische hin zum Neufranzösischen, sowohl synchron als auch diachron ausgewählte Themengebiete und er setzt so genannte „Parameter“, die miteinander korrelieren und einen Sprachwandel auslösen können.
Dazu beschreibt er das lateinische Kasussystem und anschließend dessen Informationsübertragung auf Präpositionen; weiterhin geht er auf Desemantisierungsprozesse am Beispiel der Adverbbildung ein. Es folgen Einwirkungen auf den Intonations- und Akzentbereich und Auswirkungen der Verbzweitstellung auf zuletzt genannte. Es zeigt sich dabei deutlich, dass die typologischen Veränderungen nicht individuell zu sehen sind, sondern als ein miteinander verflochtenes Netzwerk, dessen Fäden sich gegenseitig halten und die Entwicklungen vorantreiben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das lateinische Kasussystem
3 Funktionsübertragung der Kasus auf Präpositionen
3.1 Primär semantische Funktionen
3.2 Grammtische Funktionen
4 Desemantisierungsprozesse
4.1 Veränderungen im Adverbialbereich
4.2 Veränderungen im Intonations- und Akzentbereich
4.3 Die Verbzweitstellung und Veränderungen im Verbalbereich
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die typologische Entwicklung des Französischen ausgehend vom Indogermanischen über das Lateinische und Altfranzösische bis hin zum Neufranzösischen. Dabei wird untersucht, wie durch ein Ökonomieprinzip gesteuerte Prozesse, wie die Funktionsübertragung auf Präpositionen, Desemantisierung und eine Änderung der Determinationsrichtung, einen kontinuierlichen Sprachwandel auslösen.
- Analyse der sprachlichen Evolution unter kybernetischen Aspekten.
- Untersuchung der Funktionsübertragung vom Kasussystem auf Präpositionen.
- Erklärung von Desemantisierungsprozessen bei der Adverbbildung.
- Analyse der Auswirkungen von Intonation, Akzent und Verbzweitstellung.
- Diskussion des Ökonomieprinzips als treibende Kraft des Sprachwandels.
Auszug aus dem Buch
3.1 Primär semantische Funktionen
Aufgrund des Zusammenfalls von Lokativ, Separativ und Instrumentalis im Ablativ zu altlateinischer Zeit wurden schon früh Präzisierungen durch Präpositionen benötigt (vgl. 2.e)). Die Relation war im Kontext nicht mehr eindeutig, und so wurde die separative Funktion im Laufe des Lat. ganz auf Präpositionen verlagert. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um de, ex, ab, die in separativer Funktion verwendet wurden, aber bis zum VL so viele neue Funktionen übernommen hatten, „ […] dass sie im (lokal) separativen Bereich vielfach durch expressivere Präpositionen /z.B. extra) ersetzt oder mittels Adverbien verdeutlicht werden mussten (z.B. foris de). Dieser Trend verstärkte sich im Afrz. noch: Fui s’en sunt de Troie fors […]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die typologische Entwicklung des Französischen und Darstellung der kybernetischen Auffassung von Sprache sowie des Ökonomieprinzips.
2 Das lateinische Kasussystem: Untersuchung der grammatikalisierten Struktur der 5 lateinischen Kasus und deren beginnende Ablösung durch Präpositionen.
3 Funktionsübertragung der Kasus auf Präpositionen: Analyse der Verlagerung semantischer und grammatischer Funktionen von den Kasus auf die Präposition, insbesondere am Beispiel von "de".
4 Desemantisierungsprozesse: Darstellung, wie durch Funktionsumschichtungen aus autosemantischen Lexemen synsemantische Morpheme entstehen, mit Fokus auf Adverbien, Intonation und Verbstellung.
5 Resümee: Zusammenfassende Bilanz der typologischen Mechanismen und der durch das Ökonomieprinzip bedingten zyklischen Phasen von Analyse und Synthese.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Französisch, Typologie, Kasussystem, Präpositionen, Desemantisierung, Ökonomieprinzip, Grammatikalisierung, Indogermanisch, Syntax, Intonation, Verbzweitstellung, Determinationsrichtung, Morphologie, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Hans Geislers Studien zur typologischen Entwicklung der romanischen Sprachen, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung des Französischen vom Lateinischen bis zur Gegenwart liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet das lateinische Kasussystem, die Funktionsübertragung auf Präpositionen, Desemantisierungsprozesse bei der Adverbbildung sowie Entwicklungen in der Intonation und Verbstellung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, nicht nur die Fakten der typologischen Veränderungen zu erfassen, sondern die zugrunde liegenden Mechanismen und Ursachen, insbesondere das Ökonomieprinzip der Sprache, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine diachrone und synchrone Analyse, bei der ausgewählte "Parameter" gesetzt werden, die miteinander korrelieren und Sprachwandelprozesse erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das lateinische Kasussystem, der Übergang zu Präpositionen, die Rolle von "de", sowie die komplexen Veränderungen im Bereich der Syntax und Phonotaktik, wie die Verbzweitstellung, beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Sprachwandel, Typologie, Ökonomieprinzip, Grammatikalisierung, Funktionsübertragung und Desemantisierung.
Was versteht der Autor unter dem Ökonomieprinzip?
Es beschreibt die ständige ökonomische Ausbalancierung zwischen zwei entgegengesetzten Prinzipien: dem Bedürfnis nach Reduktion ("least effort") und dem Bedürfnis, verstanden zu werden.
Welche Rolle spielt die Präposition "de" im Französischen?
Sie hat sich von einer semantisch gehaltvollen Präposition zu einem allgemeinen grammatischen "Bindemittel" entwickelt, das Determinans und Determinatum verbindet.
- Citar trabajo
- Angelika Felser (Autor), 1995, Vom Lateinischen zum Französischen. Zu Hans Geislers „Studien zur typologischen Entwicklung Lateinisch-Altfranzösisch-Neufranzösisch“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334926