Lachen über Gott. Figurenanalyse der christlich-jüdischen Figur „Gottvater“ und deren Beitrag zum Komischen in Filmkomödien


Studienarbeit, 2013
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Gottesdarstellungen in der visuellen Kultur
2.2 Filmkomödie und bestimmte Arten der Komik

3 Figurenanalyse
3.1 Äußeres Erscheinungsbild der Figur „Gott“
3.2 Verhalten und Eigenschaften der Figur „Gott“
3.3 Das Komische im Film durch „Gottes“ Wirken

4 Ausblick

5 Quellenverzeichnis
5.1 Bibliographie
5.2 Filmographie
5.3 Abbildungen

6 Anhang

1 Einleitung

„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde“[1], mahnt das Alte Testament in den zehn Geboten . Über das sogenannte Bilderverbot des christlich-jüdischen Gottes gibt es zahlreiche Ansichten von Theologen, wie es verstanden werden kann und in welchem Maße man das Bild Gottes umsetzen und verstehen darf[2]. Doch neben aller Theorie belegen zahlreiche praktische Beispiele den Umgang des Menschen mit diesem Verbot und auch dessen Bruch: Michelangelo und viele andere Künstler, immer wieder versuchten und versuchen sie, den Gottvater[3] in einer bestimmten Gestalt darzustellen. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Kino diese Figur für sich entdeckte.

Im Folgenden soll untersucht werden, wie die Figur des christlich-jüdischen Gottes in Spielfilm-Komödien dargestellt wird. Zwei wesentliche Fragestellungen stehen dabei im Zentrum: Zum einen wird untersucht, wie Gott äußerlich und vom Verhalten her im Film auftritt, und zum anderen, wie die Figur zur Komik des Films beiträgt. Parallel dazu soll ein Vergleich der Filme untereinander zeigen, ob sich in den einzeln betrachteten Punkten gewisse Stereotypen erkennen lassen und ob es Abweichungen davon gibt.

Sieben Spielfilmkomödien wurden für diese Figurenanalyse ausgesucht. Die Filmauswahl erfolgte über die Suche in der International Movie Database (IMDb) mit den Suchkriterien „Rolle: Gott“[4] und dem Genre „Komödie“. Weiterhin wurden nur solche Filme ausgewählt, bei denen Gott als wirkliche Figur auftritt, also von einem Schauspieler und nicht beispielsweise nur als Off-Sprecher verkörpert wird. Alle Filme haben somit einen direkten Gottesbezug[5].

„[S]ome films preach the religious message of love and faith, more effective than do most preachers“[6]. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten befassen sich bereits mit der Darstellung Gottes im Film. Deren Autoren verfolgen zumeist allerdings einen stark theologischen Ansatz, indem sie beispielsweise nach der filmischen Darstellung von Religion oder der „Suche des Menschen nach dem Göttlichen“[7] fragen. Diese Arbeit grenzt sich hier von den bestehenden Werken ab, indem keine theologische, sondern eine filmische Analyse im Mittelpunkt steht.

Dafür werden im zweiten Kapitel erst einige theoretische Grundlagen über die Darstellung Gottes in der visuellen Kunst, sowie Definitionen zu verschiedenen Subgenres der Komödie gegeben. Im dritten Kapitel, dem Analyseteil der Arbeit, werden dann die ausgewählten Filme auf die äußerliche Erscheinung und das Verhalten der Figur des Gottvaters verglichen, sowie deren Wirken auf die Komik des Films beschrieben. Abrundend steht am Ende der Arbeit noch ein kleiner Ausblick.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Gottesdarstellungen in der visuellen Kultur

Es ist „ein urmenschliches Bedürfnis, sich Bilder eines nicht greifbaren, transzendenten Wesens zu machen“[8]. Und so bedienen sich visuelle Werke schon seit Jahrhunderten vieler verschiedener Gestaltungsmittel, um Gottvater zu thematisieren und darzustellen. Abstrakt oder als Symbol für das Göttliche steht beispielsweise ein helles Licht, in dessen Zentrum häufig noch zusätzlich das Auge der Dreifaltigkeit steht[9] (z.B. US-Amerikanische 1-Dollar-Note). Personifiziert begegnet uns Gott in seiner Menschengestalt als Jesus Christus[10] (Jesus liebt mich, D 2012), durch einen Engel als seinen Stellvertreter[11] (It’s a Wonderfull Life, USA 1946) oder metaphorisch über einen Gottgesandten[12] (Pale Rider, USA 1985).

Doch so vielfältig diese Gottesdarstellungen auch sind: Sucht man das direkte Abbild des christlich-jüdischen Gottvaters in der visuellen Kultur, so findet man nicht allzu viele Variationen. Laut der Bibel habe Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen[13] und somit wird dieser häufig in menschlicher Gestalt, als älterer Herr mit weißem Bart und in weißem Gewand, dargestellt[14]. Als zwei von zahlreichen Beispielen sei hier das „Trinitätsfresko“ (1428) von Masaccio in der Kirche Santa Maria Novella in Florenz oder das Deckenfresko „Die Erschaffung Adams“ (1512) von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan genannt. Dieses Bild scheint sich in der Vorstellung einiger Menschen besonders eingeprägt zu haben: They [die Studenten der Autoren] still don’t want to give up the image of the old man with a beard“[15]. Dieser Bildtyp kann also mindestens in der Malerei als Stereotyp oder als suspektes Klischee[16] bezeichnet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bildausschnitt „Die Erschaffung Adams“ (1512) von Michelangelo.

Wer mit dieser Erwartungshaltung jedoch einen Film mit direktem Gottesbezug ansieht, wird nicht zwingend auf jenes Muster stoßen. Denn das direkte Abbild Gottes erfreut sich im bewegten Bild einer größeren Vielfalt. In Always (USA 1989) verkörpert beispielsweise eine Frau, Audrey Hepburn, die göttliche Figur, während in der Zeichentrickserie South Park (USA, seit 1997) Gott als eine Art Fantasie-Mischwesen aus Pavian und Nilpferd erscheint. Wie es speziell im komischen Spielfilm aussieht, wird anhand der ausgewählten Filme im dritten Kapitel dieser Arbeit untersucht.

Doch vorerst soll nochmals kurz auf die Eigenschaften und das Verhalten Gottes eingegangen werden. Gott bekommt nicht nur menschenähnliche Züge, sondern auch bestimmte Verhaltens- und Charaktereigenschaften zugeschrieben. So ist oft von einem gütigen, liebenden, anmutigen, zärtlichen und fürsorglichen Gott die Rede[17]. Doch dieser Gott ist nicht nur zum belohnen da, sondern besitzt auch die Möglichkeiten, zu bestrafen. „Verdammnis oder Erlösung, Himmel oder Hölle. Er ist Gesetzgeber und Exekutive zugleich“[18]. Und um sein Urteil zu fällen, sei Gott mit einem allsehenden Auge ausgestattet, mit dem er auf das irdische Treiben und seine Gläubigen herabblicken kann[19]. Neben dem Allwissen wird Gott oft noch eine weitere Eigenschaft zugeschrieben: die Allmacht[20]. Dadurch besitzte er die Fähigkeit, „jedes Ereignis auch jenseits naturwissenschaftlicher Erklärbarkeit in Gang zu setzen oder zu beeinflussen“[21]. Das durch Allmacht und Allwissen entstehende Gottesbild wird allgemein als deus ex machina bezeichnet. Ein Gott, der „die Menschen an Seilen wie eine Marionette beliebig manipulieren“[22] kann.

2.2 Filmkomödie und bestimmte Arten der Komik

Ein auf bestimmte Art und Weise komischer Spielfilm wird als Filmkomödie bezeichnet. Im Erwartungshorizont dieses sehr breiten Genres stehen das Evozieren des Lachens, ein positives Ende der Filmhandlung sowie eine heitere oder auch satirisch-ironische Tonlage[23]. „So scheinbar problemlos die meisten Filme ins Genre der Komödie sich einordnen lassen, so schwierig bzw. unmöglich ist es, eine formelhafte, zeitlos gültige Definition dafür vorzulegen“[24]. So gibt es in der Wissenschaft der Soziologie und der Kunst eine Vielzahl von Definitionsversuchen zu den Begriffen der Komik, des Humors und warum wir über bestimmte Dinge lachen können oder sollten. Kein Wunder also, dass die Komödie sich in zahlreiche Subgenres untergliedern lässt. Diejenigen davon, die für die Analyse der Figur Gott in den ausgewählten Filmen wichtig sind, sollen kurz erläutert werden.

- Slapstick ist ein körperbetonter Humor. Die Komik dabei entsteht, wenn uns Personen durch eine gewisse Steifheit an Gegenstände erinnern oder deshalb nicht wie gewohnt, flexibel auf gewisse Umstände reagieren können. Man lacht über die Unbeweglichkeit sowie über den Widerstand des Objektes[25].
- Satire beinhaltet meistens Spott und Kritik an Personen oder Ereignissen. Thematisierte Umstände werden durch Übertreibung oder Ironie der Lächerlichkeit preisgegeben oder angeprangert[26].
- Absurd und grotesk sind Begriffe, die verwendet werden, um ungewöhnliche oder auch lächerliche Erscheinungen zu beschreiben, als Ausdruck von Überraschung, Unbehagen und auch von Komik“[27].

3 Figurenanalyse

Für die Analyse der Figur des Gottvaters in der Komödie wurden sieben Filme ausgewählt:

- Le Diable et les Dix Commandements (F/I 1962). Darsteller „Dieu”: Fernandel.
- Texas: Doc Snyder hält die Welt in Atem (D 1993). Darsteller „Der liebe Gott“: Charly Weiß.
- Dogma (USA 1999). Darsteller „God“: Alanis Morissette.
- Bruce Almighty (USA 2003). Darsteller „God“: Morgan Freeman.
- Evan Almighty (USA 2007). Darsteller „God“: Morgan Freeman.
- 3faltig (Ö/D 2010). Darsteller „Papa“: Michael Schweighöfer.
- A Little Bit of Heaven (USA 2011). Darsteller „God“: Whoopi Goldberg.

Für die Figurenanalyse werden die einzelnen Filme nicht inhaltlich und dramaturgisch beschrieben. Dafür würde der vorgegebene Umfang dieser Arbeit nicht ausreichen. Auch eine detaillierte Beschreibung jeder einzelnen Gottesfigur bleibt aus. Vielmehr werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Darstellung und Verhalten, sowie der Beitrag der Figur zum Komischen aufgezeigt und begründet. Dazu dienen die theoretischen Grundlagen sowie im allgemeinen Kontext verständliche Filmbeispiele, also ohne dass der Leser dieser Arbeit jeden Film gesehen haben muss.

3.1 Äußeres Erscheinungsbild der Figur „Gott“

Er haust in einem Wohnwagen, spielt gerne Minigolf oder wischt gerade mal eben das Treppenhaus; Dinge, die man beim bloßen Lesen wahrscheinlich nicht in erster Linie mit Gott verbinden würde oder gar blasphemisch fände. Doch wenn wir diese Dinge sehen und sie gemeinsam mit der Figur des Gottvaters innerhalb eines filmischen Rahmens präsentiert bekommen, so ergeben sich plötzlich neue und kreative Möglichkeiten, diesen personifiziert darzustellen. Wie so oft beim Film spielt hier allerdings der sogenannte „viewing contract“ eine wichtige Rolle. Für die nachfolgende Figurenanalyse wird von der Glaubwürdigkeit und „Echtheit“ des Film-Gottes ausgegangen. Wie der einzelne Zuschauer darüber jedoch urteilen mag, bleibt dahingestellt.

[...]


[1] Bibel, Exodus 20,4.

[2] Z.B. Ostermann, Gotteserzählungen, S. 198-206.

[3] Die Verwendung der Rollenbezeichnungen „Gott“ und „Gottvater“ können für diese Arbeit als synonym betrachtet werden.

[4] http://www.imdb.de/character/ch0026790/?ref=fnchch4, Abruf am 19.01.2013.

[5] Vgl. Platow, „Du sollst dir [k]ein Bildnis machen“ – oder wie Menschen sich Gott vorstellen, S. 74f.

[6] Bergessen & Greeley, GOD in the Movies, S. 176.

[7] Ostermann, Gotteserzählungen, Klappentext.

[8] Platow, „Du sollst dir [k]ein Bildnis machen“ – oder wie Menschen sich Gott vorstellen, S. 77.

[9] Vgl. Dale, http://plato.stanford.edu/entries/trinity, Abruf am 19.01.2013.

[10] Vgl. Bibel, Kollosser 1,15.

[11] Vgl. Krützen, Väter, Engel, Kannibalen, S. 225.

[12] Vgl. Bergessen & Greeley, GOD in the Movies, S. 71-78.

[13] Vgl. Bibel, Genesis 1,27.

[14] Vgl. Trutwin, Neues Forum Religion, S. 106.

[15] Bergessen & Greeley, GOD in the Movies, S. 33.

[16] Vgl. Trutwin, Neues Forum Religion, S. 106.

[17] Vgl. Bergessen & Greeley, GOD in the Movies, S. 20-25.

[18] Dworschak, Die Erfinder Gottes, S. 120.

[19] Vgl. ebd., S. 117.

[20] Vgl. Schramm, Der unterhaltsame Gott, S. 124.

[21] http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/59273, Abruf am 19.01.2013.

[22] Platow, „Du sollst dir [k]ein Bildnis machen“ – oder wie Menschen sich Gott vorstellen, S. 142.

[23] Vgl. Glasenapp, Die Filmkomödie der Gegenwart, S. 9.

[24] Heller & Steinle, Filmgenres, S. 20.

[25] Vgl. Krützen, Film- und Fernsehgeschichte I (1895 – 1927) WS 2011/12, Sitzung 21.

[26] Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Satire, Abruf am 28.01.2013.

[27] Schlüter, Das Groteske in einer absurden Welt, S.16.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Lachen über Gott. Figurenanalyse der christlich-jüdischen Figur „Gottvater“ und deren Beitrag zum Komischen in Filmkomödien
Hochschule
Hochschule für Fernsehen und Film München  (Abteilung I: Medienwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V334940
ISBN (eBook)
9783668247468
ISBN (Buch)
9783668247475
Dateigröße
1679 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottvater, Gott im Film, Komödie, das Komische, Figurenanalyse
Arbeit zitieren
Michael Kalb (Autor), 2013, Lachen über Gott. Figurenanalyse der christlich-jüdischen Figur „Gottvater“ und deren Beitrag zum Komischen in Filmkomödien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334940

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