Das jugoslawische Königreich ändert nach 1945 seine Politik, wendet sich von den nationalistischen Tendenzen ab und begeistert sich für den Kommunismus. Durch die marxistische Ideologie ziehen die Südslawen nun die Bruderschaft den ethnischen Unterschieden und die Ideologie den Religionen vor und streben mit Diktator Tito kommunistische Ziele an. Wie kam es 1991 zum progressiven Zerfall Jugoslawiens? Handelte es sich dabei um das Ende der kommunistischen Ideologie oder um das Ergebnis des nationalistischen Aufschwungs?
Die bisherige Forschung beschränkt sich entweder auf die Analyse der ethnischen Spannungen, und die daraus resultierenden Unabhängigkeitskriege der Republiken Ex-Jugoslawiens oder auf die Nachteile des kommunistischen Systems als zwei mögliche Ursachen des Zerfall Jugoslawiens. Da Kroatien das einzige Land ist das im kommunistischen Regime eine Führungsrolle innehatte, sich durch einen Krieg von Belgrad trennen musste um schließlich vollkommene Unabhängigkeit zu erlangen, soll es Hauptuntersuchungsjobjet bei der folgenden Analyse sein. Der Zeitraum der Betrachtung erstreckt sich von 1974, Jahr der Verfassungsänderung durch Tito und die Ursache dafür, das man als Wendepunkt in der jugoslawischen Geschichte bezeichnen kann, bis 1992, das Jahr in dem Kroatien international anerkannt wurde.
Einige Rückblenden werden jedoch den Kontext näher erläutern und Ursachen für Ereignisse aus einem anderen Winkel zu betrachten. Die genannten Gründe, die zum Zerfall Jugoslawiens eigetragen haben, werden in derselben Analyse untersucht um herauszufinden ob einer der Gründe ausschlaggebend für den Austritt Kroatiens war. Weitere Gründe, wie Jugoslawiens Finanzkrise, Titos Tod oder das Verhalten der serbischen Republik werden hierbei näher untersucht. Das politische System Jugoslawiens in seiner föderativen Struktur, die nationalistischen Bewegungen und deren Einfluss auf die Gesellschaft sollen ebenfalls aus näherer Sichtweise untersucht werden. Dadurch soll versucht werden mögliche Hauptursachen des Zerfalls des Vielvölkerstaats zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1 Jugoslawien – ein System zwischen Zentralismus und Föderalismus
1.1 Ausprägung dieses Widerspruchs
1.2 Die Rolle Titos in Jugoslawien bis 1980
2 Das Beispiel Kroatien
2.1 Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von Belgrad
2.2 Die Ursachen und Auswirkungen der jugoslawischen Verfassungsänderung von 1974 bis 1987
2.3 Der Tod Titos und Beginn der Finanzkrise
3 Von der serbischen zur jugoslawischen Politikkrise
3.1 Die Aufruhr im Kosovo und das Ende der Tabuisierung der Nationalfrage
3.2 Die Reformwünsche von Milosevic
3.3 Der Ausbruch des jugoslawischen Bürgerkrieges
4 Das Beispiel Kroatien (2)
4.1 Die Reaktion Kroatiens auf den Ausbruch des Krieges, verursacht durch die serbische Republik
4.2 Der Streit um die Jugoslawische Föderale Armee und ihre Position zur Unabhängigkeit Kroatiens
4.3 Die Frage der ethnischen Minderheiten im Krieg zwischen Kroatien und Serbien
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Zerfall Jugoslawiens als Scheitern der kommunistischen Ideologie oder als Resultat eines erstarkenden Nationalismus zu werten ist, wobei die Entwicklung am Beispiel Kroatiens analysiert wird.
- Die Widersprüche zwischen dem propagierten Föderalismus und dem realen zentralistischen System in Belgrad.
- Die Rolle der Person Tito als Integrationsfigur und die daraus resultierende Instabilität nach seinem Tod.
- Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Teilrepubliken und die Rolle der Finanzkrise ab 1980.
- Die politische Instrumentalisierung nationaler Spannungen durch Akteure wie Milosevic.
- Die Transformation der jugoslawischen Volksarmee in eine von serbischen Interessen dominierte Kraft.
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausprägung dieses Widerspruchs
Dieses zentral gesteuerte Regime ähnelte sehr dem sowjetischen Modell, das Moskau als politisches Zentrum etablierte. Obwohl Jugoslawien de jure ein föderales Land mit Teilrepubliken war, wurden diese de facto von Belgrad gesteuert; so auch die föderative Armee Jugoslawiens „JNA“, die während der Unabhängigkeitskriege eine Schlüsselrolle spielen sollte. Die Außenpolitik wurde allein von Belgrad geleitet, ohne dass die Republiken bei den Entscheidungen direkt mitwirken konnten. Die gesetzgebende, die ausführende und die gerichtliche Gewalt waren dementsprechend auch zentralisiert. So konnten alle rechtlichen Maßnahmen der Republiken rückgängig gemacht werden, wenn sie der jugoslawischen Verfassung nicht entsprachen.
Das Wirtschaftssystem beruhte einzig und allein auf Verstaatlichung der gesamten Wirtschaft und die Kapitalakkumulation wurde von den Republiken an die Bundesregierung weitergegeben. Jugoslawien wand sich seit 1948, nach Abbruch der Beziehungen mit Stalin, der sozialistischen Marktwirtschaft zu.
Marchal Tito war auch klar, dass der Vielvölkerstaat Jugoslawien wegen seiner erheblichen ethnischen Unterschiede und den Forderungen nach Selbstständigkeit nur in einem föderalen System bestehen konnte. Letztendlich könnte er dadurch erst für Interessenkonflikte gesorgt haben. Man könnte sagen, dass durch das föderale System Konkurrenz zwischen den Republiken entstand, was aber dem Ziel der kommunistischen Partei, ein brüderliches Jugoslawien aufzubauen, zuwider lief.
Es handelte sich um ein Einparteiensystem, in dem die KPJ ihren Sitz in Belgrad hatte; in jeder Republik gab es eine eigene Kommunistische Partei. Die Organisation zwischen den Parteien war pyramidal aufgebaut, so folgten die kleinen Parteien der Hauptpartei und somit ihrem Staatsoberhaupt Tito.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Jugoslawien – ein System zwischen Zentralismus und Föderalismus: Dieses Kapitel erläutert die inhärenten Widersprüche zwischen dem formalen föderalen Staatsaufbau und der tatsächlichen zentralistischen Machtkonzentration in Belgrad unter der Führung Titos.
2 Das Beispiel Kroatien: Hier werden die wirtschaftliche Benachteiligung Kroatiens und die Auswirkungen der Verfassungsreformen von 1974 auf die politische Instabilität sowie der Beginn der Finanzkrise nach Titos Tod analysiert.
3 Von der serbischen zur jugoslawischen Politikkrise: Dieses Kapitel beschreibt, wie die Unruhen im Kosovo und die politische Agenda von Slobodan Milosevic den Weg in den Bürgerkrieg bereiteten.
4 Das Beispiel Kroatien (2): Der abschließende Teil untersucht die Reaktion Kroatiens, die Rolle der Armee im Konflikt sowie das Problem der ethnischen Minderheiten in den nun gegensätzlich agierenden Teilrepubliken.
Schlüsselwörter
Jugoslawien, Kroatien, Zerfall, Nationalismus, Kommunismus, Tito, Föderalismus, Zentralismus, Milosevic, Unabhängigkeit, Verfassung 1974, Finanzkrise, Bürgerkrieg, JNA, ethnische Minderheiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den Zerfall Jugoslawiens im Zeitraum von 1974 bis 1992 unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Kroatiens.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Thematisiert werden das Spannungsfeld zwischen Föderalismus und Zentralismus, die Auswirkungen der kommunistischen Ideologie sowie die Eskalation nationalistischer Bestrebungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Zusammenbruch des Staates primär als Scheitern der kommunistischen Ideologie oder als Folge eines wachsenden Nationalismus in den Republiken anzusehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Fallstudienanalyse, die auf historischer Literatur und Dokumentenanalyse basiert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Systemanalyse, die Darstellung der wirtschaftlichen Krisen, die Rolle serbischer Machtpolitik und die spezifische Entwicklung Kroatiens auf dem Weg zur Unabhängigkeit.
Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit?
Kernbegriffe sind Jugoslawien, Nationalismus, Föderalismus, Kommunismus und der politische Wandel zwischen 1974 und 1992.
Wie beeinflusste der Tod Titos die Stabilität des Landes?
Sein Tod hinterließ ein Machtvakuum, das in einem rotierenden Präsidentschaftssystem mündete, welches die internen nationalen Spannungen eher verschärfte als neutralisierte.
Welche Rolle spielte die jugoslawische Volksarmee (JNA) im Konflikt?
Die JNA agierte zunehmend als Instrument der serbischen Politik und verlor ihre Funktion als integrative Kraft des jugoslawischen Gesamtstaates.
- Citar trabajo
- Anton Dauti (Autor), 2012, Der Zerfall Jugoslawiens 1974- 1992. Ende der kommunistischen Ideologie oder Ergebnis des nationalistischen Aufschwungs?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335072