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Menschenwürde im Menschenpark - Einwände zur Sloterdijk-Debatte

Title: Menschenwürde im Menschenpark - Einwände zur Sloterdijk-Debatte

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 37 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Pascal Grübl (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

„An/thro/po/tech/nik; die; - : Gebiet der Arbeitswissenschaft, auf dem man sich mit dem Problem befasst, Arbeitsvorgänge, - mittel u. – plätze den Eigenarten des menschlichen Organismus anzupassen.“ Der Duden war gerade mal neun Jahre alt und niemand dachte an eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, als Peter Sloterdijk im Juli 1999 mit der Forderung nach einem Kodex für Anthropotechniken für Furore sorgte. Es ging um das genaue Gegenteil. Die gentechnologische Anpassung des Menschen an seine Umwelt. Die gewendete Bedeutung des Wortes ist nur Ausdruck einer Bewegung der
fundamentalen Umkodierung von Menschenbildern, von Individualität und
Körperlichkeit. Die Humangenetik liefert die nötigen Stichwörter.
Ist von der Sloterdijk-Debatte die Rede, liest man oft, dass eigentlich zwei Themen verhandelt wurden, die vo neinander getrennt werden müssten – Genmanipulationen am Menschen einerseits und das Selbstverständnis einer Gesellschaft andererseits. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Stellungnahmen zur Gentechnologie und kommt dennoch zu einem anderen Ergebnis. Den Hauptteil bilden einzelne Textanalysen, in denen gezeigt wird, wie eng die beiden Themen miteinander verknüpft werden und es von ihrer Konzeption her auch sind. Daneben wird auf aufgeworfene Fragen, sofern sie für
Gentechnologiedebatten im Allgemeinen von Bedeutung sind, eingegangen. Für eine empirische Aussage über Tendenz und Wirkungsmacht des Diskurses zu Gentechnologie ist der Umfang der untersuchten Beiträge zu gering, weshalb ich mich mit Stellungnahmen zurückhalte. Die untersuchten Texte entstammen der Wochenzeitung
Die Zeit, in dem ein wesentlicher Teil der Sloterdijk-Debatte ausgetragen und der Stein des Anstoßes, Sloterdijks Regeln für den Menschenpark, veröffentlicht wurde. Damit lassen sich Aussagen zur Rolle der Zeit im gesellschaftlichen Diskurs treffen. Nach den
Betrachtungen der Artikel um Sloterdijks Rede folgt ein Ausblick in die Anfänge der Debatte um Gentechnologie, die bis heute andauert. Ausgangspunkt hier war ein im Januar 2001 im Tagesspiegel veröffentlichter Artikel von Julian Nida-Rümelin, der als
„Fremdbeitrag“ in die Betrachtung aufgenommen wird. Mit der abschließenden Analyse der Positionen Robert Spaemanns ist die Sloterdijk-Debatte um den theologischen Standpunkt ergänzt, ein Eindruck ihrer unmittelbaren Relevanz für und ein Einstieg in
den aktuellen Diskurs gewonnen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Regeln für den Menschenpark (Peter Sloterdijk)

2.1 Eine transzendente Seinswahrheit

2.2 Soziale Evolution

2.3 Bioethik und Eugenetik

2.4 Codex für Anthropotechniken

2.5 Subjektive Seite der Selektion

3. Die Sloterdijk-Debatte

3.1 Das Zarathustra-Projekt (Thomas Assheuer)

3.2 Die kritische Theorie ist tot (Peter Sloterdijk)

3.3 Zwischenspiel

3.4 Die falsche Angst Gott zu spielen (Ronald Dworkin)

3.5 Die Guten ins Töpfchen (Jörg Albrecht)

3.6 Es gibt keine Gene für die Moral (Ernst Tugendhat)

3.7 Retrospektive

4. Konkretisierung der Debatte

4.1 Wo die Menschenwürde beginnt (Julian Nida-Rümelin)

4.2 Gezeugt, nicht gemacht (Robert Spaemann)

5. Schlussgedanken

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Stellungnahmen zur Gentechnologie innerhalb der sogenannten Sloterdijk-Debatte. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie eng die Themenkomplexe der Genmanipulation am Menschen und das Selbstverständnis der Gesellschaft miteinander verknüpft sind und inwiefern diese Debatte geeignet ist, eine Akzeptanz gegenüber eugenischen Denkweisen zu fördern.

  • Analyse der philosophischen und bioethischen Positionen zur Gentechnologie
  • Untersuchung von Legitimationsstrategien für eugenische Selektion
  • Kritische Reflexion des Begriffs der Menschenwürde im Kontext technischer Möglichkeiten
  • Aufzeigen der ideologischen Spannungsfelder zwischen technischem Fortschritt und moralischer Verantwortung

Auszug aus dem Buch

2.4 Codex für Anthropotechniken (zu Zweitens)

Sloterdijk bietet sich nun an, das Rechtfertigungsdilemma zu lösen, indem er die fortschreitende Annäherung der Bioethik an verwandte Geisteswissenschaften auf seine spiritistische Reinterpretation der Philosophiegeschichte zu lenken versucht. Er kehrt die in der Latenz versunkenen eugenischen Traditionslinien der Bioethik wieder hervor und versieht sie – in nazistischer Manier - mit seinem Seinsmythos.

Eugenische Selektion erscheint bei ihm als etwas Natürliches, Unausweichliches, das es schon immer gegeben hat und immer geben wird. Er schreibt die Geschichte der Menschheit kurzerhand in eine von Zähmung und Zucht um. Der Humanismus könne, erklärt Sloterdijk, zwar nur „zähmend-abrichtend-erzieherische[] Mittel[]“ thematisieren, habe sich aber dennoch einer „Zuchtwahl in Richtung auf haustierliche Umgänglichkeit [unterworfen]. Tatsächlich, es wäre nicht harmlos, wenn Menschen Menschen in Richtung auf Harmlosigkeit züchteten.“ Diese Fehlentwicklung will gewendet sein. Sobald auch noch die Gentechnik das Zuchtwerkzeug bereitlegt, „wird es darauf ankommen, das Spiel aktiv aufzugreifen und einen Codex der Anthropotechniken zu formulieren.“

Mit einem solchen Kodex solle festgeschrieben werden, dass „mit wachsender Explizitheit [...] der Mensch für den Menschen die höhere Gewalt darstellt.“ In Platos Dialog vom Politiker entdeckt Sloterdijk „die Präambeln einer politischen Anthropotechnik“ um dann daraus vorzutragen: „Menschenführer [...] müssen also über die Endogamie wachen und Bastardisierungen zu verhindern suchen. [...] das schwierigste Stück der Menschenhüte-Kunst [ist] die züchterische Steuerung der Reproduktion. [...] die relativen Optima der Menschenartung [sind] die kriegerische Tapferkeit einerseits, die philosophisch-humane Besonnenheit andererseits.“ Aber aufgepasst, denn beide „Tugenden [können] spezifische Entartungen hervorbringen [...] mitsamt ihren verheerenden Folgen für die Vaterländer“. Das Rassenpolitische Amt der NSDAP hat es auch nicht anders formuliert. Festzustellen bleibt, dass Sloterdijks Kodex eine „explizite[] Merkmalsplanung“ einschließt, zumindest eine Richtung vorgibt, in der diese geschehen soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Sloterdijk-Debatte ein und formuliert das Ziel der Arbeit, die Verknüpfung von Genmanipulation und gesellschaftlichem Selbstverständnis mittels Textanalysen kritisch zu untersuchen.

2. Regeln für den Menschenpark (Peter Sloterdijk): Dieses Kapitel analysiert Sloterdijks Kritik am Humanismus und seine Forderung nach einem Kodex für Anthropotechniken, wobei die eugenischen Selektionsphantasien im Zentrum stehen.

3. Die Sloterdijk-Debatte: Hier werden die verschiedenen Reaktionen auf Sloterdijks Rede in der Wochenzeitung Die Zeit detailliert besprochen, inklusive der Positionen von Assheuer, Habermas, Dworkin, Albrecht und Tugendhat.

4. Konkretisierung der Debatte: Dieser Abschnitt beleuchtet den Verlauf der Debatte nach dem Jahr 2000 und analysiert die Beiträge von Nida-Rümelin und Spaemann hinsichtlich ihrer jeweiligen Deutung der Menschenwürde.

5. Schlussgedanken: Das Kapitel fasst zusammen, dass die Debatte trotz unterschiedlicher Positionen insgesamt dazu beitragen könnte, eine Akzeptanz gegenüber Genmanipulation und eugenischen Praktiken zu fördern.

Schlüsselwörter

Gentechnologie, Eugenik, Sloterdijk-Debatte, Menschenwürde, Anthropotechniken, Selektion, Bioethik, Humangenetik, Biopolitik, Naturwüchsigkeit, Genmanipulation, gesellschaftlicher Diskurs, Ethik, Züchtung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die öffentliche Debatte um Gentechnologie und Eugenik, die durch Peter Sloterdijks Rede „Regeln für den Menschenpark“ ausgelöst wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen das Verhältnis von Genetik und Ethik, die historische Belastung eugenischer Konzepte, der Schutz der Menschenwürde sowie die Verschiebung moralischer Wertmaßstäbe durch technische Entwicklungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Genmanipulation und gesellschaftliches Selbstverständnis verknüpft werden und ob die untersuchte Debatte zur Legitimierung oder Normalisierung eugenischer Denkweisen beitragen könnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden methodisch einzelne Textanalysen von Beiträgen aus der Wochenzeitung Die Zeit und weiteren Primärquellen durchgeführt, um die Argumentationsmuster der Autoren freizulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der Sloterdijk-Rede selbst sowie die Analyse nachfolgender Stellungnahmen von Philosophen, Ethikern und Theologen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Gentechnologie, Eugenik, Menschenwürde, Anthropotechniken, Selektion und Biopolitik.

Wie bewertet der Autor Sloterdijks Vorschlag eines „Codex für Anthropotechniken“?

Der Autor ordnet Sloterdijks Forderung als eine gefährliche Naturalisierung sozialer Ungleichheit ein, die sich ideologisch in eine eugenische Traditionslinie stellt und den Menschen als technisch manipulierbares Material betrachtet.

Was kritisieren die analysierten Autoren an der „Bioethik“?

Die Arbeit zeigt auf, dass viele der analysierten Bioethiker dazu neigen, ethische Bedenken durch technische Sachzwänge zu relativieren und den Schutzbereich der Menschenwürde zugunsten einer effizienteren Nutzung von Humangenetik aufzuweichen.

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Details

Title
Menschenwürde im Menschenpark - Einwände zur Sloterdijk-Debatte
College
University of Hamburg
Grade
1,5
Author
Pascal Grübl (Author)
Publication Year
2002
Pages
37
Catalog Number
V33511
ISBN (eBook)
9783638339612
Language
German
Tags
Menschenwürde Menschenpark Einwände Sloterdijk-Debatte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Pascal Grübl (Author), 2002, Menschenwürde im Menschenpark - Einwände zur Sloterdijk-Debatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33511
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